Kapstadt in Südafrika

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Roland Müller Südafrika Reisebericht

Südafrika - Eine ganze Welt in einem Land?

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Um es vorweg zu sagen, Südafrika in 4 Wochen, 8 Wochen oder 12 Wochen kennenzulernen oder auch nur ganz zu bereisen, ist nicht möglich, dafür bietet es zu viele Facetten an Menschen, Kulturen und Landschaften.

Diese erste Reisebeschreibung wird sich deshalb auf Kapstadt und Umgebung sowie den Table-Mountain beschränken. Auch hier gibt es ein buntes Durcheinander von Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten.

Und auch hier werden die krassen Gegensätze deutlich. An der Waterfront die Flaniermeile "Victoria and Alfred" und dann z.B. in der Nähe des Flughafens das Township "Khayelitsha", ein Begriff aus der Xhosa Sprache der bedeutet "Neue Heimat" hier leben auf ca. 3.372 ha über 1 Million Menschen.

Ist es wirklich erst gestern abend gewesen, das wir dem naßkalten Deutschland den Rücken gekehrt haben und heute, an einem strahlenden Sommermorgen, am Flughafen von Kapstadt stehen. Unglaublich, aber zu unserem Glück ist es Realität.

Im Moment müssen wir allerdings erst einmal schauen wo es den Mietwagen gibt, das ist zum Glück am Airport in Capetown keine große Aktion. Der Flughafen ist klein und überschaubar d.h. mit einem Blick hat man alles gesehen.

Vom Flughafen aus werfen wir einen ersten Blick zum wolkenverhangenen Tafelberg, aber der muß erst einmal warten, unsere Fahrt führt heute in die entgegengesetzte Richtung. Auf der N2 verlassen wir den Flughafen Richtung Somerset West um dann kurz vorher auf die R44 abzubiegen die Richtung Stellenbosch führt.

Wir kommen an Schildern vobei die wir so ohne weiteres gar nicht deuten können wie z.B. "Eerste-Rivier" aber wir haben uns ja vorher informiert und deshalb wissen wir daß die Bezeichnung aus der Zeit der Besiedlung Südafrikas durch die Buren stammt. Auf ihren Streifzügen Richtung Norden, von Kapstadt aus, war hier der erste Wasserlauf den sie durchqueren mussten, deshalb "Eerste-Rivier" (erster Fluß).

Ja und hier auf der R44 ändert sich dann sehr schnell die Landschaft wir fahren durch eine sanfte Hügellandschaft und Karola meint "wie am Kaiserstuhl, ganz genau so" doch irgend etwas ist anders, richtig, es sind die gegiebelten Gutshäuser die überall verstreut in den Weinbergen stehen und z.T. sogar noch Reet gedeckt sind, das ist der typisch kapholländische Baustil.



Etwa fünf Kilometer vor Stellenbosch verlassen wir auch die R44 und biegen rechts in die Weinberge ab. Und dann können wir unsere Hütte schon sehen. Hütte, ist wohl eine maßlose Untertreibung, es ist eines dieser alten gegiebelten Gutshäuser mitten im Weinberg. Der ganze Hofbereich ist mit einer Pergola überdeckt, die mit Wein bewachsen ist, wir können während des Gehens die Weintrauben von oben pflücken.

Ja, und dann kommen auch schon Maureen und Martha, die beiden sind hier für alles und jedes zuständig. Wir werden mit einer Herzlichkeit begrüßt, so als ob wir nur einmal für ein paar Wochen weggewesen wären und jetzt nach Hause kämen, das ist Klein-Akkerdraai.

Das Haus hat nur drei sehr große Gästezimmer und ein angebautes Flat, dazu noch eine Eßküche mit offenem Kamin, die nahtlos in einen großen Wohnraum mit Sitzgelegenheiten, Flügel und einem weiteren Kamin übergeht. Wir fühlen uns alle gleich wie Zuhause, ein gutes Zeichen.

