Beginn der Rassengesetzgebung in Südafrika

Mit dem Native Land Act (Prinzip der Gebietstrennung) aus dem Jahr 1913 war die Politik der getrennten Entwicklung von Schwarzen und Weißen = Apartheid offizielle Regierungspolitik geworden, die sich in den 1920er-Jahren unter Premierminister General Smuts fortsetzte. 1910 war der Begriff „Rassentrennung“ erstmals durch die Labour Party in ihrem Wahlprogramm verwandt worden. Der Landerwerb finanzkräftiger Nichtweißer hatte zu sozialen Spannungen mit verarmten Weißen geführt. Das neue Gesetz, das im Ansatz bereits die Grenzen der späteren schwarzen „Heimatländer“ (Homelands) festschrieb, erklärte knapp 9 Mio.Hektar Land – nur etwa 7,3% der Fläche der Union – zu Reservationen ausschließlich für Schwarze.Außerhalb ihrer Reservationen wurde ihnen Landerwerb untersagt.

1920 erfolgte der Natives Affairs Act, ein Gesetz, durch das lokale „Eingeborenenräte“ geschaffen wurden;mit der „Kommission für Eingeborenenangelegenheiten“ errichtete man einen ständigen Parlamentsausschuss, der die Aufgabe hatte, den „Minister für Eingeborenenangelegenheiten“ zu beraten. Dieser wiederum sollte einmal im Jahr eine „Eingeborenenkonferenz“ einberufen, der allerdings nur eine beratende Funktion zukam.Die wichtigste gesetzgeberische Maßnahme jedoch schuf Smuts 1923 mit dem Urban Areas Act, mit dem auch in Städten getrennte Wohngebiete eingerichtet wurden. Zudem wurde für Schwarze, mit Ausnahme der Kapprovinz, ein einheitliches Passsystem eingeführt.

Während die Regierung auf Forderungen bei Streiks weißer Arbeiter zumindest teilweise einging, wurden sie bei schwarzen Arbeitern zumeist mit brutaler Polizeigewalt beendet – der Native Labour Regulation Act (1914) hatte bei Strafandrohung schon Streiks jeder Art verboten. Ein weiterer Schritt im Rahmen dieser Schwarze und Weiße trennenden Gesetzgebung bildete das 1924 verabschiedete Industrie-Schlichtungsgesetz, durch das Schwarze nicht mehr Mitglieder solcher Gewerkschaften sein durften, die als Tarifpartner anerkannt waren.

Innenpolitische Auseinandersetzungen wie der 1922 von radikalen weißen Gewerkschaften ausgerufene Generalstreik sowie außenpolitische Misserfolge ließen Smuts in der Wählergunst so weit sinken, dass er am 19. Juni 1924 Neuwahlen ansetzte. Die Nationale Partei Hertzogs ging als stärkste Partei aus diesen Wahlen hervor und verfügte zusammen mit der Arbeiterpartei über die parlamentarische Mehrheit.

fahne suedafrika bis 1994Flagge Südafrikas von 1928 bis 1994Die nächsten Jahrzehnte standen nun ganz im Zeichen eines wiedererstarkenden burischen Selbstvertrauens: 1925 wurde die Amtssprache Holländisch durch Afrikaans ersetzt, d.h. die Amtssprache wurde buchstäblich zweisprachig. 1925 wurde Afrikaans zur einzigen Amtssprache und 1928 zur Gerichtssprache. Die Bezeichnung „Buren“ wurde offiziell ersetzt durch „Afrikaaner“ (mit „aa“). 1927 erhielt die Union eine eigene Flagge, mit den horizontal verlaufenden Farben orange-weiß-blau (Flagge der ersten holländischen Siedler am Kap), und man erklärte die „Stem van Suid Afrika“ neben dem britischen „God save the King“ zur südafrikanischen Nationalhymne. Zusätzlich zur britischen wurde jetzt auch eine südafrikanische Staatsangehörigkeit eingeführt und schließlich erhielt das Land sein eigenes Münzsystem.

Die Entwicklung der Union zu einem souveränen Staat im Rahmen des Britischen Commonwealth (Westminsterstatut von 1931) war in den Augen der meisten Afrikaaner eindeutig Premierminister Hertzog zu verdanken. Da das Land seit Mitte der 1920er-Jahre auch beachtliche wirtschaftliche Erfolge aufweisen konnte, errang die Nationale Partei bei den Parlamentswahlen 1929 mühelos die absolute Mehrheit.

Land Act 1913