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Kapstadt vom Signal Hill | Südafrika

sa flag 80x80Der Begriff Apartheid kommt aus der ans holländische angelehnten Sprache Afrikaans und wird mit Rassentrennung oder "Politik der getrennten Entwicklung" übersetzt. Fast vierzig Jahre lang wurde dieses System aufrechterhalten. Die Formen der Apartheid, welche im Jahre 1948 in Südafrika eingeführt wurden, zeigten sich in der räumlichen Trennung und Registrierung der Zugehörigkeit der einzelnen Rassen, der Unterdrückung der Nicht-Weißen in Bereichen wie Erziehung, Ehe, Sexualität zwischen verschiedenen Rassen, der wirtschaftlichen Benachteiligung und der politischen Entrechtung und Unterdrückung der Opposition.

Die internationale Gemeinschaft reagierte grundsätzlich ablehnend gegenüber der Politik der Apartheid. So wurde zum Beispiel Südafrika der Eintritt in die NATO verwehrt, und in der UNO forderte Indien eine bessere Behandlung von Indern, die in Südafrika lebten. Nach dem Massaker von Sharpeville (nach Demonstrationen gegen das Passgesetz erschoss die Polizei 67 Schwarze und verletzte 180; vgl: Mandela, Nelson: Long Walk to Freedom, 1955, S. 280 ff.) im Jahr 1960 wurde das Land international scharf angegriffen und der Ausschluss aus dem Commonwealth (politische Organisation ehemaliger und heutiger englischer Kolonien) drohte. Südafrika trat daraufhin freiwillig aus.

Im Jahre 1964 wurde Südafrika von den meisten sportlichen Wettkämpfen ausgeschlossen, und 1977 wurde vom Weltsicherheitsrat der UNO ein generelles Waffenlieferungsverbot gegen Südafrika verhängt. Das Land wurde von ausländischen Investoren boykottiert, um die Aufrechterhaltung der Politik zu erschweren und die führende Partei von ihrem Unterdrückungsregime abzubringen. Internationale Sanktionen und insbesondere die Finanzkrise haben wesentlich zur Verhandlungsbereitschaft der Regierung beigetragen. Mitunter waren Sanktionen, wie die Einschränkung des Exports und des Imports nach beziehungsweise aus Südafrika, auferlegt. Weiterhin wurde die Inanspruchnahme von Kommunikationsmitteln nicht zugelassen, das Land also somit vom internationalen Informationsaustausch ausgegrenzt. Der Tourismus wurde verhindert und auch Geschäftsleute wurden davon abgehalten in das Land einzureisen. Südafrika geriet in eine immer mehr spürbare Wirtschaftskrise.

Der Umbruch

Ausgehend von einem unermüdlichen Kampf nationaler Politiker wie Nelson Mandela oder Walter Sisulu (im Mai 2003 verstorben) begannen 1990 Gespräche mit dem damaligen Staatspräsidenten FW de Klerk. Nach langen Verhandlungen, die zahlreiche politische Parteien mit einbezogen, proklamierte Präsident de Klerk in seiner historischen Rede vor dem Kapstädter Parlament das Ziel einer Demokratie nach westlichem Vorbild. Das Verbot der Oppositionsparteien wurde aufgehoben, und der seit 27 Jahren inhaftierte Nelson Mandela wurde bedingungslos freigelassen. Daraufhin wurde eine einstweilige Verfassung gegründet und zum ersten Mal im April 1994 nach dem Prinzip one man - one vote gewählt. Der African National Congress (ANC) gewann mehrheitlich und Nelson Mandela wurde zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas ernannt. Auf die demokratischen Wahlen folgend wurden die internationalen Sanktionen aufgehoben, und Südafrika nahm seinen Platz in den Organisationen wieder ein.