Um das Haus herum sind riesige Weinfelder, und da gerade Erntezeit ist sind ganze Geschwader von Pflückern unterwegs. Karola verkündet daß sie die nächsten zwei Stunden sich nicht mehr von der Stelle rühren wird, d.h. sie setzt sich an einen Tisch unter einer Pergola. Einer guten Idee sollte man nicht widersprechen und so setzen Christa und ich uns noch dazu, Martha bringt uns eine eine große Kanne Roibos Tee und Weintrauben in jeder Menge und so vergeht die Zeit. Irgendwo in der Nähe ist noch ein Pferdegestüt und die vollkommene Ruhe wird nur ab und zu von dem Wiehern eines Pferdes unterbrochen.

"Wie wäre es, noch den Sonnenuntergang am Meer zu sehen" fragt Christa, eine gute Idee denn afrikanische Sonnenuntergänge sind immer etwas besonderes. Irgendwie waren wir etwas weggetreten aber diese Frage macht uns alle wieder wach, aber zuvor muss erst noch die Frage des Abendessens geklärt werden. Martha meint es sei besser einen Tisch zu Reservieren denn noch sei Saison und wir könnten Platzprobleme bekommen, eine Meinung die sich unterwegs immer wieder bestätigt hat. Karola, die nicht zu erstenmal hier ist und sich schon etwas auskennt, ruft kurz entschlossen in Stellenbosch bei "Decameron" an und lässt einen Tisch für den Abend Reservieren.

Nachdem dieses Problem gelöst ist fahren wir hinunter nach Strand, und hier ist an der Beach der False Bay Sunddowner-Highlife. Also erst einmal alles von den Füßen und dann .......... es ist schon ein verdammt angenehmes Gefühl so mit den bloßen Füßen immer an der Wasserlinie entlang im Sand zu laufen. Ab und zu kommen größere Wellen die die Füße und Beine überspülen aber nichts kann den Kreislauf mehr anregen zumal das Wasser angenehm warm ist.

Rechts von uns sehen wir die Kap-Halbinsel, die sich noch weit Richtung Süden erstreckt und auch hier bemerken wir die gleiche merkwürdige Wolkenbildung die für den Tafelberg so typisch ist, das Tischtuch.



Ja und dann der Sonnenuntergang, erst langsam und dann immer schneller fällt der Sonnenball ins Meer. Aber wer jetzt weggeht hat die Hälfte verpaßt. Denn sowie die Sonne am Horizont im Meer versunken ist fangen die Hottentots Hollands, eine Gebirgskette, rot an zu glühen, dieses rot wird zu einem dunkelrot und dann zu einem lila was sich dann allmählich ins schwarze verfärbt, ein unvergesslicher Anblick der jeden Abend aufs neue die Zuschauer fasziniert.

Karola meint jetzt müßten wir so allmählich Gas geben, denn vor dem Essen geht es erst noch einmal nach Klein-Akkerdraai, was aber sowieso am Wege liegt, kurz umziehen und dann ab nach Stellenbosch.

Hier geht es dann so wie so oft, man ist schon einigemale am gleichen Ort gewesen und glaubt genau zu wissen wo was liegt, und wenn man dann wieder hin will muß man doch wieder suchen. So geht es uns auf jeden Fall, einigemale die Dorpstraat in Stellenbosch rauf und runter, kreuz und quer, dann ist die Orientierung wieder da und wir landen direkt bei Decameron. Ein Glück daß wir reserviert hatten, das Lokal ist voll und Gäste die nicht reserviert hatten werden mit der Bemerkung "fully booked" wieder weggeschickt.

Bei der Rückfahrt durch Stellenbosch kommen wir auch an der Kirche vorbei und Crista meint, daß seit dem letzten Besuch die Kirche wohl neue Fenster bekommen hat. Das Glas der Kirchenfenster ist jetzt von einem solchen Blau das mich unwillkürlich an ein Badezimmer erinnert, aber so wird es wohl nicht gemeint sein !

