sa flag 80x80Eben noch bestand das Dasein aus einförmigem Alltag, da öffnet sich, nur einen nächtlichen Flug von zu Hause entfernt, die Tür zu einer Welt voller Exotik und Faszination. Eben noch reflektierten allzu bekannte Szenerien nichts als Tristesse und Unruhe, da taucht man ein in einen Kosmos ausdrucksvoller Lebensart. Willkommen in Südafrika! Willkommen in Cape Town – es gibt kein schöneres „Ende der Welt“.

Eggman in KapstadtEs ist einer dieser Tage, der die Leidenschaft der Capetonians für ihre „Mother City“ eindrücklich bestätigt.  Hoch aufragend scheint die grandiose Kulisse des Tafelbergs über die quirligen Szenen zu ihren Füßen zu wachen. Da liegt sie, die schönste Stadt der Welt.  Ausgebreitet wie eine bunte Patchworkdecke über die hügeligen Ausläufer des Bergmassivs bis zur Peripherie des Atlantischen Ozeans.

Die Luft knistert vor Frische, sie ist durchsichtig und licht wie am Kap der Guten Hoffnung so oft und prickelt wie Millionen Blubberbläschen auf der Haut. „Champagnerwetter“ nennen die Kapstädter dieses Gefühl, das ihnen vor allem eines bedeutet: Lebensqualität! Dieser Begriff füllt sich seit dem Ende der Apartheid vor nunmehr fast 20 Jahren mit ausdrucksvollen Inhalten.

Hatten bis dato noch Rassentrennung, Hass, Gewalt und die Verherrlichung altvorderer Konventionen das Land am südafrikanischen Kap in eine gesellschaftliche, politische und ökonomische Isolation geführt, so sicherten Liberalität, Versöhnung, Lebenslust und das eindeutige Bekenntnis zum „neuen Südafrika“ sich mit dem Ende der Repressionen zu Beginn der 1990-er ihre künftige Existenzberechtigung. Seither scheint unbändige Lebenslust das Sein am Kap zu bestimmen, was in diesem einzigartigen Ambiente aus grandiosen Landschaften, pittoresken Architekturen und den Lebensarten afrikanischer, europäischer und asiatischer Kulturen nicht verwundert.

Die Geschichte von Kapstadt

Seit 1651 schreibt man die Geschichte des heutigen Südafrika, die ihren offiziellen Anfang mit der Besiedlung der Kapregion durch die Gesandtschaft des holländischen Kaufmanns Jan van Riebeeck nahm. Er und seine Mitreisenden waren im Auftrag der Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) unterwegs um im Gebiet der Tafelbergbucht eine Versorgungsstation einzurichten. 1487 bereits, als der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias sein Segelschiff erfolgreich um das afrikanische Kap navigierte, wurde das „Kap der Stürme“ in die Seekarten der Entdecker eingetragen und lag zehn Jahre später schon auf der Handelsroute des Vasco da Gama in Richtung Indien.

Da lag es nahe, den Seeleuten einen Nachschub mit frischen Lebensmitteln zu gewährleisten und eben dieser Order kamen van Riebeeck und die 115 mitgereisten Vryburgers (freie Bürger = Buren) nach, indem sie zu allererst Gärten und Obstplantagen anlegten.

Die Company´s Gardens im heutigen Herzen der Stadt. The Gardens, ein Teil dieser alten Anlagen ist heute ein Hort für Ruhesuchende. Da lässt es sich bequem im Schatten mächtiger Eichen sitzen und den Eichhörnchen zuzuschauen. Das South African Museum liegt nur wenige Schritte entfernt. In diesem ältesten Museum des Landes sind auf vier Etagen nicht nur Walskelette ausgestellt oder einige der Landschaftsformen Südafrikas täuschend echt nachgebildet, auch die fast hundert Jahre alten Modelle lebensgroßer Khoisan (Bushmen) sind selbst für erklärte Nicht-Museumsgänger Grund genug, sich hier umzuschauen.

Ohnehin ist die Museumsdichte – auch für Muffel! in Kapstadt so groß, dass man seinen gesamten Urlaub in ihnen verbringen könnte und die Art ihrer Darstellungen so interessant und aufschlussreich, dass man am Ende dieser Exkurse die Ferien in vollem Umfang genossen hätte, doch hat die „schönste Stadt der Welt“ noch viel mehr für die Sinne zu bieten. So viel mehr, dass ihr Aufzählen mehrerer Fortsetzungen bedürfe, beziehungsweise eines Selbsterlebens.