Nachdem damit eine politische Wende vollzogen war, galt und gilt es weiter, eine friedliche und versöhnliche Zukunft aufzubauen. Eine soziale Gerechtigkeit muss erreicht und vorhandene Vorurteile der Bevölkerung gegenüber anderen Rassen abgebaut werden. Das euphorisch ehrgeizige Ziel des ANC war es gewesen, innerhalb weniger Jahre entscheidende Fortschritte zu machen. So sollten bis 1999 mehr als 1 Mio Wohnungen gebaut, 2.5 Mio Haushalte mit Elektrizität ausgestattet und 2 Mio Arbeitsplätze geschaffen werden. Innerhalb der kurzen Zeit konnten diese Ziele jedoch nicht vollständig erreicht werden und stellen weiterhin die größte Herausforderung der Regierung dar. Die Auswirkungen der Apartheid sind teilweise nach 10 Jahren Demokratie noch immer präsent. Die Mehrheit der Schwarzen lebt weiterhin in den ihnen ehemals zugewiesenen Stadtgebieten oder oftmals in Elendsvierteln, auch wenn die Wahl des Wohnortes heutzutage jedem frei überlassen ist. Die Konfrontation der sogenannten "Ersten und Dritten Welt" im Bereich des Wohnens ist besonders augenscheinlich, auch wenn aus der Rassen nun eine Klassen- beziehungsweise Vermögensfrage geworden ist.

Auch auf gesellschaftlicher Ebene wird Südafrika weiterhin dualistisch geprägt bleiben. So weist die Ober- und Mittelschicht von etwa zehn Millionen Menschen (darunter Weiße, Mischlinge, Inder und etwa 1 Mio Schwarze) europäisch geprägte soziale Strukturen und Verhaltensweisen auf und bildet politisch und wirtschaftlich das Rückgrat des Landes. Die Überwiegende Mehrheit der Schwarzen ist immer noch stark an ihre traditionelle Kultur gebunden und bislang nur am Rande in das moderne Gesellschaftssystem integriert.
Die frühere Rassentrennung wird noch lange Zeit Auswirkungen auf das politische, wirtschaftliche und soziale Leben in der Republik Südafrika haben.

Politische Situation heute

Am 7. Februar 1997 ist die derzeit geltende Verfassung der jungen föderalistisch strukturierten Demokratie Südafrika in Kraft getreten. Staatspräsident Thabo Mbeki löste 1999, nach den zweiten demokratischen Wahlen, den seit 1994 regierenden Nelson Mandela ab. Er ist somit der zweite schwarzafrikanische Präsident des Landes. Mbekis Stellvertreter und Vizepräsident Jacob Zuma, bis vor Kurzem noch als Nachfolger von Mbeki im Präsidentenamt gehandelt, ist nach sechs Jahren Amtszeit der Korruption im Shaba Shaik Prozess überführt worden und am 14. Juni 2005 aller politischen Ämter enthoben worden. Nachfolgerin ist die Energieministerin Phumzile Mlambo-Ngcuka. Alle fünf Jahre werden offene, gleiche und freie Wahlen durchgeführt (die nächsten Wahlen finden in Südafrika im Jahr 2009 statt), wobei am 14. April 2004 die dritten freien Wahlen die erste Dekade der jungen Demokratie in Südafrika abschlössen.

Das Zweikammerparlament des Landes besteht aus der Nationalversammlung mit 400 Sitzen, deren Mitglieder vom Volk gewählt werden, und dem Nationalrat der einzelnen Provinzen, mit 90 Sitzen und je 10 Mitglieder aus den neun Provinzen. Der Nationalrat hat die Aufgabe, insbesondere die regionalen Interessen zu vertreten, so zum Beispiel die Sicherstellung von kulturellen und sprachlichen Traditionen ethnischer Minderheiten... Während im Vergleich zur Wahl im Jahre 1994 der African National Congress (ANC), die ehemalige Partei des Widerstandes gegen die Apartheid, 1999 nur wenige Stimmen dazu gewonnen hatte, aber unter der begehrten Zweidrittel Mehrheit blieb, erfuhr der ANC bei den Wahlen 2004 die Bestätigung der Wähler, die richtige Politik zu machen und gewann mit weiteren 250 000 Stimmen annähernd 70% aller Sitze im Parlament. Ziel der Partei ist es, weiter die Stabilität im Land zu sichern...

Dieser Beitrag wurde uns dankenswerterweise von IBN (www.ibn.co.za) zur Veröffentlichung im ECHO Magazin zur Verfügung gestellt.

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