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Waltraut Antoniades Afrika Reisebericht
Südafrika - Simbabwe - Botswana - Namibia
Name: Waltraut Antoniades (in Köln)
Ich habe die schönsten Landschaften und Städte der Welt gesehen. Ein Naturwunder fehlte mir noch: Die Victoria-Wasserfälle in Simbabwe. Wie anstrengend die Reise werden würde, ahnte ich nicht, als ich mich gemeinsam mit 15 Lehrern und Globetrottern auf den Weg machte. Es gehört schon eine gesunde Portion Toleranz und der absolute Verzicht auf den gewohnten Komfort dazu, sich dem fahrenden Hotel, genannt Rotel, anzuvertrauen

Dafür kommt man in Gegenden , von denen andere Touristen nicht einmal den Namen kennen. Naturkatastrophen, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Bürgerkriege sind kein Grund aufzugeben. Man weicht ihnen einfach aus. Es ist ein Ort solider Geborgenheit, ganz gleich was einem widerfahren mag.
Die ersten beiden Tage sind der Anfahrt, dem Flug und einem Stop in Windhoek (Namibia) gewidmet. Die eigentliche Tour beginnt in Johannesburg (Südafrika).
3. Tag - Johannesburg und Pretoria
Johannesburg war einmal der Nabel des Landes, sein wirtschaftliches Kraftzentrum. Das ist nahezu vorbei. Noch gibt es einige repräsentative Gebäude und Plätze. Einen gemütlichen Schaufensterbummel kann man vergessen. Schwarz hat das Stadtzentrum erobert. Fünfzehn Menschen leben in einer Wohnung, die für vier gebaut ist. Gehwege sind durch die Massen von Straßenverkäufern unbegehbar geworden. Überfälle sind an der Tagesordnung mit steigender Tendenz.
Wir besichtigen eine stillgelegte Goldmine, essen in einigen der vielen Restaurants im ehemaligen Carlton-Hotel, in dem kein einziger Gast mehr absteigt. Schließlich fahren wir in den 50. Stock des gleichen Hotels, um das Panorama zu genießen. Unser Blick fällt auf zusammen gewürfelte Steinkästen inmitten von Abraumhalden ehemaliger Goldgruben. In der Ferne ahnt man das Häusergewirr von Soveto, Township der Farbigen, ein Stadtgebiet, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt.
Die Zentren des Erste-Welt-Lebens haben sich in keimfreie Außenbezirke abgesetzt. Johannesburg ist für die aufstrebende Wirtschaftswelt ein Albtraum, der jegliche Aktivität lähmt. Dennoch muss man es gesehen haben, um zu erkennen, wie gut es uns noch geht.
Pretoria ist die administrative Hauptstadt Südafrikas. Im Union Building tagt die Regierung, sofern nicht Parlamentssaison in Kapstadt ist. Obwohl nur 60 km von Johannesburg entfernt, ist Pretoria eine ruhige, saubere Stadt mit viel Grün, schönen Häusern und herrlichen Parkanlagen. Im November - Dezember blühen 50.000 Jacaranda-Bäume in den Straßen.
Unsere Besichtigungstour führt uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Im Wohnhaus von Paul Krüger, dem berühmtesten Präsiden von Südafrika, möchte man sich gleich häuslich niederlassen, so gemütlich ist es. Das Vortrekkerdenkmal, das auf einem Berg thront, erinnert von der Architektur her an das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Kunstvolle Steinmetzarbeiten im Inneren des Denkmals erzählen lebendig von der entscheidenden Schlacht zwischen den burischen Vortrekkern und den Zulus. Pretoria ist nach dem Sieger der Schlacht am Blood River benannt, dem Burenführer Andries Pretorius.
4. Tag - Krüger Nationalpark
Heute müssen wir schon um 5 Uhr früh aus den Federn. Obwohl ich gern lange schlafe, fällt mir das Aufstehen so früh am Morgen nicht schwer. Es mag daran liegen, dass ich in meiner Schlupfkabine bei offenem Fenster und frischer Luft ausgezeichnet schlafen kann. Nach dem Frühstück in freier Natur fahren wir los. Der Weg bis zum Krüger Nationalpark ist weit. Ich habe den besten Platz im komfortablen Reisebus. Neben mir in der ersten Reihe sitzt Klaus, ein Österreicher, mit dem ich mich gut verstehe. Alles, was wir haben, wird geteilt. Unser Weg führt über die Drakensberge und eine Fülle faszinierender kleiner Orte. Am Spätnachmittag erreichen wir den Krüger Nationalpark, der über einige ausgezeichnete Camps verfügt. Sämtliche Camps sind peinlich sauber, verfügen über Restaurants und Einkaufsläden, meistens auch über Swimmingpools.
