Kapstadt in Südafrika

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Widerstand, Repressionen und Boykott gegen Südafrika

Ein Dialog zwischen den Vertretern der beiden größten Bevölkerungsgruppen, den schwarzen und weißen Südafrikanern, hatte sich bereits 1958 unter Premier Verwoerd angebahnt, der die begrenzte innere Selbstverwaltung in den Reservaten eingeführt hatte. 1963 hatte die Transkei als erstes „Homeland“ die innere Autonomie erhalten, weitere folgten. Die internationale Anerkennung blieb jedoch aus. Die indische (1964) und die farbige (1968) Bevölkerung, die kein „Homeland“ besaßen, erhielten einen eigenen Repräsentativrat, der allerdings nur eine beratende Funktion hatte.

Verwoerds Nachfolger, B. J. Vorster, ehemaliger Justiz- und Polizeiminister, führte die begonnene Homeland-Politik fort, bemühte sich um einen schwarz-weißen Dialog und stieß dabei auf Kooperationsbereitschaft der gemäßigten schwarzen Führer. Auch in der Außenpolitik schlug er einen Verständigungskurs gegenüber gesprächsbereiten schwarzafrikanischen Staaten ein. Schon 1968 nahm die Republik Südafrika mit Malawi als erstem Staat des schwarzen Kontinents volle diplomatische Beziehungen auf. Beziehungen wurden auch zu den übrigen umliegenden Staaten geknüpft.

Der Handel wurde der auffälligste Indikator der einzelnen Verflechtungen, trotz der zahlreichen Boykottaufrufe und der Ablehnung der südafrikanischen Politik durch die UNO und die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU). Selbst die „Frontstaaten“, die die Apartheidpolitik am schärfsten ablehnten, gehörten zu den wichtigsten Handelspartnern Südafrikas. Auch im Forschungs- und Wissenschaftsbereich verfügte Südafrika über international anerkannte Einrichtungen und Organisationen, u.a. in der Landwirtschaft, in der Bergbautechnik sowie der Veterinär- und Humanmedizin – 1963 fand im Kapstädter Groote-Schuur-Krankenhaus die erste Herztransplantation statt.

Die innenpolitische Situation spitzte sich in den 80er Jahren zu. Der ideologische Gegensatz zwischen der Zentralregierung in Pretoria und der schwarzen politischen Opposition (vorwiegend im Ausland) wurde größer. Die Forderung der schwarzen Führer, „One Man, One Vote“, wollten die weißen Politiker keinesfalls akzeptieren. Sie fürchteten, die Vorherrschaft zu verlieren. Man beabsichtigte vielmehr an Stelle des ”Westminster Modells” ein Dreikammersystem mit einem starken Präsidenten einzuführen. Die indischen und auch die farbigen Vertreter, die seit 1981 einem Präsidialrat angehörten, erhielten erweiterte Machtbefugnisse (1984). Das ”Westminster Modell”, das auch der schwarzen Bevölkerung das allgemeine Wahlrecht zugestanden hätte, wurde weiterhin strikt abgelehnt.

In der Folgezeit mehrten sich Anschläge, Unruhen und Protestmärsche, u.a. bei Umsiedlungsaktionen von Schwarzen aus den Elendsvierteln. Der Wohnungsbau für Schwarze in den Städten war gestoppt worden, die bestehenden Siedlungen wurden vernachlässigt, obwohl die städtische Bevölkerung wuchs. Mehrmals wurde der Ausnahmezustand über verschiedene Viertel verhängt. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen ANC-Anhängern und Mitgliedern der Inkatha-Partei des Zuluführers Buthelezi begannen sich auszuweiten. Massiven Protest löste die Hinrichtung des Dichters und ANC-Anhängers Benjamin Moloise aus.

