Robben Island
Südafrikas historische Insel vor Kapstadt, die jetzt zum wichtigsten Museum des Landes im 21.Jahrhundert wird. Kein anderer Ort im neuen
Südafrika ist so sehr mit der Geschichte des Landes verbunden, wie die
574 Hektar große Insel in der Tafelbucht. Als 1488 der Portugiese Bartholomeu Diaz das Kap erkundete, fanden nur einige Expeditionen statt.. Über 500 Jahre sollten vergehen, bis im demokratischen Südafrika heute Touristen vor allem die
Zelle Nummer 5 ansteuern, wo Präsident Nelson Mandela 18 seiner 27 Haftjahre verbringen mußte.
Robben Island mit Kapstadt und dem Tafelberg im Hintergrund (Foto courtesy of SA Tourism) Die Verantwortlichen des
Robben-Island Museums wollen alle Spuren der Insel und der kerkerähnlichen Haftanlage authentisch erhalten.
Der Eingang zu Robben Island
Dauer des Ausfluges nach Robben Island
½ Tag. Abfahrten: 5 mal täglich von den beiden Ablegern an der
V & A Waterfront. Es gibt einen historischen Dampfer, der für die Überfahrt mind. 1 ¼ Stunden benötigt, und eine moderne Schnellfähre (ab Nelson Mandela Gateway), die die Strecke in der Hälfte der Zeit schafft. Vorherige Anmeldung: Tel.: (021) 413-4200.
Tipp: Rechtzeitig buchen bzw. an der Fähre erscheinen, da nur max. 300 Personen pro Tag nach Robben Island zugelassen werden.
Robben Island Geschichte
Die Geschichte der 575 ha großen Insel – uns allen bekannt als
Nelson Mandelas „Gefängnis“ – geht einige tausend Jahre zurück. Also lange vor der Kolonisation lebten hier bereits Menschen. Zumeist waren es San-Fischer, die hier temporär während der klimatisch angenehmen Jahreszeit verweilten und ihre Fangtouren von der Insel aus starteten.
Die ersten Holländer erkannten dann sehr schnell das eigentliche „Potential“, welches in dieser Insel steckte, nämlich das einer Sträflingsinsel: Zu weit vom Land entfernt (7 km bis
Bloubergstrand), um von ihr fliehen zu können, und nahe genug für die Versorgung.

Heute strömen jährlich unzählige Touristen auf die Gefängnisinsel
(Foto courtesy of SA Tourism)
Seit Mitte des 17. Jahrhundert wurden hier Gefangene gehalten, i.d.R. politische Aktivisten, Sklaven und später auch
Moslems, die sich den Gesetzen der Kolonialherren widersetzt hatten. Erster Häftling soll 1658, während des Krieges zwischen Holländern und San, van Riebeecks „Strandloper“-Dolmetscher Authumao gewesen sein. Andere Quellen behaupten, dass es hier bereits 15 Jahre vorher „Sträflinge“ gegeben haben soll.
Viele Häftlinge versuchten, trotz der Entfernung, von der Insel zu fliehen. Der überwiegende Teil scheiterte natürlich und ertrank (Authumao aber ist die Flucht geglückt). Auch die Briten nutzten Robben Island für die Deportation von „unwanted subjects“. Sie schickten im 19. Jahrhundert nicht nur Unruhe stiftende Xhosa-Führer ins Insel-Exil, sondern auch Prostituierte, Taschendiebe, Leprakranke sowie chronisch und mental Kranke. Später, während des 2. Weltkrieges, folgten die Kriegsgefangenen und zum Schluss, ab 1961, eben die politischen Häftlinge der Apartheidszeit, zusammen mit Schwerverbrechern, um den äußeren Schein zu wahren. Der letzte Häftling verließ Ende 1996 die Insel, zusammen mit dem gesamten Gefängnispersonal.
Doch die Insel wurde nicht ausschließlich als Gefängnis genutzt, zwischenzeitlich und auch parallel dazu war sie
Versorgungsstation für Seefahrer und Kolonaialisten sowie Walbeobachtungsstation, Krankenhaus und militärische Basis. Oft wurden diese Vorhaben aber nach wenigen Jahren wieder abgebrochen, da der dafür nötige Fährverkehr zu häufig auch den Gefangenen als Fluchtmöglichkeit diente.