In Klein-Akkerdraai ist schon die Ruhe der Nacht einkehrt und als wir eintreten werden wir von gedämpftem Licht und Musik aus der Stereoanlage empfangen. Der letzte Gast der Abends nach Hause kommt hat auch noch die Aufgabe die Musikanlage auszuschalten, es ist halt wie Zuhause (der letzte macht das Licht aus).



Gaaanz vorsichtig einmal die Augen geöffnet, tatsächlich es ist schon morgen und die Sonne scheint strahlend hell ins Zimmer. Was hatten wir Maureen noch gesagt, richtig so gegen 8.30 Uhr wollten wir frühstücken, dann wird es so allmählich Zeit in die Eisen zu kommen. Ein Blick aus dem Fenster sagt mir daß schon jede Menge anderer Menschen fest bei der Arbeit sind, d.h. rund ums Haus ist voll die Weinlese im Gange. Mein zweiter Blick gilt dem Tafelberg, hat er sein Tischtuch aufgelegt oder ist er frei ? So ganz kann er sich offensichtlich noch nicht entscheiden.

Beim Frühstueck kurze Lagebesprechung und dann der Entschluß es heute am Tafelberg einmal zu versuchen. Also Aufbruch Richtung Capetown zuerst wieder über die R44 und dann über die N2. Bevor wir die Stadt erreichen führt die N2 an Khayelitsha, dem größten Township von Capetown vorbei. Hier sollte man immer vorsichtig fahren da mit Menschen auf der Autobahn immer zu rechnen ist. Die Straße ist vierspurig und links und rechts von einem Zaun begrenzt, zusätzlich befindet sich auf dem Mittelstreifen eine ca. 2,50m hohe Betonmauer, aber nichtsdestotrotz versuchen immer wieder Menschen die Autobahn zu überqueren. Dieses Problem verschärft sich noch bei Dunkelheit. Jeden Monat sterben hier, an diesem verhältnismäßig kurzen Stück Autobahn, einige Menschen.

Einer fährt, der andere liest laut den Stadtplan mit den Straßennamen und der dritte achtet mit auf die Straßenbezeichnungen, mit dieser Arbeitsteilung sind wir hervorragend gefahren und vorwärtsgekommen so auch durch Kapstadt und dann via Kloof Nek zum Kreisverkehr wo es rechts zum Signal Hill und links zur Talstation des Cable-Way geht.

Bei der Talstation der Cable-Way auf den Tafelberg haben wir schnell einen Parkplatz gefunden und stellen erfreut fest daß kaum Andrang ist ,d.h. bei der Kasse steht im Moment überhaupt niemand, Christa meint "Toll , jetzt kann ja nicht mehr viel schiefgehen, denn oben ist auch alles frei".

Aber wenn alles so glatt geht das ist schon fast verdächtig und richtig, an der Kasse hängt ein handschriftliches Schild das die Bahn bis um 14 Uhr geschlossen ist. Aber der Mensch will ja immer wissen "warum", so auch wir und so erfahren wir, daß oben auf dem Plateau eine Gedenkmünze enthüllt wird und die Gondelbahn nur für die geladenen offiziellen Gäste eingesetzt wird. "Sicher werden dann wieder große Reden geschwungen und anschließend Sekt getrunken" meine ich etwas sauer, und Christa fügt hinzu, daß jetzt der beste Zeitpunkt für eine dunkle Regenwolke auf dem Plateau sei, aus dieser Wolke könnten evtl. auch ein paar Regentropfen fallen. Aber was solls wir müssen halt unsere Planung für heute etwas umstricken, da sind wir ja inzwischen schon erfahren drin.

Karola meint " Dann fahren wir halt heute nach Nordhoek, wo ein endlos langer Sandstrand mit kaum Menschen auf uns wartet". also auf nach Nordhoek aber nicht über Hout Bay sondern zuerst Richtung Muizenberg, dann Richtung Kommetjie und endlich nach Nordhoek.



