Tierwelt in der Kapprovinz

Klippschiefer in Südafrika - Afrikas MurmeltiereKlippschiefer in Südafrika - Afrikas Murmeltiere Im Gegensatz zur reichen Pflanzenwelt ist die Fauna der Fynbos-Vegetation relativ artenarm. Großwildtiere kommen hier nur in vereinzelten Parks und Säugetiere mit nur wenigen Arten vor, allerdings sind einige endemisch für die Gegend, z.B. der Grysbok (Greisbock) und der Bontebok (Buntbock). Der Bontebok gehört zu den seltenen
Antilopen Afrikas, sein Lebensraum war auch ursprünglich auf ein kleines Areal am Kap begrenzt. Nachdem er durch Jagd nachhaltig reduziert war, wurde bereits 1931 der Bontebok National Park eingerichtet, der in der Nähe von Swellendam liegt. Wer die Big Five sehen möchte, muss auf die private Parks oder den Addo National Park  in der Eastern Cape Province zurückgreifen.

In den Bergzügen der Western Cape leben andere Antilopenarten, Leopard, Baboons (Paviane), das Porcupine (Stachelschwein) und der Caracal (Luchs). Sehr zahlreich sind auf dem Table Mountain und in anderen felsigen Gebieten die murmeltierähnlichen Rock Dassies (Klippenschliefer).

Auch endemische Vogelarten leben in den Berghängen des Table Mountain und der benachbarten Bergzüge, so z.B. der Cape Sugar Bird, der Protea Seed-Eater, der Cape Siskin, der Grassbird und der Black Eagle. An der Meeresküste können neben Möwen auch Albatros, Pelikan, Kormoran und mit Glück der Afrikanische Seeadler (African Sea Eagle) gesehen werden. Der Austernfischer ­(Oyster­catcher), als bedrohte Art identifiziert, lebt in den z.T. felsigen Buchten entlang der südlichen Küste. Vogelliebhaber können sich im World of Birds Wildlife Sanctuary in Hout Bay oder auch im Birds of Eden Park bei Plettenberg Bay intensiv mit der Vogelwelt beschäftigen. Strauße (Ostriches) leben in wilder Form meist im Norden Südafrikas, man sieht sie jedoch auch in anderen Regionen. Bereits 1822 wurde der Strauß in Südafrika unter Schutz gestellt. Seine Ausrottung war zu befürchten, da seine Federn heiß begehrt waren. Die Little Karoo um Oudtshoorn ist das Zentrum der südafrikanischen Straußenzucht, die hier 1867 mit 80 Tieren begann. 1895 gab es in diesem Gebiet bereits 250.000 Tiere. Von Oudtshoorn aus werden Lederwaren, cholesterinarmes Straußenfleisch, Straußenfedern und andere Produkte in alle Welt exportiert.

Südlich von Simon’s Town am Boulders Beach lebt eine Kolonie von Brillenpinguinen (African Penguins). Diese an Land eher tollpatschig wirkenden kleinen Pinguine sind im Wasser sehr gute Schwimmer und Taucher. Sie brüten meist zwei Eier in flachen Löchern und sind schon von Weitem an ihrem eselrufähnlichen Gebrüll zu erkennen. Nur zwei weitere Kolonien gibt es in Südafrika, lediglich 28 in der ganzen Welt, deshalb gehören die Pinguine zu den gefährdetsten Tierarten des Landes.

Schlangen in SüdafrikaSchlangen in SüdafrikaEinige Schildkröten-, Schlangen- und Eidechsenarten können in freier Wildbahn beobachtet werden. Endemisch ist die Geometric Tortoise und mit etwas Glück erblicken sie im Fynbos auch ein Cape Dwarf Chameleon. Die bis 15cm langen Chamäleons können ihre kegelförmigen Augen unabhängig voneinander bewegen und ­benutzen ihren Schwanz beim Klettern als fünftes Glied. Einige wenige der vorkommenden Schlangen, wie die Cape Cobra und die Puff Adder (Puffotter), sind giftig. Allerdings sind Reptilien meistens an sehr naturnahe, ungestörte Biotope gebunden und scheu. Sollten Sie doch einmal einer Schlange begegnen, bieten sie ihr die Möglichkeit zur Flucht, indem sie ruhig stehenbleiben.