High Tea im Mount Nelson

high tea mount nelsonHigh Tea" im Mount Nelson Hotel, gerne auch "Nelly" oder the "Pink Lady" genanntUnd genau das muss einen dann auch ins Mount Nelson führen, zum high tea auf jeden Fall! „The Nelly“ wie die Kapstädter ihr berühmtes Hotel nennen, liegt lediglich einen Steinwurf von The Gardens entfernt, übersehen kann man die nunmehr fast 110 Jahre alte Edelherberge in ihrem rosafarbenen Außenanstrich ohnehin nicht.

Bereits im 16. Jahrhundert erbaut, könnten die Wände des prächtigen Gebäudes ganze Bände mit Klatsch und Tratsch füllen – und die Geschichte entwickelt sich weiter! 

Mit jedem Besucher, der den legendären afternoon tea besucht – mit klassisch-britischen Gurkensandwiches, mit englischen Kuchen, Lachsschnittchen und Piano-Musiklife, das darf man sich nicht entgehen lassen!

Kloof- und Long Street und die Innenstadt

travellers inn long streetDie "Travellers Inn Lodge" in der Long Street von KapstadtWie auch den anschließenden Spaziergang über die Kloof- und die Long Street hinunter, Richtung Innenstadt. Vor mehr als 300 Jahren schon bestand die Long Street (lange auch als Straßenstrich), wie die wunderschön restaurierten Häuser im viktorianischen Stil bezeugen. Ihre spitzwinkligen Erker, die breiten Balkone und Terrassen, eingerahmt von Säulen und kunstvoll geschmiedeten eisernen Geländern sind an architektonischer Anmut selbst in Kapstadt nicht zu überbieten und die Ambience, die sich hinter den alten Mauern darstellt, zieht für Antiquitätenliebhaber, Antiquariatsjäger, Trödelfans und Freunden von Ethno-Kunst alle Register der Begeisterung.

Wer hier nicht fündig wird in Sachen außergewöhnlicher Erinnerungsstücke hat jedoch noch eine Chance und die breitet sich am Ende der „Long“ in Gestalt des Green Market Square aus.  Diesen Platz, dessen Front von einer Reihe Art-Deco Häuser betont wird, muss man erlebt haben! Man muss durch die Auslagen der africana-Händler stöbern und die Atmosphäre aus Feilschen, Kleinkunst und abenteuerlich anmutenden dealern auf sich wirken lassen. Ohnehin ist danach Zeit genug diese spannenden Erfahrungen Revue passieren zu lassen, bei einem Ritual, das so typisch ist, wie die Relikte der abwechslungsreichen Historie Kapstadts.

"Sundowner" zum Sonnenuntergang

sunset-sundownerSonnenuntergang über Kapstadt und dem TafelbergIn der die englischen Einflüsse eben jenen Brauch des sundowners etablierten, den Drink zum Sonnenuntergang. Womit sofort ein weiteres Muss ansteht, schließlich gibt es kaum einen angenehmeren Platz, die „blaue Stunde“ zu genießen als die Terrasse des Harveys at the Mansions an der Beach Road in Sea Point. Hier hat das Winchester Mansions Hotel schon längst seine Reputation als charmanter place to be etabliert, als Ort also, wo man sein sollte.

Diesem Ruf folgen zum sundowner auch die Capetonians. Es sind jene, die sich in der ruhigen, ungestörten Atmosphäre eine Auszeit von den Umtrieben des Alltages genehmigen, die sich auch als Frau allein wohl fühlen möchten, die den ungewöhnlich aufmerksamen Service auch in dem erstklassigen Restaurant schätzen.

Die Weine vom Kap

kap-weinRiesige Auswahl von Kap-Weinen an der Waterfront in KapstadtBei all dem aber ist es ebenso wichtig, gesehen zu werden und zu schauen wer mit wem unterwegs ist. Das lässt sich ausnehmend gut bei einer erquicklichen Anzahl feiner Weine ausleben und wie man diese Facette südafrikanischen lifestyles zur wunderbaren Gewohnheit stilisiert, ist das Geheimnis der Winelands.

Es war Jan van Riebeecks Idee, in den Hängen der Kapberge Weinreben zu pflanzen, doch gelang es erst seinem Nachfolger Gouverneur Simon van der Stel diese Anfänge zu kultivieren.

Dies geschah zunächst in Constantia, dort, wo dichte Wälder und malerisch angelegte Weinfelder die Landschaften prägen und wo man schon dereinst den berühmten Muscadet kelterte. Von diesem Wein wird berichtet, dass er in ganzen Schiffsladungen nach Elba geliefert wurde, um dem dort zwangsweise lebenden Napoléon sein Exil erträglich zu gestalten. Derartige Anekdoten bereichern die Annalen aller Weinrouten Südafrikas und sie zeugen von der Beliebtheit der Kapweine auch in Europa seit Jahrhunderten schon.

Vielen Dank für den Bericht an Ulla Schmitz.