Reformdruck und Ende der Apartheid

Die politischen und ökonomischen Kosten zur Aufrechterhaltung der Apartheid wurden zu hoch. Intern gab es ab 1983 Reformdruck durch politische Protestkampagnen der United Democratic Front (UDF) und der Gewerkschaften. 1985 gründete sich der ebenfalls dem ANC nahestehende Gewerkschaftsdachverband COSATU (Congress of South African Trade Unions). Die Townships waren unregierbar geworden. Die Großwirtschaft beklagte den Zerfall der Ökonomie. Von außen wurde Südafrika von der internationalen Staatengemeinschaft durch unterschiedlich starke Sanktionen unter Druck gesetzt. Das Ende des Kalten Krieges, die dramatischen Änderungen in Osteuropa – die Unterstützung des Widerstands aus Moskau entfiel – und die Dekolonisierung des bis 1989 von Südafrika besetzten Namibias waren weitere äußere Faktoren zur Einleitung von Reformen.

frederik de klerk and nelson mandelaFrederik de Klerk and Nelson Mandela - Copyright World Economic Forum (www.weforum.org) - Frederik de Klerk & Nelson Mandela - World Economic Forum Annual Meeting Davos 1992, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5685512Mit dem Amtsantritt von Staatspräsident Frederik W. de Klerk (Nachfolger von Botha) im September 1989 wurde der Prozess zur Abschaffung des Apartheidsystems und die Errichtung einer demokratischen Ordnung in Gang gesetzt. Begonnen wurde mit der Aufhebung des Verbots des ANC und der Freilassung seiner seit 1962 inhaftierten Symbolfigur Nelson Mandela am 11. Februar 1990. 100.000 enthusiastische Menschen hatten sich auf dem Platz vor dem Kapstädter Rathaus versammelt, um Mandela zu begrüßen. Im Frühjahr 1990 einigten sich junge Mitglieder des ANC und der regierenden Nationalen Partei bei einem Treffen in Lusaka (Sambia) auf einen grundlegenden Wechsel der Politik in Südafrika. Nelson Mandela wurde zum Präsidenten des ANC gewählt.

Bereits am 2. Februar 1990 hatte de Klerk in einer historischen Rede zur Eröffnung des Parlaments in Kapstadt die politischen Leitlinien grundlegend verändert. Aus der Erkenntnis, dass man die Apartheid-Gesetzgebung nicht reformieren, sondern nur abschaffen könne, hob er mit einer Erklärung das Dogma der seit 1948 regierenden Nationalen Partei auf und setzte sich gleichzeitig für eine offizielle Zulassung aller schwarzen Oppositionsparteien ein. Zusammen mit Nelson Mandela trat er für einen ­multi­ethnischen Einheitsstaat ein, der einen politischen, sozialen und kulturellen Schutz für alle Minderheiten in Südafrika gewähren sollte. Das Parlament hob bis Juni 1991 alle wesentlichen Apartheidgesetze auf.

Im Dezember 1991 berief man im Welthandelszentrum bei Johannesburg die Convention for a Democratic South Afrika (CODESA) ein, an der 18 Parteien und Vertretungen teilnahmen, zunächst, um sich mit gesellschaftlichen Fragen einer neuen Verfassung und Übergangsregelungen für die „Homelands“ zu beschäftigen. In einem Referendum am 17. März 1992 sprachen sich 68,7% der weißen Stimmberechtigten für eine Beteiligung der schwarzen Bevölkerung an der politischen Macht aus.

Im September 1992 kündigte Staatspräsident de Klerk ein weiteres Reformpaket an, das die Bildung einer Übergangsregierung ermöglichte und die nach Rassen getrennten Regierungsverwaltungen zusammenlegte. Die Entscheidung des ANC, einem von der Regierung vorgeschlagenen Gipfeltreffen zuzustimmen, wurde begrüßt und von vielen Südafrikanern mit Erleichterung aufgenommen. Im Februar 1993 einigten sich Regierung und ANC über erste allgemeine und demokratische Wahlen für eine verfassunggebende Versammlung im April 1994.

The Death Of Apartheid - The Whites Last Stand