Walfang in Südafrika

Die Ureinwohner an der südafrikanischen Küste kannten noch keine Walfangmethoden. Sie nutzten aber das Fleisch, den Tran und die Barten von verendeten gestrandeten Tieren. Jan van Riebeeck und die ersten Siedler erkannten zwar das kommerzielle Potential der Wale, betrieben aber noch keinen Walfang.

Das änderte sich erst Ende des 18. Jahrhunderts. Ab 1791 operierte eine Flotte von 32 britischen Schiffen von St. Helena Bay aus. Pro Jahr wurden etwa 1200 Wale gefangen. Später kamen amerikanische und französische Schiffe hinzu. Ab 1806 wurde der Walfang in großem Stil durch die Einführung küstennaher Walfangstationen betrieben. Man jagte und erlegte von der Küste aus die Wale mit 2 bis 4 kleinen offenen Booten. Das Geschäft boomte, weil diese Art zu jagen sehr billig war und das Verhalten der Southern Right Whales dieser Fangmethode sehr entgegen kam.

Da fast ausschließlich Weibchen und Kälber erlegt wurden, nahm der Bestand drastisch ab. Man schätzt die Zahl der Southern Right Whales zur Zeit der ersten Siedler auf 60 - 100000. Die ungezügelte Jagd ließ die Population in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts auf 200 - 300 (!) schrumpfen.

Erste, allerdings erfolglose Bestrebungen, den Walfang zu regulieren, gab es 1931 durch den Völkerbund. Durch den 2. Weltkrieg kam es zunächst zu einem Rückgang der Walfangaktivitäten. 1946 unterschrieben 15 Staaten ein internationales Abkommen zur Regulierung des Walfangs und zwei Jahre später wurde eine internationale Walfangkommission (IWC) gegründet.

Leider erwiesen sich die ausgehandelten Kompromisse als unzureichend und führten paradoxerweise dazu, daß der Bestand an Walen insgesamt dramatisch abnahm. Der größte Nachteil war der, daß durch die neuen Bestimmungen der Walfang in den antarktischen Gewässern nicht verhindert wurde.

Außerdem war es durch die Einführung der „Blauwaleinheit" nicht möglich, eine bestimmte Spezies zu schützen. Den Walfangnationen wurden Quoten zugeteilt, wobei eine Einheit einem Blauwal, 2 Finnwalen, 2,5 Humpback oder 6 Seiwalen entsprach. Nachdem der Bestand an Finnwalen um 80 % abgenommen hatte, wurden entsprechend mehr der anderen kleineren Walarten gejagt.

1965 wurden die Walfangnationen dazu aufgefordert, freiwillig ihre Quoten zu senken oder einzufrieren. Südafrika begrenzte daraufhin 1966 seinen Walfang, allerdings auf dem höchsten bis dahin erreichten Niveau. Aber die ungezügelte Ausrottung der größten Säugetiere der Erde forderte einige Jahre später endlich ihren Tribut. Die gestiegenen Ölpreise, das fast völlige Erliegen des Finnwalfangs und die weitere Abnahme der Walbestände allgemein führten 1973 zu einer Wende. Der Walfang war nicht mehr lukrativ und eine ca. 180 Jahre lang dauernde Periode ungebremsten Walfangs vor der südafrikanischen Küste hatte ein Ende.

1976 verbot Südafrika jeglichen Walfang und heute hat es wahrscheinlich die schärfsten Gesetze zum Schutz der Wale. Das blieb nicht ohne Folgen für die Southern Right Whales. Man schätzt heute ihre Zahl auf insgesamt 7000, wovon etwa 2000 regelmäßig die Küstengewässer Südafrikas aufsuchen. Die Geburtenrate beträgt 7 %, d.h. der Bestand verdoppelt sich ca. alle 10 Jahre.