Die Perlen von Paarl bei Kapstadt

Eine der Perlen unter den Halbtagsausflügen im Kapland - und das im wahrsten Sinne des Wortes - ist der zu den riesigen und leicht besteigbaren Granitkugeln der Paarlberge, die einen sehr lohnenden Ausblick auf das umgebende Land und den kleinen Nantes-Staudamm gewähren. Und ein klein wenig Nervenkitzel ist auch dabei!Wir aber wollen noch etwas mehr in diesen Ausflug packen - und das gesamte linksseitige Paarl erobern.

Fangen wir dazu mit der Geschichte an:

Abraham Gabbema entdeckte den Berg River und das von jenem eingeschnittene Tal im Jahre 1657. Die großen Granitfelsen nannte er "Diamantenberg" und "Perlenberg". Als später am Fuße dieser Riesenkuppeln die Gemeinde gegründet wurde, bekam sie den Namen "De Paarl".

Die ersten Farmen entstanden 1687 und viele Hugenotten (die 1688 in Südafrika angekommen waren) ließen sich hier nieder.Paarl ist seitdem ein Zentrum für die Kultur der frühen Siedler geblieben. Auch die Bewegung, aus der die afrikaanse Sprache erwuchs, hat in Paarl ihren Ursprung. Die Stadt selbst besitzt eine Vielzahl gepflegter eleganter alter Häuser, die ihr - gemeinsam mit den hohen Eichen - einen europäischen Charme der "alten Welt" verleihen. Hier iässt sich für jeden Mitteleuropäer gut leben! Und: Mehr als 80 Weingärten liegen unmittelber im innerstädtischen Bereich und sorgen für Grün, wohin man auch schaut. Nach Paarl gelangt man (von Kapstadt aus) über die große Nationalstraße N1. Die Ausfahrt zuvor heißt "Klapmuts" - und zwei Kilometer später sieht man linkerhand am Berghang zwei riesige Betonspitzen (wie eine Kirche, ein Denkmal oder ein Labor für die Raumfahrt): das Afrikaanse Taalmonument, das Denkmal für die afrikaanse und die afrikanischen Sprachen. Dies (abgesehen von dem kleinen Restaurant am Eingang) ist unser erstes Ziel. Noch sind wir auf der Autobahn, gerade an Klapmuts vorbei. Rechts die große Weingenossenschaft "Simonsvlei", das großartige Bergpanorama geradeaus im Blickfeld. Schnell noch unter einer Brücke durch, und dann verlassen wir die Autobahn (Exit 17). Am Stoppschild zeigt ein braunes Schild nach links zum "Afrikaans Language Museum" und ein anderes nach rechts zum "Afrikaanse Taal Monument". Wir fahren nach rechts, 500 Meter weiter folgen wir wieder dem Wegweiser "Taalmonument", es geht eine gut ausgebaute Teerstraße hinauf, über die N1 herüber. Etwa zwei Kilometer sind's bis obenhin.

Afrikaanse Taal Monument

Zum ersten Mal sehen wir das Denkmal von Nahem, oben auf einem Granitfelsenhügel erbaut, groß und großartig, urtümlich, sehr eindrucksvoll.Der Begründer der afrikaansen Sprache ist C.J. Langenhoven. Dieser hat (in einer im 10. Band seiner gesammelten Werke veröffentlichten Rede) die Entwicklung des Afrikaans mit einer schnell ansteigenden Kurve verglichen:

"Wenn wir nun hier im Saal entlang eine Reihe von zehn Pfählen aufstellen würden, um die Entwicklung des Afrikaansen während der letzten zehn Jahre darzustellen, danach den von Jahr zu Jahr anwachsenden sprachlichen und schriftlichen Gebrauch durch stets höher liegende Kerben andeuten wollten, dann würde eine, diese bis zur Dachhöhe ansteigenden Kerben verbindende Linie eine schnell wachsende Kurve darstellen. Stellt man sich dann die Verlängerung der Kurve in den nächsten zehn Jahren vor, dann wird ohne weiteres klar, das der letzte Pfahl der fortgesetzten Reihe schließlich hoch oben im Norden in den Himmel ragen wird."

