Demografie im Großraum Kapstadt

moslem-mutter-mit-kindMoslemische Mutter mit Kind im Bo Kaap, dem Moslemviertel von Kapstadt Die Western Cape Province zählt gut 6 Mio. Einwohner: 49% Coloureds, 33% Schwarze, 17% Weiße und 1% Asiaten. Der größte Teil lebt im Großraum Kapstadt. Durch ihre günstige geografische Lage zählt die Stadt auch heute noch zu den bedeutenden, wenn auch nicht umschlagstärksten Seehäfen der Welt. Das Handels-, Banken- und Versicherungswesen hat hier seit langer Zeit ein wichtiges Zentrum. Um den Mangel an Baugrund für eine ­City­erweiterung zu beheben, wurden im Innenbereich der Tafelbucht insgesamt 114ha Land im Zuge der Hafenumbauten aufgeschüttet. Hier ist u.a. die Waterfront entstanden, ein groß ausgebautes Viertel mit einem vielfältigen touristischen Angebot, das den nationalen und internationalen Fremdenverkehr in Kapstadt gefördert hat. Auch der als Roggebaai bezeichnete Stadtteil am Nordende der Heerengracht Street ist künstlich aufgeschüttet.

Wie alle südafrikanischen Großstädte hat auch Kapstadt eine „multiracial city“, ein innerstädtisches Zentrum, das von allen Bevölkerungsgruppen wahrgenommen wird. Moderne Zweckbauten, durchsetzt mit historisch interessanten Gebäuden und Grünanlagen nahe der Achse Heerengracht – Adderley Street oder vor dem einzigartigen Panorama des Table Mountain, verleihen der ältesten Stadt Südafrikas, der ­Mother City, ein charakteristisches kosmopolitisches Gesicht.

In der Fußregion des Table Mountain (Norden und Osten) sind die mittelständischen Wohngebiete und Villen erhalten geblieben, in der Luftlinie z.T. nur wenige Kilometer von den dicht bevölkerten Cape Flats entfernt. Es sind die Wohngebiete hoher Beamter, Wissenschaftler und Künstler. Die verschiedenen Wohnviertel zwischen Sea Point und Camps Bay werden immer stärker mit exklusiven Apartmenthäusern durchsetzt. In Sea Point selbst findet man viele Hotelbauten und Ferienapartments, ein Zeichen dafür, dass Kapstadt auch vielen Ruheständlern als Alterssitz dient.

Die Industrien haben sich in die Cape Flats (sandigen Ebenen) am Rande Kapstadts ausgedehnt, wie z.B. entlang dem kleinen Salt River und weiter Richtung Norden, wo Raffinerieanlagen stehen. Für die Einwohner Kapstadts bedeutet dies Arbeitsplätze, aber auch lange Anfahrtswege. Es entstand ein Netz von elektrischen Vorortbahnen und Autobahnen mit hohem täglichem Verkehrsaufkommen.

Doch bei aller Liberalität, die den Kapstädtern nachgesagt wird, auch an Kapstadt sind die Spuren der Apartheid zu sehen. Der Group Area Act etwa wurde umgesetzt, indem die ursprünglich zwischen dem frühen Industriegebiet und der City gelegenen Wohnbereiche der Coloureds, Inder und wenigen Weißen, der District Six (s. S. 156), in den 1960er-Jahren gewaltsam geräumt und bis auf Kirchen und Moscheen dem Erdboden gleichgemacht wurden. Das Gelände sollte der Cityerweiterung dienen, doch bis heute herrscht hier noch viel Unsicherheit. Immer wieder gibt es Unstimmigkeiten mit den Nachfahren der ehemaligen Bewohner des District Six, die ein Vorrecht auf die Grundstücke haben. Dieses kann jedoch nicht immer nachgewiesen werden bzw. wird oft unrechtmäßig eingefordert.

Die Coloureds und Inder erhielten ab 1973 neu erbaute „Townships“ (Siedlungen) u.a. südöstlich (Mitchell’s Plain) sowie weit nördlich (Atlantis) der Stadt. Für die zugewanderten Schwarzen, vorwiegend Xhosa aus der Transkei und Ciskei, legte man im Bereich der sandigen Cape Flats vorgenormte Siedlungen wie Nyanga, Langa und Gugulethu an. Daneben entstanden in dieser Zeit in nur wenigen Monaten Squatter Camps (Siedlungen aus Blechhütten) nahe dem Flughafengelände, die unter lebhaftem Protest von der Apartheid-Regierung immer wieder beseitigt wurden. Es dauerte meist aber nur wenige Tage, dann waren diese Randsiedlungen erneut da. Sie entwickelten ihre eigene Sozialstruktur, in dem sie z.B. Crossroads anlegten. Inzwischen versucht man, die größte Not in diesen Marginalsiedlungen zu lindern und die Versorgung mit Energie und Trinkwasser zu sichern. Der Zustrom Arbeitssuchender in das inzwischen größte Township Khayelitsha („neue Heimat“) in den Cape Flats hat dazu geführt, dass inzwischen geschätzte 1,5 Mio. Schwarze und Coloureds dort in Hütten aus Blech, Holz, Plastik und Pappe wohnen.