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Südafrika Reisebericht
"underskin project ... eine Reise nach Kaapstad" - 2002
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... die matten aluminiumfarbenen Koffer werden von mir in den roten Toyota geschleppt. Puh, das T-Shirt zog ich erst gar nicht an. über 30 Grad im Schatten ziehen enge Planungen mit sich beim Bekleiden für den Heimflug in den Winter Europas. So trage ich nur die grüne lange Militärhose aus den alten Tagen Australiens (1968 prangt als Herstellungsdatum im Inneren der "pants"). Dazu schwere Blundstone Boots.
Kim eilt um die Ecke nachdem wir Heather, Nicki und der Villa Sunshine Good Bye sagten. 3 Wochen mit einer 5tägigen Unterbrechung war dies unsere kleine Heimat. Dort tollten wir im Pool, immer Blick auf Lions Head, einen der vielen bergigen Attraktionen in und um Kapstadt. Von hier aus geht es nun gen Flughafen Cape Towns. Auf der Fahrt wird es uns nun wehmütig. Wir schlossen Südafrika in unser beider Herzen. Als wir die Hinweisschilder ausmachten "AVIS Return Cars", dachte ich unverzüglich an Antonio. Antonio war der erste Colored zu dem ich ein Wort richten durfte ... vor genau 3 Wochen. Er war es, der uns den knallroten Corolla gab, als Mietwagen. Und, da wir über 5 Tage hinaus in Capetown bleiben wollten, überreichte er uns ein Buch als Geschenk. Von ihm persönlich, wie er versicherte - nichts ließ mich an seinen Worten zweifeln. "Cape Town in 7 days" war der Titel. Unvermittelt stand er nun wieder vor mir. "Antonio, it is you..." schrie ich ihn geradezu an. Er eilte auf Kim und mich zu... drückte uns die Hände. Wir plauderten sofort los über Südafrika, die Erlebnisse ... schon kam John Johnson dazu. Antonio stellte uns den Inder vor. John bat uns ihn JJ zu nennen, das sei sein Name für Freunde.... So sprachen oder eher besprachen wir die letzten 3 wunderbarsten, sowie sicher eindrucksvollsten Wochen unser beider Leben:
Die ersten Tage waren geprägt vom "discovern" Capetowns. Wo sind die Restaurants von denen wir bereits in Hamburg lasen, wo sind die Strände. Wo das warme, wo das kalte Meer? Der Wetsuit mußte vorher noch gekauft werden, bevor es ins Wasser ging. Denn mit dem Boogie- oder Body Surf Board macht es wenig Freude in den 9 - 12 Grad kalten Atlantik zu springen. In den vergangenen Jahren in Australien brauchte ich diesen Neopren Anzug nicht. Der indische Ozean sowie die tasmanische See sind halt wärmer. Aber die heimatliche Nordsee um Sylt herum wird mir ebenso Spaß machen mit dem "Winter Wettie", wie ihn die Engländer nennen (Website: www.quicksilver.com.au) Camps Bay ist nun das Ziel für das "Testen" des Anzugs mit den Wellen des Atlantiks. Uh, ist der eng. Aber nach einigen Minuten (ich trage Größe XL) bin ich in der schwarzen Pelle. Die kurzen entenartigen rot-schwarzen Flossen werden angezogen. Vor mir schwimmt nun nur noch die "Life Rescue" Camps Bays... ohne Anzug, aber auf dem Surfbrett. Rein, tief geht’s hier gleich unvermittelt.... aaahhh, kalte Hände. Aber..... kein Wasser dringt ein. Das ist ein völlig befremdendes Gefühl. Im Wasser und doch nicht darin. Hände, Füße alles okay bei ca. 10 Grad. So, die erste Welle gilt es zu "überschwimmen" um die zweite zu packen, d.h. mit ihr in Richtung Strand zu sprinten... immer auf Tempo mit den Flossen. Dann in die Welle hinein lenken mit den Flossen. Ja, da war sie.... geradezu Eiswasser überrollt meinen Kopf. Die Wellen sollen mich aber eher trainieren, denn größere mächtigere warten auf mich in Südafrika. 6 schwarze kleine Jungs in Badeshorts beobachten mein Treiben und lachen unverhohlen über den dekadent anmutenden Europäer. Sie springen nur mit den Shorts bekleidet in den Atlantik. Unsere Augenpaare treffen sich im kalten Meer Afrikas... und wir lachen gemeinsam auf unseren Borden liegend und paddelnd ...
C`twn hat eine umfangreiche Umgebung, welche sehr schnell zu erreichen ist. Ob Chapmans Peak oder Constania, alles ist in ca. 30 min. zu erreichen. Die Küstenstraßen entlang des Atlantiks gehören sicher zu den schönsten der Welt. Die Wolken ziehen über die 12 Apostel Berge, wie die aufgeschlagene Milch in einer Mailänder Cafeteria. Hout Bay ist klein und abgeschieden. Aber auch hier gibt es sie, die Townships. Später treffen wir auf dem Markt von Hout Bay Elane. Sie ist Sozialarbeiterin und sammelt Geld für in Not geratene Mütter mit ihren Kindern. Doch in Not ist sie selbst auch geraten. In gutem Englisch, welches auf ihre höhere Schulbildung schließen läßt, erzählt sie uns ihre Geschichte. Von ihrem Sohn, der angeschossen wurde im Township. Das die kirchliche Gemeinschaft, für die sie arbeitet, sie ausschließen wolle. Das Schwarzafrikaner sich z.T. vorwerfen, sich wie Weiße zu benehmen, entnahm ich bereits der Biographie Mandelas. Aber Elane sagt, man würde sie dort nicht mehr wollen, da sie nicht an Gott glauben würde; und das sei auch der Grund für ihr Unglück. Sie benehme sich wie eine Weiße, das stünde ihr aber nicht an. Sie sei ja schwarz. Elane weinte - ich weinte. Ich trage aber eine Sonnenbrille. Wir nehmen uns einander in den Arm. " Look, can you see any difference? Between your skin and my skin? Not me! We both have the same blood. Our hearts pump the same blood." Sage ich ihr, während ich selber mit den Tränen weiter ringe. Nein, wir könnten nicht ganz Afrika retten, aber den Rassismuss nehme ich nicht hin, auch nicht als teutonischer Tourist. Kim gibt ihr Geld, für sie persönlich. Es ist keine Spende - Hilfe soll es sein ... einfach den Tag retten für Elane.... Wir trennen uns - wohl wissend, daß wir 3 uns nicht mehr vergessen werden...
