Kapstadt in Südafrika

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Traditionelle Heiler in Südafrikas Townships

Im wesentlichen kann man in Südafrika 3 traditionelle afrikanische Heilberufe mit verschiedenen Subspezialisierungen unterscheiden, den Medizinmann (Herbalist), den Wahrsager (Abakhulu Gogo) und den Zauberheiler (Sangoma).

Esther Mbatha ist eine Abakhulu Gogo, eine Wahrsagerin. Ihre Geschichte ist insofern ungewöhnlich, als sie nicht wie die meisten ihrer Zunftgenossen aus einer ländlichen Gegend stammt und dort diesen Beruf von den Eltern mitbekommen, bzw. erlernt hat. Sie ist eine waschechte Kapstädterin. Ihr Vater kam als schwarzer Portugiese aus Maputo/ Mocambique, ihre Mutter ist Xhosa, aus East London. Sie ist im District Six geboren, ihre Muttersprache ist Afrikaans. Aufgewachsen ist sie zusammen mit farbigen und weißen Kindern. Als der District Six zur "White Area" erklärt wurde,brachte man ihre Familie mit anderen schwarzen Familien nach Guguletu. Die Umsiedlung fiel ihr sehr schwer, da sie nur Afrikaans sprach und sich nun in einem Xhosa sprechenden Umfeld befand. Aber sie lebte sich ein und wohnt noch heute dort mit ihrem Mann und ihrem "Baby", dem inzwischen 21-jährigen Sohn. Zwei erwachsenen Kinder haben eigene Familien.

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Der Sangoma und Wunderheiler hat in den Townships ein hohes Ansehen

Zunächst verlief ihr Leben völlig normal, sie hatte einen Beruf, heiratete, bekam Kinder. Dann starb ihr Vater, den sie sehr liebte. Sein Tod stürzte sie in eine schwere Krise. Sie war lange krank, kämpfte mit dem Tod und erholte sich nur langsam. Nach ihrer Genesung stellte sie plötzlich Veränderungen an sich und ihrer Umwelt fest. Hunde aus der Nachbarschaft, die sie gut kannte, knurrten sie plötzlich an oder bissen sie. Eines Tages sah sie ihre Großmutter, die schon lange tot war, vor ihrem Haus auf der Bank sitzen. Sie fragte ihre Brüder, aber kein anderer konnte es sehen, nur sie. Das war ihr erster direkter Kontakt zu den Ahnen.

Ihre zwei jüngeren Brüder verließen das Haus, sie hatten Angst bekommen vor der Schwester, dachten, sie sei verhext. Ihr älterer Bruder glaubte an ihre besonderen Fähigkeiten und riet ihr, sie ausbilden zu lassen. Esther spürte den Willen und die Kraft in sich, ein Abakhulu Gogo zu werden und so ging sie in eine berühmten Schule für afrikanische Heilkunst, nach Gagankuku, nahe Swaziland.

township-heiler-180Für 3 Jahre musste sie ihren Mann und ihre Kinder verlassen und durfte keinerlei Kontakt zu ihnen unterhalten. Die Ausbildung erfolgte in mehreren Stufen. Einen großen Stellenwert hatte die Traumdeutung, die Schüler mussten dem Lehrer jeden morgen ihre Träume erzählen, die er dann deutete. Auf diese Weise wurden sie in die Geheimnisse der Traumdeutung eingeweiht. Zum Abschluss einer Teilausbildung mussten alle Schüler in einem Fluss baden, in dem es von Krokodilen wimmelte. Nur der, dessen Wille stärker war als der Wille der Krokodile bestand die Prüfung. Die Weihe zum Abakhulu Gogo wurde mit einer dreitägigen Zeremonie gefeiert. Den Höhepunkt bildete ein Opferritual, bei dem zwei Schafe geschlachtet wurden. Esther musste sich auf die Erde legen und ein Schaf wurde auf ihrem Körper geopfert, so dass das Blut des Tieres über sie hinweg in die Erde floss. Damit war die direkte Verbindung zu den Ahnen hergestellt, die Ahnen hatten sie angenommen. Das war 1983, seitdem praktiziert sie in Guguletu. Wir hatten einiges über sie gehört und doch waren wir bei unserem Besuch zunächst enttäuscht.

