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Freitag, den 06. Mai 2011 um 10:47 Uhr |
Meeresströme in Südafrika - von Axel Riemscheid
Viele Besucher, die das Reiseziel Südafrika ansteuern, werden von den wunderschönen Landschaften angelockt. Hohe schroffe Berge, tiefe liebliche Täler und weite geschwungene Ebenen kennzeichnen die Region am Kap der Guten Hoffnung. Aber immer sind es die Küsten, die Strände und das Meer, die eine besonderen Faszination auf Touristen ausüben.
Und da drängt es sich auf, einmal über die Besonderheiten der Küsten und der Meere an der Südspitze Afrikas nachzudenken. Hier haben wir es gleich mit zwei Ozeanen zu tun, dem wilden, rauhen, kalten Atlanik und dem milden, warnen und meist recht friedlichen Indischen Ozean. Hier am Kap gehen sie in einander über und auf den ersten Blick scheint das Zusammentreffen ganz friedlich zu verlaufen. Mit dem Auge sind keine besonderen Wellenformen zu erkennen und die Farbe des Wasser ist auch einheitlich blau.
Auch die Wasser- temperaturen an der Oberfläche weisen keine großen Unter- schiede auf. Und doch fällt dem Auge des Touristen Eigenartiges auf: Entlang der Küsten zum Atlantik ist oft Schaum an der Oberfläche zu sehen.
(Grafic courtesy of www.simonstown.com)
Dieser Schaum bildet meist lange schmale Bänder. Nur wenige Meter breit driften diese Bänder entlang der Küsten, immer parallel zu den Klippen und Felsen. Hier wird klar, dass hier eine starke Strömung nach Norden fließt.
Es ist der Benguela-Strom, der aus dem Eismeer der Antarktis kommt und eiskaltes nährstoffreiches Wasser führt. Wegen des Reichtums an Plankton und anderen Nährstoffen folgen große Fischschwärme dieser Strömung und so gelten die Gewässer vor der Westküste von Südafrika und Namibia zu den begehrtesten Fischgünden dieser Erde. Dieser Fischreichtum lockt tierische Jäger an, hier ist das Revier von Millionen von Robben, Meeresvögeln und Raubfischen. Sogar Pinguine lockt es so weit nach Norden, dass sie an der Küste Südafrikas sogar eigene Kolonien (Boulders bei Simon's Town) gebildet haben. Sie sind eine beliebte Attraktion, haben die Scheu vor den Menschen abgelegt und gebärden sich recht zutraulich. Und da die Tiere unter strengem Schutz stehen und die Nistplätze von Menschen nicht betreten werden dürfen, hat sich die Population wieder erholt. Einige der Kolonien liegen direkt neben beliebten Stränden, wo auch viele Menschen baden gehen. Man trifft sich ... und respektiert sich !
Aber es gibt auch viele Robben an diesen Küsten, denn sie fressen Fisch. Und für sie ist der Tisch reich gedeckt. Aber auch Robben haben Feinde, die Robbenfleisch auf ihrem Speisezettel haben: Große Haie! Der aus dem Film bekannte „Große Weiße Hai" hat hier sein Revier ... und hat sich ebenfalls zu einem Touristenmagnet entwickelt. Haitauchen in Kapstadt ist eine neue Attraktion für Wagemutige. In einem Stahlkäfig taucht man unter Wasser und kann dem Hai direkt in das gierig geöffnete Maul schauen ... und fotografieren, was die Linse hält!
In der False Bay liegt eine kleine flache felsige Insel, die bei tausenden Robben als Sonnenbank beliebt ist: Seal Island. Aber das wissen die großen Haie auch und lauern den Seehunden auf. So haben sich in Simonstown (und an anderen Orten) Tauchschulen auf diesen Nervenkitzel „Haitauchen" spezialisiert.