Unser Weg soll weiterführen an die Ostküste der Peninsula. Die Viktoria (auch M6) bringt uns durch die Berge nach Constania; wir überholen Land Rover aus längst vergangenen Tagen sowie einen roten Triumph TR 2 aus dem Jahre 1962 mit einem "Jack Russell Terrier" auf dem Schoß der Beifahrerin... Seine braun/weißen Ohren flattern im Fahrtwind; und weiter geht’s nach Claremont, Wynberg bis nach....
Muizenberg, False Bay & Simonstown sind Stationen am indischen Ozean auf der Halbinsel. In Simonstown bestaunen wir die Zwergpinguine, welche sich wie Models ins "Fotolicht" stellen. Eine unglaubliche Neugier ist ihnen eigen, den kleinen Bewohnern von Boulders Beach. Einige Mutige schwimmen mit ihnen im Ozean. Das ist Afrika.
Muizenberg ist das Surfer Paradies am Sonntag für die Coloureds - allein zurück gelassen werden, während ich surfe? Nein, das wollte Kim nicht.
Uns erinnerte es hier an Newquay in Cornwall... "die Welt in einem ..." ja, genau, doch viel größer & ursprünglicher! So führt uns der Weg halt weiter: Die Route 310, auch als Baden Powell bekannt, führt von Muizenberg durch eine Dünenlandschaft nach Gordons Bay; vorbei an Townships wie Mitchells Plain. Skelettierte Hunde liegen ab und an am Straßenrand. Auf den Hügeln erstrecken sich Berglandschaften und die Bucht von Gordons Bay. Alles wird hier zur Einheit. Berge, Dünen & das Meer. Die Farbe des Ozeans ist türkis. Der Himmel strahlt in einem blau, wie von Tusche. "Fluffy Clouds" liegen stumm über dem Meer... ein Wind fegt über diese Einheit der Natur...
Im Regen kommen wir an: In Cape Point - schließlich darf es nicht umsonst gewesen sein, die Windbreaker (Anoraks)mitgenommen zu haben. Erstaunlich, Antilopen & Familien von Straußen kreuzen unseren Weg. Im Hintergrund die stürmische See - wo der warme Indische Ozean auf den kalten Atlantik trifft, welcher von der Antarktis heran gespült scheint.
Aus dem "Sony Walkman" dringt Jazz... Harry Connick Jr. singt "To see you"... ich jogge "along the beach road" in Richtung Green Point, vorbei am Sunset Beach & Three Anchor Bay.... 38 min. werde ich brauchen um die gepflasterte Strandpromenade entlang zulaufen... und zurück. Die Häuser in ihrem "art deco" Stil erinnern an South Miami. Die Berge, dahinter gelegen, an die Schweiz. Die Wellen peitschen über die Felsen der Uferböschung. Norderney oder Biarritz? Die ganze Welt in einem Land ist der Slogan der Werber Südafrikas... wie Recht sie behalten sollen. Vorbei an Bettlern, die ängstlich schauen ... immer auf der Flucht vor der Polizei. Dem Klebstoff schnüffeln verfallen hängen sie an der "waterfront" von Kaapstad. Jugendliche spielen Fußball auf dem Rasen. Weibliche skandinavische Models "walken" oder joggen mir entgegen. "Locals" und "Natives" zwinkern mir zu... schwarze Kids jubeln und möchten mich bestärken... verbirgt meine alte aus der Mode gekommene amerikanische Pilotensonnenbrille meine blauen Augen, daß die "Locals" mich für einen Einheimischen halten? Meine Haut hat bereits die europäische winterliche Blässe gegen einen dunkleren Teint getauscht. Nun, es ist egal. Ich genieße dieses Eintauchen in die Welt Kapstadts. Chet Baker singt "But not for me"... ich drehe an der Bushaltestelle gegenüber der Shell Tankstelle. Der markante Leuchtturm (Mouille Point Lighthouse)schon im Auge. Auf dem Rückweg mag mein Blick gar nicht lassen von Robben Island, der Gefängnisinsel, wo Nelson Mandela 19 der gesamten 27 Jahre einsaß. Die Sonne geht langsam unter über der Stadt. Die Kühle kommt nun vom Süden... eine Brise, die uns der Südpol zu senden scheinen mag, umhüllt mich und gibt Kraft die letzten Kilometer heimwärts zu rennen. Vorbei an Boarder Collies, Pit Bull Terriern und Scotch Terriern ... alle friedlich umhertollend. Zukunftsweisend?