Am 4. September 1996 beschloss die südafrikanische Regierung, die Insel als National Monument und National Museum zu erklären, und seit 1997 steht sie unter der Leitung des Ministeriums für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technik.
Robben Island Museum -
(Foto courtesy of SA Tourism) Das
Robben Island Museum (das die Insel als Ganzes einschließt) versucht, ihre Grundlagen und Aktivitäten so zu leiten, dass „ihr einzigartiges Symbol, ihre Kreativität und Innovationen einen Beitrag zur sozial-ökonomischen Entwicklung und Änderung der südafrikanischen Gesellschaft und Bereicherung der Menschheit wird“. Man hofft, dass Robben Island auch zum
Weltkulturerbe deklariert wird. Andere Pläne sprechen davon, hier ein Nobelhotel bzw. ein Ferienresort zu errichten. Sicher ist, dass die Tierwelt auf der Insel geschont werden soll. Elandantilopen, Böcke, Seemöwen und die namengebenden Robben haben sich wieder etabliert.
Ob die im 17. Jahrhundert von den Holländern hier ausgesetzten Kaninchen aber geschützt werden, ist noch fraglich. Denn die Legende behauptet, dass James Cook Mitte des 18. Jahrhunderts hier anlandete und anschließend ein paar der Hoppler nach Australien mitnahm, wo es dadurch später zur allbekannten Kaninchenplage kam. Hierzu gibt es aber auch andere Gerüchte.
Besuch auf Robben Island
Im Dezember 2001 wurde das
Nelson Mandela Gateway neben dem Clocktower an der Victoria & Alfred Waterfront eingeweiht. Von hier fahren jetzt die Fähren zur ehemaligen Gefängnisinsel. Wechselnde Ausstellungen und Multimedia-Präsentationen im Nelson Mandela Gateway informieren bereits vor der Abfahrt über die Insel. Mittlerweile werden auch spezielle Touren zur Insel angeboten, so z.B. Überfahrt mit einem historischen Dampfer, BBQ auf der Insel u.ä. Geplant sind auch Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel und selbst die Einrichtung eines Universitätscampus dort ist im Gespräch ...
Die Überfahrt zur Insel erfolgt in modernen Schnellbooten Der Besuch auf Robben Island dauert ca. 2,5 Stunden. Zunächst werden die Besucher mit dem Bus über den südlichen Teil der Insel gefahren, vorbei an Robert Sabukwe’s Haus, durch das Inseldorf und zum
Kalksteinbruch, in dem die Gefangenen arbeiten mussten. Bei dieser Arbeit haben viele Gefangene durch den feinen Staub ihre Augen verletzt, so auch Mandela. Schon im 17. Jahrhundert wurde der Kalkstein abgebaut und damit das „Castle“ und andere Gebäude im Kapland erbaut. Anschließend folgt der Besuch des Gefängnisses unter der Leitung eines ehemaligen Gefangenen. Man sitzt in einer Zelle, in der ehemals 80 Gefangene übernachteten, und hört fassungslos den Berichten des ehemaligen Gefangenen zu.
So wurden in den 1960er Jahren Gefängniswärter auf Robben Island strafversetzt. Hier ließen sie dann ihre Frustration an den Gefangenen aus. Kriminelle und politisch Gefangene wurden getrennt behandelt. Man machte natürlich auch einen Unterschied zwischen Farbigen und Schwarzen. Die Farbigen hatten z.B. das Privileg, Unterwäsche zu tragen oder im Winter lange Hosen und Socken.
In der Zeit zwischen 1961 und 1971 durften Schwarze nur alle sechs Monate für 30 Minuten Besuch empfangen oder alle halbe Jahr einen Brief mit maximal 500 Wörtern senden bzw. empfangen. Um so erstaunlicher ist es, wie die Gefangenen über die Jahre bessere Haftbedingungen durchsetzten konnten (durch Hungerstreiks und andere Proteste), studierten und Informationen mit der Außenwelt austauschten. Was die Behörden nämlich nicht bedachten, war die Tatsache, dass die Isolation der Insel auch eine gewisse Solidarität zwischen Gefangenen und Gefängnispersonal schürte und einige Wärter sich sogar mit den Sträflingen anfreundeten und ... von ihnen unterrichtet wurden! Wenn internationale Presse kam, durften einige Gefangene Näharbeiten ausführen, statt Steine zu schlagen. Dann gab es sogar besseres Essen.
