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Vom Einzug der Briten bis zum Auszug der Buren (1795–1836)
Die Besetzung der Niederlande durch Frankreich nach Ausbruch der französischen Revolution führte in Den Haag zur Ausrufung der Batavischen Republik, die mit Frankreich verbündet war. Diese Situation nutzten die Briten aus und entsandten eine Flotte nach Südafrika, um den Franzosen zuvorzukommen. Außerdem stand die Aktion im Einklang mit dem in England im Exil lebenden holländischen Statthalter, der den letzten Generalkommissar der VOC in Kapstadt anwies, die britische Flotte freundlich zu empfangen, die am 11. Juni 1795 Kapstadt erreichte. Nach nur geringem Widerstand erfolgte die Kapitulation am 15. September vor den britischen Truppen. Die VOC selbst bestand noch bis 1798 weiter. Die Regierung übernahm zunächst der britische Generalmajor Craig als „Kommandant von Stadt und Niederlassung am Kap der Guten Hoffnung“; 1797 wurde das Gebiet zur Kronkolonie erklärt und einem Zivilgouverneur unterstellt. Die Bevölkerung bestand zu dieser Zeit aus rund 18.000 Weißen, 15.000 Khoikhoi und 22.000 Sklaven. Von den Kolonisten lebten etwa 5.000 in Kapstadt, weitere 1.000 in Stellenbosch, der Rest auf dem Lande und als umherziehende Viehbauern. Nach dem Friedensschluss von Amiens (1802) musste die Kapkolonie an die Batavische Republik (Niederlande) zurückgegeben werden. Wenngleich die erneute holländische Herrschaft nur drei Jahre dauerte, so wurden unter dem Einfluss der Ideen der Französischen Revolution, die die neuen Machthaber aus Europa mitbrachten, zahlreiche Reformen durchgeführt, die die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Kolonie förderten. Zur endgültigen Übernahme der Kapkolonie durch die Briten kam es 1806, nachdem die französische Flotte bei Trafalgar durch die Briten vernichtet worden war und Großbritannien wieder allein die internationalen Gewässer kontrollierte. Die Regierung in London hatte den strategischen Wert des Landes an der Südspitze Afrikas für ihre Flotte erkannt. Die Briten waren in Bloubergstrand, 25 Kilometer nördlich von Kapstadt, mit zahlenmäßig weit überlegenen Truppen gelandet. Am 13. August 1814 wurde das Land am Kap dauerhaft zur britischen Kronkolonie, da der Londoner Vertrag, nach Beendigung der napoleonischen Herrschaft geschlossen, die Niederlande verpflichtete, die Kapkolonie auch de jure endgültig an Großbritannien abzutreten. Kapstadts Wirtschaft profitierte von der britischen Inbesitznahme, weil die Briten nun den freien Handel erlaubten, der unter der VOC verboten war. Gleichzeitig mit der Übernahme der Verwaltung durch die Briten erfuhr auch das Verhältnis der Rassen untereinander neue Ordnungen. In Großbritannien verstärkte sich die philantropische Bewegung, die sich für die Gleichheit der Menschen und die Unverletzbarkeit der Menschenwürde einsetzte. 1807 erzielte sie mit dem Verbot des Sklavenhandels im Britischen Reich ihren ersten großen Erfolg. 1816 wurde die Registrierung aller Sklaven angeordnet, um dem illegalen Menschenhandel entgegenzuwirken, und 1820 wurde den am Kap ankommenden ersten britischen Siedlern die Inanspruchnahme von Sklavenarbeit verboten. Am 1. Dezember 1834 schließlich wurde die Sklaverei im Britischen Reich abgeschafft. Die Sklaven hatten damit eine Rechtsstellung, die der der Khoikhoi und der Coloureds entsprach. An ihrer sozialen Stellung änderte sich jedoch wenig, sie blieben ungelernte, billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft bzw. im städtischen Handwerk. Schon ab 1808 war das Kap vom Verbot des Sklavenhandels betroffen. Der deutliche Rückgang des Anteils der Sklaven an der Gesamtbevölkerung führte zum Mangel an billigen Arbeitskräften. Höhere Löhne bedeuteten indessen eine Belastung der Wirtschaft der Kolonie, die Gefährdung der Konkurrenzfähigkeit von Exportprodukten und den möglichen Ruin vieler Siedler, da sie ihre riesigen Farmen nur durch Ausbeutung der Sklaven bewirtschaften konnten. Hier deckten sich jeweils die Interessen von Regierung und Siedlern an ausreichender Versorgung mit billigen Arbeitskräften. Deshalb wurde zunehmend deren Immobilisierung und staatliche Überwachung angestrebt: durch Verpflichtung zu einem festen Wohnsitz, Passzwang (seit 1787) sowie amtliche Beurkundung ihrer Dienstverträge mit Weißen. Dennoch: Der Druck philantropischer Missionare mündete 1828 im Erlass Nr. 50, der den Khoikhoi und Coloureds Freiheitsrechte garantierte, die nahezu denen der Weißen entsprachen.
Konfrontation zwischen den Briten und den Buren
Diese Maßnahmen führten zu einer Frontenbildung zwischen Briten und Buren, da die Buren aufgrund ihres streng calvinistisch ausgerichteten Glaubens in der Gleichstellung von geborenen Herren und Dienern einen eklatanten Verstoß gegen die ihrer Ansicht nach biblische Sozialordnung sahen. Hinzu kam eine zunehmende Anglisierung am Kap aufgrund forcierter Einwanderung, Erhebung des Englischen zur einzigen Amtssprache (1825) und Gerichtssprache (1828). Zudem führten unentschlossenes Eingreifen der britischen Verwaltung an der Ostgrenze der Kolonie (wo es 1834 zum sechsten Grenzkrieg mit den Xhosa kam) und eine mangelnde Selbstverwaltung der Weißen zugunsten einer starken Zentralregierung in Kapstadt dazu, dass die Farmer im Grenzgebiet das Vertrauen in die britische Verwaltung verloren. Dies leitete 1835 schließlich den „Großen Trek“ ein, die Massenauswanderung von mehr als 10.000 Buren, den so genannten „Voortrekkern“, aus der Kapkolonie ins Landesinnere nach Norden und Nordosten, wo sie wieder „frei“ sein wollten.
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