Kapstadt in Südafrika

banner-kapstadt-geschaeftsviertel
Home Business Wirtschaft & Politik Südafrika zum Jahreswechsel – Rückblick auf 2009
Montag, den 21. Dezember 2009 um 07:17 Uhr

Südafrika zum Jahreswechsel – Rückblick auf 2009

Das Jahr 2009 geht zu Ende, Zeit zurückzublicken auf eines der unberechenbarsten Jahre im vergangenen Jahrzehnt. Das vergangene Jahr hat bei vielen Unternehmen wie Privaten einen bitteren Beigeschmack hinterlassen und nur wer richtig aufgestellt war, hat die Unwägbarkeiten gut umschiffen können. Ausgelöst durch die Finanzkrise im Vorjahr und trotz stabilen Bankensystems zogen die Defizite und Auftragsrückgänge bei den südafrikanischen Handelspartnern in Europa und USA die lokalen Unternehmen ungewollt und unvorhersehbar mit in den Abgrund. Trotz moderaten Stellenabbaus und in Vereitlung der Wahlversprechen Zumas 500 000 neue Arbeitsplätze bis Januar schaffen zu wollen, ging Südafrika in die erste Rezession seit 17 Jahren.

Nur wenige Unternehmen können sich noch an den Beginn der 90er erinnern und jede Rezession hat seine Eigenheiten. Südafrika musste reagieren und eine besonnene Fiskalpolitik sorgte für deutlich moderatere Zinsen, indem sie langsam und im Einklang mit der Inflationsrate um insgesamt 500 Basispunkte (5%) gesenkt wurde. Der Ruf der Gewerkschaften nach weiteren Zinssenkungen wurde gehört, aber auch unter der neuen Zentralbank Gouverneurin Gill Marcus nur mit Besonnenheit in Erwägung gezogen.Vielleicht nicht zuletzt deswegen befindet sich die Inflationsrate endlich wieder im Zielkorridor zwischen 3% und 6%.

Südafrika Wahlen in 2009

wahlen-2009Es waren Wahlen in diesem Jahr, ein Wahlkampf nicht zwischen mehr Parteien – wie mit Geburt und Zulassung der neuen Partei COPE erhofft – sondern für und gegen einen der kontroversesten Präsidentschaftskandidaten, den die demokratische Welt zuvor gesehen hat. Jacob Zuma besetzte die Schlagzeilen wie kein Anderer, na ja vielleicht dicht gefolgt vom Rampenlicht-Junky und Führer der ANC Jugendliga, Julius Malema. Laufende Korruptionsverfahren fanden ein jähes, die Hausmeister-Präsidentschaft von Kgalema Motlanthe ein absehbares Ende.

Der ANC gewinnt, COPE ist bedeutungslos, der ANC aber Zwei-Drittel-Mehrheitslos und im Südwesten des Landes manifestiert sich der weitere Aufstieg von Südafrikas Jean D’Arc, Helen Zille, die das Westkap fest in die Hand der DA bringt und neben weiteren vier Damen Premierministerin einer südafrikanischen Provinz wird. Da hört aber auch schon der weibliche Quotentriumphzug auf, ihr Kabinett enthält keine Frauen. In Jeans genauso gut zu Hause wie im Kostüm, attackiert Zille offen die Korruption und den Schlendrian sowie die Mittelverschwendung der öffentlichen Hand. Nach außen wird gegen Zuma gehetzt, innerlich ist sie aber fast auf einer Linie mit ihm, wenn es um den Kampf gegen die Korruption geht.

In diesem und im Kampf gegen Vetternwirtschaft fährt Zuma – genau wie Zille – eine klare, unerwartet und überraschend harte Linie. Jacob Zuma stellt keine Verwandten im Kabinett auf, unterwirft alle Ministerien und öffentlichen Verwaltungen der Buchprüfung von wirtschaftsprüfenden Sonderkommissionen und taucht überraschend in Gemeinden und Verwaltungen auf, um zu nachzusehen, ob die Führung dort auch arbeitet......damit punktet er im zweiten Halbjahr, die Witze gehen zurück und das Vertrauen in das
befürchtete „Schreckenskabinett des Dr. Calizuma“ steigt zusehends.