Der Krüger NP gilt als das artenreichste Tierreservat Afrikas und ist mit ca. 20000 km halb so groß wie die Schweiz. Er erstreckt sich über 350 km von Norden nach Süden entlang der Grenze von Mocambique. Wenn man jedoch glaubt, die wilden Tiere würden an der von uns befahrenen Straße Spalier stehen, hat man sich gewaltig geirrt. Die Landschaft ist ziemlich eintönig. Zu beiden Seiten der Straße erstreckt sich Buschland soweit das Auge reicht. Doch dann zeigt sich ein Kudu, dann eine ganze Herde. Als sich dann noch ein paar Oryx-Antilopen zeigen, gerät unsere Reisegruppe ganz aus dem Häuschen. Wir halten an. Kameras werden gezückt. Ich bleibe gelassen. Ein Schnappschuss durch die Scheibe und dann noch mit Tele, bringt bei der Entfernung gar nichts. Aussteigen dürfen wir nicht. Von vornherein habe ich daher beschlossen, die Kamera in der Tasche zu lassen.
Auf meinem Trailritt zu Pferde durch die schönsten Landschaften von Tansania und später in Kenia hatte ich die Möglichkeit, nahezu sämtliche wilden Tiere hautnah zu fotografieren. - Helle Begeisterung, ein paar Giraffen im Gebüsch auftauchen und unser monströses Gefährt neugierig bestaunen. Giraffen mit schön gefleckter Jacke, den langen Beinen und den sanfte lang bewimperten Augen, sind wunderschöne Tiere. Elefanten trotten gemütlich über die Straße. Unser langsam fahrendes Gefährt stört sie nicht. Hin und wieder zeigen sich Zebras, Schakale, Impalas, Warzenschweine, Strauße und viele bunte exotische Vögel. Die Tiere zeigen sich selbstbewusst und zufrieden. Löwen sehen wir nicht. Sie haben ihre Reviere weit draußen im Park, wo sie vor neugierigen Touristen sicher sind.
Die entsetzliche Flutkatastrophe, die auch den Krüger NP nicht verschonte, hat unzählige Wasserstellen hinterlassen. Der Tisch ist mit saftigem grünen Gras gedeckt. Ich mag garnicht an die armen Tiere in den zoologischen Gärten denken.
Der Krüger NP ist Moskito-Gebiet. In der Serena-Lodge werden daher die Moskitonetze montiert. Abends sitzen wir bei einem Glas Wein oder auch zwei gemütlich beisammen und lassen den Tag Revue passieren. Die meisten meiner Mitreisenden nutzen die Osterferien. Sie sind gesprächig, belesen und haben Humor. Man fühlt sich als Mitglied einer Familie. Dennoch, Rotelianer werden seit Jahren herablassend belächelt, und ihr Gefährt, mit dem sie um den Globus rollen, wird als Hühnerstall, Backofen, oder rollende Särge apostrophiert. Tatsächlich erinnern Maße und Anordnungen den Ruhestätten der Grabtürme von Palmyra.
Dort muss dem Erfinder die Idee zu dem rollenden Hotel gekommen sein. Trotzdem mögen wir das Ungetüm, weil es unabhängig von jedem Luxushotel in die entferntesten Ecken der Welt führt und eine Gemeinschaft beherbergt, die sich in der Regel freundlich und hilfsbereit gibt.
5. Tag - Simbabwe - Botswana
Wir verlassen den Krüger NP und fahren in Richtung Messina, die letzte Stadt Südafrikas. Dort wollen wir die Grenze nach Simbabwe überqueren. Doch daraus wird zunächst nichts. Die Zeitungen berichten, dass Banditen mit Unterstützung des unfähigen korrupten Präsidenten die Farmen der Weißen überfallen, die Besitzer foltern oder töten und die gerade eingebrachte Ernte vernichten. Gerlinde, unsere Reiseleiterin, erkundigt sich vorsichtshalber bei der deutschen Botschaft, ob dies zutrifft. Die Botschaft rät uns mit allem Nachdruck, nicht nach Simbabwe einzureisen. Es sei zu gefährlich. Mithin müssen wir einen beachtlichen Umweg über Botswana in kauf nehmen.
