Bildungswesen in Südafrika

schule-suedafrikaGrundschule in Südafrika - Quellenhinweis Foto: Wikipedia In kaum einem anderen Bereich manifestieren sich die Auswirkungen der Apartheidpolitik so deutlich wie im Bildungswesen. Bis Anfang der 1990er-Jahre herrschte in allen Bildungszweigen eine strikte ethnische Trennung, was sich besonders auf Unterrichtsqualität, Ausstattung der schulischen Einrichtungen, Einschulungsquoten sowie das Bildungsniveau im Allgemeinen auswirkte. Besonders gravierend waren die Bildungsunterschiede zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung. Die rücksichtslose Durchsetzung der Apartheidpolitik im Bildungswesen und eine ungerechte Mittelzuweisung zwischen schwarzen und weißen Schulen waren in der Vergangenheit Anlass für eine wachsende Unzufriedenheit unter der schwarzen Bevölkerung. Der vom ANC aufgerufene Boykott schwarzer Schulen führte allerdings nur dazu, die schon bestehenden Bildungsunterschiede weiter auszubauen.

schulkinder in klasse suedafrikaSchulkinder in einer Klasse in SüdafrikaEine allgemeine Schulpflicht existiert vom 7. bis zum 15. Lebensjahr, vom Grade 1 zur Beendung des 9. Schuljahrs. Generell gehen Schüler vom sog. „reception year“ oder Grade R bis zum Abschluss (Matric) nach Grade 12 zur Schule. Im Alter von 7 Jahren beginnt die siebenjährige Primary Education (Grade 1-7), anschließend folgen fünf Jahre Secondary Education (Grade 8-12). Heute gibt Südafrika im internationalen Vergleich, relativ betrachtet, viel fürs Bildungswesen aus, doch liegt die Analphabeten- quote immer noch bei über 13% (bei der schwarzen Bevölkerung sogar bei 18%) und gravierende Probleme im Bildungssystem bestehen weiterhin. Während 76% der Weißen und 62% der Asiaten einen Abschluss von der High School oder sogar einen höheren hat, liegt diese Zahl bei den Schwarzen und Coloureds nur bei etwa 34%. Für die Schulen innerhalb der Townships und in den ärmeren ländlichen Gegenden stehen nur geringe Mittel zur Verfügung. Die Gebäude sind meist in einem desolaten Zustand, die Klassen sind überfüllt und die Lehrer sind unzureichend ausgebildet. Viele Schwarze schicken ihre Kinder deswegen lieber auf eine „weiße“ Schule, was lange Anfahrtswege und nur teilweise subventionierte Schulgebühren bedeutet.

Aus Sorge um das Bildungsniveau schicken daher diejenigen, die es sich finanziell leisten können, d.h. vor allem die Weißen, ihre Kinder auf teure Privatschulen. Es entsteht ein Teufelskreis, weil oftmals die besser ausgebildeten Lehrer ihren Schülern auf die Privatschulen folgen und in staatlichen Schulen gar nicht oder nur mit weniger gut ausgebildeten Lehrern ersetzt werden.

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Wenn auch die Regierung durch Programme wie gebührenfreie Schulen und freies Essen in den Schulen versucht, den ärmsten Kindern eine Bildungsmöglichkeit zu gewährleisten, ist das Niveau der Schulbildung für eine große Zahl von Kindern immer noch mangelhaft.

Universitäten in Südafrika

universitaet-kapstadtDie Universität von Kapstadt - (Foto courtesy of SA Tourism) Bis Anfang der 1990er-Jahre blieb die weiße Bevölkerung an den Universitäten weitgehend unter sich, Schwarze wurden meist in die Bantu-Education abgeschoben. Mit dem Higher Education Act leitete die Regierung 1997 die Umgestaltung des Universitätswesens ein, weil sie Bildung als Schlüssel zur Chancengleichheit und zur Überwindung der Apartheid erkannte. Universitäten und Fachhochschulen wurden zusammengeschlossen und alle 17 Universitäten und acht Technische Hochschulen („Technikons“) sind heute für alle Studierenden offen. Die Zahl der aus allen Bevölkerungsgruppen kommenden Studenten ist seit 1994 um mehr als das Doppelte gestiegen und liegt bei über 1.000.000, wobei sich der Anteil der schwarzen Studenten verdreifacht hat.

Obwohl alle südafrikanischen Hochschulen autonom sind, ist Bildung weitgehend Sache des Staates. Alle Universitäten, Technikons und Colleges unterstehen der Obhut des sog. Council of Higher Education. Dieser regelt auch die finanzielle Unterstützung der Hochschulen durch öffentliche Mittel, dennoch müssen immer noch gut 1.000 € pro Jahr an Studiengebühren entrichtet werden. Diese Summe ist für viele südafrikanische Familien immer noch unerschwinglich. Die Folge waren und sind lautstarke Proteste der schwarzen Studenten, die sogar zu politischen Unruhen geführt haben. Dabei ging und geht es auch darum, dass viele Hochschulen immer noch ein sehr „weißes Verhalten“ an den Tag legen, wie es z. B. in Kapstadt durch Huldigungen an Cecil Rhodes zum Ausdruck kommt.

Eine grundlegende Umstrukturierung des höheren Bildungssystems soll das Studienangebot übersichtlicher gestalten und zu einer internationaleren Ausrichtung und Anerkennung der Universitäten führen. Letztere genießen bisher nur die Universitäten in Kapstadt, Witwatersrand (Johannesburg), KwaZulu-Natal und Stellenbosch. Heute studieren etwa 400.000 Studenten an Universitäten und 190.000 an Technischen Hochschulen (TU), wobei der Anteil schwarzer Studenten in den vergangenen Jahren stark zunahm: an TUs von 17,6 auf 45 Prozent zwischen 1990 und 1995. Der Bildungsplan der Regierung sieht vor, in Zukunft technische und berufliche Schulung schwerpunktmäßig vor akademischer Ausbildung zur fördern.

Südafrika: Schwachpunkt Bildung