sa flag 80x80 Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, denn nachfolgend erzählen wir die älteste überlieferte Legende der südafrikanischen Urbevölkerung, den KhoiSan. Bis heute sind sie in unserem Sprachgebrauch als „Buschmänner“  bekannt, als Ableitung von dem Begriff Bosjeman, Buschmann im Sinne von Streuner. Die Buren verpassten den klein gewachsenen Menschen mit ihren faltigen Gesichtern diese Bezeichnung und in ihrer menschenverachtenden Art hatten sie die Bosjeman sogar zur Jagd frei gegeben. Doch das ist ein andere Geschichte, viel trauriger auch als jene, die wir hier erzählen.

Kaggen, der Gott der KhoiSan

kap-der-guten-hoffnungHier und jetzt geht es nämlich um die Entstehung ihres Landes, Zuid Afrika. Und es geht um den Gott der KhoiSan, Kaggen, der, so berichtet die Sage, am sechsten Tag seiner Erschaffungstour über den Globus müde und ohne Frage auch entnervt war von den dauernden Anforderungen an seine Kreativität.

Die war nämlich auch über den künstlerischen Aspekt hinaus reichlich mühselig und das lag daran, wie die KhoiSan erzählen, dass es in jenen alten Zeiten noch keine Ndege gab, diese eisernen Vögel, die wie heute riesige Lasten mühelos durch die Luft transportieren konnten.

Also hatte Gott Kaggen ein Problem, denn die Berge, Wüsten, Wälder, Seen, Meere, Weiden, Wiesen, Felsen, Flüsse und was nicht sonst noch alles, mussten ja vor ihrer endgültigen Platzierung auf der Weltkugel irgendwo zwischengelagert werden, nachdem der Schöpfer sie zuvor in seinem Atelier in den Wolken in tagelanger Kleinarbeit modelliert, beklebt, zusammengesetzt, angemalt und präpariert hatte. Aber wohin damit? Von der runden Erde wäre doch alles abgerutscht! Gott Kaggen beschloss, die vielen Einzelteile in Kisten, Kästen und Wasserschläuchen zu sortieren und die wiederum in seinem Atelier zu lassen – hoch oben im Himmel, von der Erde aus lediglich mit mindestens 100 Riesenschritten zu erreichen!

Da kann man sich leicht ausrechnen, wie viele Riesenschritte Kaggen schon seit Beginn seines Welterschaffungsprojekts getan hatte – kein Wunder also, dass er irgendwie erschöpft war. Außerdem war er überhaupt nicht angetan von der Aussicht, dass er nach all den Mühsalen der Landschaftsgestaltung auch noch Lebewesen erschaffen musste, die in diesem herrlichen Paradies Erde fröhlich und friedlich miteinander leben sollten.

felsen-am-kap„Dabei war das alles allein meine Idee!“ Kaggen schüttelte den Kopf und fühlte seine krausen Haare nach allen Seiten abstehen. „Verdammt!“ – Der Gott der KhoiSan und ihrer Verwandten, den San, war noch nie sanftmütig gewesen… Erst Recht nicht in diesem Moment, als er an seinem Himmelsfenster stand, auf die Erde blickte und bei ehrlicher Betrachtung feststellen musste, dass sie zwar gut gelungen, aber noch nicht so richtig fertig war. „Verdammt noch mal!“ Er stieß mit einem gezielten Fußtritt an eine seiner Landschaftsgestaltungskisten, in der Felsen und riesige Steinblöcke aufgeschichtet waren. Von dem plötzlichen Ruck kam das Sortiment ins Wanken, ruckelte nach rechts und brachte so die ganze Kiste ins Kippen. Die fiel auf die Seite und alle Felsen und Steinblöcke rutschten heraus – direkt über den Wolkenrand und hinunter auf die Welt.

Goot Kaggen guckte dem Malheur hinterher und sah, dass die Felsen in jenem Meer landeten, das er einen Tag später den „Atlantik“ nennen würde. Mitten im Wasser zwar, doch nicht weit von der Stelle entfernt, an die er irgendwann, im Laufe der nächsten Zeit, den Kontinent Afrika schieben würde. Okay, dachte er, nicht schlecht, dann bleibt das jetzt so, zumal ich mit diesem Afrika noch nicht ganz fertig war. Sinnierte es und überlegte, wie er diesen letzten Kontinent auf seiner sowieso nicht langen Liste derer zum guten Schluss noch ausstaffieren könnte.

