Schauspiel in Kapstadts Townships

schauspiel township 112Schauspiel im Amphitheater des Guga s'Thebe ZentrumsIn der St. Peter Anglican Church in der Mahabeni Road in Khayelitsha treffen wir die 18-jährige Tindie Mzie. Sie leitet hier eine Kindertheatergruppe. Die Gruppe trifft sich regelmäßig um ein kleines Stück einzustudieren, das Tindie selbst geschrieben hat.

Wir sehen bei den Proben zu. Obwohl das Stück in Xhosa ist, haben wir den Eindruck, dass viel improvisiert wird, auch den Text bereffend. Nicht nur die Akteure, die sehr ausdrucksvoll spielen, sind voll bei der Sache, auch die Zuschauer verfolgen die Szenen gespannt. Man sieht ihnen an, dass sie am liebsten auch auf der Bühne stehen würden.

Später kommen noch mehr jugendliche Zuschauer und wir erfahren, dass heute ein besonderer Tag für Tindie sein sollte. Sie hat eine Einladung zu einem Talentwettbewerb nach Johannesburg bekommen und hofft, heute genug Geld für die Fahrkarte sam.mein zu können. Dazu hat sie viele Freunde, Bekannte und eine befreundete Marimba Band eingeladen.

schauspiel kapstadt township 113Tindie MzieNach längerem Warten die erste Enttäuschung, die Band ist nicht gekommen. Um die Zuschauer nicht auch zu enttäuschen, wird sie ihr Stück alleine, ohne Musikbegleitung aufführen. Sie verlässt das Seitenschiff der Kirche und schließt die Tür nicht ganz. Plötzlich ertönt Gesang, Tindie schreitet singend in den Raum. Wir sind überrascht über die volle, wohltönende Stimme dieser zierlichen Schauspielerin. Das Stück beginnt. Wir können den Text nicht verstehen, aber wir sehen, dass es um die Probleme eines jungen Mädchens geht. Tindie ist sehr ausdrucksstark. sie liegt weinend auf dem Boden, windet sich, um im nächsten Moment voller Wut empor zuschnelIen.

Ihre schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend, Wut und tiefe Verzweiflung werden zu Hoffnung und Optimismus. Die uns umgebenden Zuschauer sind gefesselt. Das, was sie hier sehen sind ihre Probleme, ihre Sorgen. Später erzählt uns Tindie, dass in diesem Stück, dass sie selber geschrieben hat, die Menschen aufgefordert werden, Verantwortung zu übernehmen, nicht zuzulassen, dass ihnen Leid zugefügt wird, nicht auf die Hilfe anderer zu hoffen, sondern ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Die Vorstellung war ein künstlerischer Erfolg, das Publikum ist begeistert, ihr Ziel, genügend Geld für die Fahrkarte zusammen zu bekommen, hat sie nicht erreicht, es waren nicht genügend Zuschauer anwesend, die in der Lage waren Geld zu geben.

Tindie kann nicht zu dem Talentwettbewerb fahren, der vielleicht eine Chance für ihre Laufbahn als Schauspielerin gewesen wäre. Die 11. Klasse, in die sie z.Z. geht, kann sie nicht regelmäßig besuchen, sie muss sich um ihre drei Brüder und das kleine Haus kümmern, seitdem ihre Mutter die Familie vor einem Jahr verlassen hat. Tindie besitzt großes Talent, es wird aber sehr schwer für sie sein, dieses Begabung umzusetzen.