sa flag 80x80 Vor zwei Sommern schaute die Welt interessiert auf Südafrika. Damals hatten uns die Medien einen kleinen Einblick in die Kultur an der Südspitze Afrikas gewährt, aber die meisten Geschichten blieben unerwähnt – heute klingt bei vielen höchstens noch das Echo der Vuvuzelas in den Ohren nach. Der reich bebilderte Titel „Südafrika 151“ widmet sich all den Geschichten, die noch nicht erzählt wurden. Die neue Länderdokumentation aus dem CONBOOK Verlag, Meerbusch, präsentiert die Widersprüche einer Gesellschaft, die zwischen Tradition und Moderne, arm und reich, zwischen ethnischen Problemen und unverwüstlichem Optimismus pendelt. 151 Momentaufnahmen in Wort und Bild, mitten aus dem Alltag einer Nation im Wandel.

cover-510Elena Beis („Fettnäpfchenführer Südafrika“, CONBOOK 2010) lebt bereits seit sieben Jahren in Südafrika, inmitten der Multi-Kulti-Metropole Kapstadt. Als Journalistin liegt es ihr im Blut, nie die Neugier zu verlieren und immer wieder auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Essenz aus ihren Streifzügen teilt sie mit dem Leser in Gestalt pointierter Texte, die in „Südafrika 151“ mit bewegenden Fotografien zu einer einzigartigen Länderdokumentation verzahnt sind.

In der hochwertigen Bildbroschüren schillert die Regenbogennation in all ihren Farben und überrascht den Leser Seite für Seite. Er lernt eine Kultur kennen, die als Schmelztiegel von elf Sprachen und Nationen mit großen sozialen Unterschieden und Diskriminierung zu kämpfen hat. Er erfährt aber auch von einer jungen, aufstrebenden Gesellschaft mit einer der spannendsten Musik- und Comedyszenen, deren Sprösslinge schon weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Und nicht zuletzt erlebt er, welche Kräfte die Menschen am Kap der guten Hoffnung in Gang halten: Unerschütterlicher Optimismus und der fortwährende Traum von Freiheit.

Die Buchreihe „151“ startete im Herbst 2012 im CONBOOK Verlag mit beeindruckenden Länderdokumentationen zu Spanien, Indien und Südafrika. Eine neue Form von Reiseliteratur und eine beeindruckende Symbiose aus großzügiger Bebilderung und aussagekräftigen Texten. Jede einzelne ansprechend gestaltete Momentaufnahme hinterlässt Spuren beim Leser, am Ende der Lektüre ergibt sich aus 151 Puzzleteilen ein klares Bild einer einzigartigen Kultur. Die ersten drei Titel der Reihe sind ab sofort im Buchhandel erhältlich, jeweils 288 Seiten umfassend und komplett in Farbe.

Wir danken Herrn Harald Gehlen herzlich für die Erlaubnis einige Fotos und Leseproben aus dem Buch hier zeigen zu dürfen.

Harald Gehlen
Conbook Medien GmbH
Meerbuscher Straße 36
D – 40670 Meerbusch

Titelinformationen
Elena Beis: Südafrika 151 – Porträt einer sich wandelnden Nation in 151 Momentaufnahmen
288 Seiten, Broschur, Originalausgabe
€14,95 [D] - €15,40 [A] - sFr. 21,90 [CH] (UVP)
ISBN 978-3-943176-18-6

Leseprobe: "Bergies" - "Jou ... se poes!"

