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Sprachen in Südafrika
Um nach Jahrzehnten der Rassendiskriminierung keine Bevölkerungsgruppe zu benachteiligen, existieren seit der Verfassung von 1994 elf offizielle Landessprachen: Afrikaans, Englisch, Ndebele, Nordsotho, Südsotho, Swasi, Tsonga, Twana, Venda, Xhosa und Zulu. Sie lösten die beiden bisherigen offiziellen Landessprachen, Englisch und Afrikaans, ab. Würde man diese Regelung jedoch z.B. im bürokratischen Alltag umsetzen, so liefe das auf unzählige Formulare hinaus. Als überregionale Sprache wird sich daher aller Voraussicht nach Englisch durchsetzen. Schon heute wird im Radio, in Fernsehinterviews, bei Massenveranstaltungen oder im Parlament vorwiegend Englisch gesprochen – im Gegensatz zum burischen Apartheidregime, wo Afrikaans dominierte.
Afrikaans, die Sprache der Buren
Die Grundlage der kulturellen Identität der Afrikaaner ist eng an die Sprache Afrikaans gekoppelt. Ein Zeichen dafür ist das 1975 nördlich von Kapstadt erbaute riesige Denkmal auf einem Hügel nahe von Paarl. Afrikaans bildete sich vorwiegend aus dem Niederländischen heraus, daneben gab es deutsche und französische Spracheinflüssen und auch Wörter der Khoisan finden sich in ihr wieder. Nicht zu unterschätzen ist auch der Anteil der asiatischen Sklaven auf die Sprache, die nicht selten gebildeter als ihre Herren waren. Durch Afrikaans konnten sie sich nicht nur untereinander verständigen, sondern feierten auch ihre Religionen in dieser Sprache, wie der Historiker Achmat Davis 1985 bewies, nachdem er in Afrikaans verfasste religiöse Texte in einer Kapstädter Moschee fand. Damit trugen sie Mitte des 19. Jahrhunderts auch erheblich zur Verschriftlichung der bis dahin nur gesprochenen Umgangssprache Afrikaans bei. Die Buren hingegen hatten mit aufkommendem Nationalbewusstsein zu Beginn des 20. Jahrhunderts Afrikaans zu einer „weißen“ Sprache verkehrt und 1925 ihre Verankerung in der Verfassung als Amtssprache neben dem Englischen durchgesetzt. Auch deswegen ist Afrikaans für die meisten Schwarzen ein Symbol für die Sprache der ehemaligen Unterdrücker. Der blutige Schüleraufstand in Soweto brach 1976 auch wegen Afrikaans aus, das die Regierung als Unterrichtssprache in den Townships einführen wollte. Während die Regierung in den Townships scheiterte, brachte sie in Südafrika ansässige Firmen wie die South Afrikan Brewerie und ausländische Autofirmen dazu, Gebrauchsanweisungen auf Afrikaans zu verfassen. Afrikaans wird aber noch mindestens für die Zeit einer Generation die wichtigste Sprache bleiben, denn viele Schwarze sprechen, neben ihrer Bantu-Sprache, nur Afrikaans, aber kein Englisch. Dieses trifft vor allem auf ländliche Regionen zu. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen Südafrikas stellen einen schnell vor das Problem der Gruppenbezeichnungen, die zudem während der Apartheid ein Politikum waren. Die jeweilige Selbstbezeichnung wäre die einfachste Lösung, würden Übersetzung und Schreibweise in anderen Sprachen dieses nicht erneut komplizieren. Am Beispiel der Farbigen lässt sich dieses verdeutlichen: Die englische Bezeichnung ist coloureds, die offizielle afrikaanische Kleurlinge. Übersetzt ins Deutsche hieße das „Farbige“, wobei dieses im Deutschen jedoch die generelle Bezeichnung für Angehörige anderer Ethnien ist. „Mischlinge“ hingegen erweckt durch die Betonung der Mischung verschiedener Ethnien den Anschein einer negativen Bedeutung und hatte in der Vergangenheit einen eher abschätzigen Beigeschmack.
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