Botswana ist ein friedliches Land. Es verfügt - wie auch die meisten afrikanischen Länder - über beachtliche Bodenschätze. Doch an landschaftlichen Schönheit hat es wenig zu bieten. Stundenlang rollen wir durch einschläferndes Buschland. Klaus, mein Nachbar, meint: "Bei uns in Österreich ist es schöner." Immer wieder fallen uns die Augen zu. Gerlinde bemüht sich verzweifelt, uns bei Laune zu halten und liest uns Geschichten über Land und Leute vor. Auch wissen wir nicht, wo wir unseren Bus abstellen sollen. Schlafkojen haben wir, aber wir brauchen auch Duschen und Toiletten. Schließlich finden wir ein Hotel, das ganz ordentlich ist. Doch auch Farbige, die in den Kupferminen arbeiten, wohnen dort und manövrieren in stolzer Besitzerfreude ihre Autos hin und her.
7. Tag - Botswana - Victoria Falls
Francistown in Botswana ist nicht gerade eine Vorzeigestadt. Trotzdem machen wir dort zwei Stunden Pause. Der Fahrer muss sich ausruhen. Auch muss er tanken. Unmut macht sich bemerkbar. Was in aller Welt soll man in solch einem gottverlassenen Nest anfangen ? Allen Warnungen zum Trotz beschließen wir, den Weg zu den Victoria-Fällen in Simbabwe zu wagen.

Auf dem Weg dorthin wird uns noch einmal das Ausmaß der Flutkatastrophe deutlich, die kürzlich Mocambique, Simbabwe und den Krüger Nationalpark überrollt hat. Wir gelangen zu einer Brücke, die über ein tiefes Tal führt. Sie weist starke Beschädigungen und breite Risse auf. Das Geländer ist abgerissen und baumelt träge über dem Abgrund. Die Wucht, mit der die Flut alles mitgerissen hat, muss ungeheuer gewesen sein. Riesige Bäume sind umgestürzt. Wurzeln ragen wie drohende Finger in die Luft. Ein Warnschild weist darauf hin, dass die Brücke nur auf eigenes Risiko passiert werden darf. Nun, die Brücke hat gehalten. Kaum zu glauben, dass dieses Rinnsal da unten, das sich mühsam einen Weg über Blättergewirr und abgerissene Äste bahnt, dieses Chaos verursacht haben soll.
Die Grenzüberschreitung ist problemlos. Nach zwei Stunden Fahrt sind wir am ziel. Elegante Hotels und Geschäfte säumen die Hauptstrasse durch Victoria-Falls. Ein beachtliches Polizeiaufgebot verspricht Sicherheit. Das Leben geht seinen gewohnten Gang. Endlich sind wir im Camp. Als wir unser Abendbrot im Freien einnehmen, leistet uns ein Elefant Gesellschaft, der jenseits des Zaunes grüne Zweige verspeist.
8. Tag - Victoria Falls
Die Victoriafälle, das eigentliche Ziel unserer Reise, sind erreicht. Uns wird empfohlen, Regenkleidung und Schirm mitzunehmen. Gleich schon am Eingang empfängt uns leichter Sprühregen, den ich bei der Hitze als angenehm empfinde. Ein Dschungelpfad von etwa zwei Kilometern, führt an den Fällen entlang. Bald schon vernehme ich das Tosen stürzender Wassermassen. Am Denkmal von Livingstone, dem Entdecker der Fälle, betrete ich eine der Aussichtsterrassen. Zwischen Steilwänden stürzt der Sambesi bis zu 100 Metern in die Tiefe. Schäumende Gischt verwandelt die feuchtwarme Luft in einen Schleier aus Dunst, der die gewaltigen Wassermassen nur undeutlich erkennen lässt. Langsam wandere ich weiter, immer am Abgrund entlang. An einigen Stellen sind die Fälle in aller Deutlichkeit zu sehen.
Mir fehlen die Worte, um die berückende Schönheit der tosenden Wassermassen zu beschreiben. Hier kann man nur staunen und dankbar sein, dieses Naturschauspiel erleben zu dürfen. Doch dann passiert etwas Unfassbares. Ein Tropenregen prasselt mit voller Wucht auf die wenigen Besucher nieder und verwehrt jeglichen weiteren Blick. Ich schwimme im Wasser. Die Erde dampft. Im Nu bin ich nass bis auf die Haut. Verzweifelt versuche ich, mich in Sicherheit zu bringen. Ganz plötzlich ist es still. Als wenn nichts gewesen wäre, scheint die Sonne.
