Literaturszene in Südafrika - Aufarbeitung der Vergangenheit

Nach der Apartheid öffneten sich die Medien und Meinungsfreiheit wurde ein gängiges Recht. Allerdings verschwanden mit dem Ende der Apartheid die Konflikte und deren Folgen nicht. Es begann die Ära der Aufarbeitung der Vergangenheit, z.B. in Biografien und Erfahrungsberichten.

Das meistverkaufte Buch in Südafrika ist die Biografie von Nelson Mandela, dessen „LongWalk to Freedom“ unmittelbar nach seiner Freilassung aus der Haft herausgegeben wurde.

Außerdem haben viele weiße und schwarze Autoren in ihren Romanen die Auswirkungen von Hass, Vorurteilen, Brutalität und Ungerechtigkeiten während der Apartheid auf die Menschen heute veranschaulicht. Zakes Mda (u. a. „Ways of Dying“ und „The Heart of Redness“, dt. „Das Herz der Röte“) sowie Ivan Vladislavic („Propaganda by Monuments“ und „The Restless Supermarket“) schreiben über die heutigen Probleme Südafrikas.

Auch die Anzahl der sozialkritischen und analytischen Bücher hat zugenommen. Die Standpunkte sind dabei so vielfältig und konträr wie die verschiedenen Milieus, aus denen die Autoren stammen. Besonders eindringlich ist Mamphela Ramphele, eine frühere Bürgerrechtlerin, die die sozialen und politischen Missstände des neuen Südafrika anprangert, aber auch konstruktiv kritisiert. 2013 gründete Ramphele die Partei Agang SA und saß für diese eine kurze Zeit im südafrikanischen Parlament.

Jüngere Literaturszene

Die jüngere Literaturszene widmet sich den Problematiken der heutigen südafrikanischen Gesellschaft, es wird über Liebe und Fremdenhass, aber auch über Aids geschrieben. Zur neuen Generation von Autoren, für die nicht nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse im Vordergrund steht, zählt der in Kapstadt lebende Damon Galgut, der in seinen Büchern eine kriselnde westliche Moderne beschreibt, in der viele Menschen an Leere und Orientierungslosigkeit leiden. Sein „In fremden Räumen“ erzählt in drei Geschichten von Sehnsucht, unerfülltem Verlangen, Zorn und Mitleid.

Wie in vielen anderen Ländern hat sich auch in Südafrika der Kriminalroman zu einem erfolgreichen Exportschlager entwickelt, Autoren wie Deon Meyer und Malla Nunn sind bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Malla Nunn, die in Australien lebt, schreibt an einer Serie von Kriminalromanen, Schauplatz ist Johannesburg in den 1950er-Jahren. Deon Meyer, der seine Bücher in Afrikaans verfasst, ist inzwischen ein international bekannter Krimiautor und wird manchmal als „Henning Mankell Südafrikas“ bezeichnet.

Romane und Biografien aus Südafrika

  • Brink, André; „A Chain of Voices“. Minerva, UK. Englischsprachig. Ein Roman, der im 18. Jahrhundert in der Kapprovinz spielt. Geschildert wird das Verhältnis einer Farmerfamilie zur Sklaverei.
  • Davis, John Gordon; „Roots of Outrage“. Harper Verlag. Englischsprachig. Der Weg Südafrikas bis zum Ende der Apartheid, beschrieben aus der Sicht einer burischen Historikerin, einer ANC-Kämpferin und eines Journalisten.
  • Gordimer, Nadine; „Freitags Fußspur“ sowie „Nicht zur Veröffentlichung“. Fischer Verlag. Kurzgeschichten und Erzählungen der südafrikanischen Nobelpreisträgerin. Leseratten dürfen es wirklich nicht versäumen, mindestens ein Buch dieser Autorin gelesen zu haben. Sie beschreibt das Leben der Südafrikaner wie kein anderer. Weitere empfehlenswerte Bücher Gordimers: „Die Geschichte meines Sohnes“, „Eine Stadt der Toten, eine Stadt der Lebenden“, „Fremdling unter Fremden“, „Ein Spiel der Natur“ und „Der Besitzer“. Übrigens spielen nicht alle Geschichten Gordimers in Südafrika. Einen Eindruck über den Kontinent und seine Menschen vermitteln aber alle Bücher. Relativ neu ist „Die Umarmung eines Soldaten“, dem letzten von 5 Kurzgeschichtenbänden. 12 Geschichten widmen sich zumeist Beziehungen, die oft an ihre Grenzen geraten, mal aus inneren, oft auch aus rassischen Beweggründen. Gordimer klagt dabei nicht die Menschen an – die sind schwach, das weiß sie –, sondern vermittelt einfach durch ihre intensive Schilderungsweise einen Effekt, der die Menschen zum Nachdenken bewegt.
  • La Guma, Alex; „A Walk in the Night“. Heinemann, GB. Englischsprachig. Kurzgeschichten, die im ethnisch vielseitigen „District Six“ in Kapstadt spielten. Der District wurde ja bekanntermaßen von der Apartheids-Regierung niedergerissen.
  • Mandela, Winnie; „Ein Stück meiner Seele ging mit ihm“. 1984 geschrieben. Rowohlt Verlag, Hamburg. Winnie Mandela erzählt von ihrer Zeit mit Nelson Mandela, von ihren Verhaftungen und veröffentlicht auch Briefe, die Nelson ihr geschickt hat. In diesem Buch wird ein wesentliches Stück südafrikanischer Geschichte wachgerufen.
  • Mhlophe, Gcina; „Love Child“. Peter Hammer Verlag. Märchen, Gedichte und Vorträge der bekannten Künstlerin sind in diesem Buch zusammengefasst. Mhlophe erzählt von Erlebnissen und Erfahrungen während und nach der Apartheid.
  • Schreiner, Oliver; „Story of an African Farm“. Penguin Books, GB. Englischsprachig. Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Erzählt wird die Geschichte zweier weißer Frauen, die auf einer einsamen Farm in der Karoo gelebt haben und deren Leben sich durch das Auftauchen eines irischen Reisenden dramatisch ändern soll.
  • Trump, Martin u. Marquard, Jean (Hrsg.); „A Century of South African Short Stories“. Ad Donker Public., SA. Englischsprachig. Eine gelungene Sammlung von südafrikanischen Kurzgeschichten aus dem 20. Jahrhundert. U.a. auch Nadine Gordimer.
  • Tutu, Desmond; „Gott segne Afrika“. Rowohlt Verlag, Hamburg. Ausgesuchte Predigten und Texte des Friedensnobelpreisträgers aus der Zeit der Apartheid.