Kapstadt in Südafrika

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Artikel "Hohn der Angst"

Hohn der Angst - Wie man Freiheit trainiert - Zur Kriminalität in Kapstadt und Südafrika

Freiheit findet im Kopf statt. Als autonomes Gefühl bleibt Freiheit genau so unabhängig von Fakten, wie der Kopf es zulässt. Abhängig ist sie nur von Mut und Angst, die ja Selbstentfaltung und Selbstschutz regulieren. Freiheit beruht also auf einem individuell zu findenden Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Risiko. Ein Zuviel an Sicherheit beengt die Freiheit.*

Kriminalität und Terror schränken die persönliche Freiheit nur dann ein, wenn man sein Leben von ihnen einengen lässt, sprich: seine Bewegungen reduziert, sich mit Mauern umgibt oder bewaffnet. Wer hinter dem Elektrozaun sitzt und nur bei Tageslicht und gruppenweise seinen Bunker verlässt, überlässt den eigentlich ihm zustehenden Außenraum Gangstern und Terroristen. Die sind es nämlich, die wirklich frei herumlaufen - weil sie keine Angst haben.

Leider gilt auch für den Tourismus in Südafrika: Wer sich fürchtet, muss zuhause bleiben. Aber man ist der Angst nicht hilflos ausgeliefert, sondern man kann sich dagegen wehren - nein, nicht durch Bewaffnung oder Präventivschläge! Durch Training.

Es muss nicht Kampfsport sein (obwohl das indirekt helfen würde, denn zweifellos stärkt Defensivkraft das Selbstbewusstsein). Schon mentales Training kann enorm hilfreich sein, um die Grenze von der Angst in Richtung Mut zu verschieben, denn eine der Komponenten, die Angst entstehen lässt, ist geistige Trägheit.

Das Schlüsselwort lautet "streetwise", was in der Touristenversion heißt: Die Weisheit, auf der Straße keine groben Fehler zu machen. Man geht nicht im Dunkeln allein durch eine unbeleuchtete Gasse. Man trägt keine Sandalen oder Stöckelschuhe, schon gar keine Kamera oder Schmuck. Und man hat den Risikofaktor der Viertel zu kennen, in die man sich begeben will. So etwas steht im Reiseführer oder man fragt Einheimische.

Der nächste Schritt entspricht der Verkehrserziehung. Was wäre, wenn jetzt ...? Man stellt sich Szenarien vor, in denen eine kriminelle Handlung passieren könnte, erwägt die eigenen Möglichkeiten (Flucht, Hilferuf oder Stillhalten, mehr sind es nicht), und plant die Schritte danach. Allein dieser Denkvorgang, oft genug wiederholt, wird Panik verhindern.

Auch ökonomisch kann man mit der Angst umgehen. So wie jede Firma Abschreibungen auf ihre Investitionen vornimmt, rechne ich damit, pro Jahr durchschnittlich x Prozent meines Eigentums an Kriminelle zu verlieren, meist Taschendiebe, Betrüger oder Autoknacker. Sollte mich ein Raubüberfall treffen, habe ich Fehler gemacht und Pech gehabt. Dann jedoch kann ich, mindestens statistisch gesehen, davon ausgehen, ein paar Jahre Ruhe zu haben, was durch die gewonnene Erfahrung unterstützt wird.

Das Risiko für Leib und Leben ist für Touristen in Südafrika so gering wie überall auf der Welt, denn der Großteil schwerer Kriminalität ist lokal begrenzt, verursacht von Armut, Drogen und Alkohol. Und in diesem Milieu bewegt man sich nicht.

*Das Gesagte gilt ebenso für Gemeinwesen. Ein Staat, der seine Bürger verängstigt, einschränkt und in
unheiligen Kriegen opfert, ist nicht frei, sondern besessen.


© Klaus Minges 2007 / www.minges.ch

Grassy Park, South Africa on BBC News



Kommentare 

 
0 #4 rst 2012-03-26 06:26
dem oben geschriebenen Kommentaren kann ich nur bei stimmen , 14 mal Südafrika nicht einmal probleme genabt
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+12 #3 christina 2011-03-05 15:26
Kapstadt und die Cape Region gehören zu den schönsten Gegenenden der Welt.Die Kriminalitätsra te ist nicht zu unterschätzen aber auch nicht über zu bewerten. Mit Vorsicht, gesundem Menschenverstan d und wenn man sich an die oben schon genannten Regeln hält, ist man genauso sicher/unsicher wie in Großstädten der USA,Südamerika oder Berlin. Der Unterschied liegt darin, dass die Hemmschwelle zur Gewalt ggfs. etwas niediger ist, daher ist Leichtsinn nicht angebacht. Ich war mind schon 15x in CapeTown und mir ist noch nie etwas passiert. Beim Fahren durch die Stadt: "lock in & all bags under seat!"
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+10 #2 Carla 2010-12-27 09:57
Ich möchte erstmals alle entwarnen! so schlimm ist das nicht!! ich war 3 Monate in Kapstadt und ich hatte nie ein grösseres Problem nur folgende Regeln beachten:
- ab 18.00 Uhr nur noch mit dem Taxi unterwegs sein
- nicht zu viel Bargeld dabei haben
- z.B. einen Apfel bereithalten für die Bettler die kein Geld wollen sondern das man ihnen etwas zu essen kauft. Gibt man ihnen dann etwas zu essen sind sie zu frieden und lassen einem in Ruhe
- Longstreet & Waterfront sind kein Problem auch am Abend und Nachts wenn man Acht gibt und nicht unbedingt alleine unterwegs ist
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+5 #1 Jochen 2010-01-28 07:40
-> Selbst wenn es ein Touristenplatz, Einkaufspassage oder sonstiges (Strand, Bergwandern ...). Bei Einbruch der Dämmerung verlassen! Außer es ist eine Touri-Veranstaltung und es sind sehr viele Menschen anwesend (z. B. Waterfront)
-> Bei Dunkelheit auch keine Seitenstraßen entlang laufen und schon gar nicht unbeleuchtete Straßen oder Gegenden!!!
-> Verteilen Sie ihr Bargeld am Körper. Einen Teil im Geldbeutel, ein Teil in den Hosentaschen und einen Teil im Socken (natürlich nur, wenn man mehr mit sich führt. Ich hab das ab 1.000 Rand gemacht)
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