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Unter der Herrschaft der Holländisch - Ostindischen Kompanie (Dutch-East-India-Company)

Simon van der Stel

Als Simon van der Stel 1679 neuer Kommandant (ab 1691 Gouverneur) der Kapkolonie wurde, war das Kastell vollständig ausgebaut, Kapstadt immerhin schon ein Ort mit vier Straßen und 290 weißen Einwohnern (87 Freibürger; 117 Kinder). Die Verwaltung lag in den Händen eines politischen Rates, der legislative, exekutive und judikative Befugnisse besaß und der dem Generalgouverneur Niederländisch-Ostindiens in Batavia (heutiges Java) unterstellt war. 1666 war der Bau desKapstädter Kastells in Form eines fünfzackigen Sterns begonnen worden. Es ist heute das älteste erhaltene Bauwerk Südafrikas. Nachdem es 1674 bezogen worden war, brach man die alte Festung ab. Van der Stel gründete im gleichen Jahr den nach ihm benannten Ort und gleichnamigen Regierungsbezirk Stellenbosch sowie Swellendam.

Ab 1681 wurden politisch Verbannte aus Indonesien nach Südafrika deportiert. Sie bildeten später die Gruppe der sogenannten Kapmalaien, von denen viele als geschickte Handwerker tätig wurden. Neben Kompagnie-Angestellten im Ruhestand, die in Asien gearbeitet hatten, waren auch zahlreiche Deutsche im 17./18. Jahrhundert unter den Einwanderern und wuchsen zu einer etwa gleich großen Gruppe wie die Holländer an. Im Gegensatz zu Nordamerika, wo in den 90er Jahren des 17. Jahrhunderts schon 3 Millionen Einwanderer gezählt wurden, wurde am Kap keine aktive Einwanderungspolitik betrieben, wodurch der Anstieg der relativ kleinen Bevölkerungsgruppe gering blieb. Die Bevölkerungszahl kletterte von 130 Personen (1660) auf über 1.265 im Jahre 1701 und auf 13.830 fürs Jahr 1793; hinzu kamen 2.093 Angestellte, die im Jahre 1794 im Dienste der Kompanie waren.

Die eingewanderten Hugenotten und Deutschen lernten sehr bald Holländisch, gaben rasch schließlich ihre eigene Sprache auf und assimilierten sich fast vollständig. Resultat war eine relativ homogene Bevölkerung – heute erinnern an die Einwanderung der Franzosen nur noch französische Familiennamen sowie der Ort Franschhoek mit seinem Hugenotten-Denkmal. Seit etwa 1700 waren die meisten der am Kap lebenden Weißen dort geboren worden, bezeichneten das Land als ihre Heimat und hatten, wenn überhaupt, nur noch lockere Verbindungen zu ihren europäischen Ursprungsländern. Dadurch entwickelte sich unter den Kap-Bewohnern ein eigenes Selbstbewusstsein, das sich im Jahre 1706, in dem erstmals die Eigenbezeichnung „Afrika(a)ner“ nachweislich benutzt wurde, zum Nationalbewusstsein entwickelte.

In Kapstadt und in den anderen Orten der Region entwickelte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts ein immer selbstständiger und selbstbewusster werdendes (weißes) Bürgertum. Daneben war seit etwa 1700 eine vermehrte Abwanderung von weißen Farmern ins Landesinnere zu beobachten, die für ihre Schafe und Rinder neue, größere Weiden benötigten.

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Massenauswanderung der Boeren beim "Große Trek" - Quellenhinweis Foto: Wikipedia

Hier entstand jetzt ein gänzlich unabhängiger „Menschentyp“, der Trekboer (trekking farmer = Viehbauer, seinen weidenden Herden folgend), der sich vom Zugriff der Kapstädter Zentralverwaltung löste und in dauerndem Existenzkampf mit den Khoisan und seit Ende des Jahrhunderts mit dem langsam nach Süden wandernden Xhosa-Volk stand. Die holländische Kolonialverwaltung versuchte zwar, diese Buren (Bauern) sesshaft zu machen, doch zogen die meisten von ihnen ein ungebundenes Leben in Zelt und Ochsenwagen vor. Die streng gläubigen Cal­vi­nis­ten entwickelten ihre eigene Kultur, ihre eigene Sprache und hatten oftmals als einzige Informationsquelle die Bibel. Zudem waren viele des Lesens und Schreibens unkundig und nahmen so an den großen sozialen, politischen und philosophischen Entwicklungen des 18. Jahrhunderts nicht teil.

Als Ostgrenze der Kolonie war der Große Fischfluss vorgesehen. Dieser wurde 1779 erstmalig von Angehörigen des Xhosa-Volkes auf deren Suche nach neuen Weideplätzen in Richtung Westen überschritten. Es kam zum ersten Grenzkrieg (1779–1781) zwischen Weißen und Schwarzen auf südafrikanischem Boden. Die Kompanie sah sich außerstande, die holländischen Siedler gegen die immer weiter vordringenden Xhosa zu schützen. 1789 überschritten die Xhosa erneut den Fluss, was einen zweiten Krieg auslöste (1789–1793).

Teilweise bedingt durch die Korruption der Beamten, hatte die VOC am Ende des 18. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Niedergang zu verzeichnen. Die Niederlassung am Kap bildete ihren größten Verlustposten, Reformen kamen zu spät, und die VOC musste 1794 ihren Bankrott erklären. Die schwache Kolonialverwaltung am Kap sowie die neuen Freiheitsideale Frankreichs und der USA zeigten bald auch in Südafrika Folgen: 1795 riefen die Bürger der Ortschaften Swellendam und Graaff-Reinet die ersten Burenrepubliken aus, die allerdings noch im gleichen Jahr mit der britischen Besitzergreifung des Landes ihr Ende fanden.



 

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