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Kapstadt vom Signal Hill | Südafrika

sa flag 80x80Südafrika bietet weit mehr als Diamanten, Gold oder touristische Highlights. Die Fußballweltmeisterschaft 2010 und massive Investitionen aus Asien rücken den rohstoffreichen Staat ins Blickfeld europäischer Unternehmen. Worauf müssen sich Unternehmer vor Ort einstellen bei Lieferanten, Auftragnehmern und Behörden? Welche Verhaltensweisen – etwa bei Verhandlungen – sind erfolgversprechend, welche verpönt?

buchcover-510Hartmut Sieper informiert über Land und Leute, kulturelle Besonderheiten und Gepflogenheiten der südafrikanischen Wirtschaft. Exkurse über die Nachbarländer finden sich im Buch ebenso wie Praxisberichte von Unternehmen, die bereits am Kap engagiert sind.

Eine unerlässliche Lektüre für alle Unternehmer und Manager, die mit Südafrika Handel betreiben oder dort produzieren wollen, aber auch für Arbeitnehmer, die dorthin entsandt werden.

Hartmut Sieper - Der Autor

Hartmut Sieper ist seit 1997 als selbständiger Unternehmensberater und Seminarleiter national und international tätig. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Trans Africa Invest GmbH, das sich auf Investitionsprojekte in Afrika spezialisiert hat.

Außerdem ist er Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Sieper Business Consulting GmbH, die sich u. a. der Erstellung und Beurteilung professioneller Businesspläne widmet und Seminare zu den Themen Rohstoffe, Technische Analyse, Emerging Markets und Businesspläne durchführt. Hartmut Sieper war Vorstand einer börsennotierten Beteiligungsgesellschaft mit dem Geschäftsfeld Investmentanalyse und Börsentransaktionen in Osteuropa.

hartmut-sieperDavor arbeitete er bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser KGaA als Wertpapierberater, Vermögensverwalter, Fondsmanager, Analyst und Anlagestratege. Bis 2000 war er Vorstand und Geschäftsführer der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e. V. (VTAD) sowie Vorstandsmitglied der International Federation of Technical Analysts (IFTA) in New York. Hartmut Sieper ist Autor mehrerer Bücher und zahlreicher Fachbeiträge zu Geldanlageund Kapitalmarkt-Themen.

Hartmut Sieper studierte Chemie und Geografie an der Technischen Universität Darmstadt und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Inhaltsverzeichnis

Am Kap der guten Geschäfte

Strategien für langfristigen Erfolg in Südafrika

Inhaltsverzeichnis

Am Kap der guten Geschäfte

Strategien für langfristigen Erfolg in Südafrika

1 Einleitung....................................................9

2 Lehren aus der Geschichte Südafrikas ....................... 23
Im Zeitalter des Kolonialismus ............................... 23
Südafrika heute .............................................. 32
Black Economic Empowerment.................................... 35

3 Afrika im Rohstoffboom...................................... 41
Die Rückkehr der Inflation oder Rettung der Banken
durch die Druckerpresse ...................................... 43
Der Einfluss Chinas und Asiens auf die Rohstoffmärkte ........ 48
Neue Technologien, neue Nachfrage............................. 49
Investitionen in den Rohstoffsektor reichen nicht aus ........ 53
Südafrika – Hauptprofiteur des Megatrends Rohstoffe........... 56

4 Bergbau und Hüttenwesen in Südafrika ....................... 61
Gold – im Aufwärtstrend ...................................... 64
Platingruppenmetalle (PGM) – die Nachfrage steigt............. 67
Chrom – unersetzlich für Edelstähle .......................... 70
Vanadium – unverzichtbar für Legierungen...................... 74
Mangan für die Stahlindustrie ................................ 75
Steinkohle – entscheidender Energieträger..................... 76
Uran und „nukleare Renaissance“ .............................. 80
Diamanten – ewige Wertanlage.................................. 81
Phosphat und Vermiculit....................................... 84

