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Politische Entwicklung der Kapprovinz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Das Hauptproblem der Kapkolonie war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach wie vor die Ostgrenze, wo 1846 erneut Krieg mit den Xhosa mit hohen Ver­lus­ten und Kosten ausbrach und unter dessen Eindruck die britische Grenz- und Eingeborenenpolitik langsam eine Änderung erfuhr. Er führte 1846/47 zur endgültigen Annexion der Ciskei, das nun Britisch-Kaffraria genannt wurde. Ebenso war das 1869 annektierte Basutoland (das heutige Lesotho) 1871 der Verwaltung in Kapstadt unterstellt worden. Seit 1884 unterstand es dann allerdings als britisches Protektorat wieder direkt dem Kolonialamt in London. 1871 integrierte man das Gebiet um Kimberley, in dem vier Jahre zuvor die ersten Diamanten entdeckt worden waren, als Griqualand-West in die Kapkolonie.

Kurz nach Beendigung des achten Krieges mit den Xhosa (1850–53), erhielt die Kapkolonie am 1. Juli 1853 durch königliche Verordnung eine Verfassung und damit eine Art begrenzter Selbstverwaltung. Das representative government sah ein Zweikammerparlament mit gesetzgebendem Rat (Oberhaus) und Volksrat (Unterhaus) vor. Wahlberechtigt war, wer Immobilienbesitz im Werte von mindestens 25 Pfund oder ein jährliches Einkommen von mindestens 50 Pfund hatte. Damit blieb formelle Gleichheit bei gleichzeitiger unangefochtener weißer Herrschaft Londons Devise für die Kapkolonie.

Die Regierung wurde weiterhin von London eingesetzt. Erst 1872 erfolgte der Schritt zum responsible gouvernment, in dem nun nach britischem Vorbild die Regierung dem Parlament verantwortlich war. London war von da an nur noch mit einem für ganz Südafrika und hauptsächlich für die Außenbeziehungen zuständigen Hochkommissar in Kapstadt vertreten. Verwaltung und Armee fielen nun ganz zu Lasten des Kaps. 1841 war der Masters and Servant Act an die Stelle des Erlasses Nr. 50 getreten, der die Verletzung eines Arbeitsvertrages zu einem strafrechtlichen Delikt machte und in erster Linie die Nichtweißen betraf.

Cecil John Rhodes

1877 kam es zum neunten Grenzkrieg mit den Xhosa, der mit der Annexion Ost-Griqualands und eines Großteils der Transkei endete. Um deutschen Kolonialambitionen zuvorzukommen, erklärte Großbritannien 1885 vorsorglich die gesamte Küste zum Protektorat. Unter Cecil John Rhodes, Premierminister der Kapkolonie von 1890–1896, erfolgte dann 1894 der endgültige Anschluss des gesamten Landes zwischen dem Kei-Fluss und Natal an die Kapkolonie; 1895 wurde Betschuanaland der Kapkolonie eingegliedert und im gleichen Land zum „Protektorat Betschuanaland“ ausgerufen (heutiges Botswana). Natal wurde 1856 durch königliche Verordnung zu einer eigenständigen, vom Kapland getrennten Kolonie erklärt (eigenverantwortliche Regierung 1893).

Wirtschaftlich blieb Südafrika aus europäischer Sicht ein unterentwickeltes Gebiet. Dennoch erfuhr besonders der Außenhandel eine gewaltige Steigerung, die im wesentlichen einem einzigen Produkt zu verdanken war: der Wolle von Merinoschafen. Der Wollboom (1866–70) brachte vor allem der östlichen Kapkolonie und Kapstadt einen beträchtlichen Wohlstand und trug zur Entwicklung des Landes bei. Die Entdeckung und Ausbeutung von Diamanten und Gold im Landesinneren Südafrikas in den 1870er und 1880er Jahren bedeuteten, dass Kapstadt nicht die dominante Stadt des Landes blieb, doch durch den Haupthafen weiterhin vom Mineralreichtum, der den Grundstein zu einer Industriegesellschaft legte, profitierte. In Kapstadt gedenkt das Rhodes Memorial der Zeit von Cecil John Rhodes.



 

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