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Kapstadt vom Signal Hill | Südafrika

sa flag 80x80Das Umbenennen von Strassen ist eine faszinierende, teure und zumeist politisch motivierte Übung. Kapstadt hat bereits eine Reihe von Umbenennungen von Strassen hinter sich, an die wir uns so gewöhnt hatten, aber die wir vielleicht nicht unbedingt geliebt haben. Vier Straßennamen haben bereits das Gesicht der Stadt verändert: Die in Culemburg befindliche und nach einem Nazi Sympathisanten benannte Oswald Pirow Strasse machte dem Ruhm des ersten Herzverpflanzers Platz: Christiaan Barnard Strasse.

Daneben hat der Eastern Boulevard den Namen von Nelson Mandela angenommen, während der Raum zwischen dem Artscape Theater und der Stadtverwaltung nunmehr nach Albert Luthuli umbenannt ist. Der für Fußgänger reservierte Bereich der Castle Street ist als nächstes dran und wird den namen des Khoisan Anführers Krotoa tragen, während der ehemalige Western Boulevard bereits heute seinen neuen Namen trägt: Helen Suzman Boulevard.

Es wird berichtet, dass die Umbenennung von vielen weiteren Strassen, mehr als 100 km führend, in der Planung ist, die derzeit noch die Namen von Apartheidspersönlichkeiten tragen, wie zum Beispiel Hendrick Verwoerd Drive, Jan Smuts Drive, DF Malan Street, und Nico Malan Street. Weitere Straßennamen auf der derzeitigen Namensänderungsliste sind (mit den vorgeschlagenen neuen Strassenamen in Klammern) Lansdowne Road (Imam Haron Road), Jip de Jager Street (Dulcie September Drive), Coen Steytler Avenue (Walter Sisulu Drive), Andries Pretorius Street (Orange Street), Vanguard Drive (Govan Mbeki Drive), NY1 (Steve Biko Drive), and Willie van Schoor Rylaan (Jeff Masemola Drive).

Interessant ist, dass alle fünf Milner Streets der Stadt ihren Namen ändern werden, aber weg von der Politik und zu Ehren von Künstlern. Geehrt werden der Dichter und Schriftsteller Uys Krige (Tamboerskloof), Ingrid Jonker (Sea Point), PJ Philander (Scotville), SV Petersen (Observatory) und Jan Rabie (Industrial Area). Fast zeitgleich – und deutlich weiter im Norden – findet man immer noch Pretoria, Sitz der regierung und de facto Hauptstadt der Republik Südafrika, in 1855 von Marthinus Pretorius, ein Führer der Voortrekker, gegründet, der diese Stadt nach seinem Vater Andries Pretorius benannte. Sie wurde am 1. Mai 1860 Hauptsadt der Südafrikanischen Republik. Gut 150 Jahre später wird der ANC nicht müde zu versuchen, den Namen dieser Stadt zu ändern – nachdem man zumindest schon damit erfolgreich war, den Stadtkern und die Verwaltung in Tshwane umzubenennen.

Diese bedeutende Änderung scheint aber nun endgültig vom Tisch zu sein, dagegen stehen gut 20 Straßennamen an, um durch politisch korrekte und geschichtlich unbelastete Persönlichkeiten ersetzt zu werden. In einem weiteren Unterfangen Namen, die mit den Zeiten der Apartheid oder des Kolonialismus assoziiert sind, auszurotten, werden Pretorius und Paul Kruger die einzigen Überlebenden sein. Die Übrigen wie Schoeman, Van der Walt, Andries, DF Malan, Prinsloo, General Louis Botha, Skinner, Kerk, Walker/Charles, Queen Wilhelmina, Voortrekkers, Mears, Beatrix, Hendrik Verwoerd, Hans Strijdom, Vermeulen, Potgieter und Duncan, werden sich gemäss eines mit dem ANC gefundenen Kompromisses ändern.

Warum aber, sollen Namen wie Church Street und Voortrekker Road geändert werden? Nahezu jede Stadt und jedes Dorf haben eine Church Street und die von Süden nach Norden führenden Voortrekker Roads sind untrennbar mit der Geschichte dieses Landes verbunden. Ist es einzig und allein ein Kompromiss um den Namen Pretoria zu halten? Und was ist mit den anderen? Königin Wilhelmina der Niederlande und ihre junge Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts war als Feind Grossbritanniens, das während der Burenkriege die Provinzen Transvaal und Oranje Freistaat annektiert hatte, bekannt. Sie entsandte ein Kriegsschiff nach Südafrika, um Paul Kruger zu retten, dessen Name weiter auf den Straßenschildern Südafrikas zu finden sein wird.

Wurde demnach ihre Sympathie mit den Buren, Nachfahren der Kolonialisten zum Verhängnis? Erstreckt sich die Ungnade deswegen auf Ihre Enkelin Königin Beatrix? Sieht fast so aus.... Frontfarmer und Feldkommandeur Tjaart van der Walt, ein weiteres Namensgeberopfer, der eine wesentliche Rolle im dritten Frontkrieg gegen die Xhosa und Khoi-Khoi spielte, muss vermutlich aus diesem Grunde aus dem Stadtbild weichen, wogegen Andries Pretorius zu belassen aber Stephanus Schoeman zu entfernen geschichtlich gesehen willkürlich und nicht konsistent erscheint. Generalkommandant Stephanus Schoemann war von 1860 bis 1862 Staatspräsident der südafrikanischen Republik (ZAR). Der Nachfahre einer Familie in Schleswig-Holstein war er unbedeutender Führer der Trekker, der seine eigene Flagge hatte und sich den Truppen von Andries Pretorias bei der Schlacht am Blood River Canyon anschloss. Die Schoemannstraat in Pretoria is ebenso nach ihm benannt wie die Stadt Schoemansdal, die von den Venda um 1860 dem Erdboden gleichgemacht wurde. (Die Ruinen werden derzeit wieder ausgegraben...eigenartig und widersprüchlich genug?) Aber vielleicht muss er deswegen gehen, weil er sich auf einen politischen Staatspräsidenten Marthinus Wessel Pretorius einliess, dem ersten Präsidenten der Südafrikanischen Republik und Autor der Verfassung? Man kann das leider nur erahnen!

Wir müssen uns nicht erneut mit Potgieter, D F Malan, Verwoerd, Botha und dergleichen auseinandersetzen, aber – und neben dem schlechten Timing der verursachten Kosten – scheinen die geplanten Änderungen der Straßenamen als sonderbar und willkürlich, wie die Geschichte Südafrikas behandelt wird und sich schon bald in den Strassen von Kapstadt und Pretoria leider wieder finden wird.

Autor: Ralph M Ertner - Wir danken IBN für die Erlaubnis der Veröffentlichung

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