25 JAN 02.... 40 Jahre werde ich heute. Es ist ein Freitag. Mein innigster Wunsch für diesen Tag besteht im Besuch von Robben Island. Meinem Sinn für Geschichte & Politik mag Kim nichts entgegenzuhalten an meinem Tag... das ganze Gegenteil ist der Fall. Von der Waterfront soll es losgehen, dort wo Seals ... also Robben, aller Größen auf Autoreifen im Hafenbecken liegen oder sich sonnen am Ufer. Durchs Becken, vorbei an Touristen und Schleppern, schwimmen oder tauchen diese Tiere. Einige gähnen uns frech an.
Am Counter geraten wir ins Plaudern und die schwarze Kassiererin mit ihrem Kollegen bekommen mit, daß ich heute meinen Geburtstag feiere. Oh, das sage ich dem Skipper auf dem Schiff... meinte sie noch. So war es dann auch. Und die Gäste aus aller Herren Länder applaudierten mir.... mir hat noch niemand applaudiert. Nach 30 min. legt unsere kleine Fähre an. Ein Führer mit Bus erwartet uns bereits. Die Sonne brennt fürchterlich herab an diesem Mittag.
Nach dem "cruisen" über die Insel kommen wir an der Stelle an, wo die Inhaftierten, die "Politischen" sich im Steine kloppen betätigen sollten... Der Sand dort ist so hell, daß der Führer uns bittet die Sonnenbrillen abzusetzen... der fast weiße Sand unter Einfluß des gleißenden Lichts sticht uns in die Augen... Das sei der Grund warum der Präsident Mandela auch heute keine Sonnenbrille trägt. Auch weiß ich, wie ungern er sich photographisch ablichten läßt, da er den Flash nicht verträgt vom Blitzlicht. Wir kommen an im Gefängnisgebäude. Wir werden erwartet von Eugene, er war für 16 Jahre inhaftiert als "Politischer" (... möglicher Terrorist, wie er meint). Er begrüßt uns im Hof des Gefängnisses. Spricht über die Historie und Ablauf des täglichen Lebens als Gefangener Robben Islands. Führt uns vorbei an der Zelle Mandelas. In einer Halle dürfen wir Fragen an ihn stellen. Viele möchten wissen, warum er eingekerkert wurde , ob er enttäuscht sei - heute, wohin mit dem ärger und der Wut über die Verantwortlichen...? Der Verlust all dieser Jahre. Die Antworten gehen mir tief ... deep that deep under my skin... tief unter die Haut.
Beim Verabschieden halte ich eine 50 Rand Note in meiner Hand, welche ich von Kim mir erbeten habe.... sollte ich mich jetzt erniedrigen und ihn auch? Beim Verlassen am Tor stößt Eugene auf zwei Mädchen im Alter von 16-18 Jahren, etwa. Die eine ist schwarz, das andere Mädchen halt weiß. "You both, to see together ... side by side... I really feel ..." da scheint Eugene zu weinen... nun, ich bin an der Reihe mich zu bedanken & zu verabschieden von Eugene. Drücke ihm diese blöde Note verschämt in die Hand und stammele:" You know, Eugene, we Germans we got a gift as well. 10 years ago, when SA got their freedom. Germany were reunited. So, we share luck a littlebit. And please, watch our skin (während ich unser beider gedrückten Hände & Arme nach oben strecke)... there is no difference. It is always the same... we can not understand the past..." Eugene:" It is in their minds, you know." Und tickt an seine Schläfe. Während Kim mich in ihre Arme schließt fange ich an zu flennen, wie ein kleiner Junge. Sage nur: "Das war mir nun wichtig... irgendwie" Hätte gerne dem Leitwolf von dieser historischen Stätte berichten mögen... aber mein Vater starb. So, lebe ich wohl für ihn ein Stück mit...(?)
... "sentimental journey" tönt es aus der Box neben mir, während ich diese Zeilen niederschreibe - Doris Day sang es bereits 1944... was trifft besser auf unsere Reise durch den Süden Afrikas...? Am Abend des 25 JAN versuche ich mich nochmals als Body Surfer am Clifton Beach .... allerdings mit mäßigen Erfolg: Die Wellen treffen mich hart. Es reißt mich förmlich auseinander. Die "googles" (meine Schwimmbrille, welche mit meiner Sichtstärke versehen wurde von einem Optiker in Altona) wird von der Nase gefegt; eine blutige Nase ist die Folge. Kim - besorgt - möchte einen zweiten Versuch nicht so gerne ... Die Felsen am Strand lehren mich auch ein wenig das Fürchten. Auf diese gespült zu werden, empfinde ich als nicht gemütlich und lasse mich gerne überzeugen den Strand den Profis zu überlassen. So kraxeln wir den Berg wieder hoch zum Auto. Beschwerlich, beschwerlich nach dem Desaster da unten. Da fährt mit tönenden Mittelrohr Auspuff ein Mini 1275 GT, wie sie hier unten häufiger auftreten, an uns vorbei. In dem "british racing green" farbenen "Mini Clubman" sitzt ein alter Mann. Seine schlohweißen Haare wehen aus dem offenen Seitenfenster... Ergeben eine Einheit mit dem genauso weißen T-Shirt sowie dem weißem Dach. Müde und ein wenig frustriert, aber mit dem Gedanken: So möchte ich auch mal alt werden. Mit meinem Mini einfach nur alt werden an einem sonnigen Plätzchen unserer Mutter Erde, setze ich mich neben Kim in den Toyota. Geduldig wartet sie auf dem Beifahrerplatz auf mich; daß es doch bald wieder losgehen möge. Nun ruft allerdings Mother City: Wir fahren "heim" nach Kapstadt.