5 Energiewirtschaft........................................... 87
Das Herz der Finsternis: Folgen der Energiepolitik in
Südafrika .................................................... 89
Status quo: Stromerzeugung durch Kohle und Gas ............... 92
Atomkraftwerke ............................................... 95
Strom aus erneuerbaren Energiequellen......................... 98
Treibstoffe................................................... 101

6 Wachstumsbranchen eines großen Landes ...................... 109
Handel zwischen Südafrika und Deutschland .................... 109
Vom Baugewerbe bis zur Landwirtschaft......................... 112
Südafrika als Brückenkopf zu den schwarzafrikanischen Märkten  121
Tourismus: Südafrika – Land zum Reisen ....................... 123
Finanzwirtschaft.............................................. 127
Einbindung in internationale und regionale
Organisationen................................................ 129

7 Unternehmer werden in Südafrika ............................ 133
Alles für einen guten Start .................................. 134
Das „große Bild“ – Südafrika und die Weltwirtschaftskrise 2008.140
Suche nach Partnern und Mitarbeitern.......................... 143
Unternehmerische Rahmenbedingungen ........................... 144
Unternehmensgründung – Schritt für Schritt ................... 146
Rechtliche Rahmenbedingungen.................................. 150
Thema Korruption ............................................. 155
Umgang mit Geschäftspartnern ................................. 157
Als Europäer den Alltag bewältigen............................ 160

8 Wie man gute Mitarbeiter findet............................. 171
Über die Menschen in Südafrika................................ 172
Das südafrikanische Arbeitsrecht ............................. 174
Wie man die besten Mitarbeiter gewinnt........................ 178
Das gut geführte Interview ................................... 180
Wie man die besten Mitarbeiter behält......................... 183

9 „To be, or not to be“ oder: BEE – Sein oder Nichtsein ...... 187

10 Verhandeln mit südafrikanischen Geschäftspartnern ......... 195
Südafrika – Vielfalt an kulturellen Ausprägungen ............. 197
Kultur und interkulturelle Kompetenz ......................... 198
Ein Ansatz, die andere Kultur zu begreifen ................... 206
Kommunikation und Sprachenvielfalt............................ 209
Umgang mit Missverständnissen und Konflikten ................. 213

11 Erfahrungen von Deutschen und Österreichern in Südafrika... 217
Deutsche in Südafrika......................................... 217
Erfolg in Rot-Weiß-Rot – Erfahrungen österreichischer
Unternehmer in Südafrika ..................................... 221

12 Die Rolle des ANC im heutigen Südafrika.................... 229

13 Chancen und Risiken in Südafrikas Nachbarländern .......... 237
Namibia....................................................... 237
Botswana ..................................................... 242
Simbabwe...................................................... 246
Mosambik...................................................... 251
Swasiland .................................................... 255
Lesotho....................................................... 258
Angola ....................................................... 263
Über die Autoren ............................................. 271
Literaturverzeichnis ......................................... 277
Stichwortverzeichnis.......................................... 281

Leseprobe - Lehren aus der Geschichte Südafrikas

Von Reiner Hesse - Im Zeitalter des Kolonialismus

Südafrika, so wie es sich uns heute darstellt, war nie ein einheitliches Staatsgebiet: Im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter des Kolonialismus, wurde immer wieder der Fehler gemacht, die Staaten, in denen Europäer Geschäfte machten, als geografische Einheit zu sehen und nicht als ein Mit- und Gegeneinander von unterschiedlichen Völkern oder doch wenigstens Volksgruppen. Gerade Südafrika „lebte – und starb“ immer von der Auseinandersetzung seiner Stämme und Völker, die sein Staatsgebiet (in den heutigen Grenzen) bewohnten. Die unterschiedlichen Stämme, im Wesentlichen zwei großen Sprachfamilien angehörend, haben immer um die Vorherrschaft und vor allem um den Lebensraum konkurriert.