Die Gefängnismauern und ein Gefängnisturm von Robben Island Natürlich fehlt zum Abschluss nicht der
Besuch Nelson Mandelas Zelle. Wie konnte man 27 Jahre lang, 16 Stunden täglich, in einer 2 x 2,5 m großen Zelle leben? Bis zu den Hafterleichterungen in den 1970er schliefen die Gefangenen sogar auf einfachen Strohmatten auf dem kalten Steinfußboden. Die höchste Belegung des Gefängnisses verzeichnete man Ende der 1960er Jahre: 1.100 Gefangene. Bei der Schließung waren es dann „noch“ 300. Heute leben ca. 230 Einwohner auf Robben Island, die fast alle für das Museum tätig sind.
Ein großes Manko ist der hohe Preis für den Besuch. So können sich die meisten Südafrikaner einen Besuch auf der für ihre Geschichte wichtigen Insel kaum leisten.
Ausflug planen
Dauer des Ausfluges: ½ Tag.
Abfahrten: 5 mal täglich von den beiden Ablegern an der V & A Waterfront. Derzeit fahren in der Hochsaison 600-900 Personen pro Tag auf die Insel. Heute Fahren Schnellboote ca 30-35min pro Strecke. Die historischen Originalboote werden nur in Ausnahmefällen noch genutzt.
Nelson Mandela Gateway:
Tel: (021) 413 4200
Fax: (021) 419 1057
e-mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tipp: Telefonische Buchung mit Kreditkarte ist in der Hochsaison anzuraten, teilweise 3-5 Tage (um Weihnachten herum) Vorlauf. In der Nebensaison sind 24 Std vorher ausreichend.
Robben Island Reisebericht
Zum ersten Mal besucht auch der 27jährige Andreas Rheinhard aus Deutschland die Insel: "Einfach mal zu sehen, wo Mandela lange Zeit gelebt hat, wie das dort aussieht,und alles rund herum um die Insel."
Wie viele andere Besucher wird auch er auf der Insel Einzelheiten über die unmenschlichen Haftbedingungen der politischen Gefangenen der Apartheid erfahren. Pastor Timothy Harry, 41 Jahre, aus Richards Bay kommt natürlich auch, um die Zelle Mandelas zu sehen: "Es geht mit um die Spuren der Geschichte, es ist eine Erfahrung, eine Gelegenheit im neuen Südafrika, solche Orte kennenzulernen".
Die wilden Versuche einiger Piratenboote, illegal Touristen anzulanden, verurteilt er scharf: "Es müssen Recht und Ordnung herrschen, die Dinge müssen sich normal gestallten. Die Touren sollten geführt sein und nicht jeder irgenwie auf die Insel stürmen können".
Sewunele Sitole ist erst 15, sie kann sich an die Zeit, als Nelson Mandela auf der Insel war, nicht erinnern.Dennoch ist hier für sie der Ort, an dem das politische Wunder Südafrika möglich wurde: "Er war solange eingesperrt, kam frei und wurde Präsident- so geschehen die Dinge".
Luftaufnahme von Robben Island
Rundfahrt auf Robben Island
Unsere Rundfahrt mit dem Bus geht zunächst vorüber am Kramat, also dem Schrein von Prinz Sayed Abduraman Madura von Jafet, die grünen Kuppeln und der Halbmond mit Stern bieten eine überraschung. Am Dieselkraftwerk vorbei, das die einzige Stromquelle des Eilands ist, fahren wir zu Bucht mit über 10.000
Pinguinen. Diese Kap-Jackass-Spezies wurde erst 1982 nach 300jähriger Abwesenheit wieder angesiedelt. Der Natur- und Artenreichtum ist überwältigend: 75 Vogelarten, Springböcke, Strausse, Schildkröten, sie alle schaffen ein einmaliges Szenario, das so erhalten bleiben soll.
