sa flag 80x80Eine Besonderheit in Südafrika - von Axel Riemscheid, Flugkapitän a.D. Der Kapitän auf einem Schiff oder in einem Flugzeug, der eine Reise gen Süden zum Kap der Guten Hoffnung plant, beginnt zuerst mit dem Kartenstudium. Er zieht die geeigneten Fachkarten (Seekarten oder Luftstraßenkarten) zu Rate und zeichnet seine geplante Route ein. Dabei werden Seefahrtstraßen berücksichtigt, Sperrgebiete umfahren und Meeresströmungen vermieden, indem einzelne Wendepunkte festgelegt werden. Diese Wendepunkte werden dann miteinander verbunden und die Länge der Teilstrecke berechnet. Außerdem muss natürlich der Kurs zwischen den Wendepunkten bestimmt werden.

Und da gibt es eine Schwierigkeit: Den Kurs aus der Karte zu messen ist einfach, diesen Kurs hinterher tatsächlich zu fahren, das ist schon schwieriger! Denn den Kurs aus der Karte messen wir einfach mit dem Winkelmesser (den wir alle aus der Schule kennen) am Längengrad. Das heißt, wir orientieren uns an der wahren Nordrichtung, der Richtung zum Nordpol. Wenn wir aber auf See sind, müssen wir uns an der Kompassnadel orientieren. Und die zeigt nicht genau zum geografischen Nordpol, sondern sie orientiert sich am Magnetfeld der Erde.

Das Magnetfeld der Erde richtet die Kompassnadel auf den magnetischen Nordpol aus, und der liegt einige hundert Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt. Der Fehler wird Missweisung genannt und beträgt in Europa nur etwa 2 Grad nach Westen. Schon die alten Wikinger wussten um diesen Fehler und auch Kolumbus hat das in seinen Auszeichnungen berücksichtigt. Es war aber nicht bekannt, dass die Missweisung sich von Ort zu Ort ändern kann. Denn auf das Magnetfeld der Erde wirken vielerlei Kräfte ein, die damals nicht bekannt waren. So können große Eisenerzlager in der Erdkruste das Magnetfeld verbiegen oder auch Erdmagma -Flüsse in der Tiefe der Erde.

Wenn man nun von Europa nach Südafrika reisen will, nimmt die Missweisung zuerst langsam zu und erreicht bei den Kanaren etwa den Wert =10. Das war auch schon Kolumbus bekannt. Sie bleibt dann weitgehend konstant und davon gingen auch die Portugiesen aus. Dass die Missweisung aber vor der namibischen Küste plötzlich zügig noch weiter zunimmt und am Kap etwa den Wert von 23 Grad nach Westen erreicht, überraschte damals sehr.

Die Kompassnadel war wie um 23 Grad nach Westen verbogen. Dieser Wert ist so groß, dass die Portugiesen, die zuerst das Kap erreichten, diesen Wert nicht glauben wollten. Sie hielten die Kompasse für defekt und nannten den südlichsten Punkt Afrikas "Cabo de Agulhas", das Kap der Nadeln. Diese Erscheinung war für die damaligen Navigatoren (die meistens zugleich die Kapitäne waren) sehr beunruhigend. Denn für die Kurshaltung war man auf einen zuverlässigen Kompass angewiesen.

Als man später auch in anderen Regionen große Missweisungen entdeckte, war der erste Schreck überwunden und man trug die "Variation", wie die Missweisung von den Engländern genannt wurde, routinemäßig in die Karten ein. Heute ist sie ein normaler Bestandteil jeder Navigationskarte. Die moderne Technik hat heute Kompasse allerdings unwichtig gemacht, denn mit GPS ist viel genauer zu steuern. Für die moderne Wissenschaft jedoch hat das Erdmagnetfeld seine Geheimnisse noch längst nicht alle freigegeben. So ist die Frage, wie das magnetische Feld überhaupt entsteht, noch nicht letztlich geklärt. Die zur Zeit geltende Theorie geht von einem Dynamo-Effekt aus. Der entsteht dadurch, dass flüssiges eisenhaltiges Material aus der Tiefe aufsteigt, während die Erde sich wie ein Dynamo dreht.

Der Einfluss der Sonne mit ihren Sonnenflecken, ihren Protuberanzen und dem Sonnenwind auf unser Magnetfeld wird genauestens untersucht und feinste Schwankungen werden registriert. Dazu dienen zum Beispiel magnetische Observatorien, welche die langsamen Verschiebungen des Magnetfeldes messen und weitermelden. Eines dieser Observatorien liegt in der Hospitalstreet in Hermanus, etwa eine Autostunde von Kapstadt entfernt. Nach Anmeldung kann es besichtigt werden und man freut sich dort über jeden interessierten Besucher. Telefon: 028- 312 1196, Fax 028-312 2039.

Die langfristigen Aufzeichnungen dieser Observatorien sollen mithelfen zu verstehen, warum es im Laufe der Erdgeschichte mehrfach - in unregelmäßigen Abständen - zu Umpolungen des Magnetfeldes gekommen ist. Seit etwa 150 Jahren ist zu beobachten, dass die Feldstärke langsam abnimmt, im Nordatlantik um 1%pro Jahr. Eine genaue Analyse des Datenmaterials lässt vermuten, dass es in den nächsten 1000 Jahren zu einer erneuten Umpolung kommt. Was das im Einzelnen bedeutet, ist noch gar nicht abzusehen. Und 1000 Jahre sind auch kein so langer Zeitraum, als dass man sich nicht heute darüber Gedanken machen sollte. Das Magnetfeld, zusammen mit der Atmosphäre, bietet nämlich auch einen effektiven Schutz vor der gefährlichen Strahlung aus dem Weltall. Und die fantastischen Polarlichter sind ebenfalls Folge unseres Magnetfeldes.

Die kosmische Strahlung wird durch das Magnetfeld gebündelt und in der Ionosphäre zum Leuchten gebracht. Was es bedeutet, wenn dieser Schutz zusammenbricht, kann man noch nicht absehen. Wenn das Magnetfeld nun immer schwächer wird, sind die Folgen für Natur und Technik (und den Menschen!) unübersehbar. Die Natur hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie sich anpassen kann. Ob Mensch und Technik sich auch rechtzeitig umstellen können, wird die Zukunft zeigen. Bereits heute werden hoch fliegende Satelliten hauptsächlich durch Teilchenstrahlung hoher Energie beschädigt. Sogenannte "magnetische Stürme", die von der Sonnen ausgehen, können moderne technische Einrichtungen wie TV-Satelliten und Überland-Stromleitungen bereits heute empfindlich stören. Wir müssen uns etwas einfallen lassen!

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