In den Gewässern des Western Capes findet man die verschiedensten Meerestiere, deren Fischarten die Charakteristik der beiden Meeresströme widerspiegeln. Sind die Fische des warmen Indischen Ozeans meist auffallend bunt, so erscheinen die des kühlen Atlantischen Ozeans grau gefärbt und eher langweilig. Da sich die Tiere des Meeres bis auf Ausnahmen nur schwer beobachten lassen, ist ein Ausflug in das Two ­Oceans Aquarium (S. 169) an der V&A Waterfront in Kapstadt unbedingt zu empfehlen.

pavian kapstadtPavian am Cape Point bei KapstadtIn der False Bay leben größere Seehundkolonien, in denen der Cape Fur Seal zu Hause ist. Dadurch werden auch White Sharks (Weiße Haie) angelockt, die Jagd auf die Seehunde und Robben machen. Angriffe auf Menschen sind aber äußerst selten, viele Küstenabschnitte sind dennoch besonders geschützt. Auf dem Boden sandiger, ­flacher Buchten verstecken sich gut getarnt Rochen. Der Rücken des bis 75cm langen Blue Stingray ist sandfarben und mit blauen Sprenkeln durchsetzt, am Schwanz sitzt ein Giftstachel. Giftig sind auch die Tentakel der Bluebottle, einem durchsichtig blauen, quallenähnlichen Geschöpf, das aus vielen Einzelindividuen besteht. Verendete Bluebottles werden häufig an den Strand gespült, wo man auch die Venus Ear findet, eine Muschel, die innen wunderschön perlmuttfarben ist. Eine Reihe von Löchern nahe dem Rand ist charakteristisch für diese Muscheln. Zwischen Mossel und Plettenberg Bay lebt ein seltener Seeigel, dessen Skelett die eigenartige Zeichnung eines Stiefmütterchens (engl. pansy) zeigt, daher wird er Pansy Shell genannt.

Besonders erwähnenswert unter den Meeresbewohnern sind die Wale (Whales), die unweit von Kapstadt zwischen Juni und Dezember von Land aus zu beobachten sind. Das Zentrum während der Whalewatching-Saison ist Hermanus an der Walker Bay, ca. 130 km von Kapstadt entfernt. Gut zu beobachten sind Wale auch vor Witsand und dem De Hoop NR. Den Großteil des Jahres verbringen die Wale in den planktonreichen, kalten Wassern der Antarktis, Tausende von Kilometern weiter südlich. Die Walweibchen kalben nur etwa alle drei Jahre, allein die Tragzeit nimmt schon ein Jahr in Anspruch. Die meisten Geburten finden im August und September statt. Der häufigste Wal vor Südafrika ist der Southern Right Whale (Glattwal). Diese bis zu 18m langen und 60 Tonnen schweren Wale kommen von Frühling bis Winter in die False Bay und ihre Nachbarbuchten, um sich zu paaren, zu kalben und ihre Jungen aufzuziehen. Neben dem Southern Right Whale kommt in den Gewässern und Buchten um Kapstadt noch der ähnlich große Humpback Whale (Buckelwal) vor, allerdings ist er schon seltener zu beobachten. Im Gegensatz zum Southern Right Whale besitzt er Furchen an seinem weißen „Hals“ und eine kleine Rückenflosse.Andere Walarten, wie z.B. der Orca (auch Killer Whale genannt), kommen nur ab und zu an die afrikanische Südküste. Der Southern Right Whale hat seinen Namen erhalten, weil er als „richtiger“ Wal wegen seines hohen Fettgehalts an die Oberfläche schwamm, nachdem Walfänger ihn harpuniert hatten und somit leicht ins Boot gehievt und zerlegt werden konnte. In Kapstadt wurde ab 1806 von Kalk Bay aus Walfang betrieben, Bestände wurden so drastisch dezimiert, dass 1935 ein nationales Jagdverbot für Wale erlassen wurde. Seither haben sich die Bestände wieder erholt.