Einsam mahnt ein Steinbruch am Uferrand der Zeiten, als Häftlinge vor 350 Jahren ihre eigenen Kerkerwände aus dem Felsgestein herausbrechen mußten. Nicht weit davon die Badestelle für die Leprakranken, die von 1846-1931 auf der Insel dahinsiechten.Heute zeugen nur der Friedhof und die arg zerfallene Kirche des Guten Hirten vom Leiden jener Kranken.
Die Wetterstation mit dem automatischen Nebelhorn, das Walskelett mit den riesigen Eckzähnen und die Verteidungsanlagen aus dem 2.Weltkrieg liegen an der Route wuchtig, gut getarnt zwischen Büschen und Bäumen liegt ein B1-Geschütz der Attillerie, 42 Tonnen schwer, mit 48 Kilometer Reichweite. Die Japaner wollte man damals abschrecken, sie kamen nie nach Kapstadt. 30 Meter über dem Meeresspiegel und auf dem höchsten Punkt der Insel liegt der Leuchtturm, der Rotlicht ausstrahlt: eine besondere Warnung vor dem Walriff-Seegebirge, auf das schon manch Dampfer beim Einfahren nach Kapstadt auflief....
Auch der Golfplatz mit seinen neuen Löchern ist ein Unikum, ebenso wie die schrottreifen Autos, die auf der Insel fahren, weil sie lediglich einen Scheibenwischer,einen Scheinwerfer,ein Bremslicht und eine Bremse brauchen.
Zellenblock "B Seksie"
"B SEKSIE" steht dort in großen afrikaansen Buchstaben, und No 5, nur zwei mal drei Meter im Umfang, war Mandelas Zelle. Damals trug sie noch die Nummer 4 und wurde erst später neu nummeriert. Kontakt zur Aussenwelt gab es nur duch die Zensur, meist wurden alle Zeitungen und Briefe, die seine damalige Frau Winnie schrieb, bis zur Lächerlich verkürzt. Lionel erzählt:
"Wer hierher kam, hatte gar nichts. Man mußte auf einer einfachen Matte schlafen, später kam eine zweite hinzu und nach Jahren das Stahlbett. Alles diente dazu, uns die menschliche Würde zu rauben.So mußten wir für unsere Würde kämpfen."
Als Toilette diente ein Eimer, den die Gefangenen einmal am Tage selbst reinigen mußten. In den Zellen gab es keinerlei privaten Besitz, die Arbeit im Kalksteinbruch, die kalten Duschen..., all das hat bei den politischen Streitern für Freiheit und Gerechtigkeit gesundheitliche Spuren hinterlassen. Nelson Mendela mußte seine Augen operieren lassen und darf heute nur noch ohne Blitzlicht und Scheinwerfer fotografiert werden. Doch in der Haft wurde keiner von ihnen gebrochen; draussen im Hof mit dem Sportplatz auch jener kleiner Garten an der Mauer, wo Mandela die ersten Kapitel seines Buches "Der lange Weg zur Freiheit", in Mikroschrift verfaßt, heimlich vergrub. Mandela schreibt über seine Einlieferung:
Die Wärter riefen aus: "Dies ist eine Insel. Hier werdet ihr sterben! Am Gefängnis ist nichts, was einen erfreuen könnte, mit einer möglichen Ausnahme. Man hat Zeit zum Nachdenken. Ständig waren wir in politische Debatten verwickelt."
Ausflug mit dem Schnellboot nach Robben Island
Robben Island Museum
Wer die unmenschlichen Haftbedingungen so hautnah sieht, der bewundert umso mehr die Fähigkeit Mandelas und der politschen Führer des neuen Südafrikas, ihre Versöhnungspolitik umzusetzen und den ehemaligen Tätern und Helfern der Apartheid zu vergeben.
Erst seit dem 1. Januar 1997 untersteht die Insel dem Robben Island Museum, im Dezember 1996 verließen die letzten, nicht-politischen Häftlinge die schwer gesicherten Anlagen. Bereits am 21.Dezember 1995 war die Insel und eine nautische Meile ihrer Umgebung zum National-Historischen Monument (National Historical Monument) durch Präsident Mandela erklärt worden. Im September 1996 wurde ihr Schutz erweitert, das Kabinett stufte sie als Weltkulturdenkmal ein.
