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Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 10:24 Uhr |
Ein Jahr nach der Fussballweltmeisterschaft in Südafrika
Irgendwie feiert Südafrika immernoch seine gelungene Fußball-Weltmeisterschaft. Sie ist genau ein Jahr her und die Medien sind gefüllt mit Rückbetrachtungen und Vergleichen. Aber am schönsten ist es doch aber, diese wunderbaren fröhlichen und bunten Bilder noch einmal zu sehen.
Es war einfach die längste, größte und schönste Party, die Südafrika jemals erlebte. Niemand kann dem afrikanischen Kontinent den Stolz über die erfolgreiche Ausrichtung nehmen. Denn es war eben nicht nur eine südafrikanische WM. Nachdem der Gastgeber in der Vorrunde ausgeschieden war, ging die Unterstützung nahtlos auf die „schwarzen Sternen“ aus Ghana über. Als ein Spieler Uruguays in der 122. Minute des Viertelfinales per Hand auf der Torlinie den verdienten Siegtreffer Ghanas verhinderte, weinten alle Südafrikaner und alle Afrikaner mit dem Team, jenseits aller Unterschiede ihrer Hautfarbe, Religion oder politischer Überzeugung.
Und wo stehen wir heute? Nun, die südafrikanische Nationalmannschaft ist in der FIFA Rangliste deutlich nach oben geklettert, hat sich so gut wie für die Afrika-Meisterschaften qualifiziert. Spiele der ersten Liga finden vor deutlich mehr Zuschauern statt, insbesondere wenn sie in einem der schönen WM Stadien ausgetragen werden. So organisiert die Premier Soccer League (PSL) in Kapstadt beispielsweise sogenannte „Double Header“, sprich gleich 2 Spiele an einem Freitagabend und diese sind ein großer Erfolg.
Fantastische Konzerte wurden in den Stadien gezeigt, die Fan Parks wurden wieder geöffnet, mehr als 100.000 Menschen pilgern durch die Waterfront und nutzen das eingespielte „WM Verkehrssystem“. Ein weiteres Ergebnis ist, daß Kapstadt und Johannesburg endlich über ein funktionierendes Bussystem verfügen.
Im Soccer City Stadion in dem das Eröffnungsspiel und das Finale ausgetragen wurden, finden regelmäßig Spitzenspiele sowohl im Fußball als auch im Rugby statt. Einige Stadien werden wohl leider zu „weißen Elefanten“ verkommen und wenn die Unterstützung der Menschen dort nicht wächst, wird es wohl billiger sein, die Bauten wieder abzureißen als sie zu unterhalten.
Die Regierung investiert weiterhin massiv in die Infrastruktur des Landes, insbesondere in den Bereichen Energie, Bahn und Straßen. Es gibt immernoch viel zu tun, auch wenn Südafrika bereits über die beste Infrastruktur auf dem afrikanischen Kontinent verfügt. Die neuen Flughäfen werden voll ausgenutzt und mache das Reisen zwischen den Großstädten zu einem Vergnügen. In Johannesburg erfolgt ein reibungsloser Anschluss über den Hochgeschwindigkeitszug Gautrain nach Sandton und Pretoria. Ein weitere Schnellzug zwischen Johannesburg und Durban ist in der Planung und soll den dichten Verkehr von der Straße auf die Schiene nehmen.
Das Tourismusministerium vermeldet einen soliden Anstieg der Besucherzahlen von 20% in 2010 im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch sind nicht alle Hotels und Gästehäuser stets ausgebucht. Aber ist diese Erwartung realistisch? Die Übernachtungskapazitäten wurden vor der WM stark ausgebaut, insofern verteilen sich die Touristen viel mehr. Südafrika hat zahlreiche Attraktionen und den Besuchern viel zu bieten.
Nach der WM kamen jede Menge B&Bs und Gästehäuser zum Verkauf auf den Markt. Aber komischerweise verkaufen sie sich nicht sofort, da oft 50-100% Aufschlag zum eigenen Kaufpreis verlangt werden. Die Tourismusindustrie bietet unverändert die Möglichkeit, ein gutes Einkommen zu erzielen. Aber es ist harte Arbeit.
Die größte Herausforderung seit der WM liegt jedoch in der Politik. Staatspräsident Zuma scheint wenig Kontrolle über die links-radikale Jugend und die Gewerkschaften zu bekommen und kann die Erwartungen seiner Wähler kaum erfüllen. Die Leistungen der Verwaltungen insbesondere auf kommunaler Ebene lassen viel zu wünschen übrigen und leider betrifft das nicht unbedingt die wohlhabenden Gebiete sondern die, in denen die Ärmsten der Armen wohnen. Die jüngsten Kommunalwahlen haben gezeigt, dass der ANC nicht mehr unbegrenzt an sein eigenes Wohl denken kann und dabei die Bedürfnisse seiner eigenen Wähler ignoriert.
Langsam aber sicher stimmen auch die schwarzen Wähler nicht mehr automatisch für den ANC. Die Weltmeisterschaft hat eine Reihe neuer Möglichkeiten für Südafrika geschaffen. Das alte Image von Gewalt und Unsicherheit ist gewichen, die Welt hat gesehen, welche Leistungen die Menschen am Kap erbringen können. Südafrika ist nun Teil der BRICS-Länder, hat einen Sitz im UN Sicherheitsrat, Ausländer investieren massiv im Land, die Wirtschaft und der Wechselkurs sind stabil. Jegliches Störfeuer würden nicht mehr unbedingt von außen das Land beeinflussen. Südafrika muss seine eigene Politik in den Griff bekommen.
Autor: Dirk Meissner -
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Wir danken IBN für die Erlaubnis der Veröffentlichung
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