Buschmannsiedlung in den Cederbergen

Touristen aus aller Welt kommen nach Kagga Kamma (Platz der Buschmänner), um Einblick in Lebensweise und Tradition der Buschmänner zu gewinnen. Etwas abseits von dem luxuriösen Camp gelegen, wurde eine kleine Buschmannsiedlung eingerichtet. Gegründet wurde diese 1989 mit dem Zweck, den traditionellen Lebensstil dieses alten und nahezu ausgerotteten Volkes zu erhalten und auch, um den Touristen das Leben der Buschmänner zu erläutern.

Man hat damals eine Gruppe von 27 Buschmännern (heute sind es ca. 40) hierher eingeladen. Sie führten bis dahin ein eher ziviles, aber kaum befriedigendes Leben am Rande des Kalahari Gemsbock Nat. Parks. Alkoholismus und Kriminalität breiteten sich dort aus. Daher nahm diese Gruppe von Buschmännern die Einladung des Kagga Kamma-Reservates gerne an, sich wieder an dem Ort anzusiedeln, wo bis vor 250 Jahren auch schon Buschmänner lebten.

Menschlicher Zoo

Ziel dieses Projektes ist es, dass den Buschmännern freigestellt ist, wie lange sie hier bleiben möchten, und ob sie wieder zurückgehen in die Kalahari. Als Ausgleich für ihre den Touristen zur Schau gestellten Lebensweise erhalten die Buschmann-Kinder eine schulische Ausbildung und medizinische Betreuung. Die Buschmänner gehen ihren traditionellen Handarbeiten nach und fertigen Souvenirs an, die sie an Touristen verkaufen. Mit dem erhaltenen Geld können sie sich neue Lebensmittel kaufen. Langfristiges Ziel ist es aber auch, die Buschmänner zu lehren, in „Harmonie mit ihren alten Traditionen und der modernen Welt der Europäer“ klarzukommen. Ein gewagtes Spiel, doch hat selbst die UN das Projekt als positiv eingestuft und bereits zweimal den hiesigen Clanchef eingeladen, um seine Erfahrungen in Genf vorzutragen.

Ob man diesem als menschlichem Zoo oder als anschaulicher Demonstration der Tradition der Buschmänner gegenübersteht, muss jeder selber entscheiden. Doch trotz aller Kritik, Vorurteile und vorgesetzter Klischeebilder sollte man anerkennen, dass es eine freiwillige Aktion ist, es den Buschmännern hier besser geht als in den Camps der Halbwüsten-Kleinstädte und dass sie die Chance erhalten, sich hier so weit zu bilden und mit den „Bedürfnissen“ der Touristen auseinanderzusetzen, dass sie einmal selbst ein Reservat ähnlicher Art aufziehen können. Erste Gespräche darüber laufen bereits.

Das Empfinden, in einem „menschlichen Zoo“ herumzulaufen, kann aber wohl niemand mit gutem Gewissen ablegen, wenn man sich in Scharen um die kleinen Strohverschläge aufstellt, die Kamera zückt und jede Bewegung der handwerkelnden Buschmänner für zu Hause festhält. Doch haben wir auch das Gefühl gehabt, dass die Buschmänner uns fotografierende Reisende sicherlich auch mit einer gewissen Belustigung betrachten. Jeder mag hinterher anders über den etwa einstündigen Besuch im Buschmanndorf denken, doch sind die Erklärungen zur Lebensweise und Handwerkskunst allemal interessant. Zudem sollte man sich auch vor Augen halten, dass die Buschmänner sich nach Ihrem Besuch wieder zurückziehen in ihre eigentliche Siedlung und dort dann wieder in europäische Hosen steigen, Bücher lesen und ihre Kinder in die angeschlossene kleine Schule schicken.