Der Architekt Jan van Wijk hat diese Gedanken baulich nachvollzogen - und in Harmonie mit dem urtümlichen Charakter des Geländes gebracht. Es lohnt, die paar Stufen hoch und in das Gebäude hineinzugehen, bis hin zum Wasserbecken (und dort eine Münze hineinzuwerfen). Den Blick nach oben in die 57 Meter hohe Säule mit dem kleinen Himmelsloch werden auch Sie nicht vergessen! Wir hier in der Redaktion aber werden uns demnächst weiter in die Symbolik dieses Bauwerks (und in die Kraft der afrikaansen Sprache) vertiefen. Zurück zum Parkplatz und ins Auto, ein paar hundert Meter die Straße runter; in einer Rechtskurve biegen wir links in einen Gravel Pad (Schotterweg) hinein: das Schild weist zum "Paarlberg Naturreservat" und zum "Amphitheater". Ein kurzer Halt (links) am Amphitheater lohnt sich, auch ein Schritt zu Fuß, ein Blick auf die Bühne und ein lauter Schrei (wegen der Akustik) lohnen sich. Dann geht es den Weg weiter hinunter in eine scharfe Linkskurve mit ein paar Holpersteinen und Querrillen hinein - bitte, fahren Sie langsam, auch wegen der Stachelschweine und Schildkröten, die hier Ihren Weg kreuzen.Am kleinen Stausee teilt sich die Straße, Sie fahren weiter bergauf. Links kommt irgendwann ein Parkplatz, Sie fahren daran vorbei weiter hoch, dem Schild "To the rocks / na die rotse" folgend. Anderthalb Kilometer später stoßen Sie auf einen Kiosk. Wenn Sie Glück haben ist er nicht besetzt, ansonsten kassiert man eine geringe Eintrittsgebühr für's Auto. Weiter geht's nach oben, immer weiter auf dem nicht gerade gut ausgebauten kurvenreichen Weg. Wenn Sie Glück haben, können Sie hier schon den ersten Paraglidern bei ihren Flugkünsten zuschauen.

Die Perlen

Ja, und dann sehen Sie sie vorsiech: Die Perlen. Wer will, kann zu Fuß ganz bis nach oben - aber das ist dann wirklich nichts mehr für Kleinkinder und alte Leute. Ihnen aber hilft ein Geländer aus Stahltrossen (und das Sie nun schon seit drei Tagen nicht mehr geraucht haben?).

Von hier oben können Sie den Tafelberg und die beiden Ozeane sehen und Ihre Augen um 360 Grad über die weiten Ebenen und großartigen Bergiandschaften schwenken lassen. Wir haben's schon oft gemacht - und wir werden's noch öfter tun.Zurück geht's wieder mit dem Auto bis zu dem kleinen Staudamm (links steht ein weißes Häuschen); hier biegen wir ganz scharf links ab. Die ersten Obstbäume, die ersten Weingärten, die ersten Wohnhäuser - und wen es interessiert: Hier liegen Hunderte von steinzeitlichen Faustkeilen auf den Äckern; Sie brauchen Sie nur aufzuheben... nein, nein, bitte nicht, das ist in Südafrika strengstens verboten und wird unangenehm bestraft (Auch bei Urlaubern kennt man da kein Pardon!). Im Übrigen: Nur wenige Kenner haben ein Auge für diese "Artefacta" und erkennen Sie im freien Gelände.Die Hauptstraße führt rechts nach Kapstadt zurück und links nach Paarl. Sollten Sie Hunger verspüren: Ein wirklich empfehlenswertes Restaurant befindet sich im "Pontac Manor" in der Zion Straße, die links von der Main Road hochführt. Oder - wenn Sie's ganz fein haben möchten: "Bosman's" im Hotel "Grande Röche"...

Paarl, the Pearl of the Boland - Cape Winelands