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Thabo Mbeki - Südafrikas Präsident
Als Sohn des Widerstandskämpfers und ANC-Vorsitzenden Govan Mbeki, der zusammen mit Mandela zu lebenslanger Haft auf Robben Island verbannt worden war, wurde Thabo Mbeki am 18. Juni 1942 in Idutywa (Transkei) geboren, wo er eine einsame und entbehrungsreiche Kindheit verlebte. Leben und Gewohnheiten Mbekis liegen weitgehend im Dunkeln, da er 1962 im Auftrag des ANC ins 30 Jahre dauernde Exil ging. In Großbritannien studierte er Volkswirtschaft, dann folgte wie bei vielen anderen Exilanten eine militärische Ausbildung in der Sowjetunion. Mbekis Mentor und Ziehvater war der langjährige ANC-Präsident Oliver Tambo. Mbeki wird als Teamarbeiter bezeichnet, dem die Bewegung als Familienersatz galt. 1978 wurde Mbeki ANC-Vertreter in Swaziland und Nigeria, politischer Sprecher und Chefdiplomat der Widerstandsbewegung. Als Informationsdirektor und außenpolitischer Sprecher des ANC seit 1989 nahm er wie kein anderer als Gesprächsleiter seit 1985 bei geheimen Treffen des ANC mit weißen Oppositionellen und Regierungsvertretern den weißen Gesprächspartnern die Angst vor dem Wandel. 1993 wurde er zum ANC-Vorsitzenden, dann zum Vizepräsidenten des ANC gewählt und galt als „Kronprinz“ Mandelas in Partei und Regierung. Ab Mai 1994 übernahm er als Vizepräsident Südafrikas zunehmend die Regierungsgeschäfte von Mandela, besonders in der Wirtschaftspolitik. Im Juni 1999 wurde Thabo Mbeki zum Präsidenten von Südafrika gewählt. Die Außenpolitik orientiert sich weiterhin in Richtung London und Washington, stellt aber Afrika, besonders das südliche Afrika, stärker in den Mittelpunkt. Schon bald nach seinem Amtsantritt übernahm Mandela regionale Vermittlungsaufgaben, etwa im Angolakonflikt. Seine ersten Staatsbesuche führten ihn bewusst in Nachbarstaaten, die dem ANC in den Jahren seines bewaffneten Widerstandskampfes Aufenthalt geboten hatten. Nach der Unabhängigkeit des von Südafrika seit 1915 verwalteten Namibia (ehemals Südwestafrika) am 21. März 1990 übergab Pretoria Ende Februar 1994 die Enklave Walfischbucht (Walfish Bay) an Namibia. Seit dem Amtsantritt Mandelas bis heute wurden rund 600.000 Häuser gebaut, die der Staat mit jeweils 15.000 Rand bezuschusste. Das Versprechen allerdings von über 1 Million neuer Häuser wurde nicht verwirklicht. Doch bei durchschnittlich sechs Menschen pro Haus spürten die Südafrikaner den Fortschritt tagtäglich in den eigenen vier Wänden. Weitere Erfolge waren die Versorgung von bis dato 1,8 Millionen Menschen mit Strom und 3,5 Millionen mit Trinkwasser. Das Erziehungsministerium hatte verfügt, dass jedes Kind täglich eine Scheibe Brot mit Erdnussbutter bekomme, die für viele als “Mandela-Sandwich” die Hauptmahlzeit wurde. Schwangeren Frauen und Kindern unter sechs steht erstmals kostenlose medizinische Behandlung zu. Bei fünf Rohrbombenanschlägen am 27. und 28. April 1998 wurden zwei Personen in Kapstadt getötet. Verübt wurden die Anschläge kurz nach der Festnahme von acht Mitgliedern der muslimischen Bürgerwehr Pagad, die gegen einen mutmaßlichen Rauschgifthändler angehen wollten. Im August 1999 übernahm Tito Mboweni die Amtsgeschäfte seines Vorgängers Chris Stals, der zehn Jahre lang an der Spitze der Nationalbank gestanden hatte. Damit wird erstmals Südafrikas Zentralbank von einem Schwarzen geführt. Mboweni, der Mitglied des ANC ist, war zuvor Arbeitsminister und genoss bereits seit Jahren Ansehen in der Bankwelt. Seine Wahl wurde auch in ausländischen Bankkreisen begrüßt. Bei den zweiten demokratischen Wahlen am 2. Juni 1999 verfehlte der ANC knapp die Zweidrittelmehrheit und errang 66,35 Prozent. Die IFP fiel mit 8,2 Prozent wieder auf Platz drei zurück, hinter der Demokratischen Partei (DP) mit 10,3 Prozent. Eine Profilierung der NP als Neue Nationale Partei (NNP) unter de Klerks Nachfolger Marthinus van Schalkwyk gelang mit nur 7,6 Prozent der Stimmen nicht. Sie verkümmerte zu einer vor allem in der Provinz Western Cape von der Coloured-Bevölkerung unterstützten Regionalpartei, wo sie 54 Sitze verlor. Wie groß der Vorsprung des ANC insgesamt war, zeigte sich auch an den Ergebnissen in den neun Provinzen, in denen die Partei ihre Machtposition weiter ausbauen konnte. In sieben Provinzen konnte der ANC wie bisher allein regieren. Und auch in der Western Cape Province sowie in Kwazulu/Natal nahm er der Neuen Nationalen Partei (NNP) bzw. der Inkatha-Freiheitspartei der Zulus (IFP) so viele Stimmen ab, dass diese Koalitionen eingehen mussten. 2002/03 zerbrachen dann sogar diese Koalitionen, Parteienwechsel (in Richtung ANC) folgten, und schließlich gewann der ANC auch in diesen beiden Provinzen die Oberhand. Die Regierung des neu gewählten Präsidenten Thabo Mbeki stand im August 1999 mit dem Gewerkschaftsbund Cosatu und der kommunistischen Partei, die in einer politischen Allianz mit dem regierenden ANC verbunden sind, vor ihrer ersten Kraftprobe wegen der einzuschlagenden Wirtschaftspolitik. Während der ANC für Marktwirtschaft eintrat, plädierte der Gewerkschaftsbund mit seinen 1,7 Millionen Mitgliedern für einen mehr dirigistischen Kurs, um die dringend benötigten Arbeitsplätze zu schaffen. Die Regierung Mbekis fand schnell Zuspruch bei der Bevölkerung, auch der meisten Weißen. Stand die Regierungszeit Mandelas mit Recht noch vornehmlich unter dem Motto Versöhnung und Konsolidierung in der Weltgemeinschaft, begrüßte man Mbekis gezieltes und strenges Durchgreifen, was sich u.a. in den Innenstädten zeigt, wo die Kriminalitätsraten sinken, besonders in Johannesburg. Kritisiert wurden aber seine stille Haltung gegenüber dem diktatorisch regierenden Präsidenten von Zimbabwe (Robert Mugabe), seine Auffassungen zum Thema AIDS und seinen einsernen Willen, dem ANC noch mehr Macht zukommen zu lassen, so dass erste Ängste aufkommen, Südafrikas Demokratie könnte ebenfalls in einer “Ein-Parteien-Landschaft” enden.
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