Ja und hier werden wir nicht enttäuscht, ein tatsächlich endloser Sandstrand, an dem sich die Atlantik Wellen brechen, dehnt sich vor uns aus. Also wieder Schuhe und Socken von den Füßen und was gibt es schöneres als schon wieder entlang der Wasserlinie zu laufen. Aber man sollte auch daran denken sich mit Sonneschutzmitteln einzureiben.

Kein Mensch ist am Strand zu sehen, doch halt da ganz in der Ferne sind schnell bewegende Punkte zu erkennen. Beim Näherkommen sehen wir daß es Strandreiter sind, die mit ihren Pferden durch die flachen Wellen an der Wasserlinie galoppieren und das Wasser hoch aufspritzen lassen, ein toller Anblick.

In der Ferne können wir Kommetje erkennen es scheint gar nicht so weit zu sein bis dorthin, aber wir wissen ja dass am Meer oder an langen Sandstränden, wo das Auge keinen festen Anhaltspunkt hat, die Entfernungen sehr stark täuschen können. Und richtig, wir sind jetzt schon über 1 Stunde unterwegs und die Entfernung hat sich noch nicht entscheidend verringert, ich schätze dass wir noch 2-3 Stunden laufen könnten um nach Kommetjie zu kommen. Aber da wollen wir heute nicht hin denn wir müssen ja auch die ganze Strecke wieder zurückgehen.

"Jetzt sollten wir uns wieder auf den Rückweg machen" meine ich nach etwa zwei Stunden, Karola und auch Christa sind der gleichen Meinung, und so laufen wir etwa gegen 16 Uhr wieder bei unserem Auto ein. Hier sehe ich dann gleich das bei mir mein Sonnenschutzmittel "vesagt" hat, und zwar an den Füßen, es sollte zwar "wasserfest" sein war es aber offensichtlich nicht. Den ständigen Wellen an den Füßen war es anscheinend nicht gewachsen. Auf jeden Fall habe ich mir an der Fußoberseite einen kräftigen Sonnenbrand eingefangen der mich wahrscheinlich die nächsten Tage noch heftig ärgern wird. Da gibt es nur eins, Sonnenschutzmittel entsorgen, und ein zuverlässigeres Mittel erstehen.

Karola weiß ganz in der Nähe ein kleines Cafe und so fallen wir dort ein. Wer es nicht kennt fährt mit Sicherheit daran vorbei obwohl es direkt an der Straße liegt, aber gut hinter Hecken und Büschen versteckt. Es tut gut nach so einem Strandspaziergang, der sich über einige Stunden erstreckt hatte, etwas zu trinken egal was. Seit meinem Aufenthalt in Botswana schwöre ich auf "Rock Shandy", ein alkoholfreies Getränk.

"Wo kommen eigentlich die ganzen Leute her" fragt Karola, ja richtig, auf einem schmalen Weg, der irgendwo im Gebüsch verschwindet, ist richtig Betrieb. Da Neugierde eine wichtige menschliche Eigenschaft ist, wollen wir nun doch feststellen was da hinten "im Strauch" los ist.

Ja, das ist ja toll! Weiter hinten sind einige kleine Geschäfte die kunsthandwerkliche Gegenstände anbieten. Hier sind die allgegenwärtigen Holzschnitzer, da sind Topf- und Flechtwaren ausgestellt. Hier hat auch eine junge Frau aus Bayern ihren Shop eröffnet die, nachdem sie uns als Deutsche erkannt hat, einiges zu erzählen hat.

Und so vergeht der Nachmittag mit süßem Nichtstun, aber wir wollen es ja auch langsam angehen lassen.



Die Rückfahrt Richtung Hout Bay, einfach toll. Die Straße windet sich auf halber Höhe einer Steilküste entlang der Felsen. Jede Kurve ein neuer phantasticher Ausblick, das ganze nennt sich "Chapmans Peak Drive". Links von uns geht es ca. 100 m abwärts wo sich dann die Wellen des Atlantik an den Felsen brechen, und rechts von uns geht es über 200 m steil aufwärts.Ja und vor uns ? Da ist natürlich diese alte, stinkende Rostlaube wieder, die mit 4 Personen besetzt ist und fast regelmäßig nach jeder Kurve stehenbleibt und starke Wasserdampfwolken von sich gibt. Ob die so jemals Chapmans Point erreicht ?