Das war kein Regen. Das waren die Fälle, die dieses Phänomen zustande gebracht haben. Erklären kann ich es nicht. Auf einer Bank hocken Franz und Christel. Ihre Kleider hängen verstreut auf Bäumen und Sträuchern. Franz ist ein Globetrotter. Mit seinem Caravan hat er Amerika von Alaska bis Feuerland durchquert. Ich habe das zwar auch gemacht, aber in mehreren Etappen und anderen Transportmitteln. Mit Christel aus Dresden hat er bereits eine weitere Tour geplant. Es dauert nicht lange und wir sind wieder trocken. Gemeinsam schlendern wir weiter. Unser Weg führt uns zunächst nach Sambia auf die Sambesi-Brücke. Dort schauen wir den Bungi Springern zu. Fünfzig Meter stürzen die sich in die Tiefe und schwingen mit weit ausgebreiteten Armen über den reißenden Fluss. Mir wird schon übel, wenn ich bloß in die Tiefe schaue.
Nach diesem Abstecher in das Nachbarland spazieren wir gemütlich zurück nach Simbabwe und kehren in der Ilala Lodge ein. Entspannt lassen wir uns in bequeme Korbsessel fallen. Umgeben von Blumen und Palmen genießen wir noch einmal den Blick auf die Wasserfälle. In den Hotels und Lodgen wird noch immer der englische Lebensstil gepflegt. Nach einem köstlichen Mahl in der Nobelherberge wandern wir auf Dschungelpfaden am Sambesi entlang, der sich außerhalb der Fälle ganz friedlich gibt. Wiederum stoßen wir auf eine Lodge der gehobenen Klasse. Englischer Rasen, Blumenrabatten, Skulpturen, gepflegte Küche und edle Bedienung laden zum Verweilen ein. Die wenigen Gäste werden maßlos verwöhnt. Doch Warnschilde weisen darauf hin, dass Wildlife die Gartenanlage passiert. Und schon erscheint eine Warzenschweinfamilie. Die Mutter voran, die Kinder im Schlepp. Der Vater mit seinen furchterregenden Stoßzähnen grunzt böse, als wir ihn fotografieren wollen. Ein Krokodil ruht müde am Ufer des Flusses. Noch einmal genießen wir den Komfort der großen schönen Welt, dann bringt uns ein Shuttlebus zurück ins Camp.
9. Tag - Sambesi
Heute steht eine Fahrt auf dem Sambesi auf dem Programm. Die Tische auf dem Bötchen sind festlich gedeckt. Leckerbissen werden gereicht. Immer wieder wird Champagner in die Gläser gefüllt. Leise gleitet das Boot auf dem breiten Fluß dahin, an Inseln vorbei, an deren Ufern Krokodile und Flusspferde dösen. Die Landschaft ist schön, nicht spektakulär, aber ruhig, grün, sanft. Ein Elefant badet mitten im Fluss. Genüsslich spritzt er sich immer wieder mit Wasser, wobei ihm der Rüssel als Dusche dient. Dann schwimmt er gemächlich ans andere Ufer.
Am Nachmittag bummle ich allein durch den Ort. Ich unterhalte mich mit einigen weißen Einwohnern, die schon seit Generationen in diesem Land leben. Auf meine Frage, ob sie fürchten, daß der Mob auch sie überrollt, reagieren sie gelassen. Im Olifanten-Hotel, versichern sie, finde gerade ein Meeting der südafrikanischen Präsidenten statt, die dem Präsidenten von Simbabwe begreiflich zu machen versuchen, dass er die Überfälle auf Großfarmen stoppen soll. Die Farbigen seien doch nicht in der Lage, eine Großfarm zu führen. Dennoch, die weiße Bevölkerung habe Angst. Viele verlassen das Land, weil sie ein Chaos fürchten, wie in so vielen der afrikanischen Länder.
Am Abend speisen wir vornehm in dem eleganten Rainbow-Hotel. Es gibt mehrere Gänge. Das Display der Speisen ist eine Wohltat fürs Auge. Nach dem Essen gibt es Folklore, die ich mir freilich schenke. Mit Taschenlampe ausgerüstet wandere ich zurück ins Camp, wo ich müde in meine Koje falle.