Nachdem wir Stellenbosch & Paarl, den Weingebieten um Kapstadt einen ausgedehnten Besuch abstatteten, ist Kim & mir endgültig klar: "Die Welt in einem Land", der Slogan stimmt wirklich. Ob österreich, oder Norditalien, oder der bayrische Wald; selbst Westaustraliens Margaretriver ist wieder zu finden in den Weinbergen Kaapstads. Der rote Sand hinterläßt seine staubigen Spuren an unseren australischen Blundstones... Wir proben verschiedene Weine und bestellen sogar welchen vom Weingut Lanzerac (www.lanzeracwines.co.za ) nach Hause - nach Reinbek. Abends aßen wir bei Dave Grier, einem Freund von Karl aus Hamburg, welcher selber aus Kapstadt stammt und in Claremont & Paarl aufwuchs. Dave ist Chefkoch in dem Restaurant "De ode Wegemoud". Seine Empfehlung für den Abend war vorzüglich. Wir verabreden uns für die Zeit nach unserem Trip über die "Garden-Route" in der kommenden Woche. Dann wolle er uns das Weingut seiner Familie zeigen. Es wird ein beeindruckendes Ereignis werden, zu sehen, wie familiär und doch industriell hier Wein angebaut wird. 214 Angestellte werden auf Villiera (www.villiera.com) gezählt. Darunter Lehrer für die Kinder, Automechaniker und Chefbuchhalter...
Die Fahrt in Richtung Osten des Landes sollte gemütlich losgehen "we`re not in a hurry" und wir fuhren langsam - immer die Augen offen - nach George, zunächst. An Straußenfarmen vorbei und einem brennenden VW Käfer.... aber Gott Lob, keine Verletzte. Mutter mit Kind stehen neben ihrem Käfer in sicherem Abstand, während die Feuerwehr heran eilt. Das Feld (Afrikaans = Velt) begann schon zu lodern. Der Weg führt uns vorbei an Mossel Bay, durch Heidelberg weiter ... immer weiter auf der N2... 400km lang...
Viktoria Bay liegt - wie der Name ja beschreibt - an einer Bucht, ganz in der Nähe von George. Lisa & Ian begrüßen uns in ihrem Bed & Breakfast "The Waves" (Das neuste MERIAN auf der Seite 98; unser Blick vom Schlafzimmer wird dort gezeigt / e-mail:
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) Ian, ungefähr in den 60igern, kommt gerade zurück vom Joggen und entschuldigt sein verschwitztes T-Shirt. Nur kurze Zeit später nimmt er schon Kim in den Arm, um uns mit seiner Frau zu zeigen: You belong to THE WAVES... to us. Ihre Freundlichkeit setzt natürlich bei uns Teutonen sofort Zweifel frei. Aber später sollen wir erfahren, wie unbegründet die sein sollten. Empfangen werden wir auch von einem heftigen kurzen Unwetter, verbunden mit Hagel. Bevor der Donner & Blitz auf uns herab prasseln sollte, färbte die Sonne alles in ein Orange. Man glaubte die Sonnenbrille absetzen zu müssen. Kim schießt noch schnell Photos um das Schauspiel der Natur festzuhalten. Nachts hören wir nun nur noch den Ozean. Sinnlos meine Boxen & den CD Player raus zu holen. Kein Jazz der Welt kann es aufnehmen mit diesen Tönen der Natur.
Am Morgen verfalle ich schnell dem Charme der Bucht. Den Winter Wettie kann ich in meinem Zimmer anlegen. Nur 10 Schritte bis zum Beach liegen vor mir. Das Sicherheitsband des Surfboards wird am Strand noch um das Handgelenk befestigt. Endlich - wieder Indischer Ozean. Wegen der "Blue Bottle Fishes" tragen die Einheimischen auch hier den Wetsuit. Der Ozean ist aber schon deutlich wärmer als der Atlantik Kapstadts.
Mann, ist das eine "Keulerei" rauszupaddeln, denke ich noch. Gut das ich meine Kondition stärke durchs Joggen... na ja, ein wenig. Aber endlich bin ich draußen. Genieße Welle auf Welle.... geradezu biblisch empfinde ich es hier in dieser Bucht. Die Küste von Wilderness ist auszumachen. Die Berge im Halbverborgenen, kaum erkenntlich. Die Wolken und der Dunst umhüllen sie. über mir kreisen Möven .... während ich Welle um Welle surfe. Mitunter verliere ich das Gleichgewicht und rutsche hinein. Schaue unter Wasser mit meiner Schwimmbrille. Beobachte so das grüne brodelne Meer - halb unter - halb über dem Wasser. Herrlich!
Nachmittags wollen wir eine Straußenfarm uns anschauen. Von innen. Nicht im Vorbeibrausen mit dem Auto - aus der Ferne. Wir fahren los in Richtung R62, Oudtshoorn! Es geht durch Täler & Berge - durch Wüstengegenden. Auf einer Anhöhe schreit Kim mit einem Mal: "Ein Turtle ... eine Schildkröte". Im darauffolgenden Tal gehe ich auf die Bremse. Drehe den "lefthand drive" Toyota und brause direkt wieder auf die rote Anhöhe. Der Sand erinnert doch arg an Australien, doch warum so erstaunt. Wissen wir heute, daß die Kontinente einmal eins waren. Da ist sie! Kim bleibt ängstlich zurück. Gibt ja auch alles mögliche andere Getier hier so... Madame Schildkröte hat einen Panzer mit dem Umfang meines alten Bundeswehrstahlhelms. Nur zögerlich läßt sie sich von mir überzeugen die Straße nicht zu überqueren; aber dann gelingt es mir doch.
