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Birthe Schnell Praktikumsbericht
Chirurgie-Praktikum am Groote Schuur Hospital
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Im Rahmen meines Medizinstudiums absolvierte ich ein viermonatiges Praktikum in dem Fach Chirurgie an der Trauma Unit des Groote Schuur Hospitals, an dem Professor Christiaan Barnard 1967 als erster Chirurg ein menschliches Herz verpflanzte.
Einer der Hauptbeweggründe für die Absolvierung eines Praktikums an einem südafrikanischen Krankenhaus ist die gute praktische Ausbildung der Medizinstudenten, da diese schon zu Beginn ihres Studiums an viele praktische Tätigkeiten herangeführt werden und somit recht früh sicher in deren Ausführung werden können. Die Verbesserung meiner englischen Sprachkenntnisse, sowie die Gelegenheit, vor dem eigentlichen Arbeitsleben als ärztin für einige Zeit in einem anderen Land zu leben und dessen Bewohner sowie deren Kultur kennenzulernen, spielten bei der Wahl dieses Auslandpraktikums ebenso eine Rolle.
Es ist empfehlenswert, sich mindestens ein Jahr vor Beginn des Praktikums für einen Aufenthalt an einem südafrikanischen Krankenhaus (Praktisches Jahr oder Famulatur) zu bewerben, da die Wartelisten für einen Platz sehr lang sind, denn Südafrika ist für eine gute praktische Ausbildung bekannt und die Nachfrage nach einem Praktikumsplatz sehr groß. Zur sprachlichen Vorbereitung ist das Taschenbuch „Medical English" von Peter Gross gut geeignet, da am Groote Schuur Hospital von den ärzten und dem Pflegepersonal fast ausschließlich englisch gesprochen wird (in anderen Städten wird in manchen Krankenhäusern auch bei der Visite (ward round) überwiegend Afrikaans gesprochen, das dem Niederländischen ähnelt). Bei größeren sprachlichen Barrieren waren die Schwestern immer gerne bereit, zwischen mir und den Patienten zu dolmetschen, da manche von ihnen ausschließlich Xhosa sprechen, eine Sprache, die vor allem von der schwarzafrikanischen Bevölkerung des Westkaps gesprochen wird.
Als Student im letzten Jahr der Ausbildung ist man den südafrikanischen final year students gleichgestellt und hat dieselben Aufgaben wie diese: Täglich wechselnd hatte ein Student einen „Pieper" zu tragen, der ihn für die erste Assistenz im OP während der betreffenden Tag- oder Nachtschicht abrufbar macht. Während der Semesterferien der Südafrikaner übernahmen wir ausländischen Studenten diese Dienste (Nacht- und Wochenenddienste eingeschlossen), in der übrigen Zeit bestand deren übernahme auf freiwilliger Basis.
Der Klinikalltag begann morgens um 8 Uhr mit einer ward round auf den Stationen, wobei wir Studenten zu den verschiedenen Fällen oder zu Röntgenbildern befragt wurden. Falls man sich nicht genügend auskannte, wurde der entsprechende Fall von einem der ärzte gut erklärt. Nach der Visite wurde die Stationsarbeit erledigt (Blut abnehmen, Untersuchungen anmelden etc.). Am späten Vormittag gab es im Semester eine zweistündige Vorlesung zu den verschiedenen Themen der Traumatologie, die abwechselnd vom Chefarzt der Abteilung oder den Oberärzten gehalten wurde. Wenn man keinen Dienst zu absolvieren hatte, war es einem freigestellt, sich seinen Tätigkeitsbereich innerhalb der Abteilung auszusuchen. Es bestand die Möglichkeit, die Patienten zu Untersuchungen zu begleiten (Computertomographie, Angiographie u.s.w.), im OP zu assistieren, in der Notaufnahme tätig zu werden (Untersuchung der neuen Patienten, Wundversorgung, insbesondere das Nähen von Stich- oder Schnittverletzungen, Assistenz bei der akuten Versorgung Polytraumatisierter).
Ein häufiger Grund zur Aufnahme eines Patienten in die Trauma Unit war eine Schuß- oder Stichverletzung oder ein Unfallgeschehen. Die hauptsächlichen Arbeiten in der Notaufnahme waren somit das Nähen von Schnitt- oder Stichverletzungen, die Versorgung von Schußwunden als auch die Erstversorgung von Verunfallten, die dann gegebenenfalls an andere Abteilungen weitergeleitet wurden (Orthopädie, Neurochirurgie etc.). Schwerverletze wurden zunächst zur Kreislaufstabilisierung in einen speziell ausgestatteten Raum transportiert oder gleich in den Operationssaal weitergeleitet. Insbesondere an den Wochenenden gab es häufig einen regen Betrieb in der Notaufnahme, da die Gewalt nach Alkoholkonsum oft eskalierte und in schwerwiegenden Verletzungen oder gar tödlich endete, da viele Bewohner Kapstadts Waffen mit sich tragen.
