Musik aus Kapstadt und Südafrika

musik-waterfront-kapstadtTradioneller Jazz an der Waterfront in Kapstadt Wie die Literatur wurde auch die Musikszene während der Apartheid von kulturüberschreitenden Einflüssen ferngehalten. Heute ist ein neues Bewusstsein für authentische afrikanische Musik entstanden, aber den typischen südafrikanischen Musikstil gibt es nicht. Vielmehr vermischen sich traditionelle und importierte, populäre Musik in zahllosen Stilen und Facetten.

Viele südafrikanische Stilrichtungen basieren auf dem Jazz, aber auch Einflüsse des Pop, Reggae und Soul haben sich mit den traditionellen Gesängen und instrumentalen Klängen vermischt. Der Gospel ist eine Mischung aus von Missionaren eingeführter europäischer Chormusik, afroamerikanischen Traditionen und Gesangsrhythmen, die besonders der Soweto Gospel Choir bekannt gemacht hat. Kwela ist eine in den 1950er-Jahren entstandene Musikrichtung, die aus den Townships kommt und vor allem vom Jazz beeinflusst wurde. Eine der erfolgreichsten Gruppen ist Mango Groove, die in den 1980er-Jahren während der Apartheid gegründet wurde und aus Musikern unterschiedlicher Hautfarbe besteht. Mit ihrer Kombination aus Kwela, Pop, Jazz, Swing und Blues sind sie seit Jahrzehnten erfolgreich. Im südafrikanischen Jazz, der in der Underground-Bewegung als Ausdruck der schwarzen Identität seinen Ursprung hat, werden heute moderne Elemente mit Folk, traditionellen Klängen, aber auch Klassik verbunden. Kwaito ist vorwiegend die Musik junger schwarzer Südafrikaner und kombiniert Jazz, Hip-Hop und Township-Musik zu einem neuen, mitreißenden Stil.

Traditionelles Liedgut in Kombination mit Gospelklängen hat die Gruppe Ladysmith Black Mambazo zu unglaublicher Vokalkunst vereint. Bekannt geworden sind sie durch ihre Zusammenarbeit mit Paul Simon bei seinem Album „Graceland“. Auch Johnny Clegg (mit seinen Bands Juluka (bis 1984), der ersten multiethnischen Gruppe in Südafrika, und Savuka (1985–1994)) sowie der früh verstorbene Reggae-Interpret Lucky Dube haben die Musik Südafrikas weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Einige Musiker sind nach dem Ende der Apartheid aus dem Exil zurückgekehrt. Miriam Makeba (gestorben 2008) bekannt durch ihr „Pata-Pata“ und den Click-Song, war auf Drängen von Nelson Mandela wieder nach Südafrika zurückgekommen. Der nun in Kapstadt lebende Jazz-Musiker Abdullah Ibrahim, vor seiner Konvertierung zum Islam bekannt als Dollar Brand, hat die Jazz-Szene in Kapstadt maßgeblich beeinflusst. Aus dem Exil und während seines kurzen Aufenthalts in Kapstadt in den 1970er-Jahren hat er Aufnahmen und Konzerte bekannter Jazzmusiker in Südafrika organisiert. Nach seiner Rückkehr gründete Ibrahim eine Musikakademie, die es sich zur Aufgabe macht, südafrikanische Talente zu fördern. Hugh Masekela ist ein weiterer weltbekannter Jazzmusiker aus Südafrika.

Hauptsächlich durch afrikanische, englische und afrikanisch-amerikanische Balladen beeinflusst wurden die lebhaften Folksongs der Kaapse-Klopse-Musiker. Ihre Feiern zum Neuen Jahr im Rahmen des Coon Carnival in Kapstadt werden von Einheimischen und Touristen gleichermaßen genossen, wenn sie in Kostümen in einer farbenprächtigen Parade durch die Innenstadt ziehen. Im Cape Town Convention Centre (CTCC) findet im März/April alljährlich das riesige Cape Town International Jazz Festival statt: In mehreren Hallen können dann Zehntausende Fans die Musik lokaler und internationaler Größen hören ( www.capetownjazzfest.com ).

Das älteste professionelle Orchester in Südafrika, das Cape Town Symphony Orchestra, 1914 als Cape Town Municipal Orchestra gegründet, tritt in der Old Town Hall bzw. im Artscape regelmäßig auf. Das Amphitheater im Oude Libertas Centre in Stellenbosch bietet in den Sommermonaten jazzige, klassische und traditionelle Sommerkonzerte; die Möglichkeit zum Picknicken bildet den besonderen Rahmen. Achten sollte man auch auf die Ankündigungen zu den meist am Wochenende stattfindenden Open-Air-Konzerten im Kirstenbosch National Botanical Garden.

Happy Cape Town