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Kapstadt vom Signal Hill | Südafrika

sa flag 80x80Royal Cape Yacht Club in Kapstadt, Sonnenschein, schöne Boote, ein Gläschen Wein an der Bar, Michael ist schon da: Hallo, dann wollen wir mal los! Eingangskontrolle am Duncan-Dock, mit Passierschein dürfen wir und das Auto hinein, hoppeln über Eisenbahnschienen,  ein Gabelstapler möchte uns auf die Hörner nehmen. Hafenatmosphäre, es riecht nach Tang, Fisch und frischer Farbe. Am Kai dümpelt einsam ein riesiges Schiff, gewaltig hohe schneeweiße Aufbauten, brei ter Rumpf, strahlendblau, auf Deck schwere Kräne und seltsame Laufstege in leuchten dem Orange: Die "Polarstern", das deutsche Polarforschungsschiff, in Kapstadt als Zwischenstation auf den Reisen in die Antarktis so gut wie zuhause, hat hier einen neuen Anstrich bekommen.

Wir gehen erstmal an Deck. Mit 11800 Tonnen Leergewicht und 17300 Tonnen Verdrängung ist die Polarsternkein leichtes Mädchen, das 100m-Maßband reicht nicht ganz zum Ausmessen: sie ist 118,5m lang und 25m breit und steht bei 11.21 m Tiefgang auch fest auf den Beinen. Sie wurde 1982 in Dienst gestellt, hat seitdem drei Dutzend Expeditionen in Arktis und Antarktis abgeschlossen und ist nach wie vor das leistungsfähigste Polarforschungsschiff der Welt, in Deutschland kompromisslos konzipiert und gebaut für Arbeiten in den Packeiszonen, jene Gebiete auf der Erde, die am wenigsten erforscht sind, aber eine Schlüsselfunktion für die Klimaentwicklung haben.

polarstern-foto-1Die Polarstern ist ein Eisbrecher, der bei Außentemperaturen bis minus 50 Grad arbeiten kann, ab 51 Grad gibt es kältefrei. Die Konzeption erlaubt ein Überwintern im Eis der Polarmeere, das Boot kann anderthalb Meter dickes Meereis mit 5 Knoten durch fahren - wenn's dicker kommt, wird durch Rammen gebrochen.

Die Polarstern gehört dem Bundesminister für Forschung und Technologie und wird betrieben vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Eine der  Aufgaben ist die Versorgung der antarktischen Winter-Station "Neumayer". 90 Personen bilden die beiden Gruppen der Besatzung - die eine Gruppe holt sich wochenlang kalte Füße, die andere hat Urlaub.

Es gibt Arbeitsplätze für 50 Wissenschaftler und Kabinenplätze für die Überfahrt in die Antarktis. Vielleicht fragen Sie mal im Reisebüro? Treppchen rauf, rauf, rauf, dann das Brückendeck. Der Funkoffizier läuft uns über den Weg, also  hinein in die Funkräume - da ist alles drin, was es so gibt an Kommunikationstechnik, einfach Radio hören kann man aber auch. Nebenan sitzen die Leute vom Wetter.

Kurzer Besuch auf der Kommando-Brücke: Bildschirme, Schalttafeln, Tastaturen ... und eine Kaffeemaschine. Kapstadt 'mal aus anderer Sicht: 14 Meter über dem Hafenwasser. Über mir ein nadelspitzer Mast mit einer kleinen Kabine darin, da sitzt sicher einer drin und warnt vor den Eisbären. Und am Südpol? Da bleibt der Mast wohl unbesetzt, denn da gibt's ja nur harmlose Pinguine. Oder? Auf dem Vordeck liegt ein dicker klobiger Anker, aber der wird nicht mehr gebraucht, seit es die Satelliten-Navigation an Bord gibt: Da lässt man einfach die Hauptmaschinen laufen. Mit den beiden Propellern und Heck- und Bugstrahlrudern  wird das Schiff automatisch auf Position gehalten. Wieder Korridore, Treppchen runter, große Bar mit grünem Kachelofen  und Ofenbank, wie bei Oma. Wird gern von Konsulaten für Weihnachts- oder Silvesterfeiern benutzt. Im Salon nebenan gehobener Kaffeehaus-Stil, und im Restaurant duftet ein Riesenberg frischer Reibekuchen.

Drei Portionen später sind wir wieder auf Jogging-Tour, Treppchen laufen. Stippvisite beim Onkel Doktor mit Bordhospital und Op-Raum, Krankenzimmer und zahnärztlicher Ausrüstung. In einer Halle ruhen sich zwei recht  ausgewachsene Hubschrauber aus. "Kriegt ihr die denn raus, wenn alles vereist ist?" "Das Deck ist doch beheizt und immer eisfrei!" Eine Etage tiefer stehen Gabelstapler, Schlauchboote, Motorräder, Schneemobile und drei gewaltige  Pistenbullys. Tiefgekühlte Aquarien enthalten ausgefranzte Fische, weiße Knäuel und rote Würmer, Lebewesen aus der Tiefe des südlichen Polarmeeres. Und in den zahllosen ausgedienten Ölfässern sind ... Müll und Abfälle der Forschunsstationen, alles bis zum letzten Schnipsel geht zurück nach Deutschland! Das Motto lautet wie bei der  Autobatterie: Haltet die Pole sauber!

Nochmal drei Etagen tiefer, vorbei an Fitness-Raum, Wäscherei, Schwimmbecken, Werkstätten und Labors geht es in die Maschinenräume mit zahllosen Kühlaggregaten, Motoren, Generatoren, Pumpen und den vier dröhnenden Hauptmaschinen mit  je 5000 PS. Die Höchstfahrt liegt bei 16 Knoten. Marschfahrt 10-12 Knoten. Ein Knoten ist eine Seemeile = 1852 Meter pro Stunde (Stundenkilometer bitte selbst ausrechnen). Über Spritverbrauch spricht man nicht, Sprit hat man ja genug an Bord ... doch zur Beruhigung des Steuerzahlers: Schiffsmotoren haben, gemessen an der abgegebenen Leistung, einen unglaublich niedrigen Verbrauch - wie das Traumauto mit den drei Litern pro Hundert. Der Koch kommt noch für einen kurzen Klönschnack mit raus, um Kapstädter Luft zu schnappen.

Übrigens: Die nächste Reise geht zum Nordpol. Fragen Sie nach in Ihrem Reisebüro ... und nehmen Sie sich in acht vor den Eisbären, wo Sie ja nur Pinguine gewöhnt sind!

Allein und voll verantwortlich für diesen Artikel inklusive Fotos:
ECHO: Euromedia Pty Ltd, Box 2388, Stellenbosch 7601, Südafrika

Von Kapstadt zur Neumayer-Station III - Das FS Polarstern unterwegs

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