Die Straßentrasse wurde erst vor 70 Jahren in den Felsen geschlagen und deshalb sind die Gesteinsschichten noch nicht oxydiert. Wir können die völlig frei liegenden hellen und dunklen Felsschichten erkennen die total unterschiedlich sind.

Wir haben ihn erreicht und dann dieser Ausblich, links die Steilküste die dann weit im Süden in den flachen Strand von Nordhoek übergeht, rechts ebenfalls Steilküste und noch weiter im Norden können wir nun schon Hout Bay mit dem "The Sentinel" erkennen. Hier am Chapmans Point haben sich auch schon die ersten Sundowner Gäste eingefunden. Der Chapmans Peak, nach dem diese Straße benannt ist, ist 596 m hoch und wo wir hier jetzt stehen fällt der Felsen fast lotrecht 160 m in die Tiefe. Heute hier den Sonnenuntergang zu erleben wäre schon toll, aber wir haben für heute eine andere Stelle dafür ausersehen und deshalb geht es schnell weiter, was nicht heißen soll daß an unzähligen Vistapoints angehalten und gesehen wird, aber irgendwie müssen wir ja weiterkommen.

Karola hat einen Reiseführer konsultiert und so kann sie uns sagen: "Ja also Hout Bay heißt auf deutsch Holzbucht, weil man früher hier die Bäume für den Schiffsbau gefällt hat. Heute ist der Ort eher für guten Seafood bekannt (Lobster und Fisch)".

So allmählich stellen wir uns die Frage ob wir unser Sundowner-Ziel noch vor Sonnenuntergang erreichen, aber nachdem wir Hout Bay hinter uns gelassen haben d.h. der Chapmans Peak Drive hinter uns liegt, geht es wieder besser vorwärts weil ganz einfach nicht mehr so viele Vista Points an der Straße sind !!! Llandudno lassen wir heute links liegen und dann, ja dann liegt tatsächlich Camps Bay vor uns. Das heist wir sind schon auf der Main Street. Das Auto wird einfach am Straßenrand geparkt, und dann direkt zum Strand. "Was soll eigentlich all diese Hektik, wir haben doch alle Zeit dieser Welt" geht es mir durch den Kopf, richtig sagt Christa, irgendwie haben wir uns die letzten Kilometer dahinein gesteigert um rechtzeitig zum Sonnenuntergang zu kommen, der läuft uns doch nicht weg!!". Also, zwei Gänge zurückgeschaltet, tief durchgeatmet, und jetzt können wir ganz gemütlich zu den im Meer liegenden Felsen gehen. Die Steine haben noch die Wärme des Tages gespeichert und hier läßt es sich angenehm lagern.

Bis die Sonne untergeht dauert es noch etwas, und jeder hängt im Moment so seinen Gedanken nach, läßt vielleicht den Tag noch einmal Revue passieren oder denkt aber auch einfach einmal an garnichts. Wenn ich so an unsere Hektik von soeben denke, die uns im Alltag in Deutschland ständig begleitet, fällt mir ein Satz ein, den ich in irgendeiner Zeitschrift gelesen habe und der bei mir Zuhause an der Pinnwand hängt:

"Im Laufe der Zeit läßt man sich in so vieles verwickeln und merkt oft nicht, wie man an Lebendigkeit verliert, in Abhängigkeiten gerät und Dinge tut, die nicht aus einem selbst entstanden sind. Einmal den gewohnten Weg zu verlassen hat etwas unglaublich anregendes"



