Kapstadt in Südafrika

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Geschichte von Kapstadts Townships

Man kann die Gegenwart nur verstehen, wenn man die Vergangenheit kennt. Derjenige, der sich die Mühe macht, sich etwas mit der Geschichte zu befassen wird bei einem Besuch der Townships vieles besser verstehen, vieles mit anderen Augen sehen. In historischen Zeiträumen gemessen ist die Geschichte der Townships recht jung. Das älteste Township Kapstadts, Langa wurde im April 1927 gegründet, Khayelitsha, eines der jüngsten 1983. Die Entstehung und Entwicklung der Townships ist auf das engste mit der Apartheid verbunden, sie sind ein Produkt der Apartheid.

Apartheid ist das einzige Wort der Sprache Afrikaans, das in der ganzen Welt bekannt ist und eine traurige Berühmtheit erlangte. Nach Auffassung der UN-Generalversammlung wurde mit diesem Begriff ein Verbrechen bezeichnet (1). Die Geschichte der Apartheid ist alt, aber erst 1923 begann man sie mit dem Native Urban Areas Act (2) gesetzlich zu untermauern. Dieses Gesetz teilte städtische Gebiete in Wohngebiete für Schwarze und Wohngebiete für andere ein.

geschichte-townships-180Den Schwarzen war Wohnsitz und Landerwerb nur noch in den ihnen zugewiesenen Territorien, Townships, möglich. Eine Kommission hatte in Vorbereitung dieses Gesetzes folgendes Prinzip formuliert: „Den Eingeborenen sollte der Zutritt in die städtischen Gebiete, die im wesentlichen die Schöpfung des weißen Mannes sind, nur dann gestattet werden, wenn er bereit ist, die Bedürfnisse des weißen Mannes zu befriedigen und er sollte von dort wieder verschwinden, wenn er aufhört, diese Bedürfnisse zu befriedigen“. 1948 wurde die Apartheid zur Staatpolitik erhoben. Grundprinzip war die konsequente Trennung der Raßen. Im Jahre 1950 wurde das Gesetz über die Registrierung der Bevölkerung (Population Registration Act) erlassen, das die Menschen in Weiße, Farbige (Coloured) und Schwarze unterteilte. Ehen zwischen Weißen und Menschen anderer Raße verboten und 1950 sogar der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen ihnen.

Nachdem auf Privateben die strenge Trennung durchgeführt war, folgte 1950 die Durchsetzung im Wohnbereich auf der Grundlage des „Group Area Act’s“ (5), nachdem bestimmte Gebiete nur bestimmten Rassen zu Wohn- und Geschäftszwecken zur Verfügung standen. Die „illegalen“ Siedlungen, die in den letzten Jahrzehnten entstanden waren und häufig nahe weißer Wohngebiete lagen, wurden rigoros geräumt, oftmals gegen erheblichen Widerstand. Die volle Durchsetzung dieses Gesetzes dauerte Jahrzehnte. In den, um Kapstadt herum angesiedelten Townships, wurden einheitliche Häusern gebaut und vom Staat vermietet. Hierhin verbrachte man die Menschen, deren alte Hütten den Bulldozern zum Opfer fielen. Wie im Privaten - und Wohnbereich versuchte die Apartheid eine Trennung auch im Arbeitsbereich durchzusetzen. So durfte Weißer z.B. keinen schwarzen Vorgesetzten haben, womit die Karrieremöglichkeiten klar begrenzt wurden.

Die Aufgabe der Apartheid im wirtschaftlichen Bereich bestand unter anderem in der Beschaffung ausreichend billiger Arbeitskräfte. Dazu wurde das System der Wanderarbeiter ausgebaut und der Arbeitsmarkt einer staatlichen Kontrolle unterzogen. Die Schwarzen wurden in zwei Kategorien eingeteilt: Wanderarbeiter, die sich zeitweise, solange sie eine Arbeitsstelle nachweisen konnten, ohne Familie in Kapstadt aufhalten durften. Für sie wurden sogenannte „Hostels“ errichtet, Arbeiterwohnheime, in denen sie oft unter menschenunwürdigen Verhältnissen hausten. Die zweite Kategorie waren Schwarze, die ein Dauerwohnrecht erhielten. Sie waren entweder in Kapstadt geboren oder lebten seit langem hier. Sie lebten mit ihren Familien in den von der Regierung errichteten Reihenhäusern.