Professor Andre Odendaal leitet kommissarisch das Robben Island Museum, bis ab April 1997 ein Beirat endgültig über die personelle und konzeptionelle Zukunft dieser wohl wichtigsten Institution im neuen Südafrika anhand eines Masterplans entscheidet:
"Wir hatten nur 120 Tage Zeit, zum Beispiel um einen Haushaltsplan aufzustellen. Wir standen vor der Alternative, die Insel erstmal zu schliessen. Das hätte jedoch für den Erhalt nur Negatives bedeuted, unbewohnte Gebäude usw. und es wäre teurer geworden...
Wir entschieden uns dagegen, und machten die Insel vom ersten Tag an für Besucher zugänglich. Noch sind es 300 am Tag, sobald wir mehr Kapazitäten haben, werden die Zahlen erheblich ansteigen. Wichtig ist dies auch im Sinne der Dienstleistung durch die neue Regierung: in nur vier Monaten haben wir einen Zugang geschaffen, der die Unversehrtheit des Ortes gewährleistet. Im kommenden Jahr werden dann auch übernachtsungsmöglichkeiten geboten,die Infrastruktur ist da, wenn man bedenkt, daß einmal 1500 Menschen dort lebten, unter ihnen 800 Gefangene und dazu die Familien der Wärter."
Kulturelles Schaufenster
In Zukunft finden verschiedene Institutionen Südafrikas auf der Insel Platz, sie soll als kulturelles Schaufenster des Landes im 21. Jahrhundert dienen. über 200 Vorschläge wurden eingereicht. Dabei soll immer die Geschichte im Mittelpunkt stehen. Es geht nicht nur um die Zelle Mandelas, deretwegen die Meisten kommen, sondern um ein lebendiges Gesamtkonzept. Dann könnten auch das alte Gouverneurshaus oder die Grundschule der viktorianischen Zeit eine Bedeutung und Funktion bekommen. Man will so schnell wie möglich die Schule mit Kindern der Museumsmitarbeiter füllen. Auch der Umweltschutz hat Priorität, anders als bei den umstrittenen Erweiterungen der Kap-Spitze oder des Tafelbergs soll ein Gleichgewicht gewahrt werden zwischen den Interessen der Natur und des Tourismus. Als wir nach zwei Stunden die Insel wieder verlassen, sind viele Touristen und Einheimische sehr nachdenklich gestimmt. Was bringt die Zukunft für Südafrika, werden die Visionen jener Männer wahr, die nur eingesperrt wurden, weil sie Demokratie und Wahlrecht für alle forderten? Man kann es an diesem Sommertag nur wünschen...
Nelson Mandela ("Madiba")
Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 bei Umtata in der heutigen Provinz Ost-Kap/Südafrika geboren. Als Sohn eines Thembu-Häuptlings wurde er von klein an auf eine spätere Rolle eines Häuptlings vorbereitet und interessierte sich von Jugend an für Geschichte und Kultur seines Volkes. Er besuchte Missionsschulen, studierte Jura an der Universität Fort Hare, von der er wegen aufrührerischen Verhaltens verwiesen wurde und sein Studium in Johannesburg fortsetzte. 1944 wurde er
ANC-Mitglied und
1951 zum Präsidenten der Jugendliga gewählt. Zusammen mit Oliver Tambo gründete er 1952 das erste schwarze Anwaltsbüro Südafrikas und stand 1953 erstmals vor Gericht. Reisen und öffentliche Auftritte wurden ihm lange Zeit verboten, und er kam 1960 mehrere Monate ins Gefängnis. Später im Untergrund organisierte er Streiks und Protestaktionen, war Mitgründer von Umkhonto we sizwe (Speer der Nation), der Guerillaeinheit des ANC.
1962 wurde er zu fünf Jahren Haft, im Juni 1964 dann im sogenannten Rivonia-Prozess – aufgrund des ein Jahr zuvor im Hauptquartier der Umkhonte im Johannesburger Stadtteil Rivonia gefundenen Materials – wegen Spionage mit anderen ANC-Führern zu lebenslanger Zuchthausstrafe auf der Kapstadt vorgelagerten Insel Robben Island verurteilt. Aus der Haft begann er Verhandlungen mit der weißen Regierung,
am 11. Februar 1990 wurde er nach 27 Jahren Gefangenschaft entlassen. Zusammen mit Frederik Willem de Klerk erhielt er 1993 den Friedensnobelpreis. Von 1994 bis 1999 stand Mandela mit dem ANC an der Spitze einer Regierung der Nationalen Einheit.