Jetzt ist es soweit die Sonne fällt am Horizont ins Meer, so scheint es zumindest. Und als sie so verschwindet glühen die "zwöf Apostel" in unserem Rücken rot und dunkelrot auf. Zu allem Überfluß haben sie auch noch ein Tischtuch aufgelegt das über die Ränder hängt. Für alle die die letzten Sätze nicht ganz vestanden haben hier noch einmal alles in Klartext. Also, die zwölf Apostel sind eine Bergkette die sich vom Tafelberg in Richtung Süden zum Cape Point zieht. Der Tafelberg ist der erste der zwölf Apostel. Das Tischtuch bedeutet, daß sich Wolken über der Bergkette gebildet haben die wie eine Sahnehaube über die Ränder hängen, also jetzt müßte alles klar, oder ? Und wem nicht, ja der muß sich einfach alles in Natura ansehen.

Nach einem, wieder einmal ausgiebigem, Frühstück nehmen wir heute den zweiten Anlauf um auf den Tafelberg zu kommen weil, in Capetown gewesen und nicht auf dem Table Mountain gewesen zu sein, irgendwie ist das doch sehr unbefriedigend. Also via Kloof Nek zum Kreisverkehr wo es rechter Hand zum Signal Hill, und links zur Talstation der Seilbahn geht. Die Bahn ist erst wieder seit November 97 in Betrieb, vorher war sie fast 2 Jahre wegen Umbauarbeiten stillgelegt. Damals war die Bahn noch ein ziemlich altmodisches Gondelbähnchen das die heutigen Besucherzahlen nicht mehr geschafft hätte.



Wir haben wieder einmal Glück, an der Kasse ist kaum Betrieb, es wird keine Gedenkmünze eingeweiht, der Kassierer ist willig uns Tickets zu verkaufen und der Tafelberg hat kein Tischtuch aufgelegt, was wollen wir mehr. Die neue Bahn ist eine Schweizer Konstruktion und eine Gondel kann, lt. Beschreibung, 160 Personen aufnehmen.

Mit einem sanften Rucken zuerst fast unmerklich setzt sich die Gondel in Bewegung.Und jetzt merken wir erst den besonderen Clou der Gondel, der Boden ist ein Drehboden d.h. er dreht sich innerhalb der Gondel sodaß jeder Passagier bei der etwa 7 Minuten dauernden Auffahrt einen kompletten Rundblick über Kapstadt und die Tafelbuch hat.

Ehe wir uns versehen sind wir oben und hier kann man deutlich erkennen daß die Baumaßnahmen immer noch voll im Gange sind. Die Bergstation der Gondelbahn ist komplett neu errichtet mit allem was für die Abfertigung von großen Besucherzahlen notwendig ist ausgestattet. In der näheren Umgebung der Station sind die Wanderwege nun sehr gut ausgebaut d.h.betoniert, daß auch Rollstuhlfahrer hier unterwegs sein können. Über die senkrecht abfallende Wand des Tafelberges ragen ein paar Aussichtsplattformen, die offensichtlich auch neu sind. Hier in diesem ersten Bereich herrscht ein reger Betrieb zumal auch noch die Handwerker und Bauarbeiter tätig sind.

Wir sehen uns an und sagen, nur weg aus diesem Trubel. Nach ein paar hundert Metern hören die betonierten Wege auf und die Pfade sind so wie sie früher waren, einfache grob zugehauene Natursteinplatten die zwischen den Felsen verlegt sind. Auch hier sind einfache Aussichspunkte angelegt. Tief unter uns liegt Kapstadt und am Hafen erkennen wir das Touristenviertel "Victoria and Alfred". Rechter Hand sehen wir die N2 über die wir gekommen sind. Leicht links von uns ist der Signal Hill auf dem, wie ich irgendwo gelesen habe, in früheren Jahren eine Schwarzpulverkanone stand, die das Einlaufen eines Schiffes in die Tafelbucht ankündigte. Der Signal Hill ist übrigens die Verlängerung des Lions Head und wird deshalb auch oft als der Rücken des Löwen bezeichnet.