stadion Das Fussball-Stadion für die WM2010, als es noch in Bau warVom Lebensraum her war und ist das Land stark abhängig von den Schwankungen des Wetters und den daraus folgenden Konsequenzen für die Kapazität der Landwirtschaft, die in diesem Land lebenden Völker zu ernähren. Diese Situation führte bereits in der vorkolonialen Zeit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Stämmen, die das Land bewohnten. Erschwerend kam hinzu, dass die Frage zwischen nomadischer (kein spezifisches Eigentum oder Bindung an Grund und Boden) und Ackerbau treibender Wirtschaftsform (gebunden an den zu bebauenden Raum) niemals zufriedenstellend geregelt wurde. Denn die Problematik als solche wurde nicht erkannt. Die Verantwortlichen der Stämme selbst erfassten das Problem nicht, das sich gerade daraus ergab, dass koloniale „Oberherrschaft“ den europäischen Eigentumsbegriff unterstellte und sich in vielen territorialen Auseinandersetzungen auch durchsetzte.

Zunächst wurde das südliche Afrika entdeckt als Zwischenstation für die Segelschiffe der holländischen East India Company, die den Gewürzhandel zwischen Ostindien und den Niederlanden betrieb. Kapstadt wurde in vorkolonialer Zeit (1652) als „Halbwegstation“ zwischen den Niederlanden und deren ostasiatischen Zielen begründet, denn die Segelschiffe brauchten zur damaligen Zeit – wegen der besonderen Gegebenheiten im Atlantik – so lange für die Hin- und Rückreise, dass die Gesundheit der Schiffsbesatzungen gefährdet war. So beschloss die „Firmenleitung“ der Ostindienkompanie, die legendären „Here Seventien“, am Kap einen Haltepunkt einzurichten, wo frisches Gemüse und Obst angebaut wurde. Die Schiffsmannschaften konnten hier mit Vitaminen versorgt werden, um sie möglichst vor Vitaminmangelkrankheiten, wie etwa den Skorbut, zu schützen. Im Lauf der nächsten Jahrzehnte siedelten sich holländische, niederdeutsche und auch französische Aussiedler in der Umgebung von Kapstadt an, die ihre jeweilige landwirtschaftliche Nutzung mitbrachten.

Die aus dieser Zeit stammende landwirtschaftliche Kultur hat sich in der westlichen Kapprovinz bis heute erhalten: Der durch die französischen Hugenotten mitgebrachte Weinbau, die Viehzucht der Holländer und Deutschen und der durch die Bedürfnisse der Ostindischen Gesellschaft erforderliche Obst- und Gemüseanbau prägen noch heute die Wirtschaft dieser Region in starkem Maße.

In den letzten Jahrzehnten sind Obst- und Weinfarmen wieder interessant geworden als Investitionsobjekte mit Zukunftsaussichten, als rentable Wirtschaftsobjekte, die unter Umständen auch steuerlich interessant sein können. In den Zeiten der Herrschaft der holländischen Ostindienkompanie kamen auch viele Asiaten, meist als Hauskräfte für die Europäer, ans Kap, die sich mit Europäern und Eingeborenen zu den „Coloureds“ vermischten. Ein Teil von ihnen wanderte aus nach Deutsch-Südwestafrika und bildete dort die noch heute erkennbare Gruppe der „Rehobother Bastards“, benannt nach dem Siedlungsgebiet, das die deutsche Kolonialregierung ihnen (mit bestimmten verwaltungsmäßigen Sonderrechten) überlassen hatte. Interessant für die europäischen Kolonialmächte (insbesondere Großbritannien) wurde Südafrika, als zunächst Diamanten (um 1870) und dann auch noch Gold (1885) entdeckt wurde.

Südafrikas Schätze

Die ersten Diamanten wurden in Kimberley, einer Siedlung in der Nähe des Oranje-Flusses, gefunden, und zwar in einem Vulkankegel, der später als „The Big Hole“, das große Loch, bekannt wurde. Heute ist dieser Ort ein Museum, dessen Besuch sich lohnt. Zunächst wurde der Vulkankegel in relativ ungeordneter Art und Weise durch Prospektoren ausgebeutet, bis später dann Sir Ernest Oppenheimer die Diamantengewinnung bündelte und schließlich im De Beers Konzern vereinigte. De Beers hatte er 1920 von Cecil Rhodes gekauft und über mehrere Jahrzehnte zu einem Unternehmen aufgebaut, das im Geschäft mit Diamanten über ein faktisches Weltmonopol verfügt.

