sa flag 80x80Seit Mitte des Jahres 2008 zeigen internationale Unternehmen aus dem Bereich der alternativen Energien besonderes Interesse an Südafrika. Die zahlreichen Delegationsreisen ans Kap sind gespickt mit Vertretern aus Regierung, regierungsnahen Organisationen und insbesondere Unternehmern, die großes Interesse an Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien zeigen. Die Verabschiedung gewisser Einspeisungstarife durch REFIT I und seit dem 29 Oktober 2009 auch durch REFIT II zeugen von deutlichem politischen Willen und nicht ohne Grund fand der ISES World Solar Congress im September zum ersten mal auf dem afrikanischen Kontinent in Johannesburg statt. Es scheint, als ob die Aussichten für die Zukunft der erneuerbaren Energien am Kap als sehr erfolgsversprechend angesehen werden.

Momentan spielen erneuerbare Energien bei der Erzeugung von Energie eine noch sehr untergeordnete Rolle. Gemäß eines Berichtes der deutschen Botschaft in Pretoria vom Februar 2009 beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien an der Produktion von Elektrizität nur 2.5 %, wobei davon 2.2 % auf die Wasserkraft entfallen. Bei der Erzeugung von Elektrizität überwiegt mit rund 93 % der Kohleanteil. Der in den letzten Jahren stark gestiegene Energiebedarf liegt im starken Wirtschaftswachstum, im Anschluss von über 80% der privaten Haushalte an das Stromnetz sowie im mangelnden Bewusstsein für Energiesparen und Energieeffizienz begründet. Zwar sind schon zwei große Kohlekraftwerke im Bau, jedoch werden weitere Kapazitäten benötigt. Nach dem Willen der südafrikanischen Regierung soll ein erheblicher Teil in Zukunft aus den erneuerbaren Energien kommen. Die Regierung hat ein Ziel von 4 % bis 2013 ausgegeben. Die Landesregierung des Western Cape möchte bis 2014 sogar einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 15 % erreichen.

Das Potential von erneuerbaren Energien in Südafrika ist als hoch zu bewerten. Hohe Sonneneinstrahlung, ausgedehnte Küstengebiete mit guten Windverhältnissen und sehr viel dünn besiedelte Gebiete stellen ein ideales Umfeld für eine umweltfreundliche Energieversorgung dar. Das südafrikanische Ministerium für Bodenschätze und Energie misst der Windenergie mit 64.102 GWh das größte Potential zu, gefolgt von der Sonnenenergie mit 12.000 GWh, Wasserkraft mit 9.245 GWh und der Biomasse. Für die Errichtung von Windparks kommen insbesondere das Western Cape und das Eastern Cape in Frage. An diesen Küsten werden Windgeschwindigkeiten von 6m pro Sekunde erreicht. Die Distanzen zu existierenden Stromnetzen sind gut zu überbrücken. Gemäß der AfriWEA (African Wind Energy Association), in der auch IBN Consulting Mitglied ist, sind jedoch die fehlenden Fachressourcen zur Wartung von Anlagen bei der Umsetzung von Windenergieprojekten als problematisch anzusehen.

Im Bereich der Sonnenergie macht die tägliche Solareinstrahlung, die zwischen 4.5 und 6.5 kWh pro Quadratmeter ermöglicht, die Umsetzung der kompletten Vielfalt an Solaranlagen, angefangen bei Wassererhitzung durch Sonnenergie (solar water heating), Photovoltaik (PV), Solarthermieanlagen z.B. mit einem solarthermischen Kraftwerk mit Bündelung der Direkteinstrahlung (CSP) möglich.

Geographisch kommen für Großprojekte im Bereich PV und CSP kommen insbesondere das Northern Cape aber auch der Freestate in Frage. Neben hoher Sonneinstrahlung gibt es dort extrem großflächige, unbenutzte und insbesondere flache Landgebiete. Im Wohnbereich, der ca. ein Drittel seines Energieverbrauches für die Wassererwärmung verwendet, kann die Solarenergie zu erheblichen Kosteneinsparungen führen.

Energieminister Dipuo Peters gab am 6. November bekannt, dass die Regierung einen konkreten Plan verabschiedet hat, 1 Million solar water heaters innerhalb von 5 Jahren in private Haushalte zu installieren. Die Regierung hat die Bedeutung der erneuerbaren Energien zweifelsohne erkannt. Neben den offensichtlichen Gründen wie der Reduzierung des CO2 Ausstoßes, Anwendung von Zukunftstechnologie spielt aber insbesondere das ungeheure Potenzial der erneuerbaren Energien bei der Schaffung von Arbeitsplätzen eine Rolle. Um ausländische Investitionen in das Land zu locken, hat Südafrika als eines der ersten afrikanischen Länder Einspeisungsvergütungen (renewable energy feed in tariff – REFIT) nach deutschem Vorbild eingeführt. Der erste REFIT legte insbesondere die Vergütung für Windkraft mit 1.25 Rand pro kWh fest, der zweite REFIT, der am 29 Oktober 2009 bekannt gemacht wurde, betrifft insbesondere CSP und PV Kraftwerke. Für CSP wurde eine Vergütung von 3.14 Rand pro kWh und für large scale grid connected PV systems eine Vergütung von 3.94 Rand pro kWh verabschiedet. Damit fällt im Vergleich zu Deutschland die Vergütung für solare Strahlungsenergie nur sehr gering aus, allerdings darf man die ungleich höhere Sonneinstrahlung nicht vergessen. Die Tarife für andere erneuerbare Energien sind dagegen eher mit dem deutschen Niveau vergleichbar.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Klimaschutzprojekte in Südafrika auf Grund der Eingruppierung als Entwicklungsland viele “carbon credits” bekommen. Die DEG in Köln sieht Südafrika mit seinen insgesamt guten Rahmenbedingungen in einem CDM-Investitionsklimaindex weltweit auf einem der vorderen Plätze. Ist nun also alles rosa grün für die Zukunft der erneuerbaren Energien in Südafrika? Grundsätzlich schon. Jedoch fehlt es noch an der Veröffentlichung der Einspeisungsverträge. Ferner bleibt abzuwarten ob alle europäischen Unternehmen sich an die oftmals langsame Umsetzung von Projekten gewöhnen werden.

Autor: Andreas Krensel - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Wir danken IBN für die Erlaubnis der Veröffentlichung