1952 wurde ein Gesetz erlassen, nachdem jeder Schwarze einen Pass haben und ihn jeder Zeit auf Verlangen vorzeigen musste. Im Pass waren neben dem Reservat, aus dem derjenige stammte, auch die Arbeitsstelle vermerkt. Wurde ein Schwarzer ohne Pass angetroffen, ging er direkt ins Gefängnis. Dennoch wuchs der Sog der Großstadt. Trotz der immer schärfer werdenden Passkontrollen strömten mehr und mehr Schwarze nach Kapstadt.

township-apartheid-180Die Landflucht nahm ein Tempo an, dem die Behörden bald nicht mehr gewachsen waren. 1982 wurde auf Ministerebene eingeschätzt, dass 42% der Schwarzen „illegal“ in Kapstadt leben. (6) Die „Illegalen“ errichteten in den Townships sogenannte „Illegal Houses“, die „Shacks“. Die Apartheidbehörden musste diese Entwicklung tolerierten, da sie der Lage nicht mehr Herr wurden. Die Townships waren seit langem hoffnungslos überfüllt, die sozialen Probleme wuchsen, und mit ihnen der Unmut. Die Townships entwickelten sich zum Hort des Widerstandes. 1985 wurde der Township „Athlone“ zum Synonym für den Widerstand gegen die Apartheid. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Situationen, die Polizei benutzte scharfer Munition gegen steinwerfende Jugendliche. Bekannt wurde die Affäre „Trojanisches Pferd“, Polizisten versteckten sich hinter Kisten auf einem LKW, als er sich in der Mitte einer Demonstration befand flogen die Kisten zur Seite und die Polizisten schossen wahllos in die Menge der Flüchtenden.

Nach Beendigung der Apartheid und dem Wegfall der beschränkenden Gesetze verstärkte sich die Landflucht, nun holten die Wanderarbeiter auch ihre Familien in die Townships.
In den letzten Jahren wurde nicht nur versucht, die Folgen der Apartheid zu beseitigen, auch besteht das Bestreben, die Zeit der Apartheid in den Townships zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Im ehemaligen Gemeindesaal des Hosteldorfes Lwandle ist das „Community Labour Museum“ entstanden, in dem die Geschichte des Ortes liebevoll dargestellt ist. Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und zeigen Besuchern nach der eigentlichen Führung gerne noch einmal den Ort. In der Touristeninformation Sivuyele in Guguletu kann man auf Informationstafeln die Geschichte dieses Townships nachvollziehen und in Langa wird die ehemalige Passausgabestelle, die nach Beendigung der Apartheid von der aufgebrachten Bevölkerung zerstört wurde, als Museum wieder aufgebaut.

Migrant Labour Museum
Vulindlela Str., Lwandle 7143
Tel: +27 (0)21 8456117
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 9.30 bis 16.00




Kommentare 

 
-3 #4 hauke scholz 2011-08-22 06:08
ich habe 32 jahre in den townships gelebt und habe dort gewohnt . ganze 32 jahere lang. ciao
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-2 #3 Fred 2011-02-20 17:36
Ich habe ein Jahr in Khayelitsha gelebt und wenn man als Mensch kommt und nicht als Umlungu, dann klappt das auch. Ich wäre gern dort geblieben, aber leider kann man als Mensch auf dieser Welt nicht ohne Papiere leben, die sind leider wichtiger als der Mensch.
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-2 #2 helene 2011-02-01 18:52
habe heute einen sehr guten Bericht über ein kinderheim, spital und schule gesehen, da war eine muttige frau und eröffnet das kinderheim bhupumelele. es gibt also auch noch hoffnung in der ärmsten gegend dieser welt! solche helfenden leute sollte man unterstützen.
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0 #1 Lilli 2010-07-26 12:55
Ich war sehr sehr oft in diesen Townships unterwegs, hatt dort viele Freunde. In diesen Townships habe ich viel gesehen und gehört. Sehr sehr krasse Sachen. Wie plötzlich gute Freunde, denen du vertraust, das komplette Gegenteil beweisen können. Man muss als weiße Person sehr aufpassen wem man vertraut. Gewalt, Tod, Drogen waren überall an der Tagesordnung!
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