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Freitag, den 19. Februar 2010 um 10:49 Uhr |
Leben am Rande der Kalahari in Südafrika - um 1900 (Fritz Schwalm)
Überall in deutschen Landen gedachte man dieser Tage (Anmerkung der Redaktion: Das Dokument stammt vom 23. Mai 1934!) jener Männer, die vor mehr als 50 Jahren die frühere deutsche Kolonie Südwestafrika begründeten. In zäher unermüdlicher Arbeit und nach blutigen Kämpfen mit den Eingeborenen hatten deutsche Farmer und Kaufleute bis zum Ausbruch des Weltkrieges dort selbst wertvolle Rohstoffgebiete für ihr Mutterland geschaffen.
Einer dieser Kämpfer ist der nunmehr seit 40 Jahren auf seiner Farm "Friedrichsheim" bei Gobabis (100 km östlich von Windhoek am Rande der Kalaharisteppe) in Südwestafrika lebende Farmer Fritz Schwalm aus Marburg an der Lahn.
Schwalm, der bei den 81’igern in Frankfurt diente, war es infolge seiner ausgezeichneten Führung möglich, 1893 in die damalige südwestafrikanische Schutztruppe eingestellt zu werden. Gleich nach seiner Ankunft nahm er an den aufreibenden Kämpfen gegen die unter dem Befehl Hendrik Witbois stehenden aufständigen Hottentotten teil, um sich dann nach beendigter Dienstzeit im Bezirk Gobabis als Farmer niederzulassen. Aus den primitiven Anfängen heraus hatte sich Schwalm in fast zehnjähriger Tätigkeit eine neue Heimat geschaffen, als der im Januar 1904 plötzlich hereinbrechende Aufstand der Hereros alles vernichtete.
Die Hereros waren darüber erbittert, dass ihre früher unermesslich großen Weideplätze durch die Neuanlage von deutschen Farmen immer mehr verringert wurden. Dazu kam, dass der Herero-Kapitän Samuel in Okahandja infolge seiner Trinkschulden große Gebiete den Viehhändlern verpfänden musste und die unter den Viehherden der Hereros ausgebrochenen Seuchen den Deutschen zur Last gelegt wurden. Der Aufstand war eine lange und reiflich überlegte Sache der Herero-Kapitäne, welche noch dadurch begünstigt wurde, dass der Bezirk Gobabis infolge des Bondelzwarts-Aufstandes im Süden von Schutztrupplern entblößt und die dort vorhandenen Kanonen fortgeholt waren.
In der Frühe des 15. Januar 1904 wurde Schwalm von dem Aufstand unterrichtet. Mehrere andere deutsche Farmen in der Nähe waren bereits von den Hereros überfallen und ihre Besitzer ermordet worden. Schwalm selbst wurde durch den deutschgesinnten Herero Joseph gerettet. Joseph hatte eine im Anmarsch auf Farm Friedrichsheim befindliche Hererobande dadurch verängstigt, dass er ihr vorspiegelte, deutsche Schutztruppler seien in der Nähe. Schnell ritt er dann zu Schwalm, der noch in aller Eile einen Teil seines Großviehs nach der zwei Stunden entfernten Militärstation Gobabis treiben und sich selbst in Sicherheit bringen konnte. Seine Farm ging kurz darauf mit allem Hab und Gut, soweit es nicht geraubt wurde, in Flammen auf. Insgesamt wurden damals im Bezirk Gobabis 18 deutsche Farmen zerstört. Von 6.638 Rindern, 15.285 Stück Kleinvieh und 77 Pferden, welche dort Ende 1903 gezählt worden waren, waren nur noch 600 Stück Großvieh und 1.200 Stück Kleinvieh vorhanden. Nach Niederschlagung dieses schwersten aller südwestafrikanischen Aufstände gingen die Farmer mit frischem Mut ans Wiederaufbauwerk.
1905 weilte Fritz Schwalm letztmalig einige Wochen zu Besuch in seiner Heimatstadt Marburg. Dann kam der Weltkrieg mit seinen Leiden, in dem sich Schwalm wieder der Schutztruppe zur Verfügung stellte. Viele deutsche Farmer mussten nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges die ihnen lieb gewordene zweite Heimat meist aus Südafrika eingewanderten Ansiedlern überlassen und kehrten bettelarm nach Deutschland zurück.
Fritz Schwalm blieb seine Besitzung erhalten, da sie von den neuen Machthabern als Musterfarm anerkannt wurde. Das 8.568 Hektar große Gelände dient in der Hauptsache als Viehweide; daneben baut Schwalm noch Mais an, denn weil hier Getreide nicht gut gedeiht, ist Mais zu Mehl verarbeitet neben Milch das hauptsächliche Nahrungsmittel der dortigen Ansiedler. Schwalm konnte sich auch einen Obst- und Gemüsegarten anlegen, wo bei normaler Witterung alle Gemüse- und Obstarten und auch Wein gedeihen. Einen dauernden Kampf haben die Farmer hier gegen die Vögel zu führen, die in den meisten Fällen scharenweise einfallen. Trotz der großen Viehbestände war Milch ein seltener Artikel. Von 450 Rindern, die Schwalm vor einer großen Dürrezeit besaß, waren nur 250 zum Teil bis zum Skelett abgemagerte Tiere übrig geblieben, und von 500 Karakulschafen nur 300. Die Zucht von Karakulschafen, deren Fell nach Deutschland exportiert wird und als Persianerfell in den Handel kommt, ist immer noch einträglicher als die Rindviehzucht, denn Rindfleisch ist nicht abzusetzen und der Viehhandel ganz in jüdischen Händen.
Jetzt sind die Farmer an der Arbeit, die Schäden einer riesigen Überschwemmung auszubessern. Auf den Viehweiden schießt wieder üppiges Gras empor und die kleinen Kinder erleben zum ersten Mal Feldblumen, die sich auf den Weiden entfalten. In diesem Einzelschicksal des Farmers Fritz Schwalm spiegelt sich das Schicksal so vieler alter Südwestafrikaner wider, die den Kampf um die Erhaltung der ihnen lieb gewordenen neuen Heimat weiterführen, trotz aller Sorgen und Widrigkeiten.
Allein und voll verantwortlich für diesen Artikel inklusive Fotos: ECHO: Euromedia Pty Ltd, Box 2388, Stellenbosch 7601, Südafrika Kontakt: Gunter Kleinert, Tel: +27-21-8555625, FAX: +27-21-8519082
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