"Highgate Ostrich Farm" begrüßt uns. Adam, der schwarze Guide empfängt uns herzlich mit Handschlag. Er zeigt die Farm, die Verwertung der Strauße und deren Haltung auf den Farmen. Mit der Zeit kommen wir uns immer näher. Die Gespräche zwischen dem jungen Mann, welcher vorzügliches Englisch spricht, und uns, werden immer privater. Er möchte noch in diesem Jahr mit dem Studium zum Zahnarztassistenten beginnen und der Touristik Branche Adieu sagen. Als wir uns von Adam verabschieden, sitzt er schon bald zwischen einem burischen Ehepaar mittleren Alters. Schmächtig in der Statur und schwarz in seiner Hautfarbe, tut er mir auf nicht ergründbare Weise leid. Ja, er paßt nicht hierher. Adam gehört an die Uni Kapstadts. Vom ganzen Herzen, wünschen wir uns jeden beruflichen Erfolg für Adam - unserem Guide von Highgate.
Nun heißt es Abschied zu nehmen von Lisa & Ian, dem wunderbaren "The Waves" und Viktoria Bay. Die Wellen werden nun andere genießen.
Plettenberg Bay ist unser nächstes Ziel. Die N2 nur ca. 100 km weiter gen Osten. Immer entlang des Indischen Ozeans, durch den Wildnerness National Park & Knysna. Das "Southern Cross Beach House" heißt uns willkommen (www.southerncrossbeach.co.za). Als habe das Southern Cross Beachhouse mal mitgewirkt in einer "Rosamunde Pilcher" Verfilmung: Ganz in weiß mit einer Veranda rund ums Haus. Die rankenden rosafarbenen Rosen wachsen in unser Zimmer hinein. Manche Zimmer haben "Großmutters" Badewanne. Wie ein Puppenhaus halt. Judy, die Managerin empfängt uns britisch herzlich. Neben den wunderbaren Menschen treffen wir auch auf Rusty, dem 1,1/2 jährigen Airedale Terrier und der älteren Pudelhündin "Fluffy". Sie werden unsere ständigen Begleiter am Strand von Plettenberg Bay. Der Beach, der geradewegs vor unser Nase sich menschenleer und kilometerweit ausdehnt.
New Horizons wird das Township auf der anderen Seite der N2 genannt. Am Nachmittag laufen die schwarzen Bewohner zu ihren Häusern. Kommen von den Arbeiten, die sie für ihren weißen Dienstherrn verrichten. Man mag sich die Menschenansammlung gar nicht vorstellen, welche wie Ameisen hin & her am Laufen sind zwischen Plettenberg & New Horizon. Einige Schwarze joggen - z.T. in Straßenschuhen in Ermangelung an Sportschuhe. Das erinnert mich doch arg an Mandelas Auszug über seine Zeit als Amateurboxer in Johannesburg und der Mangel an Ausstattung.(Biographie Mandelas "Long way to freedom)
An der Shell Tankstelle gegenüber vom Township New Horizons bringe ich unseren Toyota zum Halten. Einer der vielen Tankwarte bittet mich an seine Tanksäule zu fahren. Ich drehe die Scheibe herunter und rufe: "Michael Schuhmacher is still arriving (Maikel Shomäker war wohl der korrekte Wortlaut von mir)" Ein Lächeln ist mir gewiß. Die Plauderei mit Raymond, dem Tankwart kann beginnen. Nein, er käme aus der Transkei (wie Nelson auch, denke ich noch)... aber hier könne er besser Geld verdienen.
Sowohl den Elefantenpark, als auch Monkey Land stehen auf unserem "Terminkalender". Durch das Naturschutzgebiet Tsitsikamma kommen wir ebenso. An Tannen, Kiefern und über den Bloukranspas geht die Tagesreise. Paviane - die hier Baboons heißen - mustern uns am Waldrand. Der "Alte" schaut mir geradewegs in die Augen. Ich solle wohl mit Kim des Weges ziehen... "no Tourists welcome" ???
Der Blick von den Bergen Tsitsikammas auf die riesige Bucht Plettenbergs ist schier beeindruckend. Die wilde See ist noch nicht auszumachen... sie sollte uns erst morgen "packen"...
In Knysna noch beim Thai hervorragend Sesam hühnchen essen. Dann kommt der ganz große Regen über Plettenberg. Der Windbreaker ist innerhalb von Sekunden durchnäßt. Als gieße man Wasserkübel über unsere Häupter, flüchten wir - den Wagen noch nicht mal korrekt abschließend - ins Beachhouse. Ab unter die Decke und den Regen beobachten. Morgen lacht wieder die Sonne.
David, ein australisch aussehender Skipper (trägt den typischen Ozzi Hut, wie ich finde) nimmt uns & einige andere Gäste mit auf die Fahrt zu Delfinen, Hammerhaien und Robben. Wenige Delphine zu fotografieren mag uns an dem Vormittag gelingen. Darüber hinaus stellt uns David seinen Begleiter vor: Viktor, sein schwarzer Assistent. Später kommen Vik und ich ins Gespräch, worauf er erstaunt feststellt, mein Englisch besser zu verstehen, als das Englisch der Liverpooler Engländer. Kunststück ist meine Erwiderung, denn schließlich sei Englisch für uns beide eine Fremdsprache. Der harte deutsche Akzent sei ohnehin dem afrikanischen sehr ähnlich.
Um die Robbenkolonie zu sehen, müssen wir über die gesamte Bucht "preschen" mit dem offenen Boot ans Cape Seal des Robberg Nature Reserves. Die harte See knallt mit ihren noch härteren Wellen an den Bug des kleinen Boots von David. 2 Zwillingsschwestern mittleren Alters aus Liverpool genießen die "Sturmfahrt" an der Spitze unseres Gefährts. Aber auch nur, weil Kim der einen Schwester mit Tabletten vor der üblen Seekrankheit bewahrt.