Kein schummriger, mit mystischen Dingen angefüllter Raum erwartete uns, sondern ein ganz unauffälliges winziges Haus, indem sie mit ihrer Familie lebt. Im kleinen Wohnzimmer mit alten Polstermöbeln und einigen Bildern deutete nichts auf ihren ungewöhnlichen Beruf hin. Aber schon beim ersten Zusammentreffen spürte man, dass Esther ein außergewöhnlicher Mensch ist, man spürte die Kraft die sie ausstrahlt. Nach einer kurzen Unterhaltung bat sie mich die Schuhe auszuziehen bevor wir den Nachbarraum betraten, das Schlafzimmer des Hauses. In dem schmalen Gang zwischen Bett und Truhe setzten wir uns einander gegenüber auf den Fußboden, die Beine zum gespreizt. Dazwischen lag auf einer Bastmatte eine zum Ring geformte Kette. Esther schüttelte einen kleinen Bastbehälter, öffnete ihn und ließ mich 3 mal hineinpusten, bevor sie ihn wieder schloss, erneut schüttelte und 3 al auf den Boden schlug. Nun öffnete sie den Behälter um den Inhalt in den Ring zu werfen.Einen Abakhulu Gogo wird man als Fremder nicht finden. Sie haben kein Firmenschild und keine Werbung.

township-medizinmann-180Anders die Herbalisten, die Heilkräuterkundigen, sie findet man überall in den Townships. Oft haben sie bunte Schilder und um die Kunden anzulocken breiten sie einen Teil ihrer Ware auf der Strasse aus. Einer der bekanntesten Herbalisten Kapstadts ist Major M Ngolo in Langa. In seiner Praxis haben schon TV Teams aus den USA und Deutschland gefilmt. Auch bei Reiseunternehmern ist er bekannt und beliebt und täglich kommen Touristen um einen afrikanischen Herbalisten kennen zu lernen. Major M Ngolo ist in der Transkei, im Keulani Distrikt geboren. Er ist bei seinen Großeltern aufgewachsen, die auch Herbalisten waren.

Schon als Kind nahm ihn seine Großmutter mit zum Kräutersammeln und erklärte ihm die verschiedenen heilenden Wirkungen. Später durfte er dem Großvater über die Schulter schauen, wenn er Patienten behandelte. Er ist mit diesem Beruf aufgewachsen, ohne ihn eigentlich ausüben zu wollen. 1981 lockte das Abenteuer und er kam wie viele andere junge Männer, als Vertragsarbeiter nach Kapstadt, wo er Arbeit bei der Eisenbahn fand. Die Eisenbahngesellschaft hatte in Langa große Wohnheime, die Hostels, hier lebte er neun Jahre, mit anderen Vertragsarbeitern in einen winzigen Raum eingepfercht. Zwei bis dreimal im Jahr konnte er zu seinen Großeltern nach Hause fahren und erst da entdeckte er, dass auch er sich, der Familientradition getreu, als Herbalistenberufen fühlte. 1990 öffnete er in Langa seine eigene afrikanische "Pharmazie", den "Ndaba Herbal Chemist". Heute fährt er nur noch ab und zu in seine alte Heimat um bestimmte Kräuter zu sammeln, die meisten seiner Grundstoffe bekommt er aber von Lieferanten aus dem ganzen Land. Inzwischen hat er sich zum Großhändler entwickelt, viele kleinere Herbalisten aus der Gegend kaufen bei ihm ein und tauschen Erfahrungen aus.

Rae Graham beschreibt in ihrem Buch "Mashudu, die weiße Zauberheilerin", wie sie die Knochen liest: "Zuerst sieht man sich die 4 Zauberwürfel an, die eine geschnitzte und eine flache Seite haben - ein Oben und Unten. Limnana steht für die junge Frau, Twalima für die alte, Tshilaumi für den jungen Mann und Lwahame für den alten. Diese 4 Würfel sind die wichtigsten
Werkzeuge unseres Berufes, man braucht eigentlich nichts anderes.

....Während der Ausbildung lernt man sechs Monate lang mit diesen Würfeln umzugehen. Sie symbolisieren den Familienkern. Wenn man etwas genaueres über einzelne Personen erfahren möchte, wirft man die Knochen ein zweites Mal. Eine bestimmte Meeresschnecke , deren Rand leicht gewellt ist, wird als das Haus der Amalozi, das Haus der Geister, bezeichnet. Diese verwendet man, um das Haus einer Person zu beschreiben und die Lage der Eingangstüren. Ein kleiner weißer Flusskiesel zeigt, wo das Wasser liegt, das Badezimmer, und ein anderer Stein stellt das Feuer dar, die Küche. In der Regel haben die Knochen recht, man muss nur lernen, sie richtig zu interpretieren. Ich kann nicht sagen, warum die Muster so fallen, dass man genaue Informationen aus ihnen erhalten kann. Weder ich noch irgendein anderer hat eine Erklärung dafür. Alles, was ich weiß, ist, dass die Botschaft der Knochen in fast allen Fällen stimmt, es sei denn derjenige der sie liest ist schwach, aus der Übung oder hat den Beruf nie ordentlich erlernt."