Wir nehmen uns vor das andere Ende des Plateaus zu erreichen, können aber absolut nicht abschätzen wie weit es bis dorthin ist. Die Fläche ist ziemlich eben, nur ab und zu von einzelnen niedrigen Felsformationen unterbrochen. Es ist wie am Meer wo man sich auch bei Entfernungen ganz grob verschätzen kann. Hier oben wächst die typische Fynbos-Vegetation des Kaps, die in über hundert verschiedenen Arten auftritt.

Wir sind nun schon über eine Stunde unterwegs und ein Ende ist noch nicht in Sicht, doch was ist das, vor uns schneidet doch tatsächlich eine, für hier oben schon erwähnenswerte, Schlucht ins Plateau, die sich dann als einer der Fußwege auf den Tafelberg entpuppt. Ja sie lesen ganz richtig es gibt auch einige Fußweg hierauf. Einer dieser Fußwege beginnt bei Platteklip kurz hinter der Lower Cableway Station. Aber man sollte sich nicht täuschen, weil die Wege z.T. ausgesprochen schwierig sind und die Wetterbedingungen unberechenbarer als bei uns Zuhause. Das Risiko, daß Tafeltuch -Nebel abrupt die Sicht blockiert ist jederzeit da und dann ist der Pfad nicht mehr zu erkennen. Jedes Jahr kommen einige Menschen auf solchen Touren am Tafelberg ums Leben. Für den Aufstieg sollte man etwas 4 Stunden ansetzen. Die entsprechenden Wanderführer z.B. "Western Cape Walks" gibt es in Kapstädter Buchhandlungen z.B. der Deutschen Buchhandlung Naumann 17 Burg Street.

Da wir diese Schlucht nur queren, müssen wir einmal hinab- und an der anderen Seite wieder hinaufklettern eine ganz schöne Kraxelei, und weiter geht es. Ganz in der Ferne glauben wir jetzt das Ende des Table-Plateaus zu erkennen aber auf eine Enfernungs- bzw. Zeitschätzung läßt sich keiner mehr eine. Hier sind jetzt auch kaum noch Wanderer unterwegs und das ist gut so. Über das Plateau führen 3 Wege, einer am rechten Rand, einer am linken Rand und einer über die Mitte. Wir haben den linken, von der Cable-Station aus gesehen, genommen, und haben deshalb bei fast jeder Pfadbiegung einen neuen Ausblick auf Kapstadt. Am Ende des Plateaus scheint eine strohgedeckte Hütte zu stehen, so scheint es mir zumindest. Aber dieses Ende will und will nicht näherkommen, eine ausgesprochen zähe Angelegenheit. Man biegt um eine Felsecke und meint jetzt müßte doch das Ende vor einem liegen aber April, April, es scheint sich nicht zu bewegen.

Karola sagt: Wie gut daß wir schon morgens hier hin gefahren sind sonst hätten wir diesen ganzen Weg hin und zurück nicht machen können". Dem kann ich nur zustimmen, von unten hat man überhaupt keine Vorstellung von der Größe des Plateaus.

Wieder geht es um eine Felsecke und ..... oh Wunder und kaum zu glauben das Ende liegt sozusagen vor uns, wir hatten überhaupt nicht mehr damit gerechnet. Was wir aus der Ferne als strohgedeckte Hütte identifiziert hatten entpuppt sich als Steinhaufen und davon haben wir einen tollen Ausblick, links wieder Kapstadt und geradeaus geht unser Blick über die N2 ins Weinanbaugebiet. Wir können ganz in der Ferne den Helderberg erkennen an dessen Fuß Klein-Akkerdraai liegt, ungefähr so 30 km entfernt.

Wir setzen uns auf die sonnengewärmten Steine, packen die Rucksäcke auf und lassen es uns erst einmal schmecken.

Währenddessen schweift unser Blick Richtung Weinanbaugebiet mit den Hauptorten Stellenbosch und Franschoek die in den nächsten Tage unsere Ziele sind.

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