sa flag 80x80 Im August 2007 wurde Mark Bahlig mit einer sonderbaren Krankheit durch Sangomas in Kapstadt diagnostiziert. Im südlichen Afrika ist diese als "calling oder thwasa sickness" bekannt und ist ein kompromissloser Aufruf der Ahnen, sich als Mungoma oder traditioneller Heiler ausbilden zu lassen. Mark folgte diesem Ruf und begann die harte und intensive Schulung. Ein Mungoma ist ein Sangoma oder traditioneller Heiler der Venda- und Tsonga-Tradition, beide Stämme leben im Nordosten Südafrikas.

Das Wort Izangoma stammt aus der Sprache der Zulus. Ngoma bedeutet einerseits "Lied und Tanz", bezieht sich aber auch auf das Schlagen der Trommeln. Somit können Mungomas / Sangomas auch als "die, die singen und tanzen" bezeichnet werden. In ihren Tänzen erreichen sie Trancezustände, in denen sie mit Ahnen und Geistern in Kontakt treten. Zudem sind ihre hellseherischen Fähigkeiten in diesen Momenten besonders ausgeprägt und dies kann dazu führen, dass sie spontan weissagen oder heilen. Oberflächlich zeigt sich der Ruf häufig durch eine physische oder psychische Erkrankung.

Diese macht sich in allen Bereichen des Lebens eines Betroffenen bemerkbar. Oft haben gewisse Schwierigkeiten das ganze Leben bestimmt, in anderen erscheinen sie schlagartig. Besuche bei Ärzten, Psychologen, Psychiatern bringen selten Besserung. Träume und außergewöhnliche Erlebnisse sind Begleiterscheinungen dieser Krankheit und offenbaren den Weg zur Heilung. Für Mark gab es eine lange Folge von Zeichen und Symptomen, die darauf hindeuteten, dass er eines Tages "Medizinmann" werden könne. Mit neun Jahren wurde er schon in den Gewändern und mit Glasperlenketten der Sangomas fotografiert. Als Kind entwickelte er eine tiefe Faszination für indigene Völker, Rituale und Riten, besonders für die Indianer Nordamerikas. Während eines Studienaufenthalts in Kalifornien (1994) begann er die traditionelle Medizin und Rituale der Einheimischen zu erlernen und zu praktizieren. 2004 kehrte Mark mit seinen zwei Kindern und seiner Frau in die Heimat Südafrika zurück. Die Umsiedlung brachte die gewöhnlichen Herausforderungen, doch Mitte 2007 erlebte er die grösste Krise seines Lebens. Er sah sich gezwungen, sein Leben zu ändern ... und machte sich auf, einen Lehrer zu finden um ein Sangoma zu werden.

Die Zeit der Schulung nennt man kuThwasa und dies bedeutet "zum Vorschein kommen". Der Thwasana (Einzuweihende) erfährt in dieser Zeit tiefgründige Prozesse der Reiningung und Erneuerung: Auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene. Zu bestimmten Zeiten während der Ausbildung finden Einweihungszeremonien statt, an denen der Lehrling durch erfahrene, ältere Bangoma (plural) auf die Probe gestellt wird. Er muss zeigen, dass er tatsächlich das Zeug dazu hat, als Medizinmann in der Welt zu aufzutreten. Für den Einzuweihenden besteht ein Großteil der Ausbildung darin, eine starke Beziehung zu seinen Ahnen und zu den Ahnen seines Lehrers zu finden. Im Gegensatz zur allgemeinen Ansicht praktizieren die traditionellen Kulturen Südafrikas keine Ahnenverehrung. Die Ahnen werden vielmehr als Vermittler zwischen der irdischen und geistigen Welt angesehen. Zudem geht das Verständnis von Ahnen viel weiter als nur die Familienangehörigen, die von der Welt gegangen sind. Ahnen lassen sich auch in der Erde, in der Natur, im Wasser, in der Luft, im Himmel und letztendlich auch im Kosmos finden. Mit anderen Worten, das Reich der Ahnen ist so groß wie die Existenz selbst. In vielen indigenen und schamanischen Traditionen kommt dieses animistische Weltbild im alltäglichen Leben zum Tragen. Animismus heisst lediglich, dass Alles, was uns umgibt, beseelt ist.