Die Robbenkolonie umfaßt in etwa 2000 bis 3000 Tiere am heutigen Vormittag. Die "Seals" sind nicht alle "amused"; denn einige scheinen zu dösen oder sogar zu schlafen. Ihre Flossen genüßlich in die Luft haltend - zum Temperaturausgleich. Das Boot dümpelt an ihnen vorbei. Sie schreien vor Schreck. Man meine sie meckern mit einem. Müde oder auch ganz frech blicken wir Auge in Auge .... mit den Robben von Plettenberg. Am Nachmittag soll ich einen toten Robben finden... von Fangnetzen der umliegenden Fischer erdrosselt. Es gelingt mir Rusty davor zu bewahren dort zu schnüffeln. Ich bin wohl doch ein Hundeflüsterer.
Der Abschied vom Southern Cross Beachhouse, Neil dem Hausherrn, seiner Frau Sue, Judy der Managerin und Selena, unserer schwarzen Dame, die für das leibliche Wohl am Morgen sorgte, fällt natürlich schwer. Haben wir uns auch mit den Gästen, wie Nick & Georgia - dem Engländer aus Warwikshire mit seiner Freundin aus dem italienischen Bologna - anfreunden dürfen (sagte ich doch zu Georgia:" The Germans know how to work, but the Italians know how to live. What is the mainpoint? I have no doubts: The Italians make no mistakes, but we...") und anregende Gespräche geführt mit dem älteren Ehepaar Jean & Dave aus England. "I could be a travel agent" waren Jeans Worte. Sie nannte Kim Adressen für eine Safari im Zululand / Natal Gebiet. Our target for the next trip? Aus "Großmutters" Badewanne, bzw. dem offenen Fenster winkte & feixte Jean uns einst hinterher ... hinterher im Garten des Southern Cross, während Rusty uns zum Strand locken wollte; nur wenige Tage zuvor.
Back to Capetown! Wir kommen die N2 entlang, den Eastern Boulevard mit Ziel High Level Street. Runter von der Kloof Straat hinüber zur Fresnaye, vorbei an dem beigefarbenen Borgward Isabella aus dem Jahre 1956; hinein in die Straße zur Villa Sunshine, Ecke Rochester .... "back home" nach 5 Tagen. Nickie öffnet uns die türkisfarbene Tür und wieder schleppe ich Koffer um Koffer die Treppen hoch. Sand vom Strand Viktoria Bays rieselt aus der Tasche des Surfboards.
Am Morgen spricht uns ein englischer Herr mittleren Alters an. Am Frühstückstisch. Er möchte von mir wissen, was ich über den Euro denke. Nun, meine ich zunächst haben wir bereits das "Europäische Währungssystem (EWS)" seit vielen Jahren. Die UK scherte hier Anfang der 90iger aus, stichel ich ein wenig. Der Herr von der Insel nimmt diesen Ball nicht weiter auf, sondern erwidert, er denke nur an die Griechen und den Drachmen .... ich:" Do not forget the guys from Napoli - sweet Italy!" "Gosh, yes.... I have my doubts" sagt er kopfschüttelnd. Okay, die ökonomische Seite ist das eine, aber als Europäer teile ich schließlich Goethe mit ihm, während ganz England Shakespeare mit mir teilen würde. Das wäre doch auch etwas. Ja ja, meint er, aber.... Ich: " I saw on TV - a few years ago - a famous politician from the U.K. and the old man told us his remarkable dream: "I was born as an English - and hope I will die as an European!" And me? I hope I will do the same... why not". Wir essen unsere Spiegeleier mit dem Schinken und schweigen - zunächst - nach etwa 15 min. fragt er nach, hakt nach geradezu: Wenn Du auf jemandem Fremden triffst, dann stellst Du Dich zunächst als Europäer vor und an zweiter Stelle als Deutscher? Ist das korrekt? Ich:" You`re def right! That`s way it is...". So senden Kim & ich wohl den Herrn zurück zur Insel mit einer Denkaufgabe: Was umtreibt diese Deutschen bloß...?
Nun muß ich aber los. Zur Coen Steytler Ave. - dort besuche das Büro eines unser ältesten Kunden: Die Novagroup Ltd.. Mit Vollgas also ab in die Innenstadt. Immer die Mainroad & Somerset Street entlang; vorbei an dem Hotel Viktoria Junction - liegt gegenüber dem "MG & Rover" Händler. Ein feines Loft Hotel, welches es leicht mit dem "W" in Sydney aufnehmen kann. (Das "W" Hotel wurde in einer umgebauten Wharf hinein gebaut - im Stadtteil Wooloomoloo Sydneys)
Es ist heute Dienstag der 5 FEB 02. Um 11:00h habe ich einen Friseurtermin bei Wim. Nun, dann werde ich mal den kleinen Berg hinunter spazieren zur Regent Road. In dem kleinen Friseurladen liegen im Eingang Blütenblätter zur Dekoration. Jemand hat sie des Morgens dorthin gestreut. Im Innern spielen Ella & Louis (Satchmo) ihr Duett "April in Paris" vom CD - Player. Halb Afrikaans - halb Englisch werde ich begrüßt und sogleich weiter verwiesen an eine schwarze Lady von ungefähr 60 Jahren. Nicht alleine die Haare werden mir gewaschen. Nein, der ganze Nacken wird mitmassiert - eine geschlagene halbe Stunde lang. Unter Beobachtung seines Assistenten, fängt nun Wim mit seiner Arbeit an. Natürlich nicht ohne vorher zu fragen, was er für mich tun könne. Diese Art Fragen werden schnell abgeklärt. "Just short!" Ich denke noch, Kim wird sich freuen, denn Wim schnippelt auch an den Augenbrauen, so daß ich den "Leonid Brechnew Look" wohl verlieren werde. Wir spaßen noch so herum und sprechen über ihre Heimat East London und ihr anders gesprochenes Afrikaans, da erzählt Wim mir von seiner bevorstehenden Reise nach Paris im September. So gebe ich noch kleine bescheidene Tips für die Stadt. Empfehle den Besuch des Jüdischen Viertels sowie das Hotel Costes, sowie die Bar dort (www.hotelcostes.com) - September sei ohnehin die beste Jahreszeit. 1998 war ich mit meiner gesamten Familie in der Stadt der Liebe. Mein Vater und meine Mutter Hand in Hand auf dem Trocadero ... gemeinsam blickend auf den Tour Eifel: Ein Abend im September 1998.
