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Robben Island Gestern und Heute

AUF DER SUCHE NACH DER EIGENEN GESCHICHTE

Bereist man heute als Tourist Südafrika, verdrängt man schnell die Tatsache, dass die Demokratie des Landes noch sehr jung ist. Die Zeit der Apartheid ist mit den ersten freien Wahlen im Jahre 1994 zu Ende gegangen. Enorme Fortschritte sind seither gemacht worden, doch vieles muss auch heute noch - im neuen demokratischen Südafrika – verbessert werden. Was gerne übersehen wird: nach Jahrzehnten der Desinformation und Zensur gilt es, die Geschichte des Landes neu zu schreiben, nicht zuletzt um die tiefsitzenden Vorurteile auszuräumen.

GEFÄNGNISINSEL IM WANDEL

Robben Island, eine kleine Insel in der Bucht vor Kapstadt, ist eine der geschichtsträchtigsten Inseln weltweit. Seit dem 15. Jahrhundert ein Platz der Verbannung für politische Gegner, Zwangsexil für geistig und körperlich Kranke. In den sechziger Jahren vom damaligen Apartheids-Regime zum Hochsicherheitsgefängnis erklärt. Prominentester Häftling dieser Zeit: Nelson Mandela. 1990 verließ er die Insel nach 27 Jahren Haft. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident von Südafrika.

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Die Geschichte von Robben Island und Nelson Mandela
(Foto courtesy of SA Tourism)

BESUCH DES KULTURERBES

Seit mehreren Jahren ist Robben Island eine Museumsinsel: touristisches Top-Ziel. Besonders im Frühjahr wirkt die Natur auf der Insel so, als wenn sie dabei wäre „zu vergessen“. Blumen erblühen auf den alten Gräbern und den verfallenen Ruinen. Im Hofe des Gefägnisses durchbricht junges Grün den mageren Boden.

Heute ist es jedem interessierten Besucher möglich, vom Nelson Mandela GATEWAY direkt an der V& A Waterfront, die Insel zu besuchen und auf einer rund dreistündigen Tour Einblicke in die Vergangenheit zu bekommen. Der moderne Museums-Glasbau steht im Kontrast zu dem kargen Eindruck der Gefängnisgebäude auf der Insel, die man nach einer halben Stunde erreicht. Der Besuch ist ohne Frage empfehlenswert. Die Insel wurde 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Doch trotz der Tatsache, dass diese Auszeichnung auch für den Erhalt der nationalen Gedenkstätte beitragen soll, wandelt sich schleichend die Authentizität des Erscheinungsbildes der Museumsinsel. Zudem kommt, dass viele der betagten, ehemaligen Exgefangenen, die in den ersten Jahren der Insel in der Funktion als Museumsführer agierten und aus „erster Hand“ berichteten, unterdessen verstorben sind. Viele Bücher wurden geschrieben über die Insel, seine Politiker und Ex-Gefangenen. Das wohl bekannteste "A long walk to freedom" (Der lange Weg zur Freiheit ) die Autobiografie von Neslon Mandela. Viel Filmbeiträge und Interviews haben das Thema bereits aufgegriffen. Ein Dokumentarfilm scheint die Zeit in besonderer Weise festgehalten zu haben...

UND DIE ZEIT STEHT STILL

„BACK HOME - Roots of a New South Africa“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte von der Rückkehr ehemaliger Gefangener, die freiwillig (noch bis vor ein paar Jahren) im „neuen Südafrika“ auf der Insel leben. Es stellt sich die Frage: Was ist Freiheit? Die Freiheit eine Insel verlassen zu können; jedoch auch die Freiheit, an den Ort des Leidens zurückzukommen, um freiwillig dort zu arbeiten und zu leben. Die einfühlsame Dokumentation konzentriert sich dabei nicht auf die prominenten Exgefangen, sondern
schenkt stellvertretend den vielen unbekannten Freiheitskämpfern Gehör, die den Wandel Südafrikas mit ihren Familien mitgetragen haben.

Der über mehrere Jahre recherchierte und im Jahr 2003/2004 fertiggestellte Film „BACK HOME - Roots of a New South Africa“ wurde 2006 vom australischen Verleiher LGI Looking Glass International entdeckt und auf der internationalen Dokumentarfilmmesse MIPCOM in Cannes präsentiert.

WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT

Der deutsche Regisseur Marc Köbler kennt seit über einem Jahrzehnt die Kapregion wie seine Westentasche. Als die Gefängnisinsel 1997 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, war er einer der ersten Besucher auf Robben Island. Seither verfolgte er die Wege einiger der vielen unbekannten Freiheitskämpfer, die auf Robben Island inhaftiert waren. Ihre Geschichten bieten Zugang zu bislang wenig bekannten Hintergründen und enthüllen Details der Vergangenheit. Dazu der Regisseur des Films: „ Für unser Filmprojekt recherchierten wir über drei Jahre. Zwischen meinem späteren Hauptinterviewpartner Tata Sindile und mir wuchs langsam eine Vertrauensbeziehung und Freundschaft, gleichsam der Wille, seinen Leidensweg einem breiten Publikum zugänglich machen. Diese Offenbarung vor der Kamera stellt für Exgefangene eine besonders große Überwindung dar. Bedingt durch Tata Sindiles sich verschlechternden Gesundheitszustand stellten wir uns jedoch jeden Tag die Frage, ob wir die Dreharbeiten verantworten konnten, die er selbst so sehr wünschte.“ Tata Sindile Mngqibisa erhielt die Möglichkeit seine Geschichte zu erzählen. Er verstarb nur wenige Wochen nach den Dreharbeiten. Die oft hochemotionalen Momente und Recherchen des Filmteams der engagierten Filmproduktion Crew 4 You GmbH gingen unter die Haut aller Beteiligten.

NEUE GESCHICHTSBÜCHER FÜR SÜDAFRIKA

Um die Vergangenheit Südafrikas national und international transparent zu machen, sind bis heute Bestandsaufnahmen notwendig - Gespräche mit Opfern, Tätern und Überlebenden. Auf Grund des Alters vieler Zeitzeugen ist dies bis heute ein Wettlauf gegen die Zeit. Das Heritage Department des Robben Island Museums (RIM) versucht täglich, damalige Zeitzeugen ausfindig zu machen und durch Gespräche und Tonaufnahmen Informationen für die zukünftigen Generationen zu sichern. Dazu der Regisseur des Films : „Robben Island - die berüchtigte Gefängnisinsel vor Kapstadt spielt hierbei eine zentrale Rolle. Der grösste Teil der heutigen politischen Führer wurde seinerzeit vom Apartheids-Regime auf die Insel deportiert und jahrelang isoliert. Robben Island ist nicht nur ein Symbol für Unterdrückung, sondern auch Keimzelle des Wandels in Afrika.“ Eine Nation im Wandel und auf der Suche nach sich selbst.

Informationsquellen:
Crew 4 You GmbH, IMDB Intern. Movie Database, Mediarights.org
http://www.crew4you.de

Lageplan

Robben Island Bilder

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Nelson Mandelas Gefängniszelle
robben-island-fuehrung
Führung durch ehemalige Häftlinge
gefaengnis-block-innen
Zellenblosck auf Robben Island