10. Tag - Maub - Botswana
Mein Bein macht mir Kummer. In der Dunkelheit, die in den Tropen ohne jeglichen Übergang hereinbricht, bin ich in einen Graben gefallen. Auf die Wunde am Knie habe ich ein Pflaster geklebt und den Vorfall vergessen. Doch mein Bein ist dick angeschwollen und hat sich grün und blau verfärbt. Meine Reisegefährten versorgen die Wunde. Es wäre zweckmäßig, meinen sie, einen Arzt aufzusuchen. Doch in der Gegend, in der wir uns gerade befinden, wäre allenfalls ein Medizinmann aufzutreiben. Wir sind auf dem Weg nach Maun in Botswana. Kurz vor der Grenze, noch in Simbabwe, sind wir einigen Schwarzen in die Hände gefallen, die behaupteten Zöllner zu sein.
Erst als sie den Bus durchsucht und sämtliche Lebensmittel vernichtet hatten, durften wir die Grenze passieren. Offensichtlich wollten die Blödmänner nur Macht gegenüber den Weißen demonstrieren. Doch um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Die schwarze Bevölkerung ist überaus freundlich. Immer wieder winken uns bunt gekleidete Menschen fröhlich zu. Die Fahrt ist wieder einmal endlos. Das Afrika zieht sich. Doch im Camp von Maun gibt es eine urige Dschungelbar. Als ich mir eine Flasche Mineralwasser kaufe, kann man jedoch nicht wechseln. Sehr zur Freude unserer Männer, die sich um einen runden Tisch versammelt haben, erhalte ich das Wechselgeld in Form von Bierflaschen. An diesem Abend haben wir besonders viel Spaß.
11. Tag - Okawango
Maun ist Ausgangpunkt für Ausflüge auf den Okawango. Der Fluß, 1800 km lang, entspringt im Hochland von Angola. Er mündet nicht, wie sich das für einen Fluss gehört, in einem der Ozeane; er versickert sang- und klanglos in der Kalahari. Für die Tierwelt ist er ein Paradies, für den Afrikareisenden ein Abenteuer. Will man ihn besuchen, muss man einige Anstrengungen in kauf nehmen. Für Personen über 60 sei ein solcher Ausflug nicht geeignet, meint ein Veranstalter von Abenteuerreisen in Deutschland.
Gerlinde hat diesen Ausflug für uns alle gebucht. 70 US Dollar kostet das Vergnügen. Für das Alter der Teilnehmer interessiert sich niemand. Mit unserer Unterschrift müssen wir lediglich bekunden, daß wir im Falle eines Unfalls keinen Dritten haftpflichtig machen.
12. Tag - Okawango
4.30 Uhr aufstehen, 5.30 Frühstück, 6.30 Abfahrt. Ein Geländefahrzeug transportiert uns durch die Wildnis. Jedes Schlagloch wird mitgenommen. Nach 1 1/2 Stunden Fahrt sind wir am Ziel, einem Schilf umwachsenen Teich, in dem mehrere Einbäume dümpeln. Die Eingeborenen sind damit beschäftigt, das Wasser aus den Booten zu schöpfen und diese mit Schilf zu polstern. Etwas ratlos stehen wir rum. Schließlich werden jeweils zwei Personen in einen Einbaum verstaut. Ich habe keinen Partner, stattdessen eine Proviantkiste, an die ich mich anlehnen kann.
Die Boote werden von den Poolern mittels einer langen Stange durch das glasklare Wasser bugsiert. Lautlos gleiten wir über glitzernde Seen. Auf der Oberfläche des Wassers blühen Seerosen in dichter Fülle. Sonst sind wir nur von Schilf umgeben. Ich genieße das sanfte Dahin Gleiten. Hinter mir, in einem anderen Boot, schimpft Klaus, weil er nicht mehr sitzen kann. Da habe ich mit meiner Kiste im Rücken mehr Glück. Doch nicht lange. Mein Boot leckt. Schließlich sitze ich mitten in einer Pfütze. Irgendwann sind wir am Ziel. Mit mehr oder weniger nassem Hosenboden streben wir einer Baumgruppe zu, um uns von der anstrengenden Fahrt zu erholen und das Lunchpaket zu verzehren. Doch die Baumgruppe ist besetzt. Eine amerikanische Reisegruppe hat hier ihre Zelte aufgeschlagen.

Unter dem Motto: "Zurück zum einfachen Leben in der Natur", werben clevere Veranstalter von Abenteuerreisen um großstadtmüde Kunden. Die sitzen dann inmitten dieser menschenleeren Wasserlandschaft, weit weg von den Errungenschaft der Zivilisation. An ausgedehnte Ausflüge in dieser Sumpflandschaft ist nicht zu denken. Hier kann der Pseudo-Abenteurer testen, ob er - auch ohne TV und Auto - etwas mit sich selbst anfangen kann.
