Kapstadt.de - Reiseführer für Kapstadt & Südafrika

Artikel  | Werbung  | Datenschutz  | Impressum  | Kontakt

Kapstadt.de - Logo

Business in Kapstadt - Hafen Panorama am Abend

Gründung von "Little Lambs"

little-lambs-8-510In eben jenem Jahr 1999 konnten van der Walts das nicht länger mit ansehen, also setzten sie sich jeden Sonntagnachmittag nach dem Gottesdienst mit den anderen Mitgliedern der Vineyard Church zusammen und brachten sie alle in unzähligen Gesprächen dazu, sich zu organisieren, indem einige von ihnen auf die Kinder aufpassen, während die anderen arbeiten gingen. Die „Tagesmütter“ wurden von einem Teil des erwirtschafteten Gehälter fair bezahlt und dass die Löhne ab sofort ausschließlich in monetärer Währung bezahlt wurden, davon hatten van der Walts die Besitzer der Kronendal Farm überzeugen können.

Die Realisierung einer von Grund auf humanitären Idee stand an ihrem Anfang, doch die sprichwörtlichen Schuhe zum Vorwärtsgehen waren noch winzig klein, zu klein, um den Kindern auf der Stelle die so dringend notwendige Unterstützung angedeihen zu lassen.

Zwar war laut Gesetz der örtliche, private Kindergarten für die Betreuung der Kinder zuständig, nicht jedoch für deren Versorgung mit Nahrung. Die Bilder von Kindern mit aufgetriebenen Hungerbäuchen und schlimmen "Triefnasen" prägten sich ein:  „Mangelhafte Ernährung“ benannte eine kirchliche Einrichtung den Grund für dieses menschenunwürdige Dasein. Oft sind die Folgen dieser Vernachlässigung nachhaltig und oft werden die daraus sich heran bildenden Schäden zu spät oder gar nicht erkannt, so dass sie irreparabel sind.

kinder-zaehneputzen-510Diese Momentaufnahmen schlichen sich in den Alltag von Marlis Schaper ein, dieser großherzigen, selbstbewussten und unglaublich durchsetzungsfähigen Frau aus Sylt. Marlis Schaper ist, was man im englischen eine „No-Nonsense-Lady“ nennt und immer dann, wenn sie zum Blumenkaufen bei den Mamas an der Hauptstraße ging, nahm sie irgendwie wahr, dass da Kinder in den Containern hausten.

Eines Tages dann öffnete sie eine der Türen und mit dem Anblick, der sich ihr bot, veränderte sich ihr Leben – aber auch das der Kinder. Auf der Stelle sozusagen, denn vom Elend der Kleinen berührt, wurde Marlis Schaper auf der Stelle aktiv und kaufte fortan täglich Obstportionen für alle 80 Kinder in dem so genannten Hort.

Doch das reichte bei Weitem nicht, die haarsträubenden Mängel in der Versorgung der Kinder zu beseitigen: So stand ihnen lediglich eine Bau-Container-Toilette zur Verfügung, die aber aus Geldmangel nicht gereinigt werden konnte. Es gab keine Stühle, keine Tische oder Decken für die Kleinkinder. Außerdem fehlte Vieles mehr, Dinge, von denen wir uns in unserer selbstverständlich komfortablen Welt nicht vorstellen können, dass sie nicht da sind. Kurz: Es herrschten katastrophale Zustände.

Und das in einer Umgebung, die zauberhafter kaum sein kann: In dem pittoresken Fischerort Hout Bay, wo einst die Geschichte des heutigen Südafrika begann, als der Holländer Jan van Riebeeck und seine Armada im Jahre 1651 in der „Holzbucht“ (Houtbaatjen = Hout Bay) anlandete und damit von dort aus die europäische Besiedlung Südafrikas ihren Anfang nahm.

little-lambs-12-510Viele Jahre sind seither vergangen und auch schon fast zwei Dekaden, seit die Rassentrennung Anfang der 1990er Jahre mit dem politischen Ende der Apartheid abgeschafft wurde, doch sind die Elendsviertel Südafrikas noch immer Ausdruck furchtbarer Benachteiligung der armen, meist schwarzen  Bevölkerung.

Nicht anders sieht es in Hout Bay aus, wo der traditionelle Township zu einem wild wuchernden Slum heran wuchs. Zu einem Moloch, der Hintergrund und Nährboden zugleich ist für eine zahlenmäßig unschätzbare Gesellschaft ärmster Menschen mit all ihren Problemen. „Imizamo Yeto“ nannten sie ihre Ansiedlung („wir werden es schaffen“) und „Mandela Park“, als Ausdruck für Aufbruch und Hoffnung.

Dass der Aufbruch nicht statt gefunden hat und die Hoffnung für die meisten Menschen aus Mandela Park nicht mehr existiert, das lernte auch Marlis Schaper auf drastische Art und Weise kennen, indem sie die Schwächsten dieser unseligen Verknüpfung „Armut, Verlust von Selbstvertrauen und Identität = Hoffnungslosigkeit“ traf, die Kinder vom Mandela Park – wo auch jene Kiddies leben, die Marlis Schaper vor nunmehr zehn Jahren in den Containern bei den Blumenfrauen antraf.

Man musste was tun. Der zunächst an den staatlichen Kindergarten angegliederte Kindergarten strotzte vor Unzulänglichkeiten, doch immerhin war ein Anfang gemacht und wer Marlis Schaper je erlebt hat, weiß, dass sie keine halben Sachen duldet. Es konnte den „Little Lambs“ also nichts Besseres geschehen, als dass diese selbstbewusste Geschäftsfrau „ihre kleinen Schäfchen“ in ihr großes Herz schloss und sich fortan darum kümmerte, fundierte Hoffnung für deren positive Zukunft zu verbreiten.

So konnte der Hort 2005 auf ein neues Gelände verlegt werden und es ist der Großzügigkeit von Marlena und Johann van der Walt zu verdanken, dass dieses Grundstück den „Little Lambs“ für mehrere Jahrzehnte kostenlos zur Verfügung steht.

social buttons
Copyright © 1998-2022 | All rights reserved | J. Köring
Wir benutzen Cookies
Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern. Sie können selbst entscheiden, ob Sie Cookies zulassen möchten. Bitte bedenken Sie, dass bei einer Ablehnung einige Funktionen der Seite wie z.B. Wetterberichte oder Youtube-Videos usw nur eingeschränkt zur Verfügung stehen!