Kapstadt in Südafrika

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Reformdruck und Ende der Apartheid in Südafrika

In den Achtzigern verstärkte sich von allen Seiten der Druck auf die weiße Minderheitsregierung: Die politischen und ökonomischen Kosten zur Aufrechterhaltung der Apartheid wurden zu hoch. Intern gab es ab 1983 Reformdruck durch politische Protestkampagnen der United Democratic Front (UDF) und der Gewerkschaften. 1985 gründete sich der ebenfalls dem ANC nahe stehende Gewerkschaftsdachverband COSATU (Congress of South African Trade Unions). Die Townships waren unregierbar geworden. Die Großwirtschaft beklagte den Zerfall der Ökonomie. Von außen wurde Südafrika von der internationalen Staatengemeinschaft durch unterschiedlich starke Sanktionen unter Druck gesetzt. Das Ende des Kalten Krieges, die dramatischen Änderungen in Osteuropa – die Unterstützung des Widerstandes aus Moskau entfiel – und die Dekolonisierung des bis 1989 von Südafrika besetzten Namibias waren weitere äußere Faktoren zur Einleitung von Reformen.

Frederik W. de Klerk

Mit dem Amtsantritt von Staatspräsident Frederik W. de Klerk (Nachfolger von Botha seit 15.8.1989) im September 1989 wurde der Prozess zur Abschaffung des Apartheidsystems und die Errichtung einer demokratischen Ordnung in Gang gesetzt. Begonnen wurde mit der Aufhebung des Verbots des ANC und der Freilassung seiner seit 1962 inhaftierten Symbolfigur Nelson Mandela am 11.2.1990. 100.000 enthusiastische Menschen hatten sich auf dem Platz vor dem Kapstädter Rathaus versammelt, um Mandela zu begrüßen. Im Frühjahr 1990 einigten sich junge Mitglieder des ANC und der regierenden Nationalen Partei bei einem Treffen in Lusaka (Sambia) auf einen grundlegenden Wechsel der Politik in Südafrika. Nelson Mandela wurde zum Präsidenten des ANC gewählt.

Bereits am 2. Februar 1990 hatte de Klerk in einer historischen Rede zur Eröffnung des Parlaments in Kapstadt die politischen Leitlinien grundlegend verändert. Aus der Erkenntnis, dass man die Apartheid-Gesetzgebung nicht reformieren, sondern nur abschaffen könne, hob er mit einer Erklärung das Dogma der seit 1948 regierenden Nationalen Partei auf und setzte sich gleichzeitig für eine offizielle Zulassung aller schwarzen Oppositionsparteien ein. Beide Präsidenten setzten sich für einen multiethnischen Einheitsstaat ein, der einen politischen, sozialen und kulturellen Schutz für alle Minderheiten in Südafrika gewähren soll. Das Parlament hob bis Juni 1991 alle wesentlichen Apartheidgesetze auf. Der Dialog zwischen ANC und der Regierung in Pretoria war möglich, weil Moskau diese Verhandlungen unterstützte und keine militärische Unterstützung mehr gab. Doch die Kriminalität, die immer mehr ausuferte, belastete das Leben in den Großstädten.

Im Dezember 1991 berief man im Welthandelszentrum bei Johannesburg die Convention for a Democratic South Afrika (CODESA) ein, an der 18 Parteien teilnahmen: u.a. der ANC, die Nationale Partei (NP), die Democratic Party (DP), die Südafrikanische Kommunistische Partei, die Labour Party (LP sowie Vertreter der „unabhängigen“ und der autonomen „Homelands“ einschließlich Buthelezis Inkatha Freedom Party (IFP). In einem Referendum am 17. März 1992 sprachen sich 68,7 % der weißen Stimmberechtigten für eine Beteiligung der schwarzen Bevölkerung an der politischen Macht aus. Nach dem Massaker in der Schwarzen-Siedlung Boipatong (Machtkampf zwischen den Anhängern des ANC und der Inkatha-Freiheitspartei) am 17. Juni 1992 wurden die CODESA-Gespräche unterbrochen. Man warf sich gegenseitig vor, mit den ausgegebenen Friedensbedingungen nicht ehrlich umzugehen. Streiks, Boykottmaßnahmen und Demonstrationen folgten, um die regierende Nationale Partei zum Umdenken zu zwingen. Man bestritt ihre Alleinherrschaft und forderte auch für die Zeit einer Übergangsphase – bis eine neue Verfassung in Kraft trete – eine Mitbeteiligung an der Regierung, u.a. auch Ministerämter für schwarze Politiker.

Im September 1992 kündigte der Staatspräsident de Klerk ein weiteres Reformpaket an, das die Bildung einer Übergangsregierung ermöglichte und die nach Rassen getrennten Regierungsverwaltungen zusammenlegte. Die Entscheidung des ANC, einem von der Regierung vorgeschlagenen Gipfeltreffen zuzustimmen, wurde begrüßt und von vielen Südafrikanern mit Erleichterung aufgenommen. Im Februar 1993 einigten sich Regierung und ANC über erste allgemeine und demokratische Wahlen für eine verfassunggebende Versammlung im April 1994.


Apartheid und das Ende der Rassentrennung

Gefängnisentlassung von Nelson Mandela 1990



Kommentare 

 
+9 #2 May-Line 2011-05-23 16:14
Ich schreibe im Moment meine Facharbeit über Nelson Mandela. Ich fand Mandela schon immer eine eindrucksvolle Person, doch durch diese Arbeit wurden mir erst richtig die Augen geöffnet wie hart die Apartheid wirklich war! Wir denken uns vielleicht, dass es nicht möglich ist einem anderen Menschen so etwas schreckliches anzutun...doch dies geschiet noch heute an vielen Orten auf der Welt, vielleicht nicht in diesen Ausmassen aber denoch geschiet es! Die Welt ist friedlich, die Menschen aber nicht!! Dies ist traurig aber wahr!!
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-3 #1 Julietta Martire 2011-05-03 06:40
Die Demokratie ist in in der jetzigen zeit nun mal die vorherrschende Regierungsform. Doch in der tatsächlichen Durchführung kommen große Probleme auf, die prinzipiell heutzutage nicht auftreten dürften. Nun wird auch in mehreren Arabischen Staaten die Demokratie eingeführt, und die Probleme treten auch hier auf. Und wer kommt dafür auf? Natürlich der Steuerzahler. Zum Beispiel guckt man sich nur mal diese riesigen Wahlkampagnen an. An Stelle Wähler (die übrigens für den Bestand der Parteien verantwortlich sind) objektiv zu schildern welche Zielsetzungen sie haben, und welche Schritte sie dazu unternehmen, verschwenden sie Unmengen an Toner und Papier, oder fahren mit großen Wahlständen umher. Anstatt den Staat mit ebendiesen Finanziellen Mitteln zu stützen, sorgen sie dafür, dass Unternehmen, sogar teilweise Ausländische, viel Geld mit der Toleranz des Deutschen Bürgers zu verdienen. Lasst uns handeln! Ich drucke Plakate gegen solche Verschwendung.
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