sa flag 80x80Vorgestern hatte es noch vom Himmel hoch geregnet, heftig und unaufhörlich. Am Tage danach war der Himmel leuchtendblau, kein Wölkchen gab's, die Sonne schien grell herab. Heute zieht mit atemberaubender Geschwindigkeit eine undurchdringliche weiße Wolke von links nach rechts über den Tafelberg und fällt am Stationshaus der Seilbahn senkrecht hinunter, in große sturmzerrissene Streifen sich auflösend.

kapstadt-fruehling-1Seit ein paar Tagen ist Frühling im Kapland. Jeder Grasbüschel, jeder Vogelruf, jede aufspringende Knospe verrät es. Regennasse Straßen mit Kopfsteinpflaster, die steil zum Tafelberg hinaufführen, wassertriefende Palmen in den Vorgärten der Villen und am Strand, dort unten bei Camps Bay.

Die schlanken Stämme biegen sich im Wind. - Dann wieder der helle Sonnenschein auf den roten  Ziegeldächern, kein Windhauch auf den Swimming Pools mit ihren Winteralgen an den weißen Marmorwänden. Es gibt eine Zeit im Jahr, wo man atemlos zusieht, wie Bäume, Gesträuch und Rankenwerk sich mit neuem Grün bedecken. Und schaut man auf die große Kapstadt, dann wirken die vielen Gärten wie eine Studie in weichem Pastell.

Wir fahren die Küste zur Kapspitze hinunter. Der Himmel sieht aus wie graues und blaues Patchwork. Die Heizung im Mikrobus ist wohltuend. Die Fahrt geht über eine karstige Hochebene, zwischen deren Geröll spärliches Heidekraut wächst. Dann spuckt uns der Bus aus. Wo ist denn nun das Kap? Irgendwo zwischen Felsen, Nebel und Wasser, dort wo das verrostete Wrack liegt, muss es sein, aber ein nasskalter Regenguss verdirbt jede weitere Entdeckerfreude. Der nächste Tag führt uns nach Gordon's Bay, eine gute halbe Stunde von Kapstadt weg.

Es ist heiß in der Mittagssonne, im T-Shirt sitzen wir auf der langen Pier im Hafen, lutschen ein Eis und schauen den vielen Anglern zu, die hier ihr Glück versuchen. Ein paar Jungen toben im Wasser. Dann eine wunderschöne Fahrt die gewundene Küstenstraße entlang - leider sind die Wale, die hier Jahr für Jahr zum Gebären herkommen, schon weg. Auf der Nationalstraße N2 fahren wir wieder zurück.

kapstadt-fruehling-2Stopp oben am Aussichtspunkt am Sir Lowry's Pass: Nicht eine einzige Kamera bleibt ohne Klick. Somerset West, die gute Wohnstadt mit den vielen Hanggrundstücken mit Blick über Meer und Hottentots-Holland-Berge. Und Stellenbosch, das historische Universitätsstädtchen im Weinland, kultureller Mittelpunkt seit über 300 Jahren.

Es mag Hundertelei in der Welt nicht stimmen, aber ich weiß, dass dafür tausend Dinge richtig und in Ordnung sind. Das kleine quirlige Studentenstädtchen hier lädt zum Verweilen, zum Träumen,  zum Philosophieren ein - wir aber fahren zurück nach Kapstadt; immer noch scheint die Sonne heiß auf uns herab.

kapstadt-fruehling-3Dort, wo am Flughafen von Kapstadt die riesiggroße Township entstanden ist, quillt dicker schwarzer Rauch empor. Zwei der unzähligen Shacks brennen lichterloh, Dutzende von Schwarzen, fast alle mit Wollmützen auf dem Kopf, schauen zu. Dicke Frauen kommen vorbei, sie tragen hoch aufgetürmte Holzbündel auf dem Kopf durch die staubigen Gassen, die Kinder winken uns lachend und übermütig zu und laufen  ein Stück mit dem Auto mit. Es gibt unzählige Hunde hier, erschreckend und faszinierend zugleich. Kirstenbosch, ein Tag wie gemalt. Blauer Himmel, ein erfrischendes Lüftchen. Kirstenbosch ist der bedeutendste der botanischen Gärten in Südafrika.

Die Flora der Kaphalbinsel schließt etwa 2.500 blühende Pflanzenarten ein -die vielfältigste Pflanzenansammlung der Welt, das "Cape Floral Kingdom". Auf weniger als 500 Quadratkilometern  (60 davon werden vom Tafelberg eingenommen) gibt es mehr Pflanzenarten als in ganz Deutschland. Und der Mittelpunkt dieses "Königreiches" ist eben der Botanische Garten Kirstenbosch ...

und der späte Frühling, der aufbrechende Sommer, der November, wenn alles noch frisch und grün ist, ist wohl die schönste Jahreszeit ... wanden, schauen, sich freuen.

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Südafrikas Namaqua Paradies im Frühling