Politische Organisierung der Schwarzen in den 1930er-Jahren

Präsident des African National Congress (ANC) wurde 1930 der gemäßigte und gegenüber der Regierung kooperationsbereite Pixley Ka Isaka Seme. Er hatte an der Yale Universität in den USA sowie in Oxford Jura studiert und ließ sich danach als Anwalt in Johannesburg nieder. Doch Seme gelang es in den folgenden Jahren nicht, den ANC als wirksames politisches Instrument einzusetzen, da ihm dafür das Organisationstalent fehlte. Der ANC erlangte zunehmende Bedeutungslosigkeit und erwachte erst wieder zu neuer Aktivität, als 1940 Dr.Alfred B.Xuma zu seinem Präsidenten gewählt wurde.

Die „Eingeborenengesetzgebung“ von 1936 führte zu einer weiteren Politisierung der Schwarzen. Bereits im Jahr zuvor, als Einzelheiten der vorgesehenen Gesetze an die Öffentlichkeit gedrungen waren, trafen sich in Bloemfontein rund 400 Vertreter aller nichtweißen Bevölkerungsgruppen zu einer All-Afrikanischen Versammlung (AAC). Eingeladen hatte dazu Professor Davidson Don Tengo Jabavu, ein bedeutender schwarzer Philologe, der als Dozent für Bantu-Sprachen an der südafrikanischen Universität für Schwarze in Fort Hare tätig war. Eine Abordnung unter seiner Führung erhielt den Auftrag, mit Präsident Hertzog über Abänderungen der Gesetzesvorlagen zu verhandeln. Tatsächlich kam es zu einigen kleineren Modifikationen, doch vom Wesen und Inhalt her blieb die Gesetzgebung unangetastet.

Auf der AAC hatten sich generationsbedingte unterschiedliche Auffassungen zu Reaktionen auf die Gesetzgebung gebildet.Während die Jüngeren auf einen bedingungslosen Ablehnungskurs gingen und nun damit begannen, den ANC zu einem ­poli­tischen Machtinstrument der Schwarzen auszubauen, erklärten sich die Älteren, durchweg qualifizierte Führungskräfte, bereit, wenigstens die geringen Möglichkeiten einer Mitwirkung, die den Schwarzen noch geblieben waren, zu nutzen und damit einen – wenn auch nur minimalen – Einfluss geltend zu machen.

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