sa flag 80x80 Eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit ist das Rad. Mit seinem geringen Reibungswiderstand erleichtert es die Fortbewegung, es ist fähig, Kräfte zu übertragen und umzusetzen, im Ebenmaß des Kreises ist es formschön. So verbindet auch das Mühlrad praktischen Nutzen und ästhetischen Reiz. Wo die Brücke das Wasser als Hindernis überwindet, da nutzt das Mühlrad die Kraft des Wassers aus. Ursprünglich wurden Mühlen von Hand betrieben; Kaffeemühle und Pfeffermühle erinnern noch daran. Schon bei Moses wird die Mühle erwähnt: Auch "die Magd, die hinter der Mühle steht", verliert ihre Erstgeburt, und das Volk in der Wüste lief hin, sammelte Mannakörner und "sties sie mit mülen". Später wurden Mühlen von Pferden und Eseln angetrieben, erst dann baute man sie an das Wasser, und das aus dem Lateinischen stammende Wort Mühle bezeichnete sowohl das Mühlwerk als auch das umschließende Gebäude.

kapstadt-muehlenDie Mühle, im Mühlgrund an einem Bach oder Fluss gelegen, war durch ihre romantische Lage schon immer ein ästhetischer Vorwurf für den Maler, den Dichter, den Musiker.

Einsam, eingebettet in Natur, das den Lebens- und den Weltenlauf versinnbildlichende Mühlrad, die rhythmischen Geräusche des Wassers und des Mahlwerks, das Weiß und die Kühle des Mehls - all das hat hohen Sinn- und sehr hohen Gemütswert. Goethe spricht von der vertraulich gelegenen Mühle, Kleists Kätchen von Heilbronn wird auf der Mühle am Sturzbach erwartet, in Eichendorffs "Taugenichts" braust das Rad an seines Vaters Mühle. Uhland lässt die Mühle rauschend gehn und Jean Paul mahnt: "Wenn des Dichters Mühle     geht, halte sie nicht ein".

wassermuehlen-kapstadtSie wird häufig als Sinnbild gebraucht. Wer nicht bestauben will, der bleib aus der Mühle. Wer zuerst in die Mühle kommt, der mahlt zuerst. In der Mühle ist übel harten. Aus dem Staube in die Mühle, aus dem Regen in die Traufe. Man leitet fremde Wasser auf seine Mühle. Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich fein. Der Müller gehört zu den menschlichen Urberufen, er trägt weiße Kleidung, das Hemd hängt ihm aus der Hose, er hat eine kleine weiße Kappe. Die Müllersfrau gilt in Gedicht und Lied als schön, die schöne Müllerin sitzt zuhaus ... und doch ist "das Wandern des Müllers Lust".

muehlenHeute haben Mühlen kaum noch eine Funktion und daher fast nur mehr musealen Charakter. Das Mühlrad und der Mühlstein, den man im Mittelalter dem zum Tod durch Ersäufen Verurteilten um den Hals hängte, sind rustikale Sammelobjekte für Wochenendgärten geworden. Sie liegen ganz nahe neben der kleinen Gruppe der Gartenzwerge.

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