Kapholländischer Stil in Kapstadt

Architektur der ersten weißen Siedler

kap-hollaendische-architekturKapholländischer Baustil aus der Region bei KapstadtDie landschaftliche Schönheit des Kaplands mit seinen blau-violetten Bergkulissen, den anmutigen Weintälern und der Blütenpracht seiner Gärten scheint keine Steigerung zu kennen - gäbe es nicht die anmutigen kapholländischen Häuser.

Sie zeichnen sich durch ihre praktische Einfachheit aus, sind symmetrisch angelegt und gemütlich. Auch wenn dieser Baustil seine Wurzeln in Europa hat, konnte er sich im Kapland weiterentwickeln.

  • Die Bauten sind dem Klima angepasst: dicke, verputzte Wände, die blütenweiß gestrichen sind, halten extreme Temperaturschwankungen fern.
  • Die Gastfreundschaft der Weinbauern fand eine architektonische Antwort: Bedingt durch große Entfernungen und das Fehlen von Gasthäusern, wurden Empfangsräume und Küchen besonders groß angelegt.
  • Ebenso spiegelt sich die wirtschaftliche Entwicklung in den Bauwerken wider: Waren die ersten Häuser rechteckig, mit zwei einfachen Giebeln versehen und verlief an der Vorderseite eine erhöhte Plattform, so wurde mit wachsendem Wohlstand immer mehr Wert auf die Ausgestaltung der Mittelgiebel gelegt. Die frühen Giebel waren dreieckig, erst im 18. Jh. gestaltete sich daraus allmählich die gewundene Form des Kapgiebels. koopmans de wet houseKoopmans de Wet House in Strand Street von Raymond.ellis (Own work) [CC0], via Wikimedia CommonsDie Mittelgiebel hatten auch den praktischen Zweck, bei Feuer die aus dem Haus fliehenden Menschen vor herunterfallendem, brennendem Dachmaterial zu bewahren.
  • Oft waren die Fenster mit Sprossen versehen und hatten in der unteren Hälfte Klappläden, damit das starke Sonnenlicht nicht allzu sehr die Möbel und die Teppiche traf.
  • An vielen Hauseingängen gab es sog. Stalltüren: Die zweigeteilten Türen, deren untere Hälfte man arretieren konnte, hielt das Vieh aus dem Wohnhaus.
  • Später wurden die Haus- und Hofformen immer raffinierter, doch blieben sie in der Gesamtkonzeption stets klar und einfach: T-, U- und H-Formen lösten den einfachen rechteckigen Grundriss ab.

In Stadthäusern befand sich oft ein gepflasterter Innenhof, in dem schattenspendende Bäume gepflanzt waren. Manchmal sogar schmückte ein Teich das Innengeviert. Vor den Häusern pflegte man Eichenbäume anzupflanzen, die im hiesigen Klima schnell wuchsen und für den nötigen Schatten sorgten. Als in Europa die Zeit des Barocks anbrach, wurden – zumindest bei den Leuten, die es sich leisten konnten – die Giebel noch schwungvoller und mit Reliefszenen versehen.

groot constantia kaphollaendischGroot Constantia in kapholländischer Architektur von Martinvl - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50982126

Schöne Zeugnisse des kapholländischen Stils, oft mit anderen Stilelementen vermischt, sind z. B. in Kapstadt das Koopmans de Wet House (35 Strand St., 1701), Rust en Vreugd (78 Buitenkant St., 1777), das Martin Melck House (96 Strand Street, 1782) sowie die Herrenhäuser der Weingüter im Constantia Valley, Groot/Klein Constantia (1685/1818) und Buitenverwachting (1791). Tulbagh ist berühmt für seine kapholländischen Häuser und in Stellenbosch gibt es die längsten Reihen von alten Gebäuden, etwa entlang der Dorp Street. Im Allgemeinen kann man sagen, dass etwa die Hälfte aller Weingüter kapholländische Herrenhäuser haben.

  • Koopmans de Wet House, 35 Strand Street 1701
  • Martin Melck House, 96 Strand Street 1782
  • The Old Town House, Greenmarket Square 1762
  • The Old Supreme Court am Ende der Adderley Street 1686
  • Rust-en-Vreugd, 78 Buitenkant Street 18. Jh.
  • Groot Constantia 1685
  • Tokai (Tokai Forest), kann nur von der Straße aus gesehen werden 1796
  • Alphen (Constantia), Weingut-Gebäude, heute als Hotel 1750
  • Kronedal, Main Road, Hout Bay, heute als Restaurant 1800