"Pagad" und Gangsterbanden in Kapstadt

hardliving gang cape townDie "Hard Living" Strassenbanden in Manenberg markieren ihre Strassenbezirke mit solchen "Codes".
Foto by Discott - Own work, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org
Erstmals kam die fundamentalistische Muslimgruppe Pagad (People against gangsterism and drugs = Menschen gegen Gangstertum und Drogen) in die Schlagzeilen und in den Mittelpunkt der Politik des Westkaps, als deren Mitglieder 1996 an einem der Drogenbosse einen grausamen Lynchmord verübten.

Rashaad Staggie war nach einem Aufmarsch der Pagad im Beisein der Polizei durch Schüsse verletzt und anschließend bei laufenden Kameras verbrannt worden, während die Polizei hilflos zuschaute.

Seitdem wurden immer wieder Anschläge meist mit Rohrbomben verübt. Beunruhigt von der zunehmenden Kriminalität und empört über den fast ungestörten Drogenhandel, formierten sich die rund 400.000 Muslime 1996 in und um Kapstadt zu einer Art Bürgerwehr.

Sie genossen auch die Sympathien vieler weißer Südafrikaner, da der Staat aufgrund Korruption und Machtlosigkeit als Ordnungshüter abgedankt zu haben schien. Bürgerwehren auf allen Seiten des politischen Spektrums haben eine alte Tradition in Südafrika: von weißen Farmern auf der Suche nach Viehdieben über die vom Militär gesteuerten Gruppen bis hin zu „Volksgerichten“ in den Townships gegen „Polizeispitzel“, deren Strafe es war, auf dem Scheiterhaufen angezündeter Autoreifen verbrannt zu werden.

Mitchell‘s Plain in den Cape Flats

crime hotspots hostels kapstadtWohnblocks in den Cape Flats, die allzu oft auch Hotspots für Drogen- und Gangkriminalität sind.Schwierigkeiten mit Banden gibt es in Kapstadt seit mehr als 60 Jahren. Zwangsumsiedlungen in der Zeit der Apartheid, soziale Entwurzelung sowie Straßenschlachten in den Jahren des politischen Widerstandskampfs und chaotische Schulbedingungen haben das Problem verschärft. Muslime, aus denen hauptsächlich die Pagad besteht, leben in Kapstadt fast seit deren Gründung Mitte des 17. Jahrhunderts.

Sie sind Nachfahren von Malaien, die von den Holländern einst als Arbeitskräfte in ihre südafrikanische Kolonie geholt wurden. Konflikte der Muslime mit anderen ethnischen Gruppen gab es in Kapstadt früher kaum. Eine Bandenkultur entwickelte sich in den Townships der Farbigen, wie z.B. Mitchell‘s Plain, um sich gegen Übergriffe aus benachbarten Townships der Schwarzen zu verteidigen.

Der Zwillingsbruder Staggies übernahm inzwischen die Führung der Gangsterbande „Hart lebende Jungs“. Er genießt wie zuvor sein Bruder unter arbeitslosen Jugendlichen in den Cape Flats besonderes Ansehen, weil er ihnen durch Rauschgifthandel und Diebstahl zu Einkommen und Ansehen verhilft.

Bis Ende 1999 belief sich die Anzahl der Anschläge, für die entweder Kapstadts Banden oder Pagad verantwortlich gemacht wurden, auf über 680. Mehr als 170 Menschen wurden festgenommen, verurteilt wurde bis dato niemand. Nachdem Thabo Mbeki im Januar 1999 davor warnte, dass die Angriffe außer Kontrolle gerieten, wurde eine Sondereinheit der Polizei gebildet, die den städtischen Terrorismus im Westkap, vor allem in Kapstadt, bekämpfen sollte.

Die Gefährlichsten Gangs der Welt Ross Kemp - Kapstadt's Straßenkrieger