sa flag 80x80 Vor gut 350 Jahren von den ersten weißen Siedlern am afrikanischen Südkap als Houtbaatjen (holländisch: Holzbucht) gegründet, ist der kleine Fischerort Hout Bay in der Table Bay, mit Blick auf die grandiose Bergkette der Twelve Apostels, auf den Sentinel und den Chapman´s Peak heute einer der exklusiven Vororte Cape Towns. Unkapriziös allerdings, mit Einwohnern, die keine auffälligen Attribute brauchen, um der Welt zu beweisen, dass sie “top class” sind.

republic-of-hout-bay"Republic of Hout Bay"Stattdessen kommen die, die auch so sind – oder so sein wollen – in schöner Regelmäßigkeit vorbei. Da wohnt man dann im stylish-eleganten Hout Bay Manor Hotel und speist im Pure daselbst, geht zum Asia-Dinner und an die Bar des legendären Kitima oder isst die besten fish & chips gleich im kleinen Hafen. In jedem Fall dominiert der Stil althergebrachter, kosmopolitischer Traditionen das Erleben von Hout Bay.

Das als das best gehütete Geheimnis von Cape Town bekannt ist und das geprägt ist vom Charme afrikanischer und europäischer Lebensart, anspruchsvoll, individuell und ebenso gediegen wie ungewöhnlich – unverwechselbar Hout Bay-like eben.

fish-on-the-rocksDas "Fish on the Rocks" Take Away - "Fish & Chips"Denk ich an das Kapland, kommt mir die schönste Stadt der Welt in den Sinn!” Dieser Seufzer von Louisa Peacock, der Ehefrau des legendären Cecil Rhodes, ist für viele Südafrikareisende zum Synonym ihrer eigenen Empfindungen und Sehnsüchte geworden. “Mother City”, “Zeitlos Schöne am bezauberndsten Ende der Welt” – Kapstadt zu beschreiben bedeutet, sich hemmungslos in Superlative ergehen zu können.

Der Geschichte von Hout Bay

Und das bereits seit 1652, als eine kleine Armada des holländischen Handelsimperiums Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) unter dem Kommando von Jan van Riebeeck in der Tafelbucht angelandet war und sich die Kunde von den Szenerien grandioser Bergketten, herrlicher Strände, fruchtbaren Landes und riesigen Wäldern bis nach Europa verbreitete. Dort lockten diese Aussichten weitere Siedler an, was Jan van Riebeeck prompt in eine Bredouille brachte. Mittlerweile zum Gouverneur von Zuid Africa ernannt, hatte er Sorge für den Bau eines Hafens und einer Schiffswerft zu tragen, für die Errichtung von Handelskontoren, einer respektablen Verwaltung und immer mehr Häusern, und, und …

Doch war da nicht die Rede von gewaltigen Wäldern entlang der Tafelbucht gewesen? Nach einer tagelangen Reise dort angekommen, befand er die schier grenzenlosen Urwälder der Kaphalbinsel als adäquaten Fundus für die anstehenden Bauvorhaben. Bis eine Straße in das Bergmassiv der Twelve Apostels getrieben sein würde – was erst 40 Jahre später realisiert war – müssten die geschlagenen Stämme per Schiff nach Kaapstad gebracht werden und der Hafen dafür würde in Houtbaatjen, der Holzbucht, entstehen.

Gesagt, getan: Hafen und Schiffe wurden gebaut und die Waldgebiete in Parzellen aufgeteilt, um sie jenen Vryburgers (freie Bürger = Buren) zu vermachen, die den Lohn für ihre Loyalität zu Van Riebeeck und der neuen holländischen Kolonie fernab des boomenden Kapstaad leben wollten. So entstand Hout, als erster Vorort von Kapstadt, aber weit ab von dieser damals schon schnelllebigen und kosmopolitischen Hafenstadt, mit der man zwar handelte, doch leben wollte man unter sich, in einer übersichtlichen elitären, aber bodenständigen Gesellschaft.

Hout Bay heute

hout-bay-buchtDie Bucht von Hout Bay am AbendWie noch heute, wo man in Hout Bay zwar aus dem Dornröschenschlaf der letzten zwei Jahrhunderte erwacht ist, deshalb aber nicht daran denkt, sich dem Tempo der Neuzeit anpassen zu wollen oder sich einen abgefahrenen High Snobiety Stil diktieren zu lassen, eventuell wie der Nachbarort Llandudno, how shocking!