Ganz anders ist da der Indische Ozean. Er ist aber nicht wirklich so friedlich, wie er daher kommt. Wie auf leisen Pfoten schleicht der Mosambik-Strom entlang der Küsten von Mosambik nach Süden. Seine warmen Wasser sind bei den Touristen (zum Beispiel in Durban) beliebt. Je weiter er nach Süden vorstößt, desto mehr kühlt das Wasser ab. So ändert er auch seinen Namen, im südlichen kühlen Teil heißt er Agulhas-Strom. Aber er ist immer noch deutlich wärmer als der Benguela-Strom, auf den er vor dem "Kap der Guten Hoffnung" trifft. Und dieses Treffen hat es in sich! Wie zwei Ringer umschlingen sich die Strömungen, als kämpften sie um die Vorherrschaft. Es wogt hin und her, rauf und runter, vorwärts und rückwärts bis schließlich die rechte Mischung gefunden ist. Dieser Kampf der Ströme ist mit dem Auge nicht erkennbar, erst Wärmebilder von Satelliten machten sichtbar, wie dramatisch die Strömungen miteinander ringen.
Diese Mischung von warmem recht salzhaltigen Wasser aus Norden mit dem kalten, weniger salzhaltigen Wasser aus der Antarktis ist bei den Fischen sehr beliebt. Hier ist die Kinderstube für viele große Fischschwärme, die von hier aus entweder in das kalte Wasser des Atlantiks oder das warme Wasser des Indischen Ozeans ziehen, je nach "Geschmack" der Fischart. Das warme Wasser des Indischen Ozeans und das kalte Wasser des Atlantiks haben natürlich auch großen Einfluss auf das Wetter im Süden Afrikas: Über dem kalten Wasser des Atlantischen Ozeans bildet sich sehr häufig ein stabiles Hochdruck-Gebiet, dass dem Kapland den bekannten 'South-Easter' (Südoster) beschert, einen meist sehr starken Wind aus Südost - der auch "Kapdoktor" genannt wird, da er die Luft reinbläst und alle Moskitos und anderes Ungeziefer vertreibt.
Weil aus dem kalten Meer kaum Wasser verdunstet, ist der Südost-Wind trocken und sorgt für entsprechend gutes Wetter. Aus dem warmen Wasser des Indischen Ozeans jedoch verdunstet sehr viel Wasser; das macht die Luft feucht und sorgt für Regen und Gewitter, wenn auch in Südafrika selbst nicht in allzu starkem Maße. In anderen Gebieten an der Südostküste Afrikas aber bildet sich über dem warmen Wasser oft dramatisch ein weiträumiges Tiefdruck-Gebiet, in dem die feuchten Luftmassen aufsteigen und schwere Wolken bilden. So ist der Indische Ozean beispielsweise entscheidend an den Monsun-Niederschlägen in Ostafrika beteiligt.
Und zum Abschluss noch ganz nebenbei ein paar Worte zu "unserem" Golfstrom: Die sehr stabilen Passatwinde des Atlantischen Ozeans haben nicht nur Christopher Kolumbus zu seiner Zeit nach Westen geführt, sie treiben auch große Mengen warmen Oberflächenwassers in die Karibik, wo sich das Wasser weiter erwärmt. Dann wird es durch die Meerenge zwischen Florida und Kuba gepresst. Dort nimmt es deutlich an Geschwindigkeit zu. Die vorherrschenden westlichen Winde auf dem Nordatlantik helfen dann, das warme Wasser bis nach Europa zu treiben. Wir haben daher in Europa dank des Golfstroms eine natürliche Warmwasserheizung. So bleibt die Westküste Skandinaviens den ganzen Winter über eisfrei, während die östliche russische Seite regelmäßig zufriert. Es scheint so, als hätte der 'liebe Gott' an alles gedacht.
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Allein und voll verantwortlich für diesen Artikel inklusive Fotos: ECHO: Euromedia Pty Ltd, Box 2388, Stellenbosch 7601, Südafrika Kontakt: Gunter Kleinert, Tel: +27-21-8555625, FAX: +27-21-8519082
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Das Echo-Magazin
Wie bedanken uns beim Echo- Magazin für die Erlaubnis einige ausgewählte Artikel zum Thema Südafrika (neben anderen Artikeln) hier veröffentlichen zu dürfen.
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