Inzwischen ist meine Hose trocken. Stattdessen ist sie mit unzähligen Kletten dekoriert, die sich nur schwer entfernen lassen. Auf dem gleichen Weg, den wir gekommen sind, geht es wieder heim. Erst spät am Abend sind wir zu Hause. Alle, außer mir, klagen über Rückenschmerzen. Eine Rheindampferfahrt ist freilich bequemer. Dennoch, die Fahrt in einem ausgehöhlten Baumstamm durch das Labyrint des Okawanga wird in unserer Erinnerung sicherlich noch lange lebendig bleiben.
13. Tag - Unterwegs
Heute ist Fahrtag. Schnurgerade verläuft die Asphaltstraße durch Buschland. Ab und zu begegnet uns ein Eselgespann. Aber auch wild lebende Tiere kreuzen den Weg. An einem Dorf halten wir an. Schilfbedeckte Rundhütten fügen sich schön in die Buschlandschaft ein. Um die Hütten herum ist sauber gekehrt. Die anfallende Arbeit wird im Freien verrichtet. Eine bildschöne Negerin rührt in einem eisernen Topf, der auf einem Holzfeuer steht. Wir wollen wissen, was in dem Topf brutzelt.
Es sind in Öl gebackene Kartoffeln, teilt sie uns schüchtern mit. Gesprächig ist sie nicht. Wann kommt schon mal jemand vorbei, der sich für ihr Mittagessen interessiert. Zu gern möchte ich wissen, wie man das kunstvoll geschlungene Gebilde auf ihrem Kopf zustande bringt. Es schmückt nicht nur, es verbirgt außerdem eine in Unordnung geratene Frisur. Auch frage ich mich, wie man in einer Lehmhütte die geschmackvoll geschlungene Kleidung sauber halten kann.
14. Tag - Windhoek

Am Spätnachmittag sind wir in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia. Windhoek ist eine blitzsaubere Kleinstadt, in der noch zahlreiche Relikte der deutschen Kolonialzeit zu sehen sind. Auf einem wunderschönen Campingplatz in den Bergen übernachten wir. Fast überall wird Deutsch gesprochen. Sind wir eigentlich noch in Afrika ?
15. Tag - Etosha Nationalpark
Heute geht es in Richtung Norden zum Etosha Nationalpark. Mein Bein ist inzwischen so angeschwollen, dass kein Schuh mehr passt. Die einzige Abwechslung auf dieser langen Strecke ist ein romantisches Cafe nach deutschem Muster. In dem tropischen Garten kann man Schwarzwälder Kirchtorte und Käsekuchen verzehren. Gegen 16 Ohr treffen wir im Okanknejo Camp im Etosha NP ein. Wir begeben uns sogleich ans Wasserloch, um Tiere beim Trinken zu beobachten.
16. Tag - Etosha Nationalpark
Der heutige Tag ist der Tierbesichtigung gewidmet. Brennpunkt des Parks ist die 6000 km große Etosha Pfanne. Sie gleicht einer riesigen Salzwüste. Hierher kommen die Tiere, um Salz zu lecken. Alles was Afrika an wild lebenden Tieren zu bieten hat, kann auf den weiten Grasflächen in Ruhe beobachtet werden. Die Arche Noah scheint in dieser schönen Landschaft vor Anker gegangen sein. Das Schutzgebiet ist ein Paradies für den Fotografen. Schade, daß mein Film zu Ende ist.
17. Tag - Windhoek und Heimflug
Rückfahrt nach Windhoek und Flug nach Frankfurt/m. Es wird aber auch Zeit. Die Wunde am Bein hat sich entzündet. Eine medizinische Behandlung ist dringend geboten. Es war eine interessante, aber anstrengende Reise. Ich bin froh, wieder daheim zu sein. Wir sind fast 5000 km gefahren.
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Kommentare
Ja war lustig, allerdings in 12 Tagen Johannesburg-Kasane-Victoria falls-Etosha (3 Tage Safari)- Sceleton Coast-Namib Desert-Cape Town ist echter Stress, zumal meine Reisebegeleitun g keinen Fuehrerschein hat ich die ganzen 6000km fahren musste (bei 1300 off road).
Gruß Anne
Gruß Anne