Eine häufig durchgeführte Prozedur im OP ist die Laparotomie (Eröffnung der Bauchhöhle) oder Thorakotomie (Eröffnung der Brusthöhle) mit der „Reparatur" oder Entfernung verletzter Organe b.z.w. die Naht durchtrennter Blutgefäße oder deren „Reparatur" mittels eines Transplantats als auch Hautverpflanzungen, z.B. in Folge von Unfällen. Das Legen von Thoraxdrainagen geschah zumeist schon in der Notaufnahme, wobei die diensthabenden ärzte immer bemüht waren, uns Studenten die verschiedenen Techniken zunächst einmal zu zeigen und uns später selbständig arbeiten zu lassen. Auch das Intubieren von Patienten, das Legen zentralvenöser Katheter und die Entfernung von oberflächlich unter der Haut liegender Revolverkugeln sowie das Eingipsen von Frakturen der Extremitäten wurden oft von mir durchgeführt. Der Arbeitstag endete normalerweise nach der abendlichen ward round gegen 18.30 Uhr. Es lohnte sich eigentlich immer, zusätzlich abends oder nachts zu arbeiten, da dann oftmals mehr Patienten als tagsüber aufgenommen wurden.
Als Fortbildungsveranstaltung gab es in der Trauma Unit im wöchentlichen Wechsel eine Röntgenbesprechung, bei der die Assistenzärzte anhand von Röntgenbildern die interessantesten Fälle der vergangenen Tage vorstellten, sowie eine Pathologiekonferenz, bei der die Mitarbeiter der Abteilung von den Pathologen eine „Rückmeldung" bezüglich der Erkrankungen b.z.w. Verletzungen verstorbener und später obduzierter Patienten erhielten.
Alle ärzte der Trauma Unit waren sehr bemüht, Wissen zu vermitteln und die praktische Ausbildung von uns Studenten zu fördern. Das Arbeitsklima empfand ich als sehr angenehm, da sich der Umgang zwischen ärzten, Studenten und Pflegepersonal als nicht hierarchisch, sondern eher freundschaftlich zeigte.
Die Studiengebühren betrugen 1999 1000 südafrikanische Rand pro Monat, dieser Betrag entspricht, je nach Wechselkurs, etwa 300 DM. Man darf längstens 4 Monate an einem Krankenhaus bleiben. Zudem muß man 300 DM für ein Visum bezahlen (temporary work permit). Nicht jedem Krankenhaus ist ein Schwestern- oder Studentenwohnheim angeschlossen. Bei Zusage hinsichtlich eines Praktikumsplatzes kann man von der Medical School der University of Cape Town eine Adressenliste privater Unterkünfte anfordern, so daß man sich schon von zu Hause aus eine Bleibe für die Dauer des Praktikums organisieren kann.
Die angenehmste Zeit für einen Aufenthalt in Kapstadt liegt meines Erachtens zwischen September und April, denn in dieser Jahreszeit herrschen eher angenehme Temperaturen vor (südafrikanischer Frühling und Sommer). Der Freizeitwert in Kapstadt und der Kapregion ist sehr hoch, da einerseits die Landschaft sehr abwechslungsreich ist (Tafelberg, Meer, Weinregion) und zu vielen Aktivitäten einlädt, andererseits das Nachtleben Kapstadts für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Für einen längeren Aufenthalt lohnt es sich, ein Auto zu mieten oder zu kaufen, da man nachts aufgrund der hohen Rate von Gewaltdelikten öffentliche Verkehrsmittel meiden sollte. Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in Deutschland, das Handeln lohnt sich aber, insbesondere auf den Märkten. Fast überall kann man mit einer Kreditkarte bezahlen, zum Geldabheben aus einem Bankautomaten ist allerdings die EC-Karte viel günstiger.
Die Arbeit an der Trauma Unit des Groote Schuur Hospitals und der Aufenthalt in Kapstadt insgesamt waren eine sehr gute Erfahrung für mich. Ich habe viel gelernt und bin netten Menschen begegnet, nicht nur Südafrikanern, sondern auch anderen Austauschstudenten.
Einen Aufenthalt in Kapstadt im Rahmen eines Praktikums kann ich unbedingt empfehlen.
Weitere Informationen für ein Praktikum an einem Krankenhaus in Kapstadt erhält man unter folgender Adresse:
University of Cape Town Medical School, Faculty Office Elective Officer Mrs. Petersen Anzio Road, Observatory 7925 Cape Town South Africa
E-mail:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Fax: 0027-(0)21-478-955
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