Inzwischen ist das „The Big Hole“ längst ausgebeutet. Die Diamantenfunde in Südafrika und auch in Namibia haben ihren Ursprung mehr im alluvialen Bereich, das heißt, es werden heute eher Steine gefunden, die aus den Kratern ihrer Entstehung ausgeschwemmt wurden und die wegen ihrer Härte den Transport in Bächen, Flüssen und über das Meer unbeschadet überstanden haben. Das wichtigste südafrikanische Transportmedium war der Oranje-Fluss, der die Steine zunächst in den Atlantik verfrachtete, von wo aus sie vor und an der Küste von Namaqualand (Südafrika) und Namib (Namibia) angeschwemmt wurden. Dort werden sie derzeit auch gewonnen. Wichtige Vulkanschlote mit Diamantengehalt finden sich heute vor allem noch in Botswana und im Kongo, sodass auch dort der Diamantenabbau floriert. Allerdings hat der De Beers Konzern im November 2008 eine Mine in einem Vulkankegel in Südafrika (Kroonstad) wiedereröffnet, die seit 100 Jahren in seinem Besitz ist und die bisher nicht abgebaut werden konnte, weil das Trägergestein zu hart war. Erst neue Technologien machen den Abbau möglich und lohnend, da der Wert der Steine aus dieser Mine zurzeit 20 Prozent über dem Durchschnittswert südafrikanischer Diamanten liegt.

Wie der Diamantenabbau sollte auch die Goldgewinnung die Geschicke Südafrikas über mehr als ein Jahrhundert prägen. In der Gegend um Johannesburg, dem Witwatersrand, wurde alluviales Gold, also Gold, das im Lauf der Jahrmillionen in einem Becken, eben dem Witwatersrand, angespült wurde, entdeckt und ausgebeutet.

waterfrontDie Waterfront in KapstadtInzwischen wird Gold nicht mehr nur in Tiefen gefunden, die im Bergbau als normal betrachtet werden, sondern auch in wesentlich tieferen Schächten. Derzeit wird es in Tiefen von bis zu 4.000 m abgebaut. Ein solcher Abbau ist natürlich sehr teuer und so ist südafrikanisches Gold stark abhängig vom jeweils herrschenden Goldpreis. Die südafrikanischen Minengesellschaften haben deshalb seit Langem ihre Aktivitäten weltweit ausgedehnt und sind entsprechend zu internationalen Unternehmen geworden. Als weiteres wichtiges Mineral ist in Südafrika 1922 Platin entdeckt worden. Heute hat Südafrika die weltgrößte Platinförderung und verfügt zudem über die größten bekannten Reserven. Da Platin Stickoxide zersetzt, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Verwendung des Platins als Katalysator in der Kraftfahrzeugindustrie ergeben und dies hat den Preis je Feinunze weit über den Goldpreis ansteigen lassen. Allerdings wurde Platin dadurch auch abhängiger von den Geschicken der Autoindustrie und zurzeit (November 2008) ist ein starker Preisverfall zu beobachten.

Südafrika hat außerdem reiche Kohlevorkommen, die zu einem großen Teil in die asiatischen Wirtschaften exportiert werden, aber auch nach Europa und in die Vereinigten Staaten von Amerika. Da Südafrika erst sehr spät mit der Prospektierung von Erdöl und Erdgas begonnen hat und dabei nur mäßig fündig geworden ist, hat das Land sich frühzeitig an das deutsche Verfahren der Kohleverflüssigung („Fischer-Tropsch-Verfahren“) angeschlossen. Ein großer Teil des Kraftstoffbedarfs – insbesondere während der Zeit der Sanktionen aufgrund der südafrikanischen Apartheidpolitik – wurde so gedeckt. Heute hat der Kraftstoffkonzern SASOL, der sich aus der Kohleverflüssigung entwickelt hat, das Verfahren so weit entwickelt und zusätzlich Verfahren gefunden, welche die Verwandlung von Erdgas zu Kraftstoffen möglich machen, dass er die entsprechenden Einrichtungen als Exportartikel unter anderem in die arabischen Emirate vertreibt.

