Beerdigung in Kapstadts Townships

beerdigung township 50Reverend Mkhete würdigt die Tote und ermahnt die LebendenDie Bewohner der Townships leben im Jetzt und Heute, sie meistern die aktuellen Probleme, was die Zukunft bringt wird in der Zukunft gemeistert.

Die meisten haben weder eine Kranken- noch eine Rentenversicherung, nur wenn es um die eigene Beerdigung geht, wird Vorsorge getroffen. Die Begräbniszeremonien nehmen einen wichtigen Platz im gesellschaftlichen Leben der Townshipbewohner ein. Um zu gewähren, dass die Beerdigung auch würdig begangen werden kann, zahlen sie regelmäßig in eine Beerdigungsversicherung ein, auch wenn es ihnen schwer fällt das Geld dafür aufzubringen und sie es sich borgen und dann mühsam wieder abstottern müssen.

Die Begräbniszeremonie folgt festen Ritualen, die sich unter anderem nach der finanziellen Situation der Familie und der Todesursache richten. Viele Elemente dieser Zeremonie sind alt und über Generationen überliefert, andere wurden dem modernen Stadtleben angepasst. Kommt es zum Todesfall in einer Familie, wird der Tote in einem speziellen Raum außerhalb des Hauses, der "Motnary" für ein bis zwei Wochen aufgebahrt. Die Familie, die zum Teil aus allen Landesteilen anreist und die Gemeinde haben nun Gelegenheit, von dem Toten Abschied zu nehmen. Während der ganzen Zeit wird eine Totenwache gehalten, Familienangehörige, Nachbarn und Freunde beten am Sarg des Toten. Sie werden von der Familie mit Tee und speziellem Gebäck bewirtet.

beerdigung gottesdienst suedafrika 51Blick in die katholische Kirche Langa

beerdigung kapstadt township 51Auf dem FriedhofDie eigentliche Feier findet Samstags statt und wird von der Familie ausgerichtet. Am Freitag vor dem großen Ereignis werden Kühe oder Schafe für das Festessen geschlachtet. Wenn die Todesursache nicht natürlich war sondern ein Unfall oder ein Gewaltverbrechen, werden keine Tiere geschlachtet, es besteht der Glaube, dass dann der Tod noch weitere Familienmitglieder heimsucht, in diesen Fällen kauft man bereits geschlachtete Tiere, meist Hühner.

Oft wird ein großes Festzeit für die vielen Trauergäste errichtet. Am Tag der Beisetzung wird der geschlossene, mit Blumen geschmückte Sarg, vor dem Haus der Familie aufgestellt. Früh morgens finden sich die Familie, die Nachbarn und engsten Freunde ein. Einladungen werden nicht verschickt, jeder weiß Bescheid und Erscheinen versteht sich von selbst. Alle Anwesenden erhalten ein gedrucktes Programm.

beerdigung suedafrika 52Gekochter Mais wird angebotenDer Geistliche der Gemeinde eröffnet die Zeremonie. Er spricht von dem Toten, seinem Werdegang, der Stellung in der Gesellschaft und der Familie. Wir besuchten eine Feier, die von Reverend Mr Mkhete in Ehrung und zum Angedenken an die 43 jährige Christa Moyake zelebriert wurde. Sie wurde Opfer einer Familientragödie. Nach zwanzigjähriger Ehe wollte sie sich von ihrem Mann trennen, er konnte es nicht verkraften und erschoss erst seine Frau und dann sich selbst.

Die Tote war Lehrerin und sehr beliebt, mehr als 300 Gäste karrten zu ihrer Beerdigung. Der Reverend geht in seiner Rede auch auf die anwesenden Gäste ein und mahnt sie zur Nächstenliebe. Anschließend wird der Sarg mit einem Leichenwagen in die Kirche gebracht, in der die Tote Mitglied war, die katholische St. Anthony Kirche. Der Priester feiert die Totenmesse. Von hier aus wird der Toten das letzte Geleit gegeben, ein großer Konvoi mit mehr als 40 Pkws, Klein- und 4 Reisebussen begleitet den Sarg zum Friedhof. Am Grab spricht der Reverend ein letztes Gebet und besprengt den Sarg mit Weihwasser bevor er herabgelassen wird.

beerdigung township suedafrika 53Nachbarn und Freunde teilen das Essen an die Gäste ausDie Frauen stimmen ihren Gesang an, ihre Art Abschied zu nehmen. Die Männer der Familie und der Gemeinde schließen das Grab, die Frauen werfen noch eine letzte Hand voll Erde darauf. Nachbarn und Freunde haben inzwischen im Haus der Verstorbenen das Essen für die Gäste vorbereitet. Vordem Haus stehen Waschschüsseln, zuerst waschen sich die Familienmitglieder und anschließend die Gäste die Hände. Damit wird der Tod von den Händen gewaschen. Anschließend werden gekochte Maiskörner gereicht, auch das Essen der Maiskörner soll den Tod fernhalten.

Dann beginnt der Leichenschmaus, bei dem alle Gäste, mehrere hundert, bewirtet werden. Wie bei allen Festen essen Männer und Frauen getrennt. Der Familie, die im Hause Platz genommen hat, die Frauen in der Stube, die Männer in der Küche, wird zuerst serviert. Das gemeinsame Mahl, bei dem keine alkoholischen Getränke gereicht werden, beendet den ersten Teil der Begräbniszeremonie.
Danach beginnt der zweite Teil,der "aftertears", "nach den Tränen" genannt wird. Ein letztes Fest wird für die Toten gegeben. Alle Gäste, Freunde und Familienmitglieder begeben sich zu einem unweit gelegenen Festraum zum fröhlichen Beisammensein mit reichlich Umgqombothi (traditionelles Bier), Musik und Tanz. Ein letztes Mal ist die Tote im spirituellen Sinne mit den Lebenden zusammen, wird geehrt. Nun kann sie ins Reich der Ahnen eintreten und dort im Sinne der Hinterbliebenen wirken.