Die Folge der anhaltenden innenpolitischen Unruhen war ein starker Verfall der Landeswährung bei nachlassender Konjunktur; ein erheblicher Kapitalabfluss ins Ausland setzte ein. Das ”Lager” der Weißen spaltete sich in ”Verligte” (Liberale) und ”Verkrampte” (Nationalkonservative) noch weiter auf. Gesprächsbereitschaft auf der einen Seite, Forderung nach radikalem Einsatz der Polizeikräfte auf der anderen Seite standen sich gegenüber. Nelson Mandela, die Hauptperson des schwarzen Widerstands, erhielt Hafterleichterung auf der (ehemaligen) Gefangeneninsel Robben Island bei Kapstadt, wo noch weitere schwarze Politiker einsaßen.

Auch die zweite Hälfte der 80er Jahre brachte nicht die erhoffte innenpolitische Ruhe zurück. Die zahlreichen Boykottaufrufe aus dem In- und Ausland ließen amerikanische, japanische und mehrere europäische Firmen (nicht solche aus Deutschland und Großbritannien) aus Südafrika abziehen. Die Landerechte der südafrikanischen Fluggesellschaft SAA wurden eingezogen bzw. eingeengt.

Rassenunruhen in Südafrika

Die Erosion der Apartheid begann in den späten 80er Jahren damit, dass mittels Kommissionen die Situation der Mischlinge (Theron-Kommission) und die Arbeitsangelegenheiten (Wiehahn-Kommission) untersucht wurden. Ein entscheidender Grund war aber wahrscheinlich die Erfahrung der Unruhen von 1976 aufgrund des Schüler- und Studentenaufstands von Soweto (575 Tote, größtenteils von der Polizei erschossene Schwarze, 2.389 Verletzte). Ab 1978 setzte die NP im Inneren wie nach außen auf eine aggressive „Totale Nationale Strategie“, um einen vermeintlichen „kommunistischen Anschlag“ gegen das Minderheitenregime abzuwehren. Das politische Entscheidungszentrum wurde zu einem von Militärs und Geheimdienst dominierten Nationalen Sicherheitsrat. Ergänzt wurde die zunehmende Repression 1983 durch eine politische Strategie der Einbindung nicht-weißer Minderheiten (Kooption). Diese fand ihren Ausdruck im – von den betroffenen Indern und Farbigen aber weitgehend boykottierten – Dreikammerparlament, verankert in der neuen Verfassung von 1983. Weiße, Mischlinge und Inder erhielten je eine eigene Parlamentskammer und einen eigenen Ministerrat. Formal vermittelte die Verfassung eine relative Gleichheit, bei jedoch im Kern unangetasteter Vorherrschaft in weißen Händen. Die Schwarzen wurden völlig ausgegrenzt, da sie aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit in allen Gremien eine überwältigende Mehrheit gehabt hätten.

Die Aufspaltung der sozialen Klassen wirkte sich in den neuen Unruhen von 1984 bis 1986 aus. Seit Soweto war der organisierte Widerstand zwar erneut größtenteils zerschlagen worden, das Potential war jedoch stets größer geworden. Die Ausgrenzung der Schwarzen von jeglicher Einflussnahme im politischen Entscheidungsprozess wurde zum Ausgangspunkt der Unruhen, die das ganze Land erfassten. Sie erreichten bis dahin nie dagewesene Ausmaße. Die Bilanz von September 1984 bis Ende 1987 waren fast 3.000 Tote. Im Juli 1985 wurde über fast das ganze Land, 1986 über das ganze Land der Ausnahmezustand verhängt. Willkürlich wurden Tausende festgenommen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. An Stelle der Township-Verwaltungen, die nicht mehr funktionierten, wurden lokale Selbstverwaltungskomitees gegründet, die das Gemeinschaftslebens organisieren sollten. Mietboykotte waren sehr verbreitet.

Die wichtigsten Dachorganisationen der Opposition waren die im August 1983 gegründete United Democratic Front (UDF), basierend auf der Freiheitscharta von 1955 (2,5 Millionen Mitglieder), die 1978 gegründete Azanian People’s Organisation (AZAOP, ca. 110.000 Mitglieder) und die 1983 gebildete Dachorganisation National Forum (ca. 600.000 Mitglieder).



 

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