Stattdessen bekennt man sich treu zu den Wurzeln, hat den Hafen bunt angemalt und weiß mit dem äußerlich zwar ziemlich schrabbeligen “Fish on the Rocks” die legendärste Fischbude des südlichen Afrika direkt vor der Haustür – nirgendwo gibt´s den Fisch frischer auf die Hand als hier und nirgendwo sind die fish & chips englischer!

Zurück im alten Kern des Ortes ist eine kleine Meile mit exklusiven Africana-Läden entstanden, und ist im Übrigen mit zwei bis drei Shoppingzentren so gut bedient, dass man sich nur selten in Richtung Cape Town bewegen muss. Was zwar nach heutigen Maßstäben lediglich eine Entfernung von 20 Autominuten wäre – doch kommen die Capetonians ja ohnehin lieber nach Hout Bay.

Es ist eben so, dass man sich vornehmlich aus sinnlichen Gründen  “á la Hout Bay” begibt, denn der Aspekt des “Gesehen werdens” gehört schließlich auch in dieses Repertoire. Kenner der Szene wissen, dass jetzt vom Restaurant und Bar Kitima und vom Hotel Hout Bay Manor die Rede ist. Richtig, denn andere, wirkliche “Places to be” gibt es im Großraum Kapstadts nicht. Was auch mit Althergebrachtem zu tun hat, doch ist es eher unwahrscheinlich, dass sich die Gäste des Restaurant  Kitima an die Tradition des Hauses erinnert fühlen, das zwar äußerlich wie seit der Erbauung 1713 als Haupthaus der Farm Kronendal im kapholländischen Stil der Neuzeit trotzt, im Inneren jedoch alles andere als traditionell ist.

Das "Kitima"

Es sei denn, man schlägt den Bogen zurück in jene Zeit, als die VOC Kapstaad originär als Standort errichten ließ, um die eigenen Schiffe auf ihren Routen nach Indien, Ceylon, Indonesien oder Malaysia mit allem Nötigen versorgen zu können. Von dort zurück kommend, hätten die Händler dann das Interieur des Kitima in den Laderäumen haben können – wäre die Geschichte des einstigen Farmhauses und heutigen Thai-Restaurants so vonstatten gegangen, wie hier angedacht. Stattdessen ist es wohl so, dass der heutige Besitzer des Denkmal geschützten Gebäudes einfach mutig genug war, eine ungewöhnliche Stilmelange zu wagen und seine Sinne im Rahmen kapholländisch-trutziger Äußerlichkeit sich im Inneren in üppig asiatischer Coleur ergehen zu lassen. So dass sich aus matt glänzenden Holzfußböden Wände erheben, die von dramatischen Ornamenttapeten in gold und dunkelrot drapiert sind, abgesetzt mit Troddeln weit oben. Selbstverständlich sind die übrigen Dekorationen und Einrichtungsgegenstände nicht weniger extravagant, und wer bis hierher überlegt hat, warum man am südafrikanischen Kap asiatische Küche verkosten sollte, der hat noch nie im Kitima gegessen. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang auch zu bedenken, dass man mit einem solchen Erlebnis für die meisten anderen Asia-Restaurants dieses Globus verdorben ist. Das ist so sicher, wie es keine andere Bar als die des Kitima gibt, an der man regelmäßig gesehen werden muss – wichtigere Musts diktiert der Katalog Kapstädtischer Lebensart nicht.