Robben Island Filmdokumentation
Dokumentar-Film "BACK HOME"
Roots of a New South Africa
Heute, mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Apartheid Regimes, erzählt der Dokumentarfilm BACK HOME die Geschichte von drei Ex-Gefangenen, die auf ihre Schicksalsinsel Robben Island zurückgekehrt sind. Eine ungewöhnliche neue Reflektion von Zeitgeschichte. Eine emotionale Odyssee durch die Vergangenheit, eine visuelle Reise mit Einblicken und Hintergrund, erzählt von den Opfern und ihren Familien.
BACK HOME erzählt die Geschichte dreier Männer die zurückkehrten, um auf der Insel zu leben und zu arbeiten, die ihr Leben, aber auch die Geschichte Südafrikas, veränderte. Eine Geschichte verschiedener Generationen, eine Geschichte eines gemeinsamen Schicksals und eines gemeinsamen Ziels.
Robben Island, eine kleine Insel in der Bucht vor Kapstadt ist eine der geschichtsträchtigsten Inseln weltweit. Seit dem 15. Jahrhundert ein Platz der Verbannung für politische Gegner, Zwangsexil für geistig und körperlich Kranke. In den sechziger Jahren vom damaligen Apartheids-Regime zum Hochsicherheitsgefängnis erklärt.
Tata Sindile Mngqibisa war einer der Ersten, der 1963 auf die Insel deportiert wurde, noch bevor der wohl prominenteste Häftling jener Zeit, Nelson Mandela, eintraf, der spätere erste schwarze Präsident Südafrikas. 15 Jahre lang war es sein Schicksal, unter entwürdigenden Bedingungen auf Robben Island um´s Überleben kämpfen zu müssen.
Tata Elias Mzamo, ein Mitgefangerner von Sindile, erinnert sich an die brutale Behandlung der Gefangenen - und die überraschenden Überlebensstrategien der Menschen. Heute im neuen Südafrika, kehrt er täglich zurück an den Ort des Schmerzes und der Brutalität, der zugleich aber auch ein Ort der Erinnerung und der Kraft ist, die bis heute von dort ausgeht.
Vusumzi Mcongo wurde 1978 inhaftiert. Heute lebt er zusammen mit seiner Familie in dem kleinen Dorf auf der Insel, welches das Zuhause der Gefägnisaufseher war, nur wenige hundert Meter vom früheren Gefängnis entfernt.
Warum sind sie zurückgekehrt? Ihre Einstellung und Motive überraschen. Sie haben untersschiedliche Lebenswege hinter sich, doch sie verbindet bis heute eine Insel, ein Land, ein Gedanke.
ÜBER DIE GRENZEN HINAUS
BACK HOME - ist ein Projekt, was die andersartige Denkweise eines Kulturraums am "anderen Ende der Welt" beleuchtet. Es zeigt
Standpunkte, die sich von europäischen unterscheiden, wohlbekannte Vorurteile und Entwicklungen, aber auch andere Sichtweisen und Gedanken zum Problem des Rassismus in der Welt aus einem anderen Blickwinkel. Überraschend dabei: Opfer, die zumeist ohne Hass vergeben, aber nicht vergessen wollen. Menschen, die für die Freiheit noch heute auf ihre Art kämpfen. Menschen, die durch ihre Kultur und ihren Glauben, die Vergangenheit als Schicksal und Opfer für eine bessere Zukunft ihrer Kinder ansehen. Sie blicken nach vorne. Vergangenheitsbewältigung, die sich von europäischer unterscheidet, zum Nachdenken, Vergleichen aber auch zum Umdenken anregt. Rassimus, Verschiedenheit und Einheit - nicht nur ein afrikanisches Problem!