Er möchte gerne zur Buddha Bar, etc. Nun - Paris dürfte singen: "See you in September".
Während ich noch zur Villa Sunshine "strolle" tönt es vom Walkman Chet Bakers Trompetenspiel: "There`s is a small hotel"...
Am Nachmittag des 5ten steht eine weitere eindrucksvolle Reise bevor: Der Besuch des Districts Six (heute: Zonnebloem) mit dem anschaulichen Museum nebst dem Besuch des Townships Langa. Richard Engel, unser Guide für den heutigen Nachmittag, holt uns gegen 14:00h ab. Wir holen aus der Stadt noch ein Ehepaar aus England in unseren weißen Kleinbus. Weiter geht’s nun zur Fünft. Richard erklärt uns den sozialen Wohnungsbau Kapstadts (Kims Kommentar: "Na ja") als Richard ihn verglich mit dem Europäischen. Nun gut, in dem "District Six Museum" in der Mount Wharf Straat kommen wir so ins Plaudern. Sprechen über den Jazz Musiker Adullah Ibrahim - seine Musik - sein Leben. Sprechen über die Zwangsumsiedlung Tausender aus dem District Six, welcher erst in den späten 60igern abgeschlossen werden sollte. Beeindruckende S/W Bilder hängen gerahmt an den Wänden des Museums. ähnlich wie in den Berliner Museen so sind auch hier Transparente der Freiheitsbewegungen ausgestellt. Mahnend sehen sie von oben uns an... auf uns herab? Sicher nicht!
Ein knallroter Mini Clubman 1275 GT (gebaut in den 70iger Jahren in Longbridge U.K.) fährt noch vor meine Schwarz-Weiß Kamera. Schnell noch "abgeschossen" ...zurück von der befahrenen Straße... weiter geht es nach Langa.
Im Langa Township, welches bereits im Jahre 1927 gegründet wurde, erwartet uns ein - jetzt- schwarzer Guide: Als Jimmy stellt sich der junge Dipl. Ing. vor. Diese Arbeit als Führer, macht er schon deshalb so gerne, da er extrem schüchtern sei. Er übe nun vor einer Ansammlung von Menschen zu sprechen; Tag für Tag. Damit trifft wieder ein Afrikaner mein Herz. Die Ehrlichkeit und Sensibilität geht uns Bürgern der westlichen Hemisphäre doch nach & nach ab... oder irre ich.... wer weiß es genau?
Jimmy führt uns zu Fuß kreuz & quer durchs Township. Den Kindern sei es verboten uns anzubetteln. Einige Süße tun es dennoch und "klauen" mir den Museums "Flyer" aus der Safari Shorts (who cares?) Es gibt richtige Häuser aus Stein, wo Doktoren & Anwälte leben. Autos stehen vor den Garagen. In einem anderen Haus (Flat, wie ich sie wohl richtiger weise nannte, denn Jimmy nickte - heißen aber eigentlich "hostell") werden wir empfangen. Hier leben 16 Familien im Schichtdienst sozusagen. Die Dame empfängt uns herzlich auf Xhosa. Ich gehe auf die Dame zu. Die füllige Dame trägt ein buntes Kopftuch. Darunter trägt sie ihr Lächeln was mich sofort erobert. Strecke ihr die Hand entgegen zum Dank. Ich spreche Englisch. Sie versteht mich? Lächelt mich weiter freudig an und begräbt meine Hand in der ihren. Ihre harte, wenig zarte Haut läßt auf ein arbeitsames Leben schließen. Es erscheint auch der "Alte". Kahlköpfig und auch Xhosa sprechend scheint er wie aus dem Nichts zu kommen. Ich möchte wieder eine Hand drücken. Nun begraben mich gleich zwei Hände. Raue und doch so zarte Hände umschließen meine Hand. Wir sitzen "side by side" auf seiner Bank. Kim darf mit der S/W Lomo Kamera ein Erinnerungsphoto schießen. Es wird zwei Männer zeigen mit kurzen und gar keinen Haaren in diesem Flat irgendwo in Afrika. Beide werden lächeln und einander nicht vergessen. Kim, das britische Ehepaar und auch ich fühlen uns hier in das 19te Jahrhundert Londons & Berlins zurück versetzt. Das Schlafzimmer zeigt sechs Betten für die 16 Menschen die in Schichten hier schlafen. Vor der Tür werden Marktgebäude erbaut. Aber auch neue Wohnungen für die Familien. Jimmy lädt uns ein wieder zu kommen, um die Neuerungen dann zu begutachten sowie die Fortschritte zu erkennen. Wir nehmen gerne an.
Auf der Rückfahrt sehen wir noch das Township der Coloureds und auch die Tankstelle an der 1993 die junge Amerikanerin Amie Biehl sterben mußte. Aufgebrachter Pöbel erschlug hier die weiße Frau. Sie wollte nur ihre schwarze Freundin heimbringen.