Siedlerrepubliken im Landesinneren

Politisch, wenn auch nicht wirtschaftlich gesehen, blieb die holländische Enklave am Kap der guten Hoffnung eine Episode: 1806 eroberten die Engländer die Kapkolonie und fügten sie ihrem entstehenden afrikanischen Kolonialreich ein. Diesem Reich fügten sie 1824 Natal und wenig später Zululand hinzu. Am Kap wurden die Spannungen zwischen den (reformierten) holländischstämmigen Buren, Hugenotten und Deutschen und der Kolonialregierung der Engländer immer größer, sodass die Buren mit ihren Ochsenwagen („Treks“) in mehreren Auswandererbewegungen ins Landesinnere zogen, ein Zweig sogar durch das spätere Deutsch-Südwestafrika bis in die portugiesische Kolonie Angola. Der Schwerpunkt der Absetzbewegung der reformierten, mehrheitlich calvinistischen Siedler führte jedoch zu der Gründung von zwei „Siedlerrepubliken“ im Landesinneren, dem Oranjefreistaat und der Republik Transvaal (Letztere unter der Präsidentschaft von Paul „Oom“ Kruger, einem deutschstämmigen Südafrikaner, dessen Vorfahren als Söldner der holländischen East India Company ins Land gekommen waren).

Die bereits erwähnten Diamanten und Goldfunde, die sich in den Burenrepubliken fanden, machten das Landesinnere auch für die englischen Kolonialinteressen wichtig. So kam es in den Jahren von 1899 bis 1902 zu den „Burenkriegen“, die mit der Eroberung der Burenrepubliken endeten und Paul Kruger in das schweizerische Exil trieben. (Eine kleine Arabeske am Rande: Noch heute vergibt die südafrikanische Universität Stellenbosch zwei Jahresstipendien an deutsche Studenten in Anerkennung der Unterstützung, die der deutsche Kaiser Wilhelm II der Politik Präsident Krugers gewährt hat.) Hinzu kam die damals durch den Engländer Cecil Rhodes vertretene Idee, den englischen Einfluss in Afrika so auszubauen, dass die nordafrikanischen Kolonien Englands mit seinen südafrikanischen Einflussgebieten kombiniert werden würden (Kap-Kairo-Linie). Dazu kam es nicht – der belgische Kongo und Deutsch-Ostafrika schoben sich dazwischen –, aber die Idee spielte doch längere Zeit eine entscheidende Rolle in der englischen Kolonialpolitik für den afrikanischen Kontinent.

historische-suedafrika-landkarteSüdafrika während der Kolonialzeit - Die Kapstaaten im Jahr 1905Aufgrund seiner klimatischen Voraussetzungen war Südafrika immer eine Problemregion. Ursprünglich war es von San (Buschleuten) und Khoikhoi (Hottentotten) bewohnt. Doch durch die Invasion von Bantustämmen aus dem östlichen Zentralafrika im 16. Jahrhundert wurde Südafrika immer stärker besiedelt und die beiden Stämme immer stärker in „Überlebensnischen“ gedrängt. Andererseits geriet das Land durch die Europäer – Engländer, die verbliebenen Buren holländischer, deutscher und hugenottisch- französischer Herkunft – zunehmend unter den Einfluss der europäischen Kolonialisierung.

Im Lauf ihrer Geschichte in Südafrika spalteten sich die Bantu- Stämme in Zulu, Xhosa, Sotho, Swazi, Matabele, Venda und Tswana – um nur die größeren zu benennen –, die zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Bedeutung erlangten. Derzeit sind die wohl bedeutendsten Gruppen die Xhosa (mit Nelson Mandela und Thabo Mbeki als prominente Vertreter) und die Zulu (Mangosutho Buthelezi und Jakob Zuma), die ihrerseits natürlich Ansprüche auf die Führung des Staates Südafrika anmelden. Im Südosten des Landes ist zudem eine starke indische Bevölkerungsgruppe vorhanden. Denn der indische Subkontinent gab einen Teil seines Bevölkerungsdrucks an Südafrika ab (so ist es sicher interessant, dass Mahatma Ghandi seine Karriere als Journalist in Südafrika begann). Der Kampf um den Lebensraum wurde in der vorkolonialen Zeit zwischen den einzelnen Bantustämmen ausgefochten und erst die Kolonialmächte, in Südafrika England, brachten Ordnung in diese Auseinandersetzungen, allerdings um den Preis, dass sich die Unterversorgung nun nicht mehr selbst regulierte, sondern durch Lebensmittelhilfen seitens der herrschenden Mächte ausgeglichen werden musste.