Seine Hauptkunden sind aber die Bewohner Langas mit ihren Problemen. Er hört ihnen geduldig zu und stellt Fragen, bis er sich sicher ist, wo die Ursache des Leides liegt um dann die richtige Medizin zubereiten zu können. Alle von ihm verordneten Medizinen stellt er selbst her, er zerstößt die getrockneten Ingredienzien wie Blüten, Rinden, Wurzeln oder bestimmte Tierknöchelchen in einem Mörser, mixt sie mit Wasser oder verschiedenen Ölen oder verabreicht sie als Pulver. Unterdessen hat man Zeit, sich im Inneren seines Ladens umzusehen. Von der Decke hängen an Schnüren Häute von Schlangen und anderen Tieren, Teile von Haifischflossen, Knochen, Wurzeln.... An der Wand fletscht das Skelett eines Pavians die Zähne.

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Typische Sammlung von Kräutern und Pflanzen eines Heilers in Südafrika

Am Bespiel der getrockneten Pfote eines Bushpigs erklärt er, wofür er die Utensilien braucht: " Wenn eine junge Mutter zu mir kommt, weil das Baby so unruhig ist und zuviel schreit, nehme ich das Baby, lege die Pfote auf seine Brust und spreche zu ihm einige ganz bestimmte Sätze. Dann gebe ich der Mutter das Baby zurück und es wird von nun an viel ruhiger sein." Bei Bedarf macht Major M Ngolo auch Hausbesuche. Seine Kräuter helfen nicht nur bei Krankheit, auch mit anderen Sorgen kann man sich an ihn wenden, so z.B. wenn man kein Glück im Geschäft hat. Zur Lösung dieses Problems benutzt er ein Kraut das Mbego heißt, er sammelt es selbst in der Transkei. Er zündet sowohl im Haus als auch davor, an alle vier Ecken kleine Bündel von diesem Kraut an, so dass der Rauch nicht nur alle Räume durchziehen kann, sondern das ganze Haus umhüllt und zusammen mit beschwörenden Formeln das Unglück vertreibt. Und tatsächlich, am nächsten Tag ist die Unglücksphase des Betroffene beendet. Nur einen Europäer würde es interessieren, ob die Ursache des Glückes in den Kräutern oder im neu gewonnenen Selbstvertrauen liegt.

Die traditionellen Heiler haben nicht nur im traditionellen Leben ihren festen Platz, auch in der modernen südafrikanischen Gesellschaft finden sie immer größere Anerkennung, immer häufiger kommt es zur Zusammenarbeit zwischen der modernen und der traditionellen Heilkunst.

Ndaba Herbal Chemist
Washington Rd. (gegenüber Bahnhof)
Langa 7455

Mbonjwa Herbalsit
Khayelitsha
GP 1205 (Main Rd. nahe Vuyani)
Tel: 0835335851

Bathukoa Herbs
Khayelitsha
DT, Idada Str. Site C
(nähe Main Rd Section B)
Tel: 0721470579




Kommentare 

 
-3 #4 hauke scholz 2011-08-22 06:08
ich habe 32 jahre in den townships gelebt und habe dort gewohnt . ganze 32 jahere lang. ciao
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-2 #3 Fred 2011-02-20 17:36
Ich habe ein Jahr in Khayelitsha gelebt und wenn man als Mensch kommt und nicht als Umlungu, dann klappt das auch. Ich wäre gern dort geblieben, aber leider kann man als Mensch auf dieser Welt nicht ohne Papiere leben, die sind leider wichtiger als der Mensch.
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-2 #2 helene 2011-02-01 18:52
habe heute einen sehr guten Bericht über ein kinderheim, spital und schule gesehen, da war eine muttige frau und eröffnet das kinderheim bhupumelele. es gibt also auch noch hoffnung in der ärmsten gegend dieser welt! solche helfenden leute sollte man unterstützen.
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0 #1 Lilli 2010-07-26 12:55
Ich war sehr sehr oft in diesen Townships unterwegs, hatt dort viele Freunde. In diesen Townships habe ich viel gesehen und gehört. Sehr sehr krasse Sachen. Wie plötzlich gute Freunde, denen du vertraust, das komplette Gegenteil beweisen können. Man muss als weiße Person sehr aufpassen wem man vertraut. Gewalt, Tod, Drogen waren überall an der Tagesordnung!
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