"I wanna see your eys, again. Look through the windows of your soul" singt Mick Hucknall von der britischen Soulgruppe Simply Red, während wir unseren Snack zu uns nehmen ... auf dem Balkon der Villa Sunshine. Den Atlantik nicht aus den Augen verlierend. Es ist Abend geworden. Kim & ich reflektieren diesen Tag. "Under Skin Project"!
Am darauffolgenden Abend parken wir den Wagen hinter der Kreuzung "Sandy Bay" und dem Strandabschnitt mit dem magischen Namen Llandudno - "that is welsh, you know" so erfahren wir es von einem britischen Gast der Villa. Es ist das Mekka der Boogie Boarder Capetowns (neben Blouberg) am Fuße der Berge vor Hout Bay gelegen. Heute Abend (es ist wie immer ca. 17:30h - weil beste Zeit zum Surfen)haben wir "ablandigen" Wind. Und dennoch - stürmt es von See her ebenso, so daß 1,5 bis 2m Wellen sich türmen. Langsam und mit Genuß lege ich den schwarzen Anzug von Quicksilver an. Der hellblaue stürmische Atlantik sieht kalt aus. Vor mir sind schon einige Surfer und Boogie Boarder hinein gesprungen; warum nicht ich auch? Da springt ein ca. 20-Jähriger Kahlkopf von indischer Abstammung neben mir ins Wasser. Mit Flossen spurtet er ins eiskalte Naß. "Jump"! Und verschwunden ist er. Schließt auf seine anderen indischen Freunde auf. Nun ich! AAAAHHHH, verdammt - ist das kalt. Die Hände frieren diesmal. An den Füßen trage ich heute Neopren Socken, welche ich im Surfshop Plett`s kaufte. Egal, immer weiter paddeln und kraulen ins offene Meer; der Winter Wettie hält dicht. Durch die sich treffenden Winde und Wellen, entsteht Regenbogen auf Regenbogen hier draußen. Gottes kalter Hauch wird hier wohl geboren.... Die Wellen kommen gut. Immer wieder schwimme ich hinaus. Genieße Welle um Welle. Mit dem kahlköpfigen Inder noch ein Schwätzchen halten während des Wartens zwischen zwei guten Wellen("To come down from Hamburg, to have some good waves.... hey man, thats cool!" Sind seine Worte) Dann stoße ich ihn fort in die nächste Welle. Wollen ja nicht zusammen stoßen mit unseren Brettern. Das passiert mir aber beinahe mit einem Wellenreiter. Und wieder ein orangefarbenes Board, wie vor einem Jahr in der tasmanischen See. Da mußte ich in letzter Sekunde meinen Kopf reflexartig retten vor einem heran schießenden Surfbrett... in Orange war der Salino an mir noch so vorbei gezischt. Heute und hier dreht der Wellenreiter in letzter Sekunde ab. Kim schießt in dem Augenblick ein Foto. Dort sieht man von der Strandperspektive aus den durch die Welle sich bohrenden Hamburger, während der langmähnige "Local" gerade abdreht. Eine Pittbull Terrier Hündin gesellt sich zu Kim. Läßt sich streicheln und damit verkürzt die Hündin ihr Warten auf Herrchen. Denn der surft was das Zeug hält draußen auf dem Atlantik Llandudnos.
An unserem letzten Tag kann ich nicht ins Wasser von Sandy Bay bzw. Llandudno. Wellen türmen sich heute bis zu 4 m in die Höhe. Die Profis (es sind Kids von unter 20 Jahren) rennen die Anhöhe hinunter, als gälte es etwas zu verpassen. Nun, was solls - mich würden die Wellen in der "Waschmaschine" wahrscheinlich einige Knochen brechen lassen (unter der Welle in eine Art Strudel zu geraten, meine ich an dieser Stelle). Habe schon den Beach Yalingup erleben dürfen... seinerzeit im Westen Australiens, aber diese hier übertreffen alles dagewesene. Kim & ich schauen von oben zu, wie die Boogie Surfer die "Tubes" fahren, d.h. durch den Wellenkamm hindurch rasen. Andere drehen sich in Windeseile 1x oder 2x um die eigene Achse. Tanzen geradezu auf den Wellen. Die Flossen dabei immer hochhaltend. Adieu Llandudno... wann sehen wir uns bloß wieder.... verspreche zu trainieren auf der Nordsee. Sylt oder Amrum oder St. Peter Ording oder doch nur Jüst.... ?
..... "Yeah, bye JJ ... of course Antonio, we will come back.... as soon as possible. Sure..." Da kommen schon weitere Gäste für die beiden. Kim und ich müssen uns sputen. Die Koffer nebst dem Surfbrett wollen noch am Lufthansa Schalter aufgegeben werden.
"You can`t come home again" ist der Titel Chet Bakers, den er 1977 spielte mit seiner Trompete... aber das gilt nicht für uns. Wir kommen wieder. Ganz sicher! Ich döse in der Boing 747 vor mich hin.... lausche Chet`s Trompete. Die Welt hat so viel zu zeigen. öffnen wir die Augen und lassen es geschehen... nehmen es an... Im November / Dezember 1988 verliebte ich mich in Manhattan... beim Abflug war es nachher so, als verließe man eine Urlaubsliebe nach einer Reise. Kapstadt hinter sich zu lassen, bedeutet einen lieb gewordenen Freund zurückzulassen. Einen mit dem man Spaß haben konnte. Der einen zum Lachen, aber auch zum Weinen brachte. Dem man verspricht: Ja, ich komme heim zu Dir.... bald... sehr bald...
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