strand-hout-bayDer geschützte Strand von Hout BayDoch, das Sein im Hout Bay Manor gehört auch in diese Kategorie, doch müssen wir noch schnell auf eine Geschichte aus dem Kitima eingehen. Eine Geschichte, die so wahr ist wie die Tatsache, dass Gäste schon fluchtartig das Weite gesucht haben, weil Elsa aus dem Nichts erschien. Im wahren Sinne des Wortes, ist Elsa doch der Geist jener gleichnamigen Jungfrau, die dereinst eine Hochwohlgeborene des Kronendalgeschlechts war, sich aber unglücklicherweise in einen einfachen britischen Soldaten verliebte und er sich in sie. Man kann sich das Gefühlsdesaster lebhaft vorstellen, wenn man erfährt, dass Mademoiselle Elsa ihre große Liebe nie treffen durfte, obwohl sich der junge Mann regelmäßig unter den Eichen gegenüber des Hauses einfand und versteht, dass Elsa letztendlich keinen anderen Ausweg als den des Selbstmords sah. Den verübte sie dann eines dunklen Nachts, indem sie sich in einer der Eichen erhängte. Dort, wo sie ihre unerreichbare Liebe immer nur hatte sehen können.

Welch ein Drama, welch eine Tragik! Wen vermag Elsas Unruhe angesichts dieser Strapazen verwundern? Zumal man ihr seit Neuestem den Tisch an der vorderen Hauswand des Restaurants weg genommen hat – vermutlich, um die Thai-Statuen besser zur Geltung zu bringen – doch hatte sie all die Jahre als Geist dort zum Speisen Platz nehmen können, und nun? Kürzlich erst wurde Elsa wieder im Kitima gesehen. Nein, nein, das war keine Ausrede der Gäste, die schnell und ohne zu Bezahlen das Lokal verlassen hatten!

Hotel Hout Bay Manor

Mit derartig mystischen Verhältnissen hat man sich im Hotel Hout Bay Manor nicht zu umgeben, dafür ist die Eleganz des historischen Gebäudes umso erlesener. Unverkennbar der kapholländische Baustil, geprägt von seinem Erbauer Jacob Trautmann um 1871 mit 60 Zentimeter dicken Wänden, im Schutz Jahrhunderte alter Eichen, doch im Inneren eindeutig afrikanisch. Da waren Visionen und Raum genügend für die kräftigen, erdigen Farben Afrikas, für die aufwändige Kunst der Zulu und für die vollendeten Definitionen südafrikanisch-europäischer Gastfreundschaft. Was eine auserlesene Kombination ist, wie man im Hout Bay Manor erlebt, denn jener Raum der Visionen wurde mit Hingabe und bis ins Detail genutzt.

Es ist noch nicht lange her, dass das “HBM” wieder zu seiner heutigen, traditionellen Klasse “renaturiert” wurde, denn viele Jahre lang haftete dem Hotel der Ruf eines etwas merkwürdigen, etwas schwummerigen, dunklen und überhaupt nicht eindeutigen Etablissements an. Zwar muss es in dieser Epoche an der Bar sehr lebhaft zugegangen sein, doch war dies ein Ruf, der so gar nicht zum Stil des altehrwürdigen Hauses passte und so auch der neuen Besitzerin nicht zusagte.

Heute ist das Hout Bay Manor ganz selbstverständlich der Rahmen für Zusammenkünfte und Pressekonferenzen, wenn sie für Berühmtheiten wie Veronika Ferres und Mario Adorf initiiert sind und das hoteleigene Pure – ganz früher die Remise des Anwesens und dann lange nichts – ist heute ein Restaurant edler Klasse. So ungewöhnlich ausgestattet, dass sich darüber schon Meinungsverschiedenheiten gebildet haben. Die allerdings unisono verstummen, wenn die Küche unter dem deutschstämmigen Chef de Cuisine zum Einsatz kommt und damit die Sinne auf´s Köstlichste in Beschlag genommen sind.

“Hout Bay-like”

nennt man solcherart Ausprägungen anderswo und ist unwillkürlich ein wenig neidisch ob des so selbstverständlichen, exquisiten Stils dieses unverändert bezaubernden Fischerorts an der südafrikanischen Tafelbucht. Mit Blick auf den Leuchtturm von Kommetje, den Atlantischen Ozean vor der Nase, das “schönste Ende der Welt” nicht weit entfernt, wie auch das Erleben des Chapman´s Peak Drives. Einer der fünf “most beautiful scenery drives” der Welt. Betrachtet man diese Szenerie als Ganzes, ist Schwärmerei wieder nicht weit und doch wird man der großartigen Eindrücke einfach nicht müde.

Vielen Dank für den Bericht an Ulla Schmitz.

Hout Bay auf der Kap Halbinsel in Südafrika