ZEIT FÜR DIE SUCHE
Die Kölner Filmproduktion Crew 4 You TV/Film GmbH produzierte das engagierte Langzeit Dokumentarfilm Projekt unter der Regie von Marc Köbler. Marc Köbler , geboren in Deutschland 1968 - Absolvent der KHM Kunsthochschule für Medien, Köln. Heute arbeitet er als Regisseur für TV Spielfilme und Dokumentationen. Seit mehr als einem Jahrzehnt lebt und arbeitet er auch in Kapstadt. Seine persönlichen Erfahrungen seit dem Wandel in Südafrika und seine besonderen Kenntnisse des Landes boten das Potential, den Blickwinkel und die Gedanken der südafrikanischen Gesellschaft authentisch zu vermitteln. Durch die enge Kontakte sowohl zu ehemaligen politischen Gefangenen und deren Familien, als auch zum RIM Robben Island Museum, war es möglich, dieses einfühlsame Filmprojekt zu realisieren. Eine umfangreiche Seite zum Thema, mit Trailer, download Möglichkeit und Hintergrund-informationen sowie Bestellmöglichkeit der Film-DVD finden Sie hier.
Robben Island - Video-Trailer
- Germany 2004
- Colour
- 115/92/59 min.
- Digital Betacam
- now available as DVD / video
- 16:9
- Stereo
- English
Robben Island Gestern und Heute
AUF DER SUCHE NACH DER EIGENEN GESCHICHTE
Bereist man heute als Tourist Südafrika, verdrängt man schnell die Tatsache, dass die Demokratie des Landes noch sehr jung ist. Die Zeit der Apartheid ist mit den ersten freien Wahlen im Jahre 1994 zu Ende gegangen. Enorme Fortschritte sind seither gemacht worden, doch vieles muss auch heute noch - im neuen demokratischen Südafrika – verbessert werden. Was gerne übersehen wird: nach Jahrzehnten der Desinformation und Zensur gilt es, die Geschichte des Landes neu zu schreiben, nicht zuletzt um die tiefsitzenden Vorurteile auszuräumen.
GEFÄNGNISINSEL IM WANDEL
Robben Island, eine kleine Insel in der Bucht vor Kapstadt, ist eine der geschichtsträchtigsten Inseln weltweit. Seit dem 15. Jahrhundert ein Platz der Verbannung für politische Gegner, Zwangsexil für geistig und körperlich Kranke. In den sechziger Jahren vom damaligen Apartheids-Regime zum Hochsicherheitsgefängnis erklärt. Prominentester Häftling dieser Zeit: Nelson Mandela. 1990 verließ er die Insel nach 27 Jahren Haft. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident von Südafrika.
Die Geschichte von Robben Island und Nelson Mandela
(Foto courtesy of SA Tourism)
BESUCH DES KULTURERBES
Seit mehreren Jahren ist Robben Island eine Museumsinsel: touristisches Top-Ziel. Besonders im Frühjahr wirkt die Natur auf der Insel so, als wenn sie dabei wäre „zu vergessen“. Blumen erblühen auf den alten Gräbern und den verfallenen Ruinen. Im Hofe des Gefägnisses durchbricht junges Grün den mageren Boden.
Heute ist es jedem interessierten Besucher möglich, vom Nelson Mandela GATEWAY direkt an der V& A Waterfront, die Insel zu besuchen und auf einer rund dreistündigen Tour Einblicke in die Vergangenheit zu bekommen. Der moderne Museums-Glasbau steht im Kontrast zu dem kargen Eindruck der Gefängnisgebäude auf der Insel, die man nach einer halben Stunde erreicht. Der Besuch ist ohne Frage empfehlenswert. Die Insel wurde 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Doch trotz der Tatsache, dass diese Auszeichnung auch für den Erhalt der nationalen Gedenkstätte beitragen soll, wandelt sich schleichend die Authentizität des Erscheinungsbildes der Museumsinsel. Zudem kommt, dass viele der betagten, ehemaligen Exgefangenen, die in den ersten Jahren der Insel in der Funktion als Museumsführer agierten und aus „erster Hand“ berichteten, unterdessen verstorben sind. Viele Bücher wurden geschrieben über die Insel, seine Politiker und Ex-Gefangenen. Das wohl bekannteste "A long walk to freedom" (Der lange Weg zur Freiheit ) die Autobiografie von Neslon Mandela. Viel Filmbeiträge und Interviews haben das Thema bereits aufgegriffen. Ein Dokumentarfilm scheint die Zeit in besonderer Weise festgehalten zu haben...