Die Sangomas und Nyangas (traditioneller Doktor) arbeiten und heilen mit diesen Kräften. In schamanischen Kulturen nennt man "thwasa sickness" die schamanische Krankheit. Mungomas könnten im Allgemeinen als afrikanische Schamanen gesehen werden, aber sie sind es nicht wirklich.

Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Schamanen und Mungomas. Es wird verstanden, dass Schamanen die Gabe beherrschen in die geistige Welt zu reisen um dort direkt mit Kräften und Geistern zu arbeiten und zu verhandeln. Bei Mungomas ist es umgekehrt: Der Geist kommt zu ihnen und heilt direkt durch sie. Die Schulung besteht demzufolge auch darin, dass der Thwasana sich stark mit den Geistern, die ihn heimgesucht und übermannt haben, auseinandersetzt und sie kennen lernt. Dazu braucht es hauptsächlich eines guten Lehrers, der in allen Bereichen des Mungomatums erfolgreich eingeweiht worden ist. Man kann auch sagen, dass diese Geister wie archetypische, gewaltige Naturkräfte sind. Wenn sie nicht gezähmt und zumindest zum Teil kontrolliert werden, spielen sie im Leben eines Leidenden verrückt. Er wird dann von ihnen beherrscht und ist sicherlich nicht Herr seines eigenen Lebens.

In der westlichen Kultur landen viele solcher Fälle in der Psychiatrie. Angehende Bangoma erlernen verschiedene Therapien, Rituale und Interventionen, mit denen sie den zukünftigen Klienten helfen werden. Sie sind Ritualspezialisten und vermitteln durch ihre Praxis zwischen der Gemeinschaft und der geistigen Welt. Nach zwei Jahren hatte Mark seine Mungoma-Ausbildung an der Ngonyama Traditional Healers School in Botswana absolviert. Es fanden drei wichtige Einweihungszeremonien statt. 2009 eröffnete er seine Praxis in Hout Bay. Bangoma praktizieren mit dem Namen ihres stärksten Ahnengeistes. Mark's Geist heisst Mapathezikhali und bedeutet "der Waffenträger". Seine Klienten kommen aus aller Welt, aus allen Kulturen, und mit allen physischen, psychischen und geistigen (spirituellen) Beschwerden. Ein Besuch bei Mark findet in seinem Ndumba (Medizinraum) statt. Die Sitzung dauert eine Stunde. In dieser Zeit erforscht Mark das Problem, mit dem sein Klient zu ihm gekommen ist.

Fragen oder Themen, die versteckt oder unklar sind, können häufig mit Hilfe der Knochen geklärt werden. Bangoma verwenden das Knochenwerfen (Astragalomantie) als diagnostisches Weissagungswerkzeug. Mit Hilfe der Knochen können sie Schwierigkeiten und Ungleichgewicht im Leben eines Menschen erkennen und so Wege finden, ihre Klienten wieder zu Ausgeglichenheit und Gesundheit zu führen. Die Behandlungen, die Mark anwendet, stammen alle aus dem traditionellen System. Er verwendet pflanzliche Medizin, auch Muthi genannt, die hauptsächlich im Norden Südafrikas und in Botswana wachsen. Viele davon erntet er selbst, manche kauft er in Muthimärkten in Johannesburg. Die Medizin kann vielfältig angewendet werden. Wenn es sich um ein körperliches Leiden handelt, wird die Medizin meistens getrunken. Bei psychischen und geistigen Leiden hilft oft ein Bad, das der Klient selber zuhause nimmt. Manchmal ist sogar ein afrikanisches Dampfbad erforderlich. In hartnäckigen Fällen müssen spezielle Rituale zum Einsatzkommen. Hausbesuche macht Mark, um Häuser und Grundstücke zu reinigen und zu schützen.

Das Gleiche trifft auch für Autos zu. In letzter Zeit wird Mark, mit viel Erfolg, angefragt, den Verkaufsprozess von Grundstücken zu beschleunigen. Der ungewöhnliche Weg des Mungoma ist ein tiefer Prozess der Selbstheilung. Die Ahnen und Geister helfen, leiten und stärken den Eingeweihten bei seiner Arbeit als Heiler. Mungoma zu werden heißt, sich für etwas Größeres, etwas Unfassbares aufzugeben und sich selbst dafür aufzuopfern. Für Mark ist der Ruf des Mungoma zur Berufung geworden.

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