Doch hatte er wirklich keine Lust mehr, also zappelte er auf seinem Thron hin und her, stand auf, lief auf und ab und stolperte schon wieder über die Landschaftskisten. „Verdammt!“ Jetzt war´s aber genug: Mit zuerst nur einem ordentlichenTritt flogen noch mehr Berge über den Wolkenrand, dann die Wüsten, die Wälder, die Wiesen und Weiden hinterher und noch eine Ladung Felsen und die letzte dann auch und „ach was, dann soll das Wasser auch sehen wo es bleibt!“ Sprach´s in göttlichem Zorn und schmiss die Süßwasserschläuche hinterher. Die platzten natürlich beim Aufschlagen auf der Erde auf und während das Wasser sich über die Ebenen in langen Rinnsalen, später Flüsse genannt, ausdehnte, blieb es andernorts als See oder als eine ganze Landschaft von Seen stehen, das also, was man Seenplatte nennt und wofür der östliche Teil der Garden Route geradezu berühmt ist.

So also entstand Südafrika. Als Mix aus allen Landschaften dieser Welt und darum so großartig. Das befand Gott Kaggen auch, nachdem er hier noch ein wenig modelliert, dort noch ein paar Zuflüsse zum Meer gegraben und am Fuß des Tafelberggebirges einen Platz vorgemerkt hatte, um später just an dieser Stelle die schönste Stadt der Welt bauen zu lassen.

„Man wird sie Kaap Stad nennen, die Stadt am Kap, denn das was da ins Meer ragt, ist ein wunderbares, ein wildes, ein einmaliges Kap, einfach das schönste Ende der Welt!“

Angesichts solcher Euphorie gehen die KhoiSan und ihre Verwandten, die San, davon aus, dass Gott Kaggen ohne Frage von seiner Welt gestalterischen Kreativität überzeugt war – was ihm auch zusteht, sagen sie, denn das, was ihm mit ihrem Land gelungen ist, überflügelt alle anderen Landschaften der Welt!

Wissenswertes zum Kap der Guten Hoffnung

entfernungen kap der guten hoffnung 510- Lange bevor die ersten Seefahrer kamen und dem ständig Sturm umtosten Kap den Namen „Kap der Stürme“ gaben, lebten die KhoiSan und ihre Verwandten, die San auf der Kaphalbinsel. Sie KhoiSan gelten als das älteste Volk des südlichen Afrika, man schätzt den Bestand ihrer Kultur auf 40.000 Jahre.

- Im Jahr 1939 wurde das nahezu 8.000 ha große Gebiet am Kap zu einem Nature Reserve erklärt, heute untersteht die Verwaltung der Nationalparkbehörde und große Teile der gesamten Kaphalbinsel stehen unter Naturschutz. Der Nationalpark ist berühmt auch als eines der nur fünf „Floral Kingdoms“ weltweit und das seines dichten und vielfältigen Fynbos-Vorkommen wegen.

- Der Begriff „Fynbos“ leitet sich von dem holländischen „feiner Busch“ ab, und wenn ursprünglich damit gemeint war, dass man die strauchigen Hartlaubgewächse nicht zum Bauen beispielsweise verwenden kann, so ist die besondere Vegetationsart heute zum Inbegriff der Kapflora geworden. Besonders  sind die Proteen bekannt, die „Königsblumen“, die auch als Nationalblume Südafrika Furore machen. Aber auch Heidekrautgewächse wie Erika gehören zur Familie des Fynbos ebenso wie Geophyten – jawohl, Zwiebelpflanzen, mit allein 96 Gladiolienarten! Übrigens gehört auch der Rotbusch in diese Kategorie – dass von ihm der Rooibostee gewonnen wird, wussten Sie natürlich!

- So einladend sich die Strände entlang der Kaphalbinsel darstellen, die Badebedingungen an ihnen sind unterschiedlich. Ausschlaggebend für diese Vielfalt ist einzige und alleinige Macht des Kaps, der Wind. Da er sich gerade zwischen November und Februar besonders heftig aus Südost kommend aufführt, spricht man im Allgemeinen generell von den Stürmen am Kap – was Ihnen einleuchten wird, wenn Sie am Kap angekommen, aus dem Auto steigen. Nur gut, dass die heutige Haarmode sich nicht mehr auf Dauerwellen kapriziert, denn die Böen peitschen das Meer derart auf, dass die Luft aus nichts als aus purer Gischt besteht – das verblüfft, erfrischt und benässt ein wenig... Doch das nur am Rande, denn die unterschiedlichen Badebedingungen richten sich hier, an der südwestlichsten Ecke Afrikas nach dem Zusammentreffen des kalten Benguela- und des von Osten heran fließenden, warmen Agulhas-Stroms aus – das Wasser des einen Stroms nur 8° Grad kalt, das des anderen 20° Grad warm, das erklärt doch alles!

Vielen Dank für den Bericht an Ulla Schmitz.