UND DIE ZEIT STEHT STILL
„BACK HOME - Roots of a New South Africa“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte von der Rückkehr ehemaliger Gefangener, die freiwillig (noch bis vor ein paar Jahren) im „neuen Südafrika“ auf der Insel leben. Es stellt sich die Frage: Was ist Freiheit? Die Freiheit eine Insel verlassen zu können; jedoch auch die Freiheit, an den Ort des Leidens zurückzukommen, um freiwillig dort zu arbeiten und zu leben. Die einfühlsame Dokumentation konzentriert sich dabei nicht auf die prominenten Exgefangen, sondern
schenkt stellvertretend den vielen unbekannten Freiheitskämpfern Gehör, die den Wandel Südafrikas mit ihren Familien mitgetragen haben.
Der über mehrere Jahre recherchierte und im Jahr 2003/2004 fertiggestellte Film „BACK HOME - Roots of a New South Africa“ wurde 2006 vom australischen Verleiher LGI Looking Glass International entdeckt und auf der internationalen Dokumentarfilmmesse MIPCOM in Cannes präsentiert.
WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT
Der deutsche Regisseur Marc Köbler kennt seit über einem Jahrzehnt die Kapregion wie seine Westentasche. Als die Gefängnisinsel 1997 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, war er einer der ersten Besucher auf Robben Island. Seither verfolgte er die Wege einiger der vielen unbekannten Freiheitskämpfer, die auf Robben Island inhaftiert waren. Ihre Geschichten bieten Zugang zu bislang wenig bekannten Hintergründen und enthüllen Details der Vergangenheit. Dazu der Regisseur des Films: „ Für unser Filmprojekt recherchierten wir über drei Jahre. Zwischen meinem späteren Hauptinterviewpartner Tata Sindile und mir wuchs langsam eine Vertrauensbeziehung und Freundschaft, gleichsam der Wille, seinen Leidensweg einem breiten Publikum zugänglich machen. Diese Offenbarung vor der Kamera stellt für Exgefangene eine besonders große Überwindung dar. Bedingt durch Tata Sindiles sich verschlechternden Gesundheitszustand stellten wir uns jedoch jeden Tag die Frage, ob wir die Dreharbeiten verantworten konnten, die er selbst so sehr wünschte.“ Tata Sindile Mngqibisa erhielt die Möglichkeit seine Geschichte zu erzählen. Er verstarb nur wenige Wochen nach den Dreharbeiten. Die oft hochemotionalen Momente und Recherchen des Filmteams der engagierten Filmproduktion Crew 4 You GmbH gingen unter die Haut aller Beteiligten.
NEUE GESCHICHTSBÜCHER FÜR SÜDAFRIKA
Um die Vergangenheit Südafrikas national und international transparent zu machen, sind bis heute Bestandsaufnahmen notwendig - Gespräche mit Opfern, Tätern und Überlebenden. Auf Grund des Alters vieler Zeitzeugen ist dies bis heute ein Wettlauf gegen die Zeit. Das Heritage Department des Robben Island Museums (RIM) versucht täglich, damalige Zeitzeugen ausfindig zu machen und durch Gespräche und Tonaufnahmen Informationen für die zukünftigen Generationen zu sichern. Dazu der Regisseur des Films : „Robben Island - die berüchtigte Gefängnisinsel vor Kapstadt spielt hierbei eine zentrale Rolle. Der grösste Teil der heutigen politischen Führer wurde seinerzeit vom Apartheids-Regime auf die Insel deportiert und jahrelang isoliert. Robben Island ist nicht nur ein Symbol für Unterdrückung, sondern auch Keimzelle des Wandels in Afrika.“ Eine Nation im Wandel und auf der Suche nach sich selbst.
Informationsquellen: Crew 4 You GmbH, IMDB Intern. Movie Database, Mediarights.org
http://www.crew4you.de
Reisevideos zu Robben Island und Nelson Mandela in Kapstadt
An dieser Stelle haben wir einige Videos von Youtube verlinkt, die zum Thema Robben Island gut passen - viel Spass dabei! Kennt Ihr noch andere Videos, dann lasst uns bitte wissen...
Robben Island
Robben Island
Robben Island, South Africa -- In the footsteps of Nelson Mandela