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Die Südafrikanische Union
Als nächsten Schritt strebten die Briten die Vereinigung aller vier südafrikanischen Kolonien zu einer Union an. Am 12. Oktober 1908 trat zum erstenmal eine Nationalversammlung in Durban zusammen, um sich über diesen Zusammenschluss zu verständigen. Nach dreivierteljährigen Beratungen in Durban, Kapstadt und Bloemfontein wurde der Entwurf des Südafrikagesetzes, der vorgesehenen Verfassung der Südafrikanischen Union, von allen Abgeordneten unterzeichnet. Es trat am 31. Mai 1910, dem Jahrestag des Friedens des Zweiten Britisch-Burischen Krieges, in Kraft. Die Buren setzten in einer Zusatzklausel die volle Gleichberechtigung des Niederländischen als Landessprache, das auch als Unterrichtssprache verwendet werden konnte, mit dem Englischen durch. Auch wenn sich das Englische in den Städten immer mehr durchsetzte, war die Umgangssprache seit langem das Afrikaans, das sich bis ca. 1775 unter geringem Einfluss anderer Sprachen hauptsächlich aus dem Niederländischen herausgebildet hatte. Bei der besonders umstrittenen Wahlrechtsregelung setzten sich die Delegierten des Kaps für die Ausweitung des Zensuswahlrechts auf die ganze Union ein. Transvaal und Oranje lehnten dies jedoch ab, und Natal fürchtete eine Regelung, die den Schwarzen irgendeine Teilhabe an der Macht gewährt hätte. Das Ergebnis war, dass jede Provinz ihr bisheriges Wahlrecht beibehielt, wodurch Nicht-Weißen das generelle Wahlrecht vorenthalten blieb und nur im Kapland weiterhin einige Nicht-Weiße wählen durften.
African National Congress - ANC
Diese Wahlrechtsregelung führte zu Protestkundgebungen unter Farbigen und Schwarzen und letztlich auch zur Entstehung nicht-weißer politischer Organisationen, deren wichtigste und bedeutendste bald der 1912 in Bloemfontein gegründete South African Native National Congress (seit 1923 African National Congress / ANC) wurde. Erster Vorsitzender des Kongresses war der in den USA ausgebildete Theologe John Langibale Dube, der 1937 zum Ehrendoktor der Universität von Südafrika ernannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich die politische Aktivität Schwarzer noch weitgehend auf ältere Akademiker und Intellektuelle, die jegliche Form des Widerstands ablehnten. In der Frage nach der künftigen Hauptstadt einigte man sich auf Kapstadt (Kapprovinz) als Sitz des Parlaments, Pretoria (Transvaal) als Sitz der Regierung und Bloemfontein (Oranje-Freistaat) als Sitz des Obersten Gerichtshofes. Vor den Wahlen zum südafrikanischen Parlament wurde die aus sieben Buren und vier Briten zusammengesetzte Unionsregierung benannt – vier der Minister kamen aus der Kapprovinz –, die am 15. September 1910 durch die Parlamentswahlen bestätigt wurden. Aus der Einsicht heraus, dass die Briten die Buren im neuen Staat nicht in untergeordneter Stellung halten konnten, wurde Louis Botha, der Führer Transvaals (stärkste Provinz) zum Premierminister der Union ernannt. Er gewann die absolute Mehrheit und stützte sich auf die South African Party (SAP), eine im November 1911 entstandene Parteien-Vereinigung, die die Integration von Buren und Briten anstrebte (one-stream-policy). Wirtschaftlich und sozial waren die Afrikaaner im Vergleich zur Englisch sprechenden Minderheit, die den größten Anteil des Kapitals und der Industrie besaßen, benachteiligt. Dieses, die zurückgebliebene Bitterkeit über die Kriegsniederlage und der Widerwille gegen das Konkurrieren mit Nichtweißen um Billig-Jobs führten zu scharfem Nationalismus innerhalb der SAP und zum Bruch zwischen Botha und General J. B. M. Hertzog. Hertzog gründete daraufhin die National Party (1914). Bei den Parlamentswahlen 1915 erlangte sie bereits 26 Sitze. Die Partei verfolgte die two-stream-policy: Das kulturelle Erbe der zwei weißen Gruppen sollte getrennt, jedoch völlig gleichwertig nebeneinander bestehen. Der Erste Weltkrieg ließ die Differenzen zwischen den verschiedenen Ethnien zunächst in den Hintergrund treten: Rund 100.000 Nicht-Weiße meldeten sich freiwillig als Soldaten oder Frontarbeiter. Als Dominion des Britischen Weltreichs war die Südafrikanische Union automatisch an die britische Kriegserklärung gegenüber dem Deutschen Reich vom 4. August 1914 gebunden und kämpfte auf Seiten der Alliierten.
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