Der längst amtierende Finanzminister und Volksliebling Trevor Manuel beendet seine Tätigkeit, verfällt aber nicht dem Lockruf der Sirenen im Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, sondern bleibt nationalstolz und loyal, übernimmt die Position eines Superministers in einem Ministerium, das kontrolliert, ob und wie alle Verwaltungen arbeiten und sich auf der Linie der Bundespolitik bewegen. Ob das Ministerium wirklich Zähne hat, das wird sich erst im kommenden Jahr zeigen.

Sein Nachfolger, der indisch-stämmige Pravin Gordhan macht darüber hinaus eine erfreulich gute Figur in den übergroßen Fußstapfen Manuels. Ist er auch nicht gewohnt, eine Haushaltsrede in 5 Sprachen und mit humoristischen Einlagen versetzt zu präsentieren, so zeigt seine Fiskalpolitik das gewohnte Augenmerk und bestätigen den Kurs seines Vorgängers.

Rezessionsbedingte Stimuluspakete für schlingernde Großunternehmen werden nicht verabschiedet, dafür eine Billion Rand – das ist auch in Euro richtig Geld – in Infrastrukturmaßnahmen mit der Begründung gesteckt, dass am Ende der Rezession Südafrika eines der modernsten Infrastrukturnetzwerke haben wird, und damit die Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum im Vorfeld und nicht wie bisher rein reaktiv
gegeben sein werden.

Mit dem Ende des Dritten Quartals zeigt sich erstmals ein – wenn auch moderates – Wirtschaftswachstum. Nicht nur in Südafrika, sondern auch bei seinen internationalen Handelspartnern. Das Ende der Rezession? Vorerst sicherlich rein terminologisch, denn die Wunden sitzen tief, der Einzelhandel bekommt das in der Weihnachtszeit zu spüren und trotz zunehmender Bestellungen ist der Automobilmarkt noch weit von den Ergebnissen 2007 und 2008 entfernt. Erste Bewegungen sind aber nicht nur am mobilen Markt zu verzeichnen, sondern auch am immobilen. Die Grundstücks- und Hauspreise wandern langsam aus der Talsenke und eine Steigerung um 8% ist auf den Karten, zum Ende 2010 sogar bis zu 15%.

2010! Was für ein magisches Datum!

Südafrika war in diesem Jahr Gastgeber des Confederation Cup, eine gelungene Generalprobe bei der sogar die südafrikanischen Spieler der Bafana Bafana eine hoffnungmachende Figur darstellten. Anfang Dezember war dann die Ziehung der Gruppenpartner für die kommende Fußballweltmeisterschaft, begleitet durch friedliche Streetparties und dem Fernsehauftritt Südafrikas charismatischsten Führers, Nelson Mandela.

2010, das wird eine bunte Party und ein lang ersehnter Marketingauftritt Südafrikas auf der Welt-Fernseh-Bühne unter den wachsamen Augen von vier Milliarden Zuschauern. Südafrika wird zeigen, dass die Stadien aufregend sind, die Sicherheit unter Kontrolle und entgegen den Publikationen der üblichen Verbrecher deutscher Nachrichtenmagazine hier nach Sonneuntergang immer noch sichere Zeit für Parties ist, keiner in Schusswesten herumlaufen muss und keiner vor Panzern mit Rauch in den Augen herumlaufen muss.

Die besten Nationen haben sich qualifiziert und werden eine anfeuernde, bunte, fußballverliebte Fangemeinde antreffen. Die Vuvuzelas werden die Fanfaren der WM sein, die Reporter werden lernen, dass man „Xhosa“ klicken und knacken muss um die Spielernamen auszusprechen und auf den Fanmeilen und Public Viewing Arenen wird trotz der Jahreszeit der Welt gezeigt werden, welcher Kontinent Fußball mag.

2009 war ein Jahr der Achterbahn, finanziell, politisch, sportlich und emotional. Die Stadien sind fertig, die neuen öffentlichen Nahverkehrssysteme wie das RTBS und der Gautrain zumindest weit fortgeschritten, es gibt derzeit Strom und Wasser für mehr Bürger als je zuvor. Der Weihnachtsmann hat für Südafrika keine Rute mitgebracht, sondern das beste Geschenk, dass man sich wünschen kann: Ein Sack voll positiver Erwartungen und Hoffnungen für das Jahr 2010!


Autor: Ralph M Ertner - Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Wir danken IBN für die Erlaubnis der Veröffentlichung   

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Rand Wechselkurs

Powered by GOYAX