1910 wurden die ehemaligen Kolonien im südlichen Afrika Mitglied des englischen Commonwealth mit erweiterten Rechten der Selbstverwaltung, aber auch mit einer stärkeren Bindung an die englische Krone. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die südafrikanische Regierung überraschend nicht mehr mehrheitlich von dem englandfreundlichen Teil der weißen Bevölkerung gestellt, sondern von den holländischen Nachkommen („Buren“). Auf den steigenden Druck und die wachsende Kritik an der Politik der Rassentrennung zwischen Weißen und Nichtweißen reagierte diese südafrikanische Regierung zunächst mit dem Austritt aus dem Commonwealth (1961). Danach führte sie die eigene angestrebte Politik der Rassentrennung („Apartheid“) ein, konsequent nach den Ideen von Hendrik Verwoerd, der von 1958 bis zu seiner Ermordung 1968 Premierminister der Republik Südafrika war.

tafelbergSeit dem Ende des Ersten Weltkriegs war Südafrika vom Völkerbund mit der Verwaltung der ehemaligen deutschen Kolonie Südwestafrika (heute: Namibia) beauftragt, sodass die Überlegungen zur Apartheid natürlich auch für Namibia Geltung hatten – wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Wirtschaftlich wichtiger für Namibia war die Tatsache, dass der Auftrag des Völkerbundes lautete, Namibia als „integralen Teil der südafrikanischen Republik“ zu verwalten. Das wurde naturgemäß wirtschaftlich so interpretiert, dass Namibia nicht als eigenständiger Wirtschaftsfaktor, sondern als Bestandteil der Wirtschaft Südafrikas gesehen wurde. Dies hatte dazu geführt, dass sich eine starke Abhängigkeit von der Wirtschaft Südafrikas entwickelte, die auch heute noch anhält. So ist der namibische Dollar immer noch 1:1 an den südafrikanischen Rand gebunden. Manche Entwicklungsdefizite erklären sich daraus, dass Namibia auf industrielle Entwicklungen verzichten musste, weil südafrikanische Interessen nicht auf diesen Absatzmarkt verzichten wollten – ein Beispiel dafür ist das Fehlen einer eigenständigen Zementindustrie in Namibia, obwohl die Rohstoffe vorhanden sind.

Arbeitskräftemangel zu Beginn des 19. Jahrhunderts

buchNachdem Gold und Diamanten gefunden worden waren, stand Südafrika vor dem Problem, genügend geeignete Arbeitskräfte für den Bergbau zu bekommen. 1903 begann man deshalb Chinesen anzuheuern, beendete das aber 1910 erfolglos und schickte die Chinesen wieder in ihre Heimat zurück. Da das Arbeiterproblem für den Bergbau weiterbestand – die eingeborenen Völker Südafrikas waren von jeher eher in der Landwirtschaft und im Kriegshandwerk tätig –, wurde, nicht zuletzt um mehr Arbeitskräfte zu gewinnen, im Jahr 1913 der Natives’ Land Act verabschiedet. Damit wurde der gesamte Landbesitz den Weißen zugesprochen und die Nichtweißen mit ihrem Vieh von den Weideflächen vertrieben.

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Hartmut Sieper informiert über Land und Leute, kulturelle Besonderheiten und Gepflogenheiten der südafrikanischen Wirtschaft. Exkurse über die Nachbarländer finden sich im Buch ebenso wie Praxisberichte von Unternehmen, die bereits am Kap engagiert sind. Eine unerlässliche Lektüre für alle Unternehmer und Manager, die mit Südafrika Handel betreiben oder dort produzieren wollen, aber auch für Arbeitnehmer, die dorthin entsandt werden.

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