Mitten durch die Sonnenuntergangskulisse auf der Strandpromenade von Sea Point rattern zwischen Joggern, Liebespärchen und picknickenden Familien zwei ramponierte Bergies mit einem Einkaufswagen vorbei. In den Geruch von Meer und Algen mischen sich Schwaden von Aschenbecher, Achselschweiß, Hochprozentigem und Straße. Die beiden farbigen Bergies kutschieren im Einkaufswagen eine kleine Plastiktüte. Alle paar Schritte stolpert der männliche Bergie schwerstbetrunken über den Wagen und verliert dabei seinen ausgelatschten Schuh. Seine Augen zu zwei wild blinzelnden Schlitzen zusammengekniffen, schreit er dann jedes Mal lauthals: "Skoen se poes!" ("Der Schuh, diese Pussi").

bergie-510Foto (c) "Elena Beis"Seine weibliche Begleitung, die ihm mit ihrem geschwollenen Gesicht und der Kollektion verfaulter Zahnstummel in puncto »Charme« in nichts nachsteht, korrigiert ihn immerzu: "Nie skoen se poes nie, daai trolley se poes!" (»Nicht der Schuh, die Pussi. Der Wagen, diese Pussi«).

Irgendwann bemerkt ein unmotiviert herumstehender Ordnungshüter das Paar. Er beobachtet etwas unschlüssig das Spektakel und geht dann auf die beiden zu, um ihnen in schlechtem Englisch mitzuteilen, dass sie die Strandpromenade verlassen müssen.
Was gar nicht gut ankommt.

"Zuma se poes!" ("Zuma, diese Pussi") lallt der Bergie den schwarzafrikanischen Ordnungshüter ein. »Zuma se fokken poes!«, setzt seine Frau noch eines drauf, wobei Präsident Zuma als Stellvertreter für den schwarzen Stadtangestellten herhalten muss. 

Bergie: Damit sind die Obdachlosen von Kapstadt gemeint. Bergie ist die Koseform von berg (Afrikaans: »Berg«) und meint jemanden, der auf dem Berg lebt. Dieser Begriff hat sich etabliert, weil die Obdachlosen von Kapstadt früher auf dem Tafelberg gelebt haben. Heutzutage bevölkern sie Kapstadts Straßen, aber für Südafrikaner sind sie alle Bergies geblieben. Sie sind sehr laut, scharfzüngig und sagen nichts lieber als "...se poes!".

Leseprobe: "Carguard" - Chef der Parklücke

Jules Maketa, 26, kommt aus der Demokratischen Republik Kongo und arbeitet in der Kapstädter Innenstadt als Carguard ("Autowächter").

Braucht Kapstadt Carguards?
Ja, weil wir die Einzigen sind, die nachts darauf aufpassen, dass niemand in die Autos einbricht. Aber nicht alle geben uns etwas dafür.

car-guard-210Wie viel Geld sollte man einem Carguard denn geben?
Wenn jemand die ganze Nacht aufbleibt, um nach deinem Auto zu schauen, solltest du ihm natürlich etwas geben. Wie viel, entscheidest du je nachdem, was du hast. Zwei Rand (20 Cent) sind okay, auch fünf Rand, auch zehn Rand, auch 20 Rand (2 Euro) — wie du willst.

Wie sind deine Arbeitszeiten?
Montag bis Samstag von sechs Uhr abends bis fünf Uhr morgens.

Verdienst du als Carguard genug um zu überleben?
Das hier ist kein richtiger Job. Aber ich bekomme so etwas Geld zusammen, damit ich essen kann.

Was für eine Arbeit hast du gemacht, als du noch im Kongo gelebt hast?
Ich habe Autos repariert. Das war mein Job seitdem ich 12 Jahre alt war. Mein Bruder hat mir das beigebracht. Aber wenn ich hier Autos reparieren will, sagen sie: "Wo sind deine Papiere?"

Wenn du eines Tages deine Papiere hast, was für einen Job würdest du gerne machen?
Ich wäre sehr dankbar und glücklich, egal welchen Job ich machen kann.

Leseprobe: "Spaza Shop" - Der Tante-Emmandisa-Laden

Wenn Anele abends von der Arbeit nach Hause kommt, muss sie meistens noch schnell einkaufen gehen: etwas Brot, etwas Rapsöl, frisches Gemüse oder Maismehl, je nachdem, was es abends zum Essen geben soll. In ihrem Town-ship gibt es keine Supermärkte, dafür aber ein paar Spaza Shops, die alles Wichtige verkaufen.

spaza-shopFoto (c) "dna photographers"Der nächstgelegene Spaza Shop gehört ihrem  Nachbarn. Er betreibt ihn von einem kleinen Zimmer neben seiner Hütte aus. Bei ihm kann Anele Brot, Soft Drinks und kleine Packungen an Zucker, Mehl und haltbarer Milch kaufen. Da er nicht viel Platz hat, hat er auch nicht viel Auswahl. Außerdem ist er meistens recht teuer,    daher geht Anele lieber zum größeren Spaza Shop einkaufen, der drei Blöcke weiter entfernt liegt. Den betreibt eine nette ältere Dame in einem Container.

Durch ein großes, vergittertes Fenster sagt Anele der Besitzerin, was sie braucht. Die Besitzerin sucht dann im Container das passende Produkt für Anele heraus und reicht es ihr durch das Fenster. Das Brot ist immer frisch und auch ihr Gemüse. Dieser Spaza Shop ist sogar mit einem großen Kühlschrank ausgestattet, und es gibt hier auch Fleisch zu kaufen. Sieben Tage die Woche ist dieser Spaza geöffnet, immer bis spät abends.

Rund 100.000 Spaza Shops, auch Tuck Shops genannt, versorgen die südafrikanischen Townships, ländlichen Regionen und entlegensten Dörfer mit allem, was man zum Überleben braucht. Selbst im tiefsten Busch wird sich immer eine Familie finden, die einen kleinen Spaza von einer kleinen Rundhütte aus betreibt. Dabei ist einen Spaza zu betreiben gar nicht so ohne: Die Besitzer müssen selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxis in größere Dörfer fahren, um dort Waren in Einzelhandelsgeschäften einzukaufen, die sie dann in ihrem Dorf oder Township weiterverkaufen.

Unsere Meinung zu "Südafrika 151"

cover-210Ein buntes Bild zeichnet Elena Beis von Südafrika: 151 kleine Episoden oder Begebenheiten, immer selbst Erlebtest. Kaum einen Lebensbereich läßt Sie aus - weder Licht noch die Schattenseiten. Sie beobachtet genau, schildert kleine Details aus dem Alltagsleben der Menschen in Südafrika sodass dem Leser leicht fällt, sich in die jeweilige Situation hinein zu versetzen. Dem Leser wird deutlich, dass Sie sorgfältig recherchiert hat, wenn es z.B. um die Geschichte oder die Bräuche oder Sprache einer bestimmten Volkgruppe geht.

Sehr wohltuend ist, dass die Autorin nie mit erhobenen Zeigefinger schreibt, nie "von oben herab". Schonungslos schildert Sie Missstände, z.B. die hohe Kriminalität; Sie beschönigt  nichts, exkulpiert nichts, sondern bemüht sich um Verstehen vieler misslicher Entwicklungen in diesem schönen Land. Man spürt deutlich die Empathie der Autorin für die in Südafrika  lebenden Menschen, egal, welcher Volksgruppe sie angehören, egal, ob es Ihnen gut oder dreckig geht.

Mag manches noch so trostlos aussehen, an vielen Stellen lässt Sie so etwas wie  einen Hoffnungsschimmer aufleuchten. "Südafrika 151" ist damit die ideale Ergänzung zu einem der üblichen Südafrika-Reiseführer für all diejenigen, die sich nicht nur mit den touristischen Sehenswürdigkeiten sondern auch mit der Kultur, dem Alltagsleben und den bunten Besonderheiten des Landes beschäftigen wollen. Hervorzuheben ist die besonders gelungene Einbindung von